Wann blüht es auf Lanzarote?

Lanzarotes Pflanzenvielfalt: Eine grüne Überraschung

04/11/2024

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Lanzarote, bekannt für ihre vulkanische Landschaft und ihr trockenes Klima, mag auf den ersten Blick nicht als Hotspot botanischer Vielfalt erscheinen. Doch die Insel birgt ein überraschend reiches Pflanzenleben, das sich an die extremen Bedingungen angepasst hat und eine Vielzahl einzigartiger Arten hervorgebracht hat. Trotz der geringen Niederschläge und des oft kargen Bodens, beheimatet Lanzarote eine bemerkenswerte Flora, die es zu entdecken gilt.

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Inhaltsverzeichnis

Einzigartige Flora und endemische Arten

Die Insel Lanzarote, insbesondere das Famara-Massiv im Norden, gilt als einer der Orte mit der höchsten botanischen Endemitendichte pro Quadratkilometer in ganz Europa. Neben der vielfältigen Meeresflora sind es vor allem die Landpflanzen, die Lanzarote botanisch so interessant machen. Die Gebiete mit dem grössten botanischen Reiz finden sich an den Klippen von Famara und Ajaches, im Malpaís de La Corona und an den organischen Sandstränden.

Obwohl Bäume auf Lanzarote eher selten sind, prägen Palmen insbesondere die Barrancos und Täler das Landschaftsbild. Besonders hervorzuheben ist die Gemeinde Haría, die im sogenannten „Tal der tausend Palmen“ liegt.

Ginster und Buschland: Weite Flächen der „Malpais“

Grosse Gebiete Lanzarotes sind von sogenannten „Malpais“ bedeckt, alten Ödländern, in denen der Boden sehr salzhaltig und steinig ist. Hier können sich nur widerstandsfähige Pflanzen wie Flechten, Ginster und verschiedene Buscharten ansiedeln. Die Malpais von Teguise und El Rubicón sind die grössten der Insel, obwohl sie aus floristischer Sicht weniger bedeutsam sind, da hier kaum endemische oder seltene Arten vorkommen.

Zu den häufigsten Arten im Buschland gehören:

  • Verschiedene Ginsterarten
  • Widerstandsfähige Buscharten
  • Epiphytische Flechten wie Dimelaena radiata, Teloschistes scorigenus und Xanthoria sp., die die Geröllhalden dominieren

Vegetation in den Bergmassiven: Risco de Famara und Ajaches

Lanzarote wird von zwei markanten Bergmassiven geprägt: dem Risco de Famara und den Ajaches. Die Vegetation in diesen Gebieten ist durch menschlichen Einfluss in den Kanarischen Inseln insgesamt zurückgegangen. Der Risco de Famara, der sich von La Quemada bis Punta Fariones erstreckt, beherbergt einen lichten Bittertabaiba-Bestand (Euphorbia obtusifolia). Begleitende Arten sind unter anderem:

  • Lavandula pinnata
  • Lobularia intermedia
  • Asteriscus intermedius
  • Rumex lunaria
  • Limonium puberulum
  • Reichardia famarae
  • Pulicaria canariensis
  • Micromeria varia

Das Bergmassiv der Ajaches im Südosten der Insel, zwischen der Bucht von Avila und Punta Papagayo, ist botanisch stärker geschädigt durch Erosion und intensive Beweidung. Die interessantesten Arten finden sich in den höchsten Lagen, insbesondere in Aceituna, Redondo und Hacha Grande. Die einzigartigste Flora konzentriert sich hier auf die Nordseiten des Massivs. Zu den bemerkenswerten Arten gehören:

  • Drusa glandulosa
  • Rutheopsis herbanica
  • Hypericum grandiflorum
  • Ranunculus cortusifolius
  • Helianthemum thymiphyllum
  • Campylanthus salsoloides
  • Scilla latifolia
  • Romulea columnae

Beide Gebirgszüge bieten zudem zahlreichen kanarischen Tierarten Schutz und Nistplätze.

Salzwiesen-Vegetation: Leben im Gezeitenbereich

In den Salzwiesen, die bei Flut überflutet werden, herrscht eine spezielle Vegetation, die an hohe Salzkonzentrationen und periodische Überflutung angepasst ist. Früher waren Salzwiesen auf Lanzarote weiter verbreitet, doch Umweltverschmutzung und vor allem der Tourismus haben ihre Verbreitung auf wenige, kleine Küstenabschnitte reduziert. Beispiele sind:

  • Saladar de La Santa: Das repräsentativste Beispiel der Insel, eine kleine Marschlandschaft in Tinajo, geprägt von buschartigen Rasenbildungen von Arthrocnemum macrostachyum.
  • Saladares de Órzola: Kleinere, aber ebenfalls bedeutende Salzwiesen mit Arthrocnemum macrostachyum und Sarcocornia perennis, zwei gefährdete Arten des halophilen Küstenlitorals.
  • Saladar de las Salinas de Río: Am Rande des Risco de Famara, im Naturpark Archipiélago Chinijo, mit gut vertretenen Beständen von Arthrocnemum fruticosum und Suaeda sp.

Salzwiesen sind zwar nicht übermässig artenreich, aber sie sind wertvolle Lebensräume für Zugvögel und Watvögel und von hoher landschaftlicher, faunistischer, floristischer und biogeographischer Bedeutung.

Strandvegetation: Schwarzer und goldener Sand

Die Küsten Lanzarotes lassen sich in zwei Strandtypen unterteilen: Strände mit hellem und mit schwarzem Sand. Die schwarzen Sandstrände, die hauptsächlich aus vulkanischem Material junger Eruptionen bestehen, sind floristisch wenig interessant und vor allem im Südwesten der Insel zu finden.

Die Strände mit goldenem Sand (Jable) hingegen weisen eine grössere Vielfalt auf, mit einer Vegetation, die sich hauptsächlich aus nordafrikanischen und mediterranen Elementen zusammensetzt. Beispiele sind die Strände von Famara, Órzola und La Graciosa. Die Vegetation variiert je nach Lage und Exposition gegenüber Wind und Sonne. Nördliche Strände wie Famara sind aufgrund höherer Luftfeuchtigkeit und geringerer Sonneneinstrahlung üppiger bewachsen. Hier finden sich typische Küstenpflanzen wie:

  • Barilla-Sträucher
  • Disteln
  • Tabaibas
  • Andere xerophytische Pflanzen, die an die Trockenheit angepasst sind
  • Endemische Arten wie die Famara-Siempreviva

Südliche Strände wie Papagayo sind trockener und weisen daher spärlichere Vegetation auf. Hier dominieren besonders widerstandsfähige, sukkulente Pflanzen wie Kakteen und Aloen.

Vegetation in jungen Lavagebieten (Malpaíses recientes)

Die jungen Malpaíses sind durch die vulkanischen Materialien der Eruptionen von 1730-36 und 1824 entstanden und bilden eine etwa 200 km² grosse Fläche, in der sich der Nationalpark Timanfaya befindet. Die kurze Zeit seit den Eruptionen und die klimatischen Bedingungen haben eine stärkere Bodenentwicklung verhindert, was die Ansiedlung von Gefässpflanzen erschwert. Daher dominieren hier Flechten, die in der Lage sind, das nackte Gestein zu besiedeln und zu dessen Verwitterung beizutragen.

Auf älteren Gesteinsinseln innerhalb des Lavagebiets, den sogenannten „Islotes“, hat sich bereits Boden gebildet, was zu einer grösseren floristischen Vielfalt führt. Hier konnten sich Relikte der ursprünglichen Flora erhalten und von hier aus erfolgte später die Ausbreitung von Pflanzen in das neue Vulkangelände.

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Schöne Beispiele sind der Kanarische Ozean-Lavendel (Limonium tuberculatum) oder der Ozean-Wegerich (Plantago aschersonii). Im meist feuchteren Norden wachsen die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis), die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) und einige Farnarten.

Im Nationalpark Timanfaya wurden 170 Arten gezählt, darunter 15 kultivierte, 11 kanarische und 3 Lanzarote-Endemiten:

  • Timanfaya-Saladillos (Polycarpaea robusta): Ein Lanzarote-Endemit, der auf vulkanischem Auswurfgestein wächst.
  • Gongarillo purpurario (Aichryson tortuosum): Eine kleine Sukkulente, die sich hauptsächlich im Nordwesten des Timanfaya-Massivs verbreitet.
  • Bejeque de malpaís (Aeonium lancerottense): Ein Lanzarote-Endemit, der im Nationalpark gefunden wurde.

In feuchten Spalten zwischen Timanfaya und Islote de Hilario finden sich Tabaibal-Bestände mit Arten wie Centaurium tenuiflorum, Juncus acutus und Gnaphalium luteo-album. Die Tabaibales sind typische sukkulente Buschwälder der Kanaren, dominiert von Arten der Gattung Euphorbia. Im Park ist der Tabaibal del Mojón am repräsentativsten, mit der Süssen Tabaiba (Euphorbia balsamifera) und Arten wie Kleinia neriifolia, Suaeda vera und Lycium intricatum.

Vegetation in alten Lavagebieten (Malpaíses antiguos)

Das nordöstliche Ende der Insel, von Arrieta bis Órzola und vom Meeresspiegel bis zum Vulkankegel des Corona-Vulkans, ist ein Gebiet von grossem vulkanologischem und botanischem Interesse. Auch hier dominieren Tabaibas, insbesondere die Süsse Tabaiba (Euphorbia balsamifera), die sich an verschiedene Bodentypen anpasst und bis etwa 100 m Höhe vorkommt. Der Tabaibal des Volcán y Malpaís de La Corona ist einer der grössten und artenreichsten der Kanaren. Begleitende Arten sind:

  • Kleinia neriifolia
  • Rubia fruticosa
  • Lycium intricatum
  • Ceballosia fruticosa
  • Asparagus nesiotes

In den Felsen von Siete Lenguas im Malpaís ist Maytenus senegalensis eine seltene Art afrikanischen Ursprungs. Die Felsvegetation am Vulkankrater besteht hauptsächlich aus kleinen Crassulaceen wie Kleinia neriifolia, Aichryson tortuosum und Sedum nudum. Auch ein Olivillo (Olea europaea) ist hier zu finden, dessen Bestand auf der Insel jedoch kritisch ist. Zahlreiche Flechten wie Xanthoria resendei, Xanthoria parietina, Lecanora sulphurella und Caloplaca glorieae sind in diesem Gebiet ebenfalls präsent.

Vegetation in Barrancos (Schluchten)

Die Vegetation der Barrancos auf Lanzarote ist sehr vielfältig und an die extremen Klima- und Bodenbedingungen angepasst. Barrancos dienen als Wasserleitbahnen der Insel und weisen daher eine üppigere Vegetation auf als andere Gebiete. Eine spezifische Barranco-Vegetation gibt es nicht, da die Pflanzenzusammensetzung stark von Lage, Klima und Bodenbedingungen abhängt. Der Barranco de Tenegüime und der Barranco Elvira Sánchez sind jedoch von besonderem botanischem Interesse.

Der Barranco de Tenegüime beherbergt die grösste Kolonie von Campylanthus salsoloides auf Lanzarote und möglicherweise auf den gesamten Kanarischen Inseln. Der Barranco Elvira Sánchez ist aussergewöhnlich artenreich und konzentriert die interessanteste Flora des Risco de Famara. Hier wachsen unter anderem:

  • Argyranthemum maderense
  • Aichryson tortuosum
  • Sedum nudum
  • Sideritis pumila
  • Thymus origanoides

Der Palmenhain von Haría (Palmeral de Haría)

Der Palmenhain von Haría, eingebettet im Tal von Haría zwischen Häusern und Gärten, ist ein prägendes Landschaftselement. Früher gab es über 10.000 Palmen, doch die Zahl ist durch menschlichen Einfluss zurückgegangen. Der Hain ist wichtig, da seine Hauptkomponente, die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis), ein kanarischer Endemit ist und den bedeutendsten Baumbestand der Insel darstellt. Die Palmen sind sehr widerstandsfähig und wurden traditionell für Kunsthandwerk genutzt. Der Palmeral de Haría ist von hohem ökologischem und kulturellem Wert und wurde zum Kulturgut von Interesse erklärt.

Vegetation an Küstenklippen

Nördlich der Insel, am Risco de Famara, erstreckt sich ein bedeutendes Gebiet von Nord nach Süd. Botanisch gesehen ist dies das vollständigste Gebiet der Insel, da es verschiedene Pflanzengemeinschaften Lanzarotes beherbergt. Die unzugängliche Topographie hat als Refugium für die interessantesten und seltensten Endemiten der Insel gedient. Der Risco de Famara beherbergt eine bedeutende Reliktflora mit über 12 exklusiven Arten. Von den bisher 291 erfassten Arten sind viele endemisch, darunter:

  • 10 makaronesische Endemiten
  • 24 kanarische Endemiten
  • 21 Endemiten der östlichen Inseln (Lanzarote und Fuerteventura)
  • 19 Endemiten von Lanzarote und dem Chinijo-Archipel
  • 14 exklusiv für den Risco de Famara

Die Pflanzengemeinschaften des Risco de Famara werden durch Klima, Boden und menschlichen Einfluss bestimmt. Klimatische Faktoren bedingen halophile Küstengemeinschaften, xerophile Trockengemeinschaften und thermophile Gemeinschaften in den oberen Klippenbereichen unter dem Einfluss der Passatwinde. Bodenfaktoren bestimmen psammophile (sandliebende) und rupikole (felsbewohnende) Gemeinschaften. Menschliche Einflüsse führen zur Existenz ruderale-nitrophiler Gemeinschaften.

An den Famara-Klippen finden sich bedeutende Bestände an Orchilla, Flechten der Gattung Roccella. Früher wurden diese zur Gewinnung von Purpurfarbstoff geerntet und waren eine wichtige Einkommensquelle der frühen Inselwirtschaft.

Vegetation in Küstendünen

Drei Dünengebiete auf Lanzarote sind besonders erwähnenswert: Mancha Vagal, Dunas de Órzola und Dunas de La Graciosa.

  • La Mancha Vaga: Ein Gebiet mit Wanderdünen organischen Ursprungs zwischen La Caleta und der Urbanisation Famara. Es ist eines der seltensten und fragilsten Ökosysteme der Insel, dominiert von Beständen von Traganum moquini (Balakón) mit Populationen von Euphorbia paralias, Zygophyllum fontanesii und Polycarpaea nivea.
  • Dunas de Órzola: Entlang der Küste des Corona-Naturdenkmals, mit Kalkmaterialien organischen Ursprungs. Über dem halophytischen Küstenstreifen dominieren Atriplex halimus und Salsola longifolia, gefolgt von Zygophyllum jontanesii und Polycarpaea nivea. In höheren Lagen ist die Vielfalt grösser, mit Traganum moquinii, Cistanche phelipaea, Euphorbia paralysis, Zygophyllum jontanesii, Atriplex glauca und Senecio crassifolius.
  • Dunas de La Graciosa: Die überraschendsten psammophilen Formationen des Kanarischen Archipels, besonders ausgeprägt südlich der Montaña del Mojón in Richtung Bahía del Salado und Playa Francesa. Das charakteristischste Taxon ist Traganum moquini, das grosse Dünen fixieren kann.

Flechtenflora: Überraschende Vielfalt

Ein überraschender Aspekt der Vegetation Lanzarotes ist trotz des semiariden Klimas die grosse Vielfalt an Flechten, die das Vulkangestein bedecken. Bisher wurden etwa 150 Flechtenarten auf der Insel nachgewiesen, Schätzungen gehen jedoch von bis zu 200 Arten aus. Besonders in windigen, feuchten Küstenbereichen gedeihen Flechten gut, da sie Wasser und Nährstoffe direkt über ihren Thallus aufnehmen können.

Frühling auf Lanzarote: Blütezeit

Der Frühling ist eine wunderbare Zeit, um Lanzarote zu besuchen und die Pflanzenwelt in voller Blüte zu erleben. Die Temperaturen sind angenehm mild, meist zwischen 20°C und 25°C, und nach den leichten Winterregen erblüht die Landschaft in leuchtenden Farben. Dies ist die ideale Zeit für Wanderungen und Radtouren, um die Blütenpracht der Insel zu geniessen. Obwohl das Meer im Frühling noch etwas kühl sein kann, ist dies eine ruhigere Reisezeit mit weniger Touristen, die perfekte Bedingungen bietet, um die botanische Vielfalt Lanzarotes in Ruhe zu erkunden.

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