31/10/2024
Ein bepflanztes Aquarium kann eine wunderschöne Bereicherung für jedes Zuhause sein. Doch oft kommt es vor, dass die Freude über üppige Pflanzenpracht getrübt wird, wenn die eigenen Fische beginnen, die liebevoll eingesetzten Gewächse zu zerstören und zu fressen. Sie haben sich ein üppiges Unterwasserparadies vorgestellt, aber stattdessen herrscht Kahlfraß? Keine Sorge, es gibt verschiedene Wege, um dieses Problem anzugehen und ein harmonisches Zusammenleben von Flora und Fauna in Ihrem Aquarium zu gewährleisten.

Ursachenforschung: Warum fressen Fische Pflanzen?
Bevor wir uns den Lösungen widmen, ist es wichtig zu verstehen, warum Fische überhaupt an Pflanzen knabbern. In vielen Fällen ist es schlicht und ergreifend die Natur der Fische. Einige Arten sind von Natur aus Herbivore (Pflanzenfresser) oder Omnivore (Allesfresser) und betrachten Pflanzen als natürliche Nahrungsquelle. Andere wiederum knabbern vielleicht eher aus Neugier, Langeweile oder weil sie nicht ausreichend mit geeignetem Futter versorgt werden. Es kann auch sein, dass bestimmte Pflanzenarten für einige Fischarten besonders schmackhaft sind.
Die radikale Lösung: Fleischfressende Fische
Die konsequenteste Methode, um Ihre Pflanzen vor hungrigen Mäulern zu schützen, ist, auf fleischfressende Fische umzusteigen. Wenn Sie absolut keine Pflanzenverluste hinnehmen möchten und auf ein Aquarium mit lebendigen Pflanzen dennoch nicht verzichten wollen, dann ist dies die sicherste Option. Es gibt eine überraschende Vielfalt an kleinen, Süßwasserfischen, die sich von Fleisch ernähren. Diese carnivoren Fische ignorieren Pflanzen in der Regel vollständig, da diese nicht zu ihrem natürlichen Nahrungsspektrum gehören.
Einige Beispiele für relativ einfach zu findende und zu pflegende fleischfressende Fische sind:
- Kampffische (Betta): Bekannt für ihre Schönheit und ihr territoriales Verhalten, sind Kampffische reine Fleischfresser und interessieren sich nicht für Pflanzen.
- Schwarzer Messerfisch (Apteronotus albifrons): Dieser elegante Fisch ist nachtaktiv und benötigt ein geräumiges Aquarium. Er ernährt sich von kleinen Wirbellosen und Insektenlarven.
- Oskar (Astronotus ocellatus): Ein größerer, intelligenter Fisch, der ebenfalls Fleischfresser ist. Oskars benötigen viel Platz und sind beeindruckende Aquarienbewohner.
- Gemeine Goldelritze (Pimephales promelas): Obwohl als Omnivore klassifiziert, neigen Goldelritzen eher zu tierischer Nahrung und verursachen in der Regel wenig Schaden an Pflanzen.
Achtung: Bei der Haltung von carnivoren Fischen ist zu beachten, dass einige Arten, wie beispielsweise der Arowana, in bestimmten Ländern, wie den USA, aufgrund von Artenschutzbestimmungen illegal sind. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die jeweiligen Gesetze und Bestimmungen.
Kompromisslösungen für Pflanzenliebhaber mit Pflanzenfressern
Wenn Sie jedoch an Ihren pflanzenfressenden Fischen hängen und diese nicht von Ihren geliebten Pflanzen trennen möchten, gibt es verschiedene Strategien, um den Schaden zu minimieren und ein friedliches Nebeneinander zu ermöglichen.
1. Erhöhen Sie den Anteil pflanzlicher Nahrung im Fischfutter
Eine einfache und effektive Maßnahme ist, den Fischen mehr pflanzliche Nahrung anzubieten. Sowohl herbivore als auch omnivore Süßwasserfische können viele Gemüsesorten aus dem Haushalt fressen. Sichere und beliebte Gemüsesorten für das Aquarium sind beispielsweise:
- Brokkoliröschen (gekocht oder roh, in kleinen Mengen)
- Pak Choi (gekocht oder roh)
- Zucchini (roh, geschält oder ungeschält)
- Löwenzahngrün (ungespritzt)
- Blattgrün (z.B. Salat, Spinat, Mangold - ungespritzt und in Maßen)
Wichtig: Tropische Fische können Seealgen und Algen besser verdauen als Landgemüse. Bieten Sie Landgemüse daher in Maßen an und achten Sie auf hochwertige Algen- oder Gemüseflocken und -pellets als Hauptfutter. Überfüttern Sie Ihre Fische nicht mit Gemüse, da dies die Wasserqualität belasten kann.

2. Pflanzenwahl: Setzen Sie auf unbeliebte Sorten
Nicht jede Pflanze schmeckt jedem Fisch. Es gibt Pflanzenarten, die von den meisten Fischen verschmäht werden und daher eine gute Wahl für Aquarien mit pflanzenfressenden Bewohnern darstellen. Ein Klassiker ist das Javamoos (Taxiphyllum barbieri) und der Javafarn (Microsorum pteropus). Beide sind robust, pflegeleicht und werden von den meisten Fischen in Ruhe gelassen. Andere Pflanzen, die oft weniger begehrt sind, sind:
- Anubias-Arten (Anubias barteri, Anubias nana etc.): Langsam wachsende, robuste Pflanzen mit harten Blättern.
- Cryptocoryne-Arten (Cryptocoryne wendtii, Cryptocoryne beckettii etc.): Vielfältige Pflanzen, die in verschiedenen Farben und Formen erhältlich sind.
- Valisnerien (Vallisneria gigantea, Vallisneria spiralis etc.): Schnellwachsende, bandartige Pflanzen, die jedoch manchmal von einigen Fischarten angeknabbert werden können.
Experimentieren Sie: Beobachten Sie Ihre Fische genau und testen Sie verschiedene Pflanzenarten, um herauszufinden, welche in Ihrem Aquarium am besten überleben. Jedes Aquarium ist einzigartig und die Vorlieben der Fische können variieren.
3. Reduzieren Sie die Fischdichte
Je mehr Fische in Ihrem Aquarium leben, desto größer ist der Futterdruck und desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich an Pflanzen vergreifen. Eine Überbesetzung des Aquariums führt nicht nur zu erhöhtem Pflanzenfraß, sondern auch zu schlechterer Wasserqualität und Stress für die Fische. Achten Sie daher auf eine angemessene Fischdichte und passen Sie den Besatz gegebenenfalls an die Größe Ihres Aquariums an.
4. Wählen Sie pflanzenfreundlichere Fischarten
Einige Fischarten sind bekanntermaßen pflanzenfreundlicher als andere. Wenn Sie ein bepflanztes Aquarium planen, sollten Sie bei der Fischwahl Arten bevorzugen, die weniger wahrscheinlich sind, Ihre Pflanzen komplett zu demolieren. Dazu gehören beispielsweise:
- Danio-Arten (Zebrabärblinge, Leopardbärblinge etc.): Kleine, lebhafte Fische, die sich in der Regel nicht an Pflanzen vergreifen.
- Barben-Arten (Sumatrabarben, Keilfleckbärblinge etc.): Viele Barbenarten sind relativ pflanzenfreundlich, wobei es Ausnahmen gibt (z.B. Sumatrabarbe, die manchmal Pflanzen anknabbert).
- Tetra-Arten (Neonsalmler, Rotkopfsalmler etc.): Kleine Schwarmfische, die in der Regel kein großes Interesse an Pflanzen zeigen.
- Lebendgebärende Zahnkarpfen (Guppys, Platys, Mollys, Schwertträger): Viele Lebendgebärende sind relativ pflanzenfreundlich, wobei insbesondere Mollys gelegentlich an weichen Pflanzen knabbern können.
Vermeiden Sie diese Arten in bepflanzten Aquarien:
- Silberdollar (Metynnis argenteus): Bekannte Pflanzenfresser, die ganze Aquarien in kurzer Zeit leerfressen können.
- Buenos Aires Salmler (Astyanax fasciatus): Ebenfalls sehr pflanzenhungrig.
- Mondfische (Monos) und Schützenfische (Scats): Brackwasserfische, die in Süßwasseraquarien oft Pflanzen fressen.
- Goldfische: Obwohl oft als Anfängerfische unterschätzt, sind Goldfische gierige Pflanzenfresser und wühlen zudem gerne im Bodengrund, was Pflanzen entwurzeln kann.
5. Setzen Sie auf schnellwachsende Pflanzen
Schnellwachsende Pflanzen haben den Vorteil, dass sie Verluste durch Pflanzenfraß schneller ausgleichen können. Sie etablieren sich rascher im Aquarium und können auch dann noch gedeihen, wenn Fische an ihnen knabbern. Beispiele für schnellwachsende Pflanzen sind:
- Hygrophila polysperma (Indischer Wasserfreund): Sehr anspruchslos und wächst extrem schnell.
- Wasserpest (Egeria densa): Klassische Aquarienpflanze, die ebenfalls sehr schnell wächst und pflegeleicht ist.
- Hornkraut (Ceratophyllum demersum): Anspruchslos und schnellwachsend, kann als Schwimmpflanze oder eingepflanzt verwendet werden.
- Schwimmendes Hornblatt (Ceratopteris thalictroides): Eine attraktive Schwimmpflanze, die auch schnell wächst.
Vorteil von schnellwachsenden Pflanzen: Sie helfen auch, überschüssige Nährstoffe im Aquarium abzubauen und Algenwachstum zu reduzieren.
Die einfache Alternative: Kunststoffpflanzen
Wenn Ihnen der Aufwand mit lebenden Pflanzen zu groß ist oder Sie partout keine Kompromisse eingehen möchten, sind Kunststoffpflanzen eine praktische Alternative. Sie bieten eine ansprechende Dekoration ohne das Risiko, von Fischen gefressen zu werden und ohne die Notwendigkeit der Pflege. Moderne Kunststoffpflanzen sind oft täuschend echt aussehend und in einer großen Vielfalt erhältlich.
Fazit: Ein Gleichgewicht finden
Es gibt keine Patentlösung, um Pflanzenfraß im Aquarium vollständig zu verhindern, wenn Sie pflanzenfressende Fische halten möchten. Die oben genannten Maßnahmen können jedoch helfen, den Schaden zu minimieren und ein akzeptables Gleichgewicht zwischen Flora und Fauna zu schaffen. Durch die richtige Pflanzenwahl, angepasste Fütterung und eine vernünftige Fischdichte können Sie ein schönes bepflanztes Aquarium genießen, auch wenn Ihre Fische hin und wieder an den Pflanzen knabbern. Beobachten Sie Ihr Aquarium aufmerksam und passen Sie Ihre Strategie gegebenenfalls an, um das optimale Ergebnis zu erzielen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen
Welche Pflanzen fressen Fische am liebsten?
Fische bevorzugen in der Regel weiche, zarte Pflanzen mit hellgrünen Blättern. Beliebte „Snacks“ sind beispielsweise feinfiedrige Pflanzen wie Cabomba oder Pflanzen mit weichen Triebspitzen. Auch junge, frisch getriebene Blätter werden oft bevorzugt.
Welche Fische fressen garantiert keine Pflanzen?
Reine Fleischfresser (Carnivore) wie Kampffische, Messerfische oder Raubwelse fressen in der Regel keine Pflanzen. Allerdings benötigen diese Arten oft spezielle Futterbedingungen und sind nicht immer für Anfänger geeignet.
Was tun, wenn meine Fische bereits alle Pflanzen zerstört haben?
Wenn der Schaden bereits angerichtet ist, sollten Sie zunächst die Ursache analysieren. Füttern Sie ausreichend pflanzliche Nahrung? Sind die Fische überbesetzt? Haben Sie die richtigen Pflanzenarten gewählt? Verbessern Sie die Bedingungen, setzen Sie gegebenenfalls robustere oder unbeliebtere Pflanzen ein und erhöhen Sie den Anteil pflanzlicher Nahrung. In extremen Fällen kann es notwendig sein, die Fischart zu wechseln oder die Pflanzen vorübergehend zu schützen (z.B. mit Pflanzenkörben).
Kann es sein, dass Fische Pflanzen nur anknabbern, aber nicht fressen wollen?
Ja, es gibt verschiedene Gründe, warum Fische an Pflanzen knabbern, ohne sie tatsächlich als Hauptnahrungsquelle zu nutzen. Manche Fische knabbern an Algen, die auf den Pflanzen wachsen. Andere wiederum nutzen Pflanzen als Versteck oder Laichsubstrat und beschädigen sie dabei unabsichtlich. In manchen Fällen kann es auch territoriales Verhalten sein, bei dem Fische Pflanzen „anrempeln“ oder daran zupfen.
Sind Kunststoffpflanzen schädlich für Fische?
Hochwertige Kunststoffpflanzen, die speziell für Aquarien hergestellt werden, sind in der Regel unbedenklich für Fische. Achten Sie darauf, Pflanzen aus ungiftigen Materialien zu wählen und vermeiden Sie billige Produkte, die Schadstoffe abgeben könnten. Reinigen Sie Kunststoffpflanzen regelmäßig, um Algenbelag zu entfernen.
