16/10/2024
Im Frühsommer beobachten Gartenbesitzer oft seltsame, spinnennetzartige Gespinste in Bäumen und Sträuchern. Doch keine Sorge, es handelt sich in den meisten Fällen nicht um Spinnen, sondern um die Gespinstmotte und ihre Raupen. Diese unscheinbaren Falter können bei starkem Befall zu unschönen Schäden führen, doch mit dem richtigen Wissen und den passenden Maßnahmen lassen sich diese Schädlinge effektiv in Schach halten. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über Gespinstmotten, von der Erkennung eines Befalls über verschiedene Bekämpfungsmethoden bis hin zu vorbeugenden Maßnahmen für einen gesunden und widerstandsfähigen Garten.

- Was sind Gespinstmotten eigentlich?
- Welche Bäume und Sträucher werden von Gespinstmotten befallen?
- Wie erkennt man einen Befall mit Gespinstmotten?
- Sind Gespinstmotten Schädlinge und gefährlich für Bäume?
- Was kann man gegen Gespinstmotten tun? – Effektive Bekämpfungsmethoden
- Vorbeugende Maßnahmen gegen Gespinstmotten
- Häufig gestellte Fragen zu Gespinstmotten
Was sind Gespinstmotten eigentlich?
Gespinstmotten gehören zur Familie der Yponomeutidae und sind kleine, unscheinbare Falter. Ihren Namen verdanken sie den auffälligen Gespinste, die ihre Raupen zum Schutz und zur Verpuppung anfertigen. Die Falter selbst sind nachtaktiv und legen ihre Eier an Wirtspflanzen ab. Die Larven, also die Raupen, schlüpfen im Frühjahr, sobald die Blätter austreiben. Sie sind es, die für die charakteristischen Gespinste und den Fraßschaden verantwortlich sind. Die Raupen der Gespinstmotte sind meist gelb-grau gefärbt mit schwarzen Punkten und einem schwarzen Kopf. Sie leben gesellig in den Gespinsten und können ganze Bäume und Sträucher kahlfressen.
Welche Bäume und Sträucher werden von Gespinstmotten befallen?
Gespinstmotten sind nicht wählerisch und befallen eine Vielzahl von Gehölzen. Besonders häufig betroffen sind:
- Apfelbäume
- Pflaumenbäume
- Kirschbäume
- Birnbäume
- Weißdorn
- Schlehdorn
- Pfaffenhütchen
- Vogelbeere (Eberesche)
- Salweide
Obwohl der Eichenprozessionsspinner auch Gespinste bildet und seinen Namen trägt, ist er nicht mit der Gespinstmotte verwandt. Der Eichenprozessionsspinner befällt ausschließlich Eichen und stellt aufgrund seiner giftigen Raupenhaare eine Gesundheitsgefahr dar. Die Gespinste des Eichenprozessionsspinners sind meist kleiner und befinden sich vor allem am Stamm und dicken Ästen von Eichen. Im Gegensatz dazu sind die Gespinste der Gespinstmotte oft größer und umhüllen ganze Zweige oder Astpartien.
Wie erkennt man einen Befall mit Gespinstmotten?
Ein Befall mit Gespinstmotten ist in der Regel recht einfach zu erkennen. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Spinnennetzartige Gespinste: Die auffälligsten Merkmale sind die weißen, spinnennetzartigen Gespinste, die sich über Zweige und Blätter ziehen.
- Kahlfraß: Bei starkem Befall können die Raupen die Blätter der Wirtspflanzen komplett kahlfressen. Zurück bleiben nur die Blattrippen.
- Raupenansammlung: Innerhalb der Gespinste lassen sich die gelb-grauen Raupen mit schwarzen Punkten beobachten.
- Verpuppung: Nach dem Fraß verpuppen sich die Raupen in den Gespinsten. Die Puppen sind ebenfalls im Gespinst erkennbar.
Sind Gespinstmotten Schädlinge und gefährlich für Bäume?
Obwohl ein Befall mit Gespinstmotten unschön aussieht, ist er in den meisten Fällen nicht existenzbedrohend für die befallenen Bäume und Sträucher. Gesunde, vitale Gehölze erholen sich in der Regel gut von einem Kahlfraß und treiben im selben Jahr wieder aus. Kritisch wird es jedoch bei:
- Jungen Bäumen und Sträuchern: Bei Jungpflanzen kann ein starker Befall zu Wachstumsbeeinträchtigungen führen.
- Geschwächten Bäumen: Bäume, die bereits durch andere Faktoren wie Trockenheit, Krankheiten oder Schädlinge geschwächt sind, können unter einem Gespinstmottenbefall stärker leiden.
- Obstbäumen: An Obstbäumen kann ein starker Befall zu Ernteausfällen führen, da die Raupen die Blüten und jungen Früchte fressen können. Hier ist eine Bekämpfung oft ratsam.
Für den Menschen sind Gespinstmotten und ihre Raupen nicht gefährlich. Sie besitzen keine Brennhaare wie der Eichenprozessionsspinner und lösen keine allergischen Reaktionen aus.
Was kann man gegen Gespinstmotten tun? – Effektive Bekämpfungsmethoden
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Gespinstmotten zu bekämpfen. Die Wahl der Methode hängt vom Ausmaß des Befalls und der Art der befallenen Pflanze ab.

Manuelle Bekämpfung – Absammeln und Ausschneiden
Bei einem geringen Befall oder an kleineren Sträuchern ist die manuelle Bekämpfung oft ausreichend. Dabei werden die Gespinste und Raupen einfach abgesammelt oder herausgeschnitten. Gehen Sie dabei wie folgt vor:
- Handschuhe tragen: Obwohl die Raupen nicht gefährlich sind, ist es ratsam, Handschuhe zu tragen, um Hautirritationen durch die Raupenhaare zu vermeiden.
- Gespinste abschneiden: Schneiden Sie die Gespinste mit einer Gartenschere oder Astschere großzügig ab und entsorgen Sie sie im Hausmüll oder der Biotonne (nicht auf dem Kompost!).
- Raupen absammeln: Sammeln Sie die Raupen, die sich außerhalb der Gespinste befinden, ab und vernichten Sie sie.
- Abspritzen mit Wasserstrahl: Bei größeren Bäumen kann das Abspritzen der Gespinste mit einem kräftigen Wasserstrahl helfen, die Raupen zu entfernen. Fangen Sie die herunterfallenden Raupen auf und entsorgen Sie sie.
Pflanzenschutzmittel – Chemisch und Biologisch
Bei starkem Befall, insbesondere an Obstbäumen, kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinnvoll sein. Hierbei gibt es chemische und biologische Optionen:
Chemische Pflanzenschutzmittel
Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur im Notfall und mit Bedacht eingesetzt werden, da sie auch Nützlinge schädigen können. Für die Bekämpfung von Gespinstmotten sind Präparate mit dem Wirkstoff Paraffinöl erhältlich. Diese sogenannten Austriebsspritzmittel werden kurz vor dem Austrieb der Blätter eingesetzt und wirken gegen die überwinternden Eier der Gespinstmotte. Der richtige Zeitpunkt der Ausbringung ist entscheidend, um Schäden an jungen Blättern zu vermeiden und die Wirksamkeit zu maximieren.
Biologische Pflanzenschutzmittel
Eine schonendere Alternative zu chemischen Mitteln sind biologische Pflanzenschutzmittel. Besonders empfehlenswert sind Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis. Diese Bakterien sind für Menschen und Nützlinge unschädlich, wirken aber spezifisch gegen die Raupen der Gespinstmotte. Sie werden als Spritzmittel eingesetzt und müssen direkt auf die Raupen aufgebracht werden. Die Bakterien werden von den Raupen gefressen und führen zu deren Absterben.
Leimringe und Raupenleim
Leimringe oder Raupenleim können verwendet werden, um zu verhindern, dass Raupen nach einer Behandlung wieder in den Baum hochkriechen. Bringen Sie den Leimring oder den Raupenleim um den Stamm des Baumes an. Achten Sie darauf, dass der Leim nicht direkt auf die Baumrinde gelangt, sondern auf einem Untergrund wie Papier oder Folie aufgebracht wird, um den Baum nicht zu schädigen.
Vorbeugende Maßnahmen gegen Gespinstmotten
Um einem Befall mit Gespinstmotten vorzubeugen, können Sie verschiedene Maßnahmen ergreifen:
- Natürliche Feinde fördern: Fördern Sie natürliche Feinde der Gespinstmotte wie Vögel, Schlupfwespen und Raubwanzen in Ihrem Garten. Bieten Sie Vögeln Nistkästen und eine naturnahe Gartengestaltung mit Hecken und Sträuchern.
- Regelmäßige Kontrolle: Kontrollieren Sie Ihre Bäume und Sträucher regelmäßig auf Gespinste und Raupen, insbesondere im Frühjahr. Ein frühzeitiger Befall lässt sich leichter bekämpfen.
- Winterliche Maßnahmen: Im Winter können Sie die Eigelege der Gespinstmotte von den Zweigen abkratzen. Dies reduziert die Anzahl der Raupen im folgenden Frühjahr.
- Stärkung der Pflanzen: Sorgen Sie für gesunde und vitale Pflanzen durch eine ausgewogene Düngung und ausreichende Wasserversorgung. Widerstandsfähige Pflanzen sind weniger anfällig für Schädlinge.
Häufig gestellte Fragen zu Gespinstmotten
Sind Gespinstmotten jedes Jahr ein Problem?
Die Befallsstärke von Gespinstmotten kann von Jahr zu Jahr variieren. In manchen Jahren treten sie verstärkt auf, in anderen Jahren sind sie kaum bemerkbar. Das hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Wetter und dem Vorhandensein natürlicher Feinde ab.

Wie lange dauert ein Gespinstmottenbefall?
Der Lebenszyklus der Gespinstmotte dauert etwa einen Monat. Nach der Verpuppung schlüpfen die Falter, paaren sich und legen ihre Eier ab. Die Gespinste bleiben oft noch eine Weile an den Bäumen hängen, auch nachdem die Raupen verschwunden sind.
Muss man Gespinstmotten immer bekämpfen?
Nein, in den meisten Fällen ist eine Bekämpfung nicht zwingend erforderlich. Gesunde Bäume erholen sich in der Regel von einem Befall. Eine Bekämpfung ist vor allem dann sinnvoll, wenn Obstbäume stark befallen sind oder junge, geschwächte Pflanzen geschützt werden sollen.
Welche natürlichen Feinde haben Gespinstmotten?
Zu den natürlichen Feinden der Gespinstmotte gehören verschiedene Vogelarten, insbesondere Meisen, aber auch Schlupfwespen, Raubwanzen und Spinnen. Die Förderung dieser Nützlinge im Garten kann dazu beitragen, den Befall mit Gespinstmotten auf natürliche Weise zu regulieren.
Mit den richtigen Maßnahmen und etwas Geduld können Sie Gespinstmotten in Ihrem Garten effektiv kontrollieren und Ihre Pflanzen schützen. Beobachten Sie Ihre Gehölze regelmäßig und handeln Sie frühzeitig, um einen starken Befall zu verhindern und die Gesundheit Ihres Gartens zu erhalten.
