03/10/2024
Botanische Gärten sind Orte der Ruhe, der Wissenschaft und der Schönheit. Sie bieten nicht nur eine Flucht aus dem städtischen Alltag, sondern auch die Möglichkeit, die Vielfalt der Pflanzenwelt zu entdecken und zu verstehen. Einer dieser besonderen Orte ist der Botanische Garten Hamburg, der heute als Loki-Schmidt-Garten bekannt ist. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch diesen faszinierenden Garten, beleuchtet seine Geschichte, seine verschiedenen Bereiche und was ihn zu einem unvergesslichen Erlebnis für Pflanzenliebhaber und Erholungssuchende macht.

Die Geschichte des Botanischen Gartens Hamburg
Die Geschichte des Botanischen Gartens in Hamburg reicht bis ins Jahr 1821 zurück. Gegründet von Johann Georg Christian Lehmann, begann er als bescheidener Garten mit einer Fläche von 2,5 Hektar. Johann Heinrich Ohlendorff war der erste technische Leiter und prägte die frühen Jahre des Gartens maßgeblich. Im Laufe der Zeit wuchs der Garten stetig und erlebte mehrere Erweiterungen. Bedeutende Persönlichkeiten wie Eduard Otto und später Heinrich Gustav Reichenbach trugen als Direktoren zur Weiterentwicklung und wissenschaftlichen Bedeutung des Gartens bei.
Ursprünglich in den Hamburger Wallanlagen angesiedelt, dem heutigen Park Planten un Blomen, wurde der Garten im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Die Luftangriffe zerstörten große Teile der Freilandflächen und Gewächshäuser. Der Wiederaufbau und die Neugestaltung waren eng mit den Internationalen Gartenbauausstellungen (IGA) der Jahre 1953, 1963 und 1973 verbunden. Die IGA 1963 brachte beispielsweise die markanten Tropengewächshäuser hervor, die von Bernhard Hermkes entworfen wurden und bis heute ein wichtiger Bestandteil des Botanischen Gartens sind.
Die IGA 1973 markierte einen Wendepunkt, denn in deren Rahmen wurde die Verlegung des Botanischen Gartens beschlossen. Der Bau des Neuen Botanischen Gartens, des heutigen Loki-Schmidt-Gartens in Hamburg-Osdorf, begann 1971. Nach acht Jahren Bauzeit wurde 1979 die etwa 25 Hektar große Freifläche eröffnet. Die Tropengewächshäuser verblieben am alten Standort in Planten un Blomen und sind auch heute noch Teil des Botanischen Gartens.
Im Jahr 2012 erfuhr der Neue Botanische Garten eine Namensänderung und wurde zu Ehren von Hannelore „Loki“ Schmidt in Loki-Schmidt-Garten umbenannt. Diese Namensgebung würdigt das Engagement der bekannten Naturschützerin und Ehefrau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt für die Botanik und den Naturschutz.
Aufbau und Bereiche des Loki-Schmidt-Gartens
Der Loki-Schmidt-Garten erfüllt mehrere wichtige Funktionen. Er dient in erster Linie als wissenschaftliche Sammlung für Lehre und Forschung des Biozentrums der Universität Hamburg. Gleichzeitig ist er eine öffentliche Grünanlage, die der Information der Bevölkerung dient und zum Verweilen einlädt. Der Garten engagiert sich auch im Artenschutz und beherbergt verschiedene Schutz- und Erhaltungssammlungen.
Der Garten gliedert sich in zwei Hauptbereiche: das Freigelände und die Tropengewächshäuser. Beide Bereiche sind während der Öffnungszeiten kostenfrei zugänglich.

Das Freigelände: Vielfalt unter freiem Himmel
Das Freigelände des Loki-Schmidt-Gartens ist in drei thematische Bereiche unterteilt, die verschiedene Aspekte der Pflanzenbiologie und der Beziehung zwischen Mensch und Pflanze veranschaulichen:
- Pflanzensystematik: Im Zentrum des Gartens befindet sich das Pflanzensystem, auch bekannt als Phylogenetische Uhr. Auf einer Fläche von 3000 m² werden Pflanzen nach ihrer natürlichen Verwandtschaft präsentiert, unabhängig von ihrer geographischen oder ökologischen Herkunft. Dies ermöglicht einen faszinierenden Einblick in die evolutionären Beziehungen innerhalb des Pflanzenreichs.
- Pflanzengeographie: Dieser Bereich widmet sich der Darstellung unterschiedlicher naturräumlicher Regionen der Erde. Es werden Pflanzen gezeigt, die im Hamburger Klima im Freien gedeihen können. Besondere Highlights sind hier der Hain von Sumpfzypressen, der an das südöstliche Nordamerika erinnert, der chinesische Garten und der von Yoshikuni Araki gestaltete japanische Garten. Diese Bereiche bieten einen Einblick in die Flora verschiedener Kontinente und Kulturen.
- Pflanze und Mensch: Dieser Bereich beleuchtet die vielfältige Beziehung zwischen Mensch und Pflanze. Umfangreiche Sammlungen von Nutz- und Zierpflanzen sind hier ebenso zu finden wie Giftpflanzen. Themengärten wie der niederdeutsche Bauerngarten, der Bibelgarten und der Rosengarten veranschaulichen kulturhistorische Aspekte der Pflanzennutzung. Ein besonderes Highlight ist der 2005 eröffnete Wüstengarten, der Aspekte der Wüstenbildung und der Oasenlandwirtschaft thematisiert. Seit 2021 gibt es auch einen neuen Rosengarten, der eine Auswahl wichtiger Wildrosen, Beetrosen, Edelrosen, Strauch- und Kletterrosen präsentiert. Zur Eröffnung wurde sogar eine neue Beetrosen-Sorte auf den Namen 'Loki' getauft.
Die Tropengewächshäuser: Exotische Welten unter Glas
Die Tropengewächshäuser befinden sich im Park Planten un Blomen und bieten einen faszinierenden Kontrast zum Freigelände. Hier werden Pflanzen aus fremden Klimazonen kultiviert. Die Gewächshäuser sind in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils unterschiedliche Klimabedingungen aufweisen:
- Tropenhaus: Hier erwartet den Besucher eine dichte, üppige Vegetation tropischer Pflanzen.
- Palmfarnhaus: Dieses Haus beherbergt eine wertvolle Sammlung von Palmfarnen, darunter einige über 100 Jahre alte Exemplare, die zu den ersten nach Europa eingeführten Brotpalmfarnen gehören.
- Subtropenhaus: Pflanzen aus subtropischen Klimazonen sind hier zu finden.
- Farnhaus: Eine vielfältige Sammlung von Farnen präsentiert sich in diesem Bereich.
- Kakteenhaus: Liebhaber von Kakteen und anderen Sukkulenten kommen hier auf ihre Kosten.
Die Tropengewächshäuser sind derzeit geschlossen und sollen bis 2029 saniert werden. Dennoch bleiben sie ein wichtiger Bestandteil des Botanischen Gartens und ein Zeugnis seiner langen Geschichte.
Weitere Einrichtungen und Besonderheiten
Neben dem Freigelände und den Tropengewächshäusern bietet der Loki-Schmidt-Garten noch weitere interessante Einrichtungen:
- Loki-Schmidt-Haus: Dieses Museum für Nutzpflanzen der Universität Hamburg beherbergt eine umfangreiche Sammlung von etwa 50.000 Objekten, die die Nutzung von Pflanzen durch den Menschen dokumentieren. Ein Schwerpunkt liegt auf Nutzpflanzen aus Übersee.
- Grüne Schule: Als gemeinsame Einrichtung des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung und der Universität Hamburg bietet die Grüne Schule ein vielfältiges Angebot für Schulklassen und andere Gruppen, um botanische Themen zu vermitteln.
- Förderverein: Die Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens Hamburg e. V. unterstützt den Garten durch Führungen, Pflanzenberatungen, Seminare und die Betreuung spezieller Bereiche im Freigelände.
- Kunst im Garten: Vor dem Eingang zum Freigelände befindet sich die Bronzeplastik „Adam plündert sein Paradies“ von Waldemar Otto. Im Garten wurde 2021 eine Skulptur des Hamburger Mäzens Max Emden aufgestellt.
Botanische Gärten weltweit: Ein Blick über den Tellerrand
Während der Loki-Schmidt-Garten in Hamburg eine beeindruckende Vielfalt bietet, gibt es weltweit zahlreiche weitere botanische Gärten, die einen Besuch wert sind. Ein Beispiel ist der Botanische Garten von Kapstadt, Kirstenbosch. Dieser Garten beeindruckt durch seine einzigartige Lage am Osthang des Tafelbergs und seine Spezialisierung auf Pflanzen der Region. Kirstenbosch wurde 1913 gegründet und war der erste Botanische Garten der Welt, der sich ausschließlich der Bewahrung und Präsentation heimischer Pflanzen widmete. Mit über 7.000 Pflanzenarten, darunter die südafrikanische Nationalblume Protea, ist Kirstenbosch ein Juwel der botanischen Welt. Im Vergleich dazu konzentriert sich der Loki-Schmidt-Garten auf eine breitere Darstellung der Pflanzenwelt aus verschiedenen Regionen und Kulturen, während Kirstenbosch den Fokus auf die einzigartige Flora Südafrikas legt.
Fragen und Antworten zum Loki-Schmidt-Garten
Was ist das Besondere am Loki-Schmidt-Garten?
Der Loki-Schmidt-Garten zeichnet sich durch seine Vielfalt an Pflanzensammlungen, seine wissenschaftliche Ausrichtung und seine Rolle als öffentliche Grünanlage aus. Die thematischen Bereiche im Freigelände und die Tropengewächshäuser bieten einen umfassenden Einblick in die Pflanzenwelt. Das Loki-Schmidt-Haus und die Grüne Schule ergänzen das Angebot und machen den Garten zu einem Ort des Lernens und der Begegnung.
Ist der Eintritt in den Loki-Schmidt-Garten kostenlos?
Ja, sowohl das Freigelände als auch die Tropengewächshäuser (sobald wiedereröffnet) sind während der Öffnungszeiten kostenfrei zugänglich.
Wie erreiche ich den Loki-Schmidt-Garten?
Der Loki-Schmidt-Garten ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Er liegt gegenüber der S-Bahn-Station Klein Flottbek (Linie S1). Die Buslinien M21 und M15 haben hier ebenfalls ihre Endhaltestelle.
Gibt es Führungen durch den Garten?
Ja, der Förderverein, die Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens Hamburg e. V., bietet regelmäßig fachkundige Führungen durch das Freigelände und die Tropengewächshäuser an. Informationen zu aktuellen Führungen finden Sie auf der Webseite des Botanischen Gartens oder des Fördervereins.
Was kann man im Loki-Schmidt-Garten erleben?
Im Loki-Schmidt-Garten kann man:
- Die Vielfalt der Pflanzenwelt in den verschiedenen Bereichen des Freigeländes und den Tropengewächshäusern entdecken.
- Sich in den Themengärten inspirieren lassen.
- Das Loki-Schmidt-Haus besuchen und mehr über Nutzpflanzen erfahren.
- An Führungen und Veranstaltungen teilnehmen.
- Einfach die Ruhe und Schönheit der Natur genießen und dem städtischen Trubel entfliehen.
Fazit
Der Loki-Schmidt-Garten in Hamburg ist mehr als nur ein Garten – er ist ein Ort der Wissenschaft, der Bildung und der Erholung. Mit seiner reichen Geschichte, seinen vielfältigen Pflanzensammlungen und seinen verschiedenen Bereichen bietet er für jeden Besucher etwas. Ob Pflanzenliebhaber, Wissenschaftler, Familien oder Erholungssuchende – ein Besuch im Loki-Schmidt-Garten ist ein unvergessliches Erlebnis und eine Bereicherung für jeden, der die Schönheit und Vielfalt der Pflanzenwelt schätzt. Tauchen Sie ein in dieses grüne Paradies mitten in Hamburg und entdecken Sie die faszinierende Welt der Botanik!
