Was füttert man einer fleischfressenden Pflanze?

Fleischfressende Pflanzen füttern: Was Sie wissen müssen

09/01/2021

Rating: 4.84 (7068 votes)

Fleischfressende Pflanzen faszinieren Pflanzenliebhaber weltweit. Ihre einzigartige Fähigkeit, Insekten und andere kleine Tiere zu fangen und zu verdauen, macht sie zu einem außergewöhnlichen Highlight jeder Pflanzensammlung. Aber was genau fressen diese faszinierenden Gewächse eigentlich? Und müssen wir sie zusätzlich füttern, um ihr Wachstum und ihre Gesundheit zu fördern? In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der fleischfressenden Pflanzen ein und beantworten all Ihre Fragen rund um das Thema Fütterung.

Inhaltsverzeichnis

Was steht auf dem Speiseplan einer fleischfressenden Pflanze?

Der Name verrät es bereits: Fleischfressende Pflanzen ernähren sich von „Fleisch“. In der Regel handelt es sich dabei um Insekten, Spinnen und andere kleine Gliederfüßer. Einige Arten können jedoch auch größere Beute wie kleine Frösche oder sogar Jungvögel verdauen, obwohl dies in der Natur eher selten vorkommt und in der Zimmerkultur praktisch ausgeschlossen ist. Fleischfressende Pflanzen haben im Laufe der Evolution raffinierte Fangmethoden entwickelt, um an ihre proteinreiche Nahrung zu gelangen. Zu den bekanntesten Fangmechanismen gehören:

  • Fallgrubenfallen: Pflanzen wie Schlauchpflanzen (Sarracenia) und Kannenpflanzen (Nepenthes) locken Insekten mit Nektar an den Rand ihrer trichterförmigen Blätter. Die Beute rutscht in die Grube und kann aufgrund der glatten Innenwände und Verdauungsflüssigkeit nicht mehr entkommen.
  • Klebefallen: Sonnentaue (Drosera) und Fettkräuter (Pinguicula) sind mit klebrigen Drüsen besetzt, an denen Insekten haften bleiben. Die Pflanze rollt dann ihre Tentakel oder Blätter um die Beute, um die Verdauung zu beginnen.
  • Klappfallen: Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) ist wohl das bekannteste Beispiel für eine Klappfalle. Berühren Insekten die empfindlichen Fühlborsten im Inneren der Falle, schnappt diese blitzschnell zu.
  • Saugfallen: Wasserschlauchpflanzen (Utricularia) leben im Wasser oder in feuchten Böden und fangen winzige Wasserorganismen mit Hilfe von Blasen, die einen Unterdruck erzeugen und die Beute einsaugen.

Unabhängig von der Fangmethode nutzen alle fleischfressenden Pflanzen Enzyme, um ihre Beute zu zersetzen und die darin enthaltenen Nährstoffe aufzunehmen. Dieser Verdauungsprozess kann je nach Pflanze und Größe der Beute einige Stunden bis mehrere Tage dauern.

Welche Pflanze frisst Fliegen?
Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) ist eine fleischfressende Pflanze. Damit zählt sie zu den Karnivoren. Die Venusfliegenfalle ernährt sich also nicht allein über Nährstoffe aus Substrat und Gießwasser. Zusätzlich verspeist sie von Zeit zu Zeit kleine Insekten wie eben Fliegen.

Brauchen fleischfressende Pflanzen zusätzliche Nahrung?

Eine häufige Frage, die sich Pflanzenliebhaber stellen, ist, ob fleischfressende Pflanzen zusätzlich gefüttert werden müssen. Die Antwort ist in den meisten Fällen: Nein. Fleischfressende Pflanzen haben sich an nährstoffarme Standorte angepasst, wie beispielsweise Moore oder sandige Böden. Der „Fleischkonsum“ dient ihnen als zusätzliche Nährstoffquelle, insbesondere für Stickstoff und Phosphor, die in solchen Umgebungen oft Mangelware sind. Im Prinzip können fleischfressende Pflanzen jedoch auch ohne zusätzliche Fütterung überleben, solange sie ausreichend Sonnenlicht, Wasser und die richtige Erde erhalten. In der Zimmerkultur erhalten fleischfressende Pflanzen in der Regel genügend Insekten auf natürliche Weise. Fliegen, Fruchtfliegen oder Spinnen verirren sich oft in unsere Wohnungen und können von den Pflanzen gefangen werden. Eine zusätzliche Fütterung ist daher meist nicht notwendig und kann sogar kontraproduktiv sein.

Wann ist eine zusätzliche Fütterung sinnvoll?

Es gibt jedoch Situationen, in denen eine gezielte Fütterung fleischfressender Pflanzen sinnvoll sein kann:

  • Jungpflanzen: Junge, kleine fleischfressende Pflanzen können von einer gelegentlichen Fütterung profitieren, um ihr Wachstum anzukurbeln.
  • Nährstoffmangel: Wenn Ihre Pflanze Anzeichen von Nährstoffmangel zeigt, wie beispielsweise langsames Wachstum oder blasse Farben, kann eine Fütterung helfen.
  • Insektenmangel: In sehr sauberen Wohnungen oder in den Wintermonaten kann es vorkommen, dass nicht genügend Insekten als Beute zur Verfügung stehen.

Wie füttert man fleischfressende Pflanzen richtig?

Wenn Sie Ihre fleischfressende Pflanze füttern möchten, sollten Sie einige Dinge beachten:

  • Geeignete Beute: Verwenden Sie nur lebende oder frisch tote Insekten. Geeignet sind beispielsweise Fliegen, Mücken, Fruchtfliegen, kleine Spinnen oder Grillen. Vermeiden Sie es, die Pflanzen mit Fleischstücke, Wurst oder anderen menschlichen Nahrungsmitteln zu füttern. Diese sind zu fettig und können zu Fäulnis führen.
  • Richtige Größe: Die Beute sollte nicht zu groß sein, da die Pflanze sie sonst nicht vollständig verdauen kann. Als Faustregel gilt: Die Beute sollte etwa ein Drittel bis maximal die Hälfte der Fallengröße haben.
  • Dosierung: Überfüttern Sie Ihre Pflanze nicht! Eine Fütterung alle paar Wochen oder sogar Monate ist in der Regel ausreichend. Beobachten Sie Ihre Pflanze genau und füttern Sie nur, wenn sie aktiv Fallen bildet und gesund aussieht.
  • Sanfte Fütterung: Legen Sie die Beute vorsichtig in die Falle. Bei Klappfallen wie der Venusfliegenfalle können Sie die Falle leicht stimulieren, um das Zuklappen auszulösen. Bei Klebefallen können Sie die Beute vorsichtig andrücken.

Was passiert bei Überfütterung?

Eine Überfütterung kann für fleischfressende Pflanzen schädlich sein. Zu viel Nahrung kann die Pflanze schwächen und anfälliger für Krankheiten machen. In extremen Fällen kann es sogar zum Absterben von Fallen oder der ganzen Pflanze kommen. Anzeichen für eine Überfütterung können sein:

  • Fallen sterben ab: Wenn Fallen nach der Fütterung schwarz werden und absterben, kann dies ein Zeichen für Überfütterung sein.
  • Schimmelbildung: Nicht vollständig verdaute Beute kann in den Fallen schimmeln.
  • Verlangsamtes Wachstum: Obwohl es paradox klingt, kann zu viel Nahrung das Wachstum der Pflanze tatsächlich verlangsamen.

Pflege ist wichtiger als Fütterung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die richtige Pflege von fleischfressenden Pflanzen deutlich wichtiger ist als die Fütterung. Achten Sie auf folgende Punkte, um Ihre Pflanzen gesund und vital zu halten:

  • Standort: Fleischfressende Pflanzen benötigen einen hellen Standort mit viel Sonnenlicht. Ein Südfenster ist ideal.
  • Wasser: Verwenden Sie ausschließlich Regenwasser oder destilliertes Wasser. Leitungswasser enthält zu viele Mineralien, die für fleischfressende Pflanzen schädlich sein können. Halten Sie die Erde immer feucht, aber vermeiden Sie Staunässe. Viele Arten bevorzugen es, im Anstauverfahren gegossen zu werden, d.h. der Topf steht in einem Untersetzer mit Wasser.
  • Erde: Verwenden Sie spezielle fleischfressende Pflanzenerde, die nährstoffarm und sauer ist. Normale Blumenerde ist ungeeignet.
  • Luftfeuchtigkeit: Viele fleischfressende Pflanzen bevorzugen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Besprühen Sie die Pflanzen regelmäßig mit kalkfreiem Wasser oder stellen Sie sie in die Nähe eines Luftbefeuchters.
  • Winterruhe: Die meisten fleischfressenden Pflanzen benötigen eine Winterruhe, um sich zu regenerieren. Reduzieren Sie im Winter die Wassergaben und stellen Sie die Pflanzen an einen kühleren Standort.

Fazit

Fleischfressende Pflanzen sind faszinierende und pflegeleichte Gewächse, die in der Regel keine zusätzliche Fütterung benötigen. Unter den richtigen Bedingungen versorgen sie sich selbst mit ausreichend Nahrung. Eine gelegentliche Fütterung kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sollte aber maßvoll erfolgen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die richtige Pflege in Bezug auf Standort, Wasser, Erde und Luftfeuchtigkeit, um Ihre fleischfressende Pflanze optimal zu unterstützen und ihre einzigartigen Fangmechanismen in vollen Zügen zu genießen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich meine Venusfliegenfalle füttern?
Nein, in der Regel nicht. Venusfliegenfallen fangen ihre Beute selbstständig. Eine zusätzliche Fütterung ist nur in Ausnahmefällen notwendig. Was passiert, wenn ich meine fleischfressende Pflanze nicht füttere?
Nichts Schlimmes. Solange die Pflanze ausreichend Licht, Wasser und die richtige Erde erhält, kann sie auch ohne Fütterung überleben und wachsen. Kann ich meine fleischfressende Pflanze mit toten Insekten füttern?
Ja, Sie können frisch tote Insekten verwenden. Vermeiden Sie jedoch alte, vertrocknete Insekten, da diese möglicherweise nicht mehr genügend Nährstoffe enthalten. Darf ich meine fleischfressende Pflanze mit Fleisch füttern?
Nein, füttern Sie Ihre fleischfressende Pflanze niemals mit Fleisch, Wurst oder anderen menschlichen Nahrungsmitteln. Diese sind zu fettig und können zu Fäulnis führen. Wie oft soll ich meine fleischfressende Pflanze füttern?
In der Regel reicht eine Fütterung alle paar Wochen oder Monate aus, falls überhaupt notwendig. Überfüttern Sie die Pflanze nicht. Welche Insekten sind geeignet zum Füttern?
Geeignet sind kleine Insekten wie Fliegen, Mücken, Fruchtfliegen, kleine Spinnen oder Grillen. Kann ich meine fleischfressende Pflanze mit Dünger düngen?
Nein, fleischfressende Pflanzen dürfen nicht mit normalem Dünger gedüngt werden. Die darin enthaltenen Salze sind schädlich für die Pflanzen. Verwenden Sie ausschließlich spezielle fleischfressende Pflanzenerde, die von Natur aus nährstoffarm ist. Sind fleischfressende Pflanzen gefährlich für Haustiere?
Nein, fleischfressende Pflanzen sind in der Regel nicht gefährlich für Haustiere. Die Fallen sind zu klein, um Haustiere ernsthaft zu verletzen. Allerdings sollten Sie verhindern, dass Haustiere an den Pflanzen knabbern, da dies zu Verdauungsproblemen führen kann. Wo kann ich fleischfressende Pflanzenerde kaufen?
Fleischfressende Pflanzenerde ist in Gartencentern, Baumärkten oder online erhältlich.

Go up