Capsicum chinense L.: Ein umfassendes Pflanzenportrait

31/07/2023

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Capsicum chinense L. ist weit mehr als nur eine Chili-Sorte; es ist eine faszinierende Pflanzenart, die sich durch eine immense Vielfalt an Formen, Farben und vor allem Schärfegraden auszeichnet. Diese Art, die in der Welt der Chilis und Paprikas eine bedeutende Rolle spielt, birgt eine reiche Geschichte und botanische Besonderheiten, die sie von anderen Capsicum-Arten unterscheidet. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt von Capsicum chinense ein und beleuchten ihre botanischen Merkmale, ihre Geschichte und das einzigartige Geschmacksprofil, das sie so beliebt macht.

Was ist Capsicum chinense L?
Capsicum chinense ist von den kultivierten Capsicum-Arten die einzige, die dominant im feuchttropischen Klima gedeiht. Die Art ist wahrscheinlich in Peru heimisch, wächst aber aus klimatischen Gründen nur in einem kleinen Teil des Landes.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Capsicum chinense L.?

Capsicum chinense L. gehört zur Gattung Capsicum innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Es handelt sich um eine Art, die vor allem für ihre scharfen bis extrem scharfen Früchte bekannt ist, zu denen berühmte Sorten wie Habanero, Scotch Bonnet und Bhut Jolokia gehören. Der Zusatz "L." im botanischen Namen verweist auf Carl von Linné, den Begründer der modernen Taxonomie, obwohl die erste vollständige Beschreibung später von Nikolaus Joseph von Jacquin erfolgte. Im Laufe der Zeit hat die Domestizierung und selektive Züchtung innerhalb von Capsicum chinense zu einer beeindruckenden Bandbreite an Varietäten geführt, die sich in Größe, Form, Farbe und Schärfe ihrer Früchte unterscheiden.

Pflanzenbeschreibung: Wuchsform und Blätter

Capsicum chinense-Pflanzen präsentieren sich typischerweise als buschige, stark verzweigte Gewächse. In der Höhe erreichen sie meist zwischen 45 cm und 75 cm, können unter optimalen Bedingungen aber auch größer werden. Der Spross der Pflanze ist von Natur aus verzweigt und bildet zahlreiche Nebentriebe, was ihr ein breites und üppiges Erscheinungsbild verleiht. Die Blätter von Capsicum chinense sind in der Regel hell- bis dunkelgrün und weisen eine eiförmige bis lanzettlich-eiförmige Gestalt auf. Ihre Länge kann bis zu 10,5 cm betragen. Ein charakteristisches Merkmal vieler Capsicum chinense-Sorten sind die leicht zerknittert wirkenden Blätter. Dieser Effekt entsteht durch ein schnelleres Wachstum der Blattfläche im Vergleich zu den Blattadern. Sowohl die Blätter als auch der Spross sind überwiegend unbehaart, obwohl in seltenen Fällen eine kurze, dichte Behaarung auftreten kann.

Die Blüten von Capsicum chinense

Die Blüten von Capsicum chinense sind ein weiterer interessanter Aspekt dieser Art. Sie erscheinen in den Sprossknoten und wachsen meist in Gruppen von drei bis fünf Blüten zusammen. An weniger kräftigen Pflanzen können es auch weniger Blüten sein, während unter günstigen Bedingungen auch größere Blütenstände möglich sind. Die Blüten sitzen an schräg geneigten, selten aufrechten Blütenstielen, die während der Blütephase relativ kurz und dick sind. Die einzelnen Blüten sind zwittrig und fast radiärsymmetrisch, meist fünfzählig aufgebaut. Die Kronblätter sind von grünlich-gelber oder seltener reinweißer Farbe und erreichen eine Länge von 0,5 bis 1 cm. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Capsicum-Arten ist das Fehlen von Flecken am Rand der Kronblätter. Die Blütenlappen sind nicht spreizend, sondern weisen typischerweise deutlich sichtbare geschwungene Falten auf oder können auch langgestreckt und ohne Falten sein. Die Staubgefäße sind in fast allen Fällen blau-violett gefärbt, obwohl es auch Varietäten mit gelben Staubgefäßen gibt. Der Kelch der Blüte ist kaum gezähnt und besitzt eine ringförmige Verdickung am Blütenstiel.

Die vielfältigen Früchte: Formen, Farben und Schärfe

Die Früchte von Capsicum chinense sind wohl das auffälligste und vielfältigste Merkmal dieser Art. Während Wildformen meist kleine, runde und glatte Früchte tragen, wie sie auch bei anderen wilden Capsicum-Arten zu finden sind, präsentieren sich die Früchte der meisten Zuchtformen in einer beeindruckenden Bandbreite an Formen und Texturen. Viele Sorten weisen eine faltige Oberfläche auf, und nur selten ähneln sie der klassischen, langgezogen-spitzen Chiliform. Die Länge der Früchte variiert erheblich und reicht von 1 bis 12 cm. Die bekannteste Fruchtform ist die Habaneroform, die sich durch eine abgeflachte oder eingesenkte Spitze auszeichnet und leicht länger als breit ist. Andere Fruchtformen umfassen die flacheren Scotch-Bonnet-förmigen Früchte, laternenförmig spitze oder auch längliche Varianten. Die Farbpalette der Früchte ist ebenso vielfältig. Unreife Früchte können hell- bis dunkelgrün sein, während die Farbe der reifen Früchte von blassem Gelb über Orange, Lachsfarben und leuchtendes Rot bis hin zu einem dunklen Schokoladenbraun reicht. Die Samen im Inneren der Früchte haben meist einen welligen Rand, nur selten ist dieser glatt.

Kann man Bhut Jolokia überwintern?
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Botanische Geschichte und Systematik

Die botanische Geschichte von Capsicum chinense ist eng mit der taxonomischen Einordnung der Gattung Capsicum verbunden. Die wohl erste vollständige Beschreibung der Art stammt von Nikolaus Joseph von Jacquin, der sie 1776 in seinem Werk „Hortus botanicus Vindobonensis“ erwähnte. Seine Abbildung der Pflanze zeigte zwar nur zwei Blüten im Sprossknoten, aber alle anderen Merkmale stimmten mit den heute zur Art gezählten Pflanzen überein. Lange Zeit wurde die Eigenständigkeit von Capsicum chinense jedoch nicht anerkannt. Die Systematik der kultivierten Capsicum-Arten (Paprika) war Gegenstand vieler Diskussionen und Änderungen. In der Systematik von H. C. Irish aus dem Jahr 1898 wurden beispielsweise nur die von Carl von Linné beschriebenen Arten Capsicum annuum und Capsicum frutescens anerkannt, und alle kultivierten Paprika wurden diesen Arten zugeordnet. L. H. Bailey reduzierte 1923 sogar alle kultivierten Paprika auf nur eine Art, Capsicum frutescens. Während sich bald Einigkeit über den Artstatus von Capsicum annuum, Capsicum baccatum, Capsicum frutescens und Capsicum pubescens herauskristallisierte, dauerte es bis 1957, bis Smith und Heiser die Eigenständigkeit von Capsicum chinense (damals noch als Capsicum sinense) bekräftigten. Die Chromosomenzahl von Capsicum chinense beträgt übrigens 2n = 24.

Geschmack und Aroma: Schärfe und Fruchtigkeit

Capsicum chinense ist bekannt für seine extreme Schärfe, die in vielen Sorten weit über die anderer Capsicum-Arten hinausgeht. Zu dieser Art gehören einige der schärfsten Chilis der Welt, mit Sorten, die über 2.000.000 Scoville-Einheiten (SHU) erreichen können. Bekannte Beispiele hierfür sind diverse Habanero-Züchtungen und der Scotch Bonnet. Auf der anderen Seite gibt es innerhalb von Capsicum chinense auch milde Sorten, wie beispielsweise den Ají Dulce, der kaum Schärfe besitzt. Ein gemeinsames Merkmal aller Capsicum chinense-Sorten, unabhängig von ihrem Schärfegrad, ist ein delikates, einzigartig fruchtiges Aroma. Dieses Aroma wird oft als blumig, tropisch oder zitrusartig beschrieben und unterscheidet sich deutlich von den Aromen anderer Capsicum-Arten. Interessanterweise bleibt die Schärfe von Capsicum chinense auch beim Kochen weitgehend erhalten, während das typische Aroma empfindlicher ist und am besten in rohen Früchten oder bei schonender Zubereitung zur Geltung kommt.

Capsicum chinense L. ist somit eine faszinierende und vielseitige Pflanzenart, die sowohl botanisch als auch kulinarisch viel zu bieten hat. Ihre beeindruckende Vielfalt an Formen, Farben, Schärfegraden und Aromen macht sie zu einem beliebten Objekt für Gärtner und Chili-Liebhaber weltweit.

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