09/04/2022
Eschenbach Porzellan ist seit über einem Jahrhundert ein Synonym für hochwertiges deutsches Porzellan. Bekannt für seine Tradition und Qualität, hat die Marke eine bewegte Geschichte hinter sich, die von Wachstum, Krisen und einem beeindruckenden Comeback geprägt ist. Dieser Artikel beleuchtet die spannende Historie von Eschenbach Porzellan, von den Anfängen in Bayern bis zum heutigen Standort in Thüringen, und beantwortet die Frage, wer heute hinter dieser traditionsreichen Marke steht.

Die Anfänge in Triptis: 1891 - 1947
Die Geschichte von Eschenbach Porzellan ist eng mit der Porzellanfabrik Triptis verbunden. Im Jahr 1891, in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Industrialisierung, wurde in Triptis, einer kleinen Stadt in Thüringen, der Grundstein für die Fabrik gelegt. Die Initiative ging von einer Interessentengruppe unter der Leitung des Porzellanfabrikanten Unger aus Reichendorf aus. Die günstige Lage von Triptis an der Eisenbahnlinie Leipzig–Saalfeld spielte eine entscheidende Rolle bei der Standortwahl.
Bereits 1892 nahm die Fabrik unter dem Namen „Unger & Gretschel“ die Produktion auf. Das Sortiment umfasste zunächst vor allem Gebrauchsartikel aus Porzellan, wie Nudelrollen, Menagen sowie Essig- und Senfgefäße. Kaffee- und Tafelservice wurden anfangs in geringerem Umfang hergestellt. Das Unternehmen wuchs schnell und expandierte. 1896 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, und durch eine Kapitalerhöhung konnte die Produktionskapazität verdoppelt werden. Anfang des 20. Jahrhunderts florierte das Geschäft, und die Aktien der Porzellanfabrik Triptis erwirtschafteten hohe Dividenden. Das Unternehmen expandierte weiter durch Zukäufe, darunter die Porzellanfabrik der Gebrüder Urbach und verschiedene Glas- und Steingutunternehmen.
Der Erste Weltkrieg brachte jedoch einen abrupten Einschnitt. Die Produktion musste aufgrund der Mobilmachung eingestellt werden. Nach dem Krieg erlebte das Unternehmen in den „Goldenen Zwanzigern“ eine erneute Aufwärtsentwicklung, die jedoch durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 jäh beendet wurde. Die Mitarbeiterzahl sank drastisch, und Kurzarbeit war an der Tagesordnung.
Im Jahr 1938 übernahm die Unternehmensgruppe Gebr. Winterling aus Bayern die Porzellanfabrik Triptis. Der Zweite Weltkrieg brachte weitere Herausforderungen und Zerstörungen mit sich. Luftangriffe im April 1945 beschädigten das Werk schwer.

VEB Porzellanwerk Triptis: 1947 - 1990
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Porzellanfabrik Triptis enteignet und 1947 als „VEB Porzellanwerk Triptis“ in Volkseigentum überführt. Trotz der schwierigen Nachkriegszeit wurde die Produktion bereits 1947 mit vier Rundöfen wieder aufgenommen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der VEB Porzellanwerk Triptis zu einem wichtigen Produzenten von Haushaltsporzellan in der DDR. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen und die Produktionskapazitäten zu erweitern, wurde von 1959 bis 1962 ein neues, modernes Porzellanwerk am Ortsausgang von Triptis errichtet. 1962 wurde die Produktion vollständig in das neue Werk verlagert.
1968 erfolgte im Zuge der Kombinatsbildung in der DDR die Eingliederung des VEB Porzellanwerk Triptis in das „VEB Porzellankombinat Kahla“. Trotz dieser Einbindung arbeitete das Werk in Triptis weiterhin erfolgreich und wurde 1987 wieder aus dem Kombinat ausgegliedert. In den 1980er Jahren beschäftigte der Betrieb bis zu 1300 Mitarbeiter und war ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Besonders bekannt und beliebt war das Triptiser Zwiebelmuster auf der Form Romantika, das zu einem Markenzeichen des Werkes wurde.
Triptis-Porzellan GmbH und Winterling: 1990 - 2005
Mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 begann für das VEB Porzellanwerk Triptis eine neue Ära. Das Unternehmen wurde in die „Triptis-Porzellan GmbH“ umgewandelt und von der Treuhandanstalt verwaltet. Im Jahr 1993 erfolgte die Privatisierung durch Management-Buy-out. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten konnte sich die Triptis-Porzellan GmbH zunächst behaupten.
Im Jahr 1997 geriet das Unternehmen jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und musste Konkurs anmelden. Die Winterling-Porzellan AG, die bereits vor der Enteignung Eigentümerin des Werkes gewesen war, übernahm die Triptis-Porzellan GmbH und gründete die „Triptis-Porzellan GmbH & Co. KG“. Damit kehrte Winterling an den Standort Triptis zurück. Allerdings sollte auch diese Phase nicht von Dauer sein. Im Jahr 1999 meldete die Winterling-Porzellan AG selbst Insolvenz an, die Triptis-Porzellan GmbH & Co. KG blieb jedoch bestehen.

In den folgenden Jahren expandierte Triptis-Porzellan durch die Übernahme von Marken- und Modellrechten anderer Porzellanhersteller, darunter „Lengsfeld Rhön Porzellan“ und das „Sächsische Porzellanwerk Freiberg“. Im Jahr 2000 erfolgte ein bedeutender Schritt mit der Übernahme der Marken Eschenbach und Winterling aus Nordbayern. Damit avancierte Triptis-Porzellan zum zweitgrößten Porzellanhersteller Thüringens. Im Jahr 2004 musste jedoch auch Triptis-Porzellan Insolvenz anmelden.
Eschenbach Porzellan Group – Neue Porzellanfabrik Triptis GmbH: Seit 2005
Im Jahr 2005 übernahm der Unternehmer Rolf Frowein die Porzellanfabrik Triptis. Unter seiner Führung wurde das Unternehmen als „Neue Porzellanfabrik Triptis GmbH“ neu aufgestellt und firmierte später als „Eschenbach Porzellan Group - Neue Porzellanfabrik Triptis GmbH“. Der Fokus wurde verstärkt auf die Produktion von Porzellan für Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung gelegt. Die Marken Eschenbach, Winterling, Triptis, Freiberg und Graf von Henneberg wurden unter dem Dach der Eschenbach Porzellan Group vereint.
Obwohl Eschenbach Porzellan seine Wurzeln im bayerischen Windischeschenbach hat, wird die Marke heute ausschließlich in Triptis in Thüringen produziert. Die Verlagerung der Produktion von Windischeschenbach nach Triptis erfolgte schrittweise im Zuge der verschiedenen Übernahmen und Insolvenzen. Heute ist Triptis der einzige Produktionsstandort der Eschenbach Porzellan Group.
Im Jahr 2022 musste die Eschenbach Porzellan Group aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise die Produktion in Triptis vorübergehend einstellen und Mitarbeiter entlassen. Dies schien das Ende einer langen Tradition zu sein. Doch entgegen aller Erwartungen gelang 2024 das Comeback. Eschenbach Porzellan ist wieder online verfügbar und produziert weiterhin hochwertiges Porzellan für Gastronomie und Haushalt.

Heute gehört Eschenbach Porzellan zur Eschenbach Porzellan Group – Neue Porzellanfabrik Triptis GmbH, deren Vertreter weiterhin Rolf Frowein ist. Das Unternehmen setzt weiterhin auf Qualität „Made in Germany“ und die lange Tradition der Marke Eschenbach. Der Werksverkauf und das „Porzellanium“ in Triptis sind weiterhin geöffnet und bieten Einblicke in die Geschichte und Produktion von Eschenbach Porzellan.
Ist Eschenbach Porzellan spülmaschinenfest?
Ja, Eschenbach Porzellan ist in der Regel spülmaschinenfest. Die Marke legt großen Wert auf die Haltbarkeit und Alltagstauglichkeit ihrer Produkte. Viele Serien von Eschenbach Porzellan sind speziell für den Einsatz in der Gastronomie und Hotellerie konzipiert und müssen daher hohen Beanspruchungen standhalten. Es ist jedoch immer ratsam, die Pflegehinweise des Herstellers für die jeweilige Serie zu beachten, um die Langlebigkeit des Porzellans zu gewährleisten.
Fazit
Die Frage „Wem gehört Eschenbach Porzellan?“ lässt sich heute klar beantworten: Eschenbach Porzellan gehört zur Eschenbach Porzellan Group – Neue Porzellanfabrik Triptis GmbH mit Sitz in Triptis, Thüringen, unter der Leitung von Rolf Frowein. Die Marke Eschenbach hat eine beeindruckende Reise hinter sich, von den Anfängen in Bayern über verschiedene Eigentümerwechsel und Krisen bis hin zum erfolgreichen Comeback. Trotz aller Herausforderungen ist Eschenbach Porzellan seiner Tradition und seinem Anspruch an höchste Qualität treu geblieben und bleibt eine feste Größe in der Welt des deutschen Porzellans.
