20/11/2023
In der malerischen Stadt Wasserburg am Inn und ihrer Umgebung lebt ein reizvoller Brauch fort, der sowohl Einheimische als auch Besucher erfreut: der Hungerbaum. Diese Tradition, die seit Generationen gepflegt wird, ist nicht nur ein farbenfroher Blickfang, sondern auch ein humorvoller Kommentar zum Beziehungsstatus unverheirateter Paare. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Brauch, und welche Regeln sind beim Aufstellen eines Hungerbaums zu beachten?
- Was ist ein Hungerbaum?
- Kreativität ohne Grenzen: Die Dekoration
- Der soziale Aspekt: Das Aufstellen des Hungerbaums
- Genehmigungen und Regeln: Was sagt das Baugesetz?
- Der Countdown läuft: Das Hungerbaum-Fest
- Vom Hungerbaum zum Hochzeitsbaum
- Fazit: Ein lebendiger Brauch mit Augenzwinkern
- Häufig gestellte Fragen zum Hungerbaum-Brauch
Was ist ein Hungerbaum?
Ein Hungerbaum wird traditionell für Paare aufgestellt, die seit sieben Jahren eine Beziehung führen, ohne dass ein Hochzeitstermin in Sicht ist. Er ist eine Art liebevoll-neckischer Stups in Richtung Traualtar und soll das Paar auf humorvolle Weise daran erinnern, dass es vielleicht an der Zeit wäre, den nächsten Schritt zu wagen. Der Name „Hungerbaum“ mag zunächst etwas abschreckend klingen, doch er bezieht sich nicht auf tatsächlichen Hunger, sondern eher auf das „Hungern“ nach einer Entscheidung in der Beziehung – im übertragenen Sinne das Warten auf die „Hochzeits-Suppe“.

Kreativität ohne Grenzen: Die Dekoration
Das Besondere am Hungerbaum ist seine fantasievolle und oft sehr kreative Dekoration. Hier sind der Vorstellungskraft kaum Grenzen gesetzt. An den Baum, der meist aus einem alten Stamm oder sogar einem Baum mit Ästen besteht, wird alles gehängt, was den Beziehungsstatus oder vermeintliche Eigenheiten des Paares auf humorvolle Weise widerspiegelt. Beliebte „Schmuckstücke“ sind:
- Luftmatratzen und Schlauchboote (symbolisieren vielleicht noch ausstehende gemeinsame Urlaubsplanungen)
- Alte Reifen (stehen womöglich für das „Festfahren“ in der Beziehung)
- Puppen (als Anspielung auf den Kinderwunsch)
- Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen (ironisch gemeinte Hinweise auf den gemeinsamen Hausstand)
- Werkzeuge oder Sportgeräte (je nach Hobbys des Paares)
Es ist diese bunte Mischung aus kuriosen Gegenständen, die den Hungerbaum zu einem echten Hingucker macht und oft für Schmunzeln und Gesprächsstoff sorgt. Die Dekoration ist nicht selten ein Gemeinschaftsprojekt von Freunden und Nachbarn, die sich mit viel Elan und Humor an der Gestaltung beteiligen.
Der soziale Aspekt: Das Aufstellen des Hungerbaums
Das Aufstellen eines Hungerbaums ist in Wasserburg und Umgebung mehr als nur das Errichten eines dekorierten Mastens. Es ist ein geselliges Ereignis, das oft mit einem kleinen Fest verbunden ist. Freunde, Familie und Nachbarn helfen zusammen, den Baum aufzustellen und zu schmücken. Dabei wird gelacht, geratscht und natürlich auch gefeiert. Diese gemeinschaftliche Aktion stärkt nicht nur den Zusammenhalt im Dorf oder in der Nachbarschaft, sondern macht den Hungerbaum auch zu einem lebendigen Bestandteil des sozialen Lebens.
Genehmigungen und Regeln: Was sagt das Baugesetz?
Wer nun befürchtet, beim Aufstellen eines Hungerbaums mit bürokratischen Hürden konfrontiert zu werden, kann beruhigt sein. Laut dem Stadtbauamt in Wasserburg handelt es sich um eine „verfahrensfreie Aufstellung“ nach Artikel 57 Absatz 1 Nummer 5c der Bayerischen Bauordnung. Das bedeutet, dass für das Aufstellen eines Hungerbaums keine spezielle Genehmigung eingeholt werden muss. Auch die untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Rosenheim bestätigt diese Auslegung und betont, dass es keine festgelegte Höhenbegrenzung für Hungerbäume gibt. Solange der Baum sicher steht und keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt, sind der Kreativität also auch in dieser Hinsicht keine Grenzen gesetzt.
Der Countdown läuft: Das Hungerbaum-Fest
Mit dem Aufstellen des Hungerbaums beginnt für das betroffene Paar eine Art Countdown. Jedes Jahr wird ein Hungerbaum-Fest gefeiert, bei dem Freunde und Familie zusammenkommen, um den „Fortschritt“ in Sachen Hochzeit zu begutachten und natürlich, um gemeinsam zu feiern. Bleibt das Paar weiterhin unverheiratet, wird der Hungerbaum Jahr für Jahr erneut zum Anlass für ein Fest. Diese jährlichen Feiern sind oft fröhliche Zusammenkünfte mit Musik, Essen und Trinken, bei denen die Hungerbaum-Tradition lebendig gehalten wird.
Vom Hungerbaum zum Hochzeitsbaum
Doch was passiert, wenn sich das Paar schließlich doch entscheidet zu heiraten? In diesem Fall erfüllt der Hungerbaum seinen Zweck. Für viele Familien bedeutet die bevorstehende Hochzeit, dass der Hungerbaum abgebaut wird. An seine Stelle tritt dann oft ein Hochzeitsbaum, der natürlich ebenfalls mit viel Trara und guter Laune aufgestellt wird. Der Hochzeitsbaum symbolisiert den Neubeginn und das gemeinsame Wachstum des Paares in der Ehe. Im Gegensatz zum humorvoll-neckischen Hungerbaum ist der Hochzeitsbaum eher festlich und freudig geschmückt, oft mit Bändern, Blumen und Herzen.
Fazit: Ein lebendiger Brauch mit Augenzwinkern
Der Hungerbaum-Brauch in Wasserburg und Umgebung ist ein wunderbares Beispiel für lebendiges Brauchtum, das Tradition und Humor auf charmante Weise verbindet. Er ist nicht nur ein unterhaltsamer Blickfang, sondern auch ein Ausdruck von Gemeinschaftssinn und liebevoller Neckerei. Und wer weiß, vielleicht hat so mancher Hungerbaum ja tatsächlich schon den entscheidenden Anstoß für eine Hochzeit gegeben.
Häufig gestellte Fragen zum Hungerbaum-Brauch
Für wen wird ein Hungerbaum aufgestellt?
Ein Hungerbaum wird traditionell für Paare aufgestellt, die seit sieben Jahren zusammen sind und noch nicht verheiratet sind.
Was hängt man an einen Hungerbaum?
An einen Hungerbaum hängt man alles, was auf humorvolle Weise den Beziehungsstatus oder vermeintliche Eigenheiten des Paares widerspiegelt. Die Dekorationen sind oft sehr kreativ und fantasievoll, von alten Reifen bis hin zu Haushaltsgeräten.
Braucht man eine Genehmigung, um einen Hungerbaum aufzustellen?
Nein, laut dem Stadtbauamt Wasserburg und der unteren Bauaufsichtsbehörde Rosenheim ist das Aufstellen eines Hungerbaums „verfahrensfrei“ und benötigt keine Genehmigung.
Was passiert mit dem Hungerbaum, wenn das Paar heiratet?
Wenn das Paar heiratet, wird der Hungerbaum meist abgebaut. Oft wird an seiner Stelle ein Hochzeitsbaum aufgestellt, um den neuen Lebensabschnitt zu feiern.
Gibt es Regeln für die Höhe eines Hungerbaums?
Nein, es gibt keine festgelegte Höhenbegrenzung für Hungerbäume. Wichtig ist jedoch, dass der Baum sicher steht und keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt.
