09/08/2024
Die Kanarischen Inseln, ein beliebtes Reiseziel für Sonnenhungrige und Naturliebhaber, locken jährlich Millionen von Touristen an. Doch neben malerischen Stränden und beeindruckenden Vulkanlandschaften bergen die Inseln auch einige unerwartete Gefahren. Viele Besucher sind sich dessen nicht bewusst und erleben unbeschwerte Urlaubstage, aber es ist ratsam, die potenziellen Risiken zu kennen, um den Aufenthalt sicher und unbeschwert genießen zu können. Dieser Artikel beleuchtet einige der weniger bekannten, aber dennoch relevanten Gefahren auf den Kanarischen Inseln, die sowohl für Naturliebhaber als auch für Badegäste von Bedeutung sein können.

Unerwartete Begegnungen im Meer: Giftige Kugelfische auf dem Vormarsch
Wer auf den Kanaren ins kühle Nass springt, erwartet vielleicht farbenprächtige Fische und eine vielfältige Unterwasserwelt. Doch in den letzten Jahren hat sich eine unerfreuliche Entwicklung abgezeichnet: Die Population giftiger Kugelfische hat in den Gewässern rund um die Inseln zugenommen. Insbesondere vor den Küsten von Teneriffa und La Palma wurden vermehrt Sichtungen gemeldet.
Der besorgniserregende Anstieg betrifft vor allem den Lagocephalus lagocephalus, einen hochgiftigen Kugel- oder Ballonfisch, der bisher eher selten in dieser Region anzutreffen war. Fischer und Angler berichten vermehrt von Begegnungen mit diesen Fischen, und es gibt sogar Berichte über aggressive Exemplare, die mit ihrem kräftigen Gebiss Kameras und Boote attackieren. Wissenschaftler des Instituts für Ozeanographie (IEO) warnen eindringlich vor dieser Entwicklung.
Die Gefahr des Tetrodotoxins: Ein tödliches Nervengift
Die eigentliche Gefahr des Kugelfisches liegt in seinem Gift, dem Tetrodotoxin. Dieses marine Gift ist extrem potent und gehört zu den stärksten nicht-proteinartigen, natürlich vorkommenden Giftstoffen. Es ist um ein Vielfaches tödlicher als beispielsweise Zyanid oder das Gift der Schwarzen Witwe. Das Gift befindet sich vor allem in den inneren Organen, der Haut, der Leber und den Eierstöcken des Fisches, aber auch das Muskelfleisch kann toxisch sein.

Eine Vergiftung durch Tetrodotoxin tritt ausschließlich durch den Verzehr des Fischfleisches auf. Bereits geringe Mengen können zu schweren Symptomen führen. Das Nervengift lähmt bei vollem Bewusstsein die Muskulatur, einschließlich der Atemmuskulatur. Der Tod kann innerhalb von 17 bis 60 Minuten nach dem Verzehr eintreten. Bisher gibt es kein bekanntes Gegengift. Ohne sofortige künstliche Beatmung und begleitende medizinische Maßnahmen ist eine Rettung des Patienten nahezu ausgeschlossen.
Obwohl bisher keine Vergiftungsfälle durch Kugelfische auf den Kanaren bekannt sind, ist Vorsicht geboten. Besonders Hobbyangler, die unbekannte Fischarten fangen und zubereiten möchten, sollten sensibilisiert sein. Im Mittelmeerraum hat es bereits Todesfälle durch den Verzehr von Kugelfischen gegeben. Eine alte Weisheit, die auch in der Bibel zu finden ist, rät davon ab, Fische ohne Flossen und Schuppen zu essen – ein Hinweis auf die potenziellen Gefahren unbekannter Meeresbewohner.
Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen
Für Badegäste und Touristen besteht jedoch kaum Gefahr, von einem Kugelfisch gebissen oder angegriffen zu werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung im flachen Küstengewässer ist gering. Kugelfische leben normalerweise in tieferen Wasserschichten. Das Risiko besteht hauptsächlich für Angler, die einen Kugelfisch versehentlich fangen könnten. Sollten Sie einen Kugelfisch fangen, berühren Sie ihn nicht und werfen Sie ihn vorsichtig zurück ins Meer.
Wichtige Verhaltensregeln im Umgang mit Kugelfischen:
- Nicht anfassen: Berühren Sie Kugelfische nicht, auch wenn sie tot erscheinen.
- Nicht essen: Verzehren Sie unter keinen Umständen Kugelfische, es sei denn, sie wurden von speziell ausgebildeten Köchen zubereitet (wie in Japan, wo Fugu eine Delikatesse ist).
- Sichtungen melden: Melden Sie Sichtungen von Kugelfischen den lokalen Behörden oder dem Institut für Ozeanographie (IEO).
Die Kanarische Wolfsmilch: Schöne Pflanze, versteckte Gefahr
Neben den Gefahren im Meer lauern auch an Land unerwartete Risiken. Die Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia canariensis), eine kandelaberartige Pflanze, die vor allem im Süden und in mittleren Höhenlagen Teneriffas häufig anzutreffen ist, mag zwar optisch ansprechend sein, birgt aber Gefahrenpotenzial.

Die Wolfsmilchgewächse sind bekannt für ihren ätzenden Milchsaft, der bei Hautkontakt Reizungen, Entzündungen und sogar Verätzungen verursachen kann. Die Kanarische Wolfsmilch ist da keine Ausnahme. Zusätzlich besitzt die Pflanze Dornen an ihren Trieben, die ebenfalls zu Verletzungen führen können.
Risiken und Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Wolfsmilchgewächsen
Besonders bei Wanderungen und Spaziergängen in der kanarischen Natur ist Vorsicht geboten. Kinder sollten besonders beaufsichtigt werden, da sie die Pflanzen möglicherweise neugierig anfassen.
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Kanarischer Wolfsmilch:
- Nicht berühren: Vermeiden Sie direkten Hautkontakt mit der Pflanze und ihrem Milchsaft.
- Handschuhe tragen: Wenn Sie in Gebieten mit Wolfsmilchgewächsen wandern oder gärtnern, tragen Sie Handschuhe.
- Augenschutz: Achten Sie darauf, dass der Milchsaft nicht in die Augen gelangt.
- Bei Kontakt: Sollte es zu Hautkontakt kommen, waschen Sie die betroffene Stelle sofort gründlich mit Wasser und Seife ab. Bei Augenkontakt sofort mit reichlich Wasser spülen und einen Arzt aufsuchen.
Fazit: Informiert und vorsichtig die Schönheit der Kanaren genießen
Die Kanarischen Inseln sind und bleiben ein wunderschönes Urlaubsparadies. Mit ein wenig Vorsicht und dem Wissen um die potenziellen Gefahren können Sie Ihren Aufenthalt unbeschwert genießen. Die giftigen Kugelfische stellen zwar ein wachsendes Problem dar, aber die Gefahr für Badegäste ist gering. Die Kanarische Wolfsmilch erfordert im Umgang etwas Vorsicht, ist aber bei Beachtung einfacher Regeln ebenfalls keine unüberwindbare Bedrohung. Informieren Sie sich vor Ihrer Reise über die lokalen Gegebenheiten und Verhaltensregeln, und genießen Sie die einzigartige Natur und Schönheit der Kanarischen Inseln in vollen Zügen – aber eben mit einem wachsamen Auge und dem nötigen Respekt vor den verborgenen Gefahren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Sind die Kanarischen Inseln gefährlich?
- Die Kanarischen Inseln sind im Allgemeinen ein sehr sicheres Reiseziel. Es gibt jedoch, wie überall, potenzielle Gefahren, über die man sich informieren sollte. Dazu gehören giftige Tiere und Pflanzen, aber auch allgemeine Risiken wie Taschendiebstahl in touristischen Gebieten.
- Welche giftigen Fische gibt es auf den Kanarischen Inseln?
- Die Hauptgefahr geht derzeit von Kugelfischen aus, insbesondere vom Lagocephalus lagocephalus. Es gibt aber auch andere giftige Meeresbewohner, wie beispielsweise Petermännchen, deren Stiche schmerzhaft sein können.
- Ist die Kanarische Wolfsmilch giftig?
- Ja, die Kanarische Wolfsmilch ist giftig. Ihr Milchsaft ist ätzend und kann Hautreizungen und Verätzungen verursachen. Auch die Dornen können Verletzungen hervorrufen.
- Wie erkenne ich einen Kugelfisch?
- Kugelfische haben einen charakteristischen, kugelartigen Körper und einen papageienartigen Schnabel. Im Erregungszustand blähen sie sich zu einer Kugel auf. Der Lagocephalus lagocephalus hat eine silbrige Farbe und einen länglichen Körper.
- Was soll ich tun, wenn ich mit einem Kugelfisch in Kontakt komme?
- Wenn Sie einen Kugelfisch fangen oder berühren, vermeiden Sie direkten Hautkontakt und werfen Sie den Fisch vorsichtig zurück ins Meer. Sollten Sie versehentlich Fischfleisch gegessen haben und Symptome einer Vergiftung verspüren (Lähmungserscheinungen, Atemnot), suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf.
- Was soll ich tun, wenn ich mit Kanarischer Wolfsmilch in Kontakt komme?
- Waschen Sie die betroffene Hautstelle sofort gründlich mit Wasser und Seife ab. Bei Augenkontakt sofort mit reichlich Wasser spülen und einen Arzt aufsuchen.
