08/08/2024
Stehen Sie im Wald und fragen sich, wie viel Holz in den Bäumen steckt oder wie dicht Ihr Baumbestand eigentlich ist? Oftmals möchte man eine schnelle, überschlägige Einschätzung haben, ohne gleich zu Messkluppe und komplizierten Formeln greifen zu müssen. Dieser Artikel zeigt Ihnen einfache Methoden und Faustregeln, mit denen Sie das Volumen von Bäumen und die Anzahl der Bäume in Ihrem Waldstück grob abschätzen können. Ob für die Planung von Holzerntemaßnahmen, die Einschätzung des eigenen Waldbestands oder einfach aus Interesse – diese Methoden sind leicht verständlich und direkt anwendbar.

Festmeter-Schätzung für aufgearbeitete Stämme
Wenn der Baum bereits gefällt und aufgearbeitet ist, also als Stamm vor Ihnen liegt, gibt es eine einfache Merkhilfe zur Volumenbestimmung: „de-Quadrat-lacht“. Diese etwas kuriose Eselsbrücke hilft Ihnen, die benötigten Rechenschritte im Kopf zu behalten. Die Formel lautet: Mittendurchmesser (d) zum Quadrat mal Länge (l) mal 0,8.
Die Formel im Detail:
(Mittendurchmesser in Metern)² x Länge in Metern x 0,8 = Volumen in Festmetern (Fm)
Wichtig dabei ist der Mittendurchmesser des Stammes. Dieser wird in der Mitte des Stammes gemessen. Die Länge des Stammes messen Sie ganz einfach vom unteren bis zum oberen Ende.
Beispielrechnung „de-Quadrat-lacht“:
Nehmen wir an, Sie haben einen 10 Meter langen Stamm mit einem Mittendurchmesser von 25 Zentimetern. Um die Formel anzuwenden, müssen wir den Durchmesser von Zentimetern in Meter umrechnen: 25 cm = 0,25 Meter.
Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:
0,25 m x 0,25 m x 10 m x 0,8 = 0,50 Festmeter (Fm)
Nach dieser Schätzung hat der Stamm also ein Volumen von etwa 0,50 Festmetern.
Vergleich mit der exakten Zylinderformel
Die korrekte Berechnung des Stammvolumens erfolgt nach der Volumenformel für einen Zylinder (V = π * r² * h oder V = (d²/4) * π * L). Wenden wir diese Formel auf unser Beispiel an, erhalten wir:
V = (0,25 m)² / 4 * 3,14 * 10 m = 0,491 Festmeter (Fm)
Wie Sie sehen, liegt die Schätzung mit der „de-Quadrat-lacht“-Formel sehr nah am exakten Wert. Sie ist also eine gute und schnelle Methode für eine überschlägige Volumenbestimmung im Wald.
Festmeter-Schätzung für stehende Bäume
Wenn der Baum noch steht, sprechen wir von Vorratsfestmetern (Vfm). Hier kommt der Brusthöhendurchmesser (BHD) ins Spiel. Der BHD wird in einer Höhe von 1,3 Metern über dem Boden gemessen. Für durchschnittlich hohe Bäume (ca. 25 Meter Höhe) gibt es eine einfache Faustformel:
Formel für Vorratsfestmeter:
(BHD in Zentimetern)² / 1000 = Vorratsfestmeter (Vfm) pro Baum
Beispielrechnung Vorratsfestmeter:
Nehmen wir an, ein Baum hat einen BHD von 35 Zentimetern und ist etwa 25 Meter hoch. Die Berechnung lautet:
35 cm x 35 cm / 1000 = 1,225 Vorratsfestmeter (Vfm)
Dieser Baum hat demnach schätzungsweise 1,23 Vorratsfestmeter.
Brusthöhendurchmesser (BHD) ohne Messkluppe ermitteln
Nicht jeder hat eine Messkluppe zur Hand, um den BHD exakt zu messen. Aber auch hier gibt es eine einfache Methode: die Handspannweite. Bei den meisten Erwachsenen beträgt die Handspannweite, also der Abstand zwischen Daumenspitze und Spitze des kleinen Fingers bei gespreizter Hand, etwa 22 Zentimeter.
Methode mit der Handspannweite:
- Strecken Sie Ihre Hand und messen Sie Ihre persönliche Handspannweite (Abstand Daumenspitze zu kleiner Fingerspitze).
- Umfassen Sie den Baumstamm in Brusthöhe (1,3 Meter) mit Ihrer Handspannweite.
- Zählen Sie, wie oft Sie Ihre Handspannweite um den Stamm legen müssen, um ihn einmal zu umfassen.
- Multiplizieren Sie die Anzahl der Spannen mit 7. Das Ergebnis ist der geschätzte BHD in Zentimetern.
Beispiel BHD-Schätzung mit Handspannweite:
Sie messen mit Ihrer Handspannweite fünfmal um den Stamm herum. Die Berechnung ist dann:
5 Spannen x 7 = 35 Zentimeter BHD
Warum der Faktor 7?
Diese Schätzung basiert auf der Umrechnung von Umfang zu Durchmesser. Der Umfang eines Kreises geteilt durch die Kreiszahl Pi (π ≈ 3,14) ergibt den Durchmesser. Hier wird vereinfacht gerechnet: Eine Handspanne von 22 cm geteilt durch Pi (3,14) ergibt ungefähr 7. Daher der Faktor 7 in der Formel.
Eigenes Maß überprüfen
Es ist ratsam, die eigene Handspannweite einmal zu überprüfen und gegebenenfalls den Faktor anzupassen, um genauere Schätzungen zu erhalten. Messen Sie Ihre Handspannweite genau nach. Sie können auch das Maß Ihrer vier aneinandergelegten Finger (ohne Daumen) überprüfen. Dieses Maß beträgt meistens etwa 8 Zentimeter und kann als weiteres Hilfsmaß im Wald dienen (z.B. bei der Einschätzung von schwächerem Holz, bei dem die Holzaufarbeitung oft bei einem Durchmesser von ca. 8 cm endet).
Baumanzahl pro Hektar schätzen
Um die Anzahl der Bäume pro Hektar (ha) zu schätzen, können Sie sich ein 10 Meter x 10 Meter Raster vorstellen. Ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmetern. Ein Quadrat von 10 x 10 Metern hat eine Fläche von 100 Quadratmetern. Daher passen 100 solcher Quadrate in einen Hektar (10.000 m² / 100 m² = 100).
Methode zur Schätzung der Baumanzahl pro Hektar:
- Suchen Sie sich eine repräsentative Stelle in Ihrem Waldstück aus.
- Stellen Sie sich gedanklich ein Quadrat von 10 x 10 Metern vor (oder markieren Sie es grob im Gelände).
- Zählen Sie die Bäume innerhalb dieses Quadrats.
- Multiplizieren Sie die gezählte Anzahl der Bäume mit 100. Das Ergebnis ist die geschätzte Baumzahl pro Hektar.
Beispiel Baumzählung im Raster:
Sie zählen in Ihrem 10 x 10 Meter Quadrat 7 Bäume. Die Schätzung für die Baumzahl pro Hektar lautet dann:
7 Bäume x 100 = 700 Bäume/ha
Anwendung bei der Auswahl von Z-Bäumen
Diese Methode kann auch bei der Auswahl von Zukunftsbäumen (Z-Stämme) hilfreich sein. Z-Bäume sind besonders wertvolle Bäume, die gefördert werden sollen. Es können jedoch nicht beliebig viele Z-Bäume ausgewählt werden, da sie genügend Raum zum Wachsen benötigen. Als Faustregel gilt, dass etwa 100 Z-Bäume pro Hektar angestrebt werden sollten. Wenn Sie also in Ihrem 10 x 10 Meter Raster einen Baum zählen, entspricht dies etwa 100 Bäumen pro Hektar.
Abstand der Bäume zueinander
Umgekehrt können Sie auch den gewünschten Abstand zwischen den Bäumen für eine bestimmte Baumzahl pro Hektar berechnen. Wenn Sie beispielsweise einen Abstand von 7 Metern zwischen den Bäumen wünschen (Standfläche von 7 x 7 Metern = 49 m²), teilen Sie die Fläche eines Hektars (10.000 m²) durch die gewünschte Standfläche (49 m²):
10.000 m² / 49 m² ≈ 200
In diesem Fall könnten Sie also etwa 200 Bäume pro Hektar auswählen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum sollte man das Baumvolumen und die Baumanzahl schätzen?
Das Schätzen von Baumvolumen und Baumanzahl ist aus verschiedenen Gründen nützlich:
- Waldmanagement: Für Waldbesitzer ist es wichtig, den Holzvorrat und den Baumbestand ihres Waldes zu kennen, um nachhaltige Bewirtschaftungsentscheidungen treffen zu können.
- Planung von Holzerntemaßnahmen: Eine grobe Schätzung hilft bei der Planung von Holzerntemaßnahmen und der Einschätzung des zu erwartenden Ertrags.
- Naturschutz: Die Kenntnis der Baumdichte und des Baumvolumens kann im Naturschutz wichtig sein, um die Gesundheit und Struktur von Waldökosystemen zu beurteilen.
- Persönliches Interesse: Auch für Naturfreunde und Wanderer kann es interessant sein, das Baumvolumen und die Baumdichte eines Waldes grob einschätzen zu können.
Sind diese Schätzmethoden genau?
Nein, die hier vorgestellten Methoden sind überschlägige Schätzungen und keine exakten Messungen. Sie dienen dazu, eine grobe Vorstellung vom Baumvolumen und der Baumanzahl zu bekommen. Für genaue Berechnungen sind professionelle Messungen und genauere Formeln erforderlich. Die Genauigkeit der Schätzungen hängt auch von der Übung und Erfahrung des Schätzenden ab.
Was ist ein Festmeter (Fm) und ein Vorratsfestmeter (Vfm)?
Der Festmeter (Fm) ist eine Maßeinheit für das Holzvolumen. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse ohne Zwischenräume, also beispielsweise einem Würfel von 1 Meter x 1 Meter x 1 Meter aus massivem Holz. Er wird verwendet, um das Volumen von aufgearbeitetem Holz, wie z.B. Stämmen, zu messen.
Der Vorratsfestmeter (Vfm) ist ebenfalls eine Maßeinheit für Holzvolumen, bezieht sich aber auf stehende Bäume im Wald. Er schätzt das Volumen des Baumes ab, das potenziell als Holz genutzt werden könnte. Der Vorratsfestmeter berücksichtigt auch Verluste durch Rinde, Äste und Stammfehler, die bei der Aufarbeitung entstehen können. Ein Vorratsfestmeter ist in der Regel etwas mehr als ein Festmeter, da er das Holzvolumen des stehenden Baumes inklusive Rinde usw. umfasst.
Kann man mit diesen Methoden auch das Volumen von Ästen schätzen?
Die „de-Quadrat-lacht“-Formel ist primär für die Schätzung des Volumens von Stämmen gedacht. Für Äste ist sie weniger geeignet, da Äste oft unregelmäßiger in ihrer Form sind. Für eine grobe Schätzung des Astvolumens könnte man die Formel dennoch verwenden, indem man den Durchmesser und die Länge des Astes schätzt. Allerdings wird die Genauigkeit hier noch geringer sein.
Fazit
Mit diesen einfachen Schätzmethoden haben Sie nun Werkzeuge an der Hand, um das Volumen von Bäumen und die Anzahl der Bäume in Ihrem Waldstück grob einzuschätzen. Die „de-Quadrat-lacht“-Formel hilft bei der Schätzung von aufgearbeiteten Stämmen, während die BHD-Formel und die Handspannweitenmethode die Schätzung von stehenden Bäumen und deren BHD ermöglichen. Die 10x10-Meter-Raster-Methode gibt Ihnen eine Vorstellung von der Baumdichte in Ihrem Wald. Denken Sie daran, dass es sich um Schätzungen handelt, die aber für viele Zwecke im Wald eine nützliche und schnelle Orientierung bieten.
