Für was steht Pro specie rara?

ProSpecieRara: Vielfalt bewahren, Zukunft gestalten

25/02/2023

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Schon lange bevor der Begriff Biodiversität in aller Munde war, erkannte eine Gruppe von Pionieren in der Schweiz die Dringlichkeit, etwas gegen das Verschwinden traditioneller Nutztierrassen und Kulturpflanzen zu unternehmen. Aus dieser Erkenntnis entstand 1982 ProSpecieRara, eine Stiftung, die sich seither unermüdlich für die Erhaltung der Agrobiodiversität einsetzt. Der Anstoss dazu war das Aussterben der Freiburgerkuh – ein alarmierendes Zeichen für den Verlust genetischer Vielfalt in der Landwirtschaft.

Was ist die PSR Schweiz?
Die ÄrztInnen für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkrieges (PSR/IPPNW Schweiz) setzen sich für die weltweite Abschaffung der Atomwaffen und den Ausstieg aus der zivilen Atomtechnologie ein.
Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge: Rettung seltener Rassen und Sorten

Unter der Führung von Hans-Peter Grünenfelder machten sich die Gründer von ProSpecieRara auf die Suche nach den letzten Exemplaren bedrohter Tierrassen wie der Stiefelgeisse, des Hinterwälder Rindes und des Appenzeller Spitzhaubenhuhns. Sie erkannten, dass nicht nur Wildtiere, sondern auch die Vielfalt unserer Nutztiere in Gefahr war. Bald erweiterte sich ihr Fokus auf den pflanzlichen Bereich, und so kamen Getreide, Gemüse, Kartoffeln und Obst hinzu. Anfangs engagierten sich einige wenige Enthusiasten, die seltene Obstsorten in ihren Gärten kultivierten oder Saatgut von seltenen Gemüsesorten vermehrten.

Aufbau von Strukturen für die Erhaltung

Um die Erhaltungsarbeit zu systematisieren, wurden Muttergärten für Obstsorten und eine Samenbank – die Samenbibliothek – für Gemüsesorten aufgebaut. Trotz fehlender finanzieller Mittel, aber mit grossem Enthusiasmus, durchkämmte das wachsende Netzwerk die ganze Schweiz, um seltene Sorten und Rassen aufzuspüren und sich um deren Erhaltung zu kümmern. 1988 wurde der erste bezahlte Mitarbeiter eingestellt und eine Koordinationsstelle in St. Gallen eröffnet. Die Anfangsjahre waren jedoch von finanziellen Sorgen geprägt, und die Stiftung musste sich ihre Bedeutung erst langsam erarbeiten.

Internationaler Durchbruch und Nationale Anerkennung

Ein Wendepunkt kam 1996 mit der Verabschiedung des Globalen Aktionsplans der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) in Leipzig. Plötzlich wurde die On-farm-Erhaltung – also die Lebenderhaltung von Rassen und Sorten auf Bauernhöfen und in Gärten, das Erhaltungssystem, das ProSpecieRara von Anfang an verfolgt hatte – von der FAO anerkannt und als gleichwertige Ergänzung zu den Genbanken (Ex-situ-Erhaltung) gewürdigt. Der Begriff «Agrobiodiversität» begann, in das öffentliche Bewusstsein zu dringen. Kurz darauf entwickelte die Schweiz den Nationalen Aktionsplan für die Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen in Ernährung und Landwirtschaft (NAP-PGREL). ProSpecieRara arbeitet seither aktiv an dessen Umsetzung mit, zusammen mit anderen Mitgliedern der SKEK (Schweizerische Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen).

Expansion und Partnerschaften

Um ihre Reichweite zu erhöhen, eröffnete ProSpecieRara 1996 eine Geschäftsstelle in Genf (Antenne romande) und 1997 eine weitere in Bellinzona (Voce del Sud, heute in San Pietro). 1999 war ein entscheidendes Jahr: Die Zusammenarbeit mit Coop, einem bis heute wichtigen Sponsor und Partner, begann. Zudem wurde es ab 1999 möglich, beim Bund Finanzierungsanträge für Förderprojekte im Bereich der Tier- und Pflanzenvielfalt einzureichen. Der Bund setzte bei der Umsetzung der Biodiversitätskonvention, die die Schweiz 1994 ratifiziert hatte, auf das Wissen und das Netzwerk von ProSpecieRara.

Vielfalt erlebbar machen: Setzlingsmärkte und Gütesiegel

ProSpecieRara wollte die Vielfalt nicht nur bewahren, sondern sie auch wieder in Gärten und Ställen lebendig werden lassen. Deshalb wurde im Jahr 2000 der erste Setzlingsmarkt auf Schloss Wildegg/AG organisiert. Heute strömen jährlich über 10'000 Menschen am ersten Maiwochenende auf der Suche nach seltenen Pflanzenraritäten auf das Schloss. Im Laufe der Jahre sind weitere ProSpecieRara-Setzlingsmärkte in Zürich, Bern, Wil/SG, Chur, Weggis/LU, Vevey/VD, Vernier/GE, San Pietro/TI und Lugano/TI entstanden. Um die «Erhaltung durch Nutzung» zu fördern, wurde 2005 das Gütesiegel geschaffen. Es betont, dass die Nutzung von Tieren und Pflanzen die Grundlage für die Entstehung der Rassen- und Sortenvielfalt ist. Das ProSpecieRara-Gütesiegel garantiert, dass ein Produkt aus seltenen Sorten oder Rassen hergestellt wurde und dass sich die Produzenten ernsthaft für deren Erhaltung engagieren. Im selben Jahr fand im Obstsortengarten Zofingen der erste Reutenmarkt statt, eine Plattform, auf der Gütesiegelbetriebe ihre Produkte präsentieren können. Dieser Markt findet bis heute jährlich im Oktober statt.

Für was steht Pro specie rara?
Das ProSpecieRara-Gütesiegel garantiert, dass ein Produkt aus seltenen Sorten bzw. Rassen hergestellt wurde und sich der*die Produzent*in seriös mit deren Erhaltung beschäftigt.

Kampf für eine vielfältige Saatgutverordnung

2007 wurde die Schweizer Saatgutverordnung zu einem wichtigen Thema. Nach einer Anfrage aus der EU kündigten die Bundesbehörden an, die Verordnung künftig strikt im Sinne des EU-Saatgutverkehrsgesetzes umzusetzen. Dies hätte viele Praktiken von ProSpecieRara, wie das Inverkehrbringen von Sorten, die nicht auf offiziellen Sortenlisten stehen, illegal gemacht. Sogar der Austausch und das Verschenken solcher Sorten wären betroffen gewesen. ProSpecieRara reagierte prompt mit der Kampagne «Vielfalt für alle». Zusammen mit Partnern wurden rund 20'000 Unterschriften gesammelt und in Verhandlungen ein Kompromiss erreicht, der den Handel mit Nischensorten weiterhin ermöglicht und den Amateurbereich, wie das Erhalternetzwerk von ProSpecieRara, von den Restriktionen ausnimmt. In der EU wird bis heute um einen solchen Kompromiss gerungen.

Internationale Vernetzung und ProSpecieRara Deutschland

ProSpecieRara ist international als Vorreiterin im Bereich der nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen anerkannt und arbeitet in zahlreichen internationalen Projekten mit. Um die Teilnahme an europäischen Projekten und den Wissenstransfer zu sichern, wurde 2011 ProSpecieRara Deutschland als gemeinnützige GmbH gegründet.

Neuer Hauptsitz in Basel

Ende 2012 zog der Hauptsitz von Aarau nach Basel in die Merian Gärten um. Dort findet ProSpecieRara nicht nur Büroräumlichkeiten, sondern auch die Möglichkeit, die Gemüse-, Zierpflanzen-, Obst- und Beerensorten der Merian Gärten zu sichten, zu testen, Saatgut zu ernten und Besucher für die Vielfalt der Tierrassen zu sensibilisieren.

Fazit: ProSpecieRara – Mehr als nur eine Stiftung

ProSpecieRara ist mehr als nur eine Stiftung. Sie ist eine Bewegung, ein Netzwerk von engagierten Menschen, die sich mit Herzblut für die Erhaltung der Sortenvielfalt und Rassenvielfalt einsetzen. Durch ihre Arbeit trägt ProSpecieRara massgeblich dazu bei, die Agrobiodiversität in der Schweiz und darüber hinaus zu bewahren und zu fördern – für eine nachhaltige und vielfältige Zukunft.

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