Was für eine Farbe hat ein Reh?

Das Reh: Merkmale, Lebensraum und Verhalten

09/10/2024

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Das Reh (Capreolus capreolus) ist ein faszinierendes Wildtier, das in weiten Teilen Europas heimisch ist und auch in Deutschland flächendeckend vorkommt. Ob bei einem Spaziergang durch den Wald oder bei einer Autofahrt über Land – die Chance, einem Reh zu begegnen, ist relativ hoch. Als kleinste Hirschart Deutschlands hat es sich an unterschiedlichste Lebensräume angepasst und beeindruckt durch seine Anpassungsfähigkeit und sein Verhalten. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte rund um das Reh, von seinem Aussehen und Lebensraum bis hin zu seinem Verhalten und seiner Rolle in der Natur.

Ist das Reh eine Hirschchart?
Das Reh ist nicht nur unsere häufigste Schalenwildart in Bayern, es ist auch die kleinste einheimische Hirschart. Aus der flächendeckenden Verbreitung und dem häufigen Vorkommen könnte man schließen, Rehe seien "vegetarische Allesfresser", weil sie überall leben können.
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Reh? Merkmale und Aussehen

Rehe sind Säugetiere und gehören zur Familie der Hirsche. Sie sind die kleinste heimische Hirschart und zeichnen sich durch ihre zierliche Gestalt aus. Ausgewachsene Rehe erreichen eine Schulterhöhe von 60 bis 75 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 11 und 34 Kilogramm, wobei das Gewicht stark vom Ernährungszustand abhängt.

Fellfarbe und Jahreszeit

Ein markantes Merkmal der Rehe ist ihr Fell, dessen Farbe sich mit den Jahreszeiten ändert. Im Sommer präsentiert sich das Reh in einem rotbraunen Fellkleid, das ihm in der Vegetation eine gute Tarnung bietet. Im Winter hingegen wechselt das Fell zu einem eher braungrauen Ton, der es in der winterlichen Landschaft weniger auffällig macht. Die Kitze, also die jungen Rehe, tragen ein besonderes Fellmuster: Es ist dunkelbraun mit weißen Punkten, die ihnen in den ersten Lebensmonaten zusätzliche Tarnung im Unterholz bieten. Diese Punkte verlieren sie jedoch etwa nach drei Monaten.

Geweih der Rehböcke

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal, das nur die männlichen Rehe, die Böcke, tragen, ist das Geweih. Es ist ein knöcherner Auswuchs, der jährlich neu gebildet und abgeworfen wird. Im Gegensatz zu anderen Hirscharten ist das Geweih des Rehs relativ klein und leicht, es wiegt zwischen 100 und 500 Gramm. Das Geweih dient den Böcken vor allem zur Imponiergehabe gegenüber Rivalen und zur Verteidigung ihres Territoriums. Zwischen Januar und November tragen die Böcke ihr Geweih, bevor es gegen Ende des Jahres abgeworfen und bis zum Frühjahr wieder neu gebildet wird. Die Anzahl der Enden pro Geweihstange variiert, liegt aber in der Regel bei ein bis drei.

Sinne und Wahrnehmung

Rehe sind an das Leben im dichten Unterholz angepasst und verfügen über ausgeprägte Sinne. Ihr Gehör ist exzellent, wodurch sie sowohl Gefahren als auch Artgenossen in ihrer Umgebung gut wahrnehmen können. Auch ihre Augen, die seitlich am Kopf sitzen und schwarzbraune Iris haben, ermöglichen ein weites Sehfeld, besonders für Bewegungen. Der Geruchssinn ist ebenfalls hoch entwickelt und spielt eine wichtige Rolle bei der Kommunikation innerhalb der Art und der Wahrnehmung von Duftsignalen über Distanzen.

Wie kann man einen Rehkitz erkennen?
Schon bei den Jungtieren (den Kitzen) im ersten Lebensjahr lässt sich mit dem Haarwechsel im Herbst bei dem männlichen Tier der "Pinsel" (Penis) gut erkennen. Beim weiblichen Tier ist die "Schürze" sichtbar, ein helles Haarbüschel über dem weiblichen äußeren Geschlechtsorgan.

Unterscheidung von Rehbock und Rehgeiß

Neben dem Geweih gibt es weitere Merkmale, um Rehböcke und Rehgeißen (weibliche Rehe) zu unterscheiden. Im Winterhaar lassen sich die Geschlechter besonders gut erkennen. Bei jungen Böcken (Kitzen) ist der Pinsel (Penis) nach dem Haarwechsel im Herbst erkennbar. Bei weiblichen Tieren, den Geißkitzen, ist die Schürze, ein helles Haarbüschel über dem äußeren Geschlechtsorgan, sichtbar. Von hinten betrachtet, erscheint das weiße Hinterteil beim Bock nierenförmig, bei der Geiß aufgrund der Schürze herzförmig.

Lebensraum und Verbreitung

Rehe sind äußerst anpassungsfähig und haben sich unterschiedlichste Lebensräume erschlossen. Ursprünglich Waldbewohner, finden sie sich heute in einer Vielzahl von Habitaten, von Wäldern und Feldern bis hin zu Agrarsteppen und sogar in der Nähe von Siedlungen. Besonders wohl fühlen sie sich in strukturreichen Landschaften, die ein Mosaik aus Wäldern, Wiesen, Äckern und Hecken bilden. Diese Vielfalt bietet ihnen sowohl Deckung als auch ausreichend Nahrung.

Waldrehe und Feldrehe

Man unterscheidet zwischen Waldrehen und Feldrehen. Waldrehe bevorzugen gebüsch- und unterholzreiche Wälder. Feldrehe hingegen haben sich an das Leben in offenen, deckungsarmen Agrarlandschaften angepasst. Sie zeigen besondere Verhaltens- und Ernährungsanpassungen und leben oft in größeren sozialen Einheiten, den sogenannten Sprüngen, die bis zu 20 oder mehr Tiere umfassen können.

Verbreitungsgebiet

Das Reh ist in fast ganz Europa verbreitet, mit Ausnahme der Mittelmeerinseln, des griechischen Peloponnes und Irlands. In Deutschland ist es flächendeckend anzutreffen, außer in reinen Innenstadtbereichen. Es besiedelt nahezu alle Höhenlagen, vom Meeresspiegel bis ins Hochgebirge.

Wie hoch ist die Lebenserwartung eines Rehs?
Nach erfolgreicher Paarung werden im Mai des Folgejahres bis zu drei Rehkitze geboren. Diese werden durchschnittlich mit 1 1/2 Jahren geschlechtsreif. Rehe können ein Alter von circa 20 Jahren erreichen, in der Natur werden sie allerdings selten älter als 12 Jahre.

Verhalten der Rehe

Das Verhalten der Rehe ist geprägt von den Jahreszeiten und den jeweiligen Lebensraumgegebenheiten. Im Sommerhalbjahr zeigen Rehe ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Besonders die Rehböcke sind in dieser Zeit territorial und markieren ihre Reviere durch Plätzen (Wegkratzen des Bodens) und Fegen (Reiben des Geweihs an Ästen und Baumstämmen). Diese Markierungen dienen sowohl der optischen als auch der olfaktorischen Abgrenzung des Territoriums gegenüber Rivalen. Die Geißen haben ebenfalls Streifgebiete, verteidigen diese aber nicht so intensiv wie die Böcke.

Sozialverhalten im Herbst und Winter

Im Herbst und Winter ändert sich das Sozialverhalten der Rehe. Sie schließen sich gerne zu kleineren Gruppen, den Sprüngen, zusammen. Diese Sprünge bestehen meist aus Familienverbänden, bestehend aus Geiß mit Kitzen und Vorjahreskitzen (Schmalrehen) oder einzelnen Böcken. Mit dem Ende des Winters lösen sich die Sprünge wieder auf, und die Böcke beginnen wieder, ihre Territorien zu etablieren.

Ernährung der Rehe

Rehe sind Selektierer und bevorzugen energiereiche, leicht verdauliche Nahrung. Ihre Nahrung besteht aus Gräsern, Knospen, Trieben, Kräutern und Beeren. Die Zusammensetzung ihrer Nahrung variiert je nach Jahreszeit und Lebensraum. Im Sommer fressen sie bevorzugt junge Gräser, Triebe, Blätter und Kräuter. Im Herbst nehmen sie vermehrt Feldfrüchte wie Getreide oder Mais zu sich. Im Winter stehen Bucheckern, Pilze und Brombeere auf ihrem Speiseplan. Obwohl sie selektierende Pflanzenfresser sind, können sie sich gut an die wechselnden Nahrungsangebote in ihrem Lebensraum anpassen.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Die Paarungszeit, auch Blattzeit genannt, findet im Juli und August statt. Nach der Befruchtung kommt es zur Ei-Ruhe, bei der sich das befruchtete Ei erst ab etwa Dezember weiterentwickelt. Im Mai und Juni findet die Setzzeit statt, in der die Geißen ihre Kitze zur Welt bringen. Meist werden ein bis zwei Kitze geboren, seltener drei. Die Kitze bleiben zunächst in der Nähe der Geiß und werden gesäugt. Sie sind Nesthocker und verbringen die ersten Lebenswochen versteckt im hohen Gras oder Unterholz. Die Geißen säugen ihre Kitze mehrmals täglich und führen sie später langsam an feste Nahrung heran. Die Kitze bleiben bis zur nächsten Setzzeit bei der Geiß. Rehe werden durchschnittlich etwa drei Jahre alt, können aber in der Natur auch ein Alter von bis zu 12 Jahren erreichen, in Ausnahmefällen sogar bis zu 20 Jahre.

Welche Tiere leben in Baumkronen?
In den Baumkronen leben Großvögel Den Schutz der hohen Laubbäume nutzen verschiedene Großvögel für ihren Nestbau. Hierzu zählen Greifvögel wie Mäusebussard (Buteo buteo), Habicht (Accipiter gentilis), Wespenbussard (Pernis apivorus), Rotmilan (Milvus milvus) oder Schwarzmilan (Milvus migrans).

Rehe und der Mensch

Rehe sind Kulturfolger und haben von der vom Menschen gestalteten Landschaft profitiert. Allerdings kann eine zu hohe Rehpopulation auch zu Problemen führen, insbesondere in der Forstwirtschaft. Da Rehe bevorzugt Laubhölzer und Tanne fressen, kann ein überhöhter Rehbestand zur Entmischung natürlicher Wälder führen. Um dies zu verhindern, ist ein angepasstes Bestandsmanagement durch die Jagd notwendig.

Jagd und Bestandsregulierung

Das Reh gehört in Deutschland zu den jagdrechtlich geschützten Arten, wird aber im Rahmen des Bundesjagdgesetzes bejagt. Es gibt geschlechter- und altersspezifische Jagdzeiten, die dazu dienen, einen gesunden und angepassten Rehbestand zu gewährleisten. Zu den Jagdstrategien gehören die Intervalljagd, bei der Rehe in Aktivitätsphasen bejagt und zu anderen Zeiten geschont werden, sowie Drückjagden oder die Jagd an der Kirrung. Ziel ist es, die Bejagungsintensität und -strategie der Waldverjüngung anzupassen und einen naturnahen Waldbau zu ermöglichen.

Erkennung von Rehkitzen

Rehkitze sind besonders schutzbedürftig. Wenn man ein Rehkitz findet, sollte man es nicht anfassen oder mitnehmen, da die Geiß in der Nähe sein kann. Kitze haben ein dunkelbraunes Fell mit weißen Flecken, die ihnen eine hervorragende Tarnung im Unterholz bieten. Diese Flecken verlieren sie etwa im August. Wenn man ein vermeintlich verlassenes Kitz findet, ist es wichtig, Abstand zu halten und die Situation zu beobachten. In den meisten Fällen ist die Geiß nicht weit entfernt und kehrt später zu ihrem Kitz zurück.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

FrageAntwort
Ist das Reh eine Hirschart?Ja, das Reh gehört zur Familie der Hirsche (Cervidae) und ist die kleinste heimische Hirschart in Deutschland.
Welche Farbe hat ein Reh?Die Fellfarbe der Rehe variiert je nach Jahreszeit. Im Sommer ist das Fell rotbraun, im Winter eher braungrau. Kitze haben ein dunkelbraunes Fell mit weißen Punkten.
Wie kann man ein Rehkitz erkennen?Rehkitze erkennt man an ihrem dunkelbraunen Fell mit weißen Flecken. Diese Flecken dienen der Tarnung und verschwinden nach etwa drei Monaten.
Wie hoch ist die Lebenserwartung eines Rehs?In der Natur werden Rehe selten älter als 12 Jahre, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa drei Jahren. In Ausnahmefällen können sie bis zu 20 Jahre alt werden.
Was fressen Rehe?Rehe sind Pflanzenfresser und bevorzugen energiereiche, leicht verdauliche Nahrung wie Gräser, Knospen, Triebe, Kräuter und Beeren. Ihre Ernährung variiert saisonal.

Fazit

Das Reh ist ein faszinierendes und anpassungsfähiges Wildtier, das in unseren Landschaften eine wichtige Rolle spielt. Seine Merkmale, sein Verhalten und seine Lebensweise sind eng mit seinem Lebensraum und den Jahreszeiten verbunden. Durch ein achtsames Verhalten in der Natur und ein verständnisvolles Miteinander können wir dazu beitragen, dass sich Rehe auch weiterhin in unseren Wäldern und Feldern wohlfühlen.

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