23/10/2024
Stellen Sie sich vor, wie wunderbar es wäre, im eigenen Garten oder sogar auf dem Balkon frische, saftige Clementinen zu ernten. Mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen können Sie diesen Traum verwirklichen und einen Clementinenbaum selbst ziehen. Ob aus Kernen oder Stecklingen, die Kultivierung dieser mediterranen Schönheit ist auch in unseren Breitengraden möglich. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte, von der Aussaat bis zur Pflege und Überwinterung, damit auch Sie bald Ihre eigenen Clementinen genießen können.

Herkunft und Besonderheiten des Clementinenbaumes
Die Clementine, botanisch Citrus clementina oder Citrus × aurantium, ist ein beliebter Vertreter der Zitrusfrüchte und eng mit der Mandarine verwandt. Ihre genaue Herkunft ist nicht vollständig geklärt, doch man vermutet, dass sie als zufällige Kreuzung zwischen Mandarine und Bitterorange entstanden ist. Benannt wurde sie nach dem französischen Mönch Frère Clément, in dessen algerischem Garten sie vermutlich erstmals kultiviert wurde. Clementinen zeichnen sich durch ihren süßen, milden Geschmack und ihre meist Kernlosigkeit aus, was sie besonders bei Kindern und als Snack für zwischendurch so beliebt macht. Zudem lassen sie sich leichter schälen als viele andere Zitrusfrüchte.

Der Clementinenbaum selbst wächst als immergrüner Strauch oder kleiner Baum mit einer runden, dichten Krone. Im Topf gehaltene Clementinenbäume, wie sie hierzulande üblich sind, werden meist als Halb- oder Hochstamm gezogen und erreichen eine moderate Größe, ideal für Balkon und Terrasse. Unter optimalen Bedingungen im Mittelmeerraum können sie jedoch auch bis zu 6 Meter hoch werden. Ihre Äste sind dünn und tragen nur selten Dornen. Die Blätter sind lanzettlich, glänzend und von sattgrüner Farbe. Im Frühling erfreuen uns die Clementinenbäume mit duftenden, weißen Blüten, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch Insekten anlocken. Clementinen sind selbstbestäubend, profitieren aber von Fremdbestäubung durch Insekten.
Clementinen-Sorten für den Topf
Da Clementinenbäume in unseren Wintern nicht winterhart sind, ist die Kultivierung im Topf die beste Wahl. So können sie im Winter problemlos an einen frostfreien Ort umziehen. Bei der Sortenwahl für den Topf sollten Sie auf frühe oder mittelfrühe Sorten achten, um sicherzustellen, dass die Früchte in unserem Klima rechtzeitig reifen. Hier sind einige empfehlenswerte Sorten:
- 'Commune': Eine frühe Sorte, die sich durch eine schnelle Reifezeit auszeichnet. Ideal für Regionen mit kürzeren Sommern.
- 'Red Rubin': Diese Sorte besticht durch ihre rote Schale und das brombeerrote Fruchtfleisch. Ihr Geschmack ist intensiv süß und erinnert an Mandarinen.
- 'Clemenules': Eine sehr beliebte Sorte mit großen, saftigen Früchten und gutem Ertrag.
Spätreifende Sorten wie 'Tardivo' und 'Mandared' sind eher für Wintergärten oder beheizte Orangerien geeignet, da sie längere Reifezeiten benötigen. 'Mandared' ist eine neuere Züchtung aus Italien mit dunklerem Fruchtfleisch und einem leicht blutorangenartigen Geschmack.
Clementinenbaum pflanzen: Samen oder Jungpflanze?
Es gibt zwei Wege, um einen Clementinenbaum zu pflanzen: aus Kernen oder durch den Kauf einer Jungpflanze. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile.

Clementinenbaum aus Kernen ziehen
Einen Clementinenbaum aus Kernen zu ziehen ist ein spannendes Projekt, das jedoch Geduld erfordert. Es kann einige Jahre dauern, bis ein aus Kernen gezogener Baum Früchte trägt, und die Qualität der Früchte kann variieren. Dennoch ist es eine lohnende Erfahrung, den gesamten Lebenszyklus einer Pflanze von Anfang an zu begleiten.
So gehen Sie vor:
- Kerne gewinnen: Wählen Sie reife Clementinen aus dem Supermarkt. Entfernen Sie das Fruchtfleisch gründlich von den Kernen und lassen Sie diese etwa zwei Tage bei Zimmertemperatur trocknen.
- Aussaat: Füllen Sie Anzuchtgefäße mit Anzuchterde oder Zitruserde. Befeuchten Sie die Erde und stecken Sie die Kerne etwa 1 cm tief hinein.
- Keimung: Stellen Sie die Gefäße an einen hellen, warmen Ort (ca. 20-25°C) und halten Sie die Erde feucht. Ein Mini-Gewächshaus oder eine Klarsichtfolie über den Töpfen hilft, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Die Keimung dauert in der Regel 4 bis 6 Wochen.
- Umtopfen: Sobald die Sämlinge kräftig genug sind und die Anzuchtgefäße durchwurzelt haben, topfen Sie sie in größere Töpfe mit Zitruspflanzenerde um.
Clementinenbaum als Jungpflanze kaufen
Der Kauf einer Jungpflanze ist der schnellere Weg zum eigenen Clementinenbaum. Sie sparen sich die Wartezeit der Keimung und haben von Anfang an eine robustere Pflanze. Achten Sie beim Kauf auf eine gesunde Pflanze mit kräftigen Blättern und einem gut entwickelten Wurzelsystem.
Pflanzung einer Jungpflanze:
- Topf vorbereiten: Wählen Sie einen ausreichend großen Topf mit Abzugsloch. Helle Töpfe sind im Sommer vorteilhaft, da sie sich weniger aufheizen.
- Drainage: Legen Sie eine Drainageschicht aus Tongranulat oder Tonscherben auf den Topfboden, um Staunässe zu vermeiden.
- Pflanzsubstrat: Verwenden Sie spezielle Zitruspflanzenerde oder mischen Sie ein Substrat aus torffreier Pflanzerde, Sand und Tongranulat.
- Pflanzen: Setzen Sie die Jungpflanze in den Topf und füllen Sie diesen mit Erde auf. Der Wurzelhals sollte leicht über der Erdoberfläche liegen, um Fäulnis zu vermeiden.
- Standort: Wählen Sie einen sonnigen und windgeschützten Standort für Ihren Clementinenbaum, idealerweise auf einem Balkon oder einer Terrasse mit Südausrichtung.
Clementinenbaum Pflege: Gießen, Düngen, Schneiden
Die Pflege eines Clementinenbaumes ist nicht kompliziert, erfordert aber etwas Aufmerksamkeit, um die Pflanze gesund zu halten und eine reiche Ernte zu ermöglichen.

Gießen
Clementinenbäume mögen es weder zu trocken noch zu nass. Gießen Sie regelmäßig, aber mäßig. Die Erde sollte immer leicht feucht sein, aber Staunässe unbedingt vermieden werden, da sie zu Wurzelfäulnis führen kann. Im Sommer, besonders an heißen Tagen, kann tägliches Gießen notwendig sein. Im Winter wird die Wassermenge deutlich reduziert. Verwenden Sie am besten kalkarmes Wasser, wie Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser.
Düngen
Während der Wachstumsperiode von April bis September benötigt der Clementinenbaum regelmäßig Nährstoffe. Verwenden Sie einen speziellen Zitrusdünger, entweder in flüssiger Form oder als Langzeitdünger-Stäbchen. Flüssigdünger wird dem Gießwasser einmal pro Woche oder alle zwei Wochen beigemischt. Achten Sie auf die Dosierungsanleitung des Herstellers. Im Winter wird das Düngen eingestellt.
Schneiden
Ein regelmäßiger Schnitt ist wichtig, um den Clementinenbaum in Form zu halten und die Fruchbildung zu fördern. Der beste Zeitpunkt für den Schnitt ist das Frühjahr, vor dem Austrieb. Entfernen Sie abgestorbene, kranke oder sich kreuzende Äste. Bei Jungpflanzen wird ein Erziehungsschnitt durchgeführt, um einen kompakten Wuchs zu fördern. Ältere Bäume profitieren von einem Auslichtungsschnitt, um die Krone zu belüften und das Eindringen von Licht zu fördern.

Überwintern
Da Clementinenbäume nicht winterhart sind, müssen sie frostfrei überwintert werden. Stellen Sie den Topf im Herbst, bevor der erste Frost kommt, an einen hellen und kühlen Ort, z.B. in ein Gartenhaus, eine Garage oder einen unbeheizten Wintergarten. Die ideale Überwinterungstemperatur liegt zwischen 5 und 10°C. Gießen Sie im Winter nur sehr sparsam, gerade so viel, dass die Erde nicht vollständig austrocknet. Düngen Sie während der Winterruhe nicht.
Clementinen ernten und lagern
Je nach Sorte und Standort sind Clementinen zwischen November und März erntereif. Die Früchte sind reif, wenn sie eine vollorange Farbe haben und leicht auf Druck nachgeben. Ernten Sie die Clementinen vorsichtig, um die Pflanze nicht zu beschädigen. Frische Clementinen halten sich bei Zimmertemperatur etwa eine Woche. Im Kühlschrank gelagert, bleiben sie bis zu mehreren Wochen frisch.
Häufige Fragen zum Clementinenbaum
- Kann man einen Clementinenbaum drinnen züchten?
- Ja, Clementinenbäume können auch in Innenräumen gezüchtet werden, solange sie genügend Sonnenlicht erhalten. Ein Südfenster ist ideal. Achten Sie auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit, besonders in beheizten Räumen.
- Wie lange dauert es, bis ein Clementinenbaum Früchte trägt?
- Aus Samen gezogene Clementinenbäume können mehrere Jahre (5-7 Jahre) benötigen, bis sie das erste Mal Früchte tragen. Jungpflanzen aus der Baumschule tragen oft schon nach 1-2 Jahren Früchte.
- Welchen Standort bevorzugt ein Clementinenbaum?
- Clementinenbäume lieben die Sonne. Ein vollsonniger Standort im Freien oder ein heller Platz im Haus ist ideal. Sie sollten auch vor starkem Wind geschützt werden.
- Wie oft muss man einen Clementinenbaum umtopfen?
- Junge Clementinenbäume sollten etwa alle zwei Jahre umgetopft werden, ältere Pflanzen seltener, etwa alle 3-4 Jahre oder wenn der Topf zu klein wird. Der beste Zeitpunkt zum Umtopfen ist das Frühjahr.
- Welche Schädlinge und Krankheiten befallen Clementinenbäume?
- Clementinenbäume können von verschiedenen Schädlingen wie Blattläusen, Schildläusen und Spinnmilben befallen werden. Auch Pilzkrankheiten wie Wurzelfäule oder Citrus Canker können auftreten. Achten Sie auf eine gute Pflege und kontrollieren Sie Ihre Pflanze regelmäßig auf Schädlinge und Krankheiten.
Mit diesen Tipps und etwas Liebe zum Detail steht Ihrer eigenen Clementinen-Ernte nichts mehr im Wege. Viel Freude beim Gärtnern und Genießen!
