Wie viele Kamele wurden in Australien abgeschossen?

Kamelabschüsse in Australien: Eine Übersicht

31/05/2021

Rating: 4.69 (3852 votes)

Australien, bekannt für seine einzigartige Tierwelt, beherbergt eine Spezies, die dort ursprünglich nicht heimisch war: das Kamel. Diese Tiere, die im 19. Jahrhundert eingeführt wurden, haben sich in der australischen Wildnis explosionsartig vermehrt und stellen heute eine erhebliche ökologische und wirtschaftliche Herausforderung dar. Um die Populationsgröße zu kontrollieren und Schäden zu minimieren, wurden in den letzten Jahren umfangreiche Abschussmaßnahmen durchgeführt. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, den Umfang und die Kontroversen rund um die Kamelabschüsse in Australien.

Welche Pflanzen fressen Kamele?
Sozialverhalten und Ernährung Um die Führerschaft in einer Haremsgruppe kann es zu erbitterten Kämpfen zwischen zwei Männchen kommen. Kamele sind Pflanzenfresser, die sich hauptsächlich von Gräsern ernähren. Insbesondere Altweltkamele sind dafür bekannt, auch dornige oder salzhaltige Pflanzen zu sich nehmen zu können.
Inhaltsverzeichnis

Die Kamel-Invasion: Vom Lasttier zur Plage

Kamele sind in Australien keine autochthone Art. Ihre Geschichte auf dem fünften Kontinent begann in den 1840er Jahren, als sie von europäischen Siedlern als robuste Lasttiere für die Erkundung und Erschließung des trockenen Inlands eingeführt wurden. Insbesondere für den Bau von Infrastrukturprojekten wie der Overland Telegraph Line und dem Rabbit-Proof Fence erwiesen sich Kamele als unverzichtbar. Sie waren an das harte, aride Klima angepasst und konnten tagelang ohne Wasser auskommen, was sie ideal für die extremen Bedingungen des australischen Outbacks machte.

Mit dem Aufkommen von Eisenbahnen und Lastkraftwagen in den 1920er Jahren verloren Kamele jedoch ihre wirtschaftliche Bedeutung als Transportmittel. Viele Tiere wurden freigelassen und verwilderten. Da sie in Australien keine natürlichen Feinde hatten und sich ideal an das Klima anpassen konnten, begann ihre Population rasant zu wachsen. Aus einer kleinen Anzahl von eingeführten Tieren entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte eine riesige Wildkamelpopulation.

Umweltproblematik und die Notwendigkeit der Populationskontrolle

Die wachsende Kamelpopulation in Australien wurde zunehmend zu einem Problem. Schätzungen zufolge lebten im Jahr 2009 rund eine Million wilde Dromedare in Australien, im Jahr 2011 sogar 1,2 Millionen. Diese hohe Zahl hatte erhebliche negative Auswirkungen auf die australische Umwelt und Infrastruktur:

  • Umweltschäden: Kamele können sich von etwa 80 % der australischen Flora ernähren. Bei einer hohen Populationsdichte, wie in weiten Teilen des Northern Territory, führen sie zu erheblichen Erosionsschäden und gefährden die heimische Vegetation. Sie konkurrieren mit anderen Wildtieren und Nutztieren um Nahrung und Wasser.
  • Schäden an der Infrastruktur: Kamele beschädigen Zäune, Wasserleitungen und andere Infrastruktureinrichtungen. Ein Beispiel ist die Zerstörung einer 140 Kilometer langen Zaunlinie im Jahr 2007. Auch auf Straßen verursachen sie Unfälle.
  • Bedrohung für indigene Gemeinden: Kamele dringen auf der Suche nach Wasser in Siedlungen indigener Gemeinschaften ein, beschädigen Gebäude und verunreinigen Wasserstellen. In Dürrezeiten können sich Tausende von Kamelen an Wasserlöchern versammeln, wo lebende, sterbende und verwesende Tiere die Wasserqualität erheblich beeinträchtigen.
  • Treibhausgasemissionen: Kamele produzieren Methan bei der Verdauung, ein Treibhausgas, das zum Klimawandel beiträgt. Obwohl der Methanausstoß pro Kamel geringer ist als bei Rindern, summiert sich die Gesamtmenge bei einer großen Population.

Angesichts dieser Probleme wurde deutlich, dass Maßnahmen zur Populationskontrolle der wilden Kamele notwendig waren, um die australische Umwelt und Wirtschaft zu schützen.

Der National Feral Camel Action Plan und die Kamelabschüsse

Im Juli 2009 bewilligte die australische Regierung unter Umweltminister Peter Garrett den „National Feral Camel Action Plan“ (NFCAP). Dieses Programm sah den Einsatz von Scharfschützen aus Hubschraubern vor, um die Kamelpopulation zu reduzieren. Für das Programm wurden 19 Millionen AU$ (ca. 11 Millionen €) bereitgestellt, mit dem Ziel, innerhalb von vier Jahren 350.000 Kamele zu keulen.

Warum wurden Kamele nach Australien gebracht?
Seit 1840 gibt es Kamele in Australien. Sie wurden als hitzeresistente Arbeitstiere ins heiße Zentrum des Kontinents gebracht, um den Menschen dort bei der Besiedelung und dem Bau einer Bahnlinie zu helfen - als wichtigste Last- und Transportmöglichkeit.

Die Abschussaktionen wurden ab 2009 durchgeführt. Innerhalb von vier Jahren, bis Ende 2013, wurden im Rahmen des NFCAP insgesamt 160.000 Kamele abgeschossen. Zusätzlich wird geschätzt, dass im gleichen Zeitraum weitere 100.000 Tiere einer Dürre zum Opfer fielen. Die verbliebene Kamelpopulation wurde im Jahr 2013 auf etwa 300.000 Tiere geschätzt.

Die Kamelabschüsse wurden hauptsächlich in abgelegenen Gebieten durchgeführt, oft in der Nähe von Wasserstellen, wo sich die Tiere in Dürreperioden konzentrierten. Scharfschützen in Hubschraubern trieben die Kamele zusammen und töteten sie. In einigen Fällen, wie in der Gemeinde Kaltukatjara im Jahr 2009, wurden Notkeulungen durchgeführt, um akute Bedrohungen durch Kamelherden abzuwehren. In Kaltukatjara wurden beispielsweise 3604 Kamele notgekeult, nachdem eine Herde von 6000 Tieren die Gemeinde belagert und erhebliche Schäden verursacht hatte.

Kontroversen und Kritik am Abschussprogramm

Der National Feral Camel Action Plan und die Kamelabschüsse waren von Anfang an umstritten und lösten heftige Debatten aus. Kritik kam vor allem von Tierschutzorganisationen und Teilen der internationalen Öffentlichkeit.

Ein Hauptkritikpunkt war die ethische Vertretbarkeit der Massenabschüsse. Tierschützer argumentierten, dass es humanere Methoden zur Populationskontrolle geben müsse, wie zum Beispiel Geburtenkontrolle. Sie kritisierten die Tötung von Tausenden von Tieren als grausam und unnötig.

Ein weiterer Kritikpunkt waren die Gesundheitsrisiken, die von den verwesenden Kamelkadavern ausgingen. Nach den Abschüssen kam es in einigen Gebieten zu Fliegenplagen und starkem Verwesungsgeruch, was die Lebensqualität der Anwohner beeinträchtigte.

Wie viele Kamele wurden in Australien abgeschossen?
Letztendlich wurden bis Ende 2013 insgesamt nur 160.000 Tiere abgeschossen; weitere 100.000 Tiere sollen in dieser Zeit einer Dürre zum Opfer gefallen sein. Der verbliebene Bestand wurde auf rund 300.000 Tiere geschätzt. Frühere Schätzungen auf mehr als eine Million Tiere seien zu hoch gewesen.

Auch die Effektivität des Abschussprogramms wurde in Frage gestellt. Viehzüchter bezweifelten, dass die Maßnahme den natürlichen Zuwachs der Kamelpopulation nachhaltig eindämmen könne. Sie argumentierten, dass die Abschüsse lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein seien und die Kamele sich schnell wieder vermehren würden.

Die Reaktionen in der internationalen Öffentlichkeit waren teilweise sehr ablehnend. Nach Berichten über die Keulung in Kaltukatjara im Jahr 2009 zeigten sich Teile der britischen Öffentlichkeit empört. Es gab Boykottaufrufe gegen Australien als Reiseziel und Kritik an der australischen Regierung.

Alternativen zur Keulung und kommerzielle Nutzung von Kamelen

Neben den umstrittenen Abschussmaßnahmen wurden auch alternative Methoden zur Kamelkontrolle diskutiert. Dazu gehören:

  • Geburtenkontrolle: Tierschutzorganisationen schlugen die Entwicklung und Anwendung von Methoden zur Geburtenkontrolle bei Kamelen vor. Die australische Regierung argumentierte jedoch, dass diese Methoden nicht praktikabel seien, um die Kamelpopulation in dem erforderlichen Umfang und Tempo zu reduzieren. Da Kamele bis zu 30 Jahre alt werden können, würde eine Geburtenkontrolle zu lange dauern, um die akuten Probleme zu lösen.
  • Kommerzielle Nutzung: Eine weitere Idee war die verstärkte kommerzielle Nutzung von Kamelen. Kamelprodukte wie Kamelfleisch, Milch und Leder könnten einen wirtschaftlichen Anreiz für die Kameljagd und -haltung schaffen und so zur Populationskontrolle beitragen. Allerdings steckt die Kamelindustrie in Australien noch in den Kinderschuhen. Es fehlen Schlachtöfe, Infrastruktur und etablierte Märkte, um eine großflächige kommerzielle Nutzung von Kamelen zu ermöglichen. Dennoch gibt es Bemühungen, die Kamelindustrie in Australien weiterzuentwickeln, insbesondere im Hinblick auf den Export von Kamelfleisch und lebenden Tieren in muslimische Länder.

Aktuelle Situation und Ausblick

Auch nach dem Ende des National Feral Camel Action Plan im Jahr 2013 bleibt die Kamelpopulation in Australien ein Thema. Obwohl die Zahl der wilden Kamele durch die Abschüsse und die Dürre reduziert wurde, wird der verbliebene Bestand weiterhin auf mehrere Hunderttausend Tiere geschätzt. Regionale Biosecurity-Organisationen führen weiterhin kontrollierte Keulungen aus der Luft durch, um lokale Kamelpopulationen zu managen und Schäden zu minimieren.

Die langfristige Lösung für das Kamelproblem in Australien ist noch nicht gefunden. Eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen, wie kontrollierte Keulungen in kritischen Gebieten, Förderung der kommerziellen Nutzung und möglicherweise zukünftig effektivere und humanere Methoden der Geburtenkontrolle, könnten Teil einer nachhaltigen Kamelmanagementstrategie sein. Die Herausforderung besteht darin, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem Schutz der australischen Umwelt und der Berücksichtigung ethischer Aspekte im Umgang mit den wilden Kamelen.

Fragen und Antworten (FAQ)

Wie viele Kamele wurden in Australien abgeschossen?
Im Rahmen des National Feral Camel Action Plan wurden zwischen 2009 und 2013 insgesamt 160.000 Kamele abgeschossen. Zusätzlich wird geschätzt, dass 100.000 weitere Kamele im gleichen Zeitraum einer Dürre zum Opfer fielen.
Warum wurden Kamele in Australien eingeführt?
Kamele wurden im 19. Jahrhundert als Lasttiere für die Erkundung und Erschließung des trockenen Inlands Australiens eingeführt. Sie waren robust, hitzeresistent und konnten tagelang ohne Wasser auskommen, was sie ideal für die extremen Bedingungen des Outbacks machte.
Warum werden Kamele in Australien als Plage betrachtet?
Da Kamele in Australien keine natürlichen Feinde haben und sich schnell vermehren, hat ihre Population stark zugenommen. Die hohe Kamelpopulation verursacht erhebliche Umweltschäden, beschädigt Infrastruktur, bedroht indigene Gemeinden und trägt zu Treibhausgasemissionen bei.
Gibt es Alternativen zu den Kamelabschüssen?
Ja, es gibt Alternativen wie Geburtenkontrolle und kommerzielle Nutzung von Kamelen. Geburtenkontrolle ist jedoch derzeit nicht praktikabel für eine schnelle und großflächige Reduzierung der Population. Die kommerzielle Nutzung steckt noch in den Anfängen, bietet aber langfristig Potential.
Was sind die ethischen Bedenken gegen die Kamelabschüsse?
Tierschutzorganisationen kritisieren die Massenabschüsse als grausam und unethisch. Sie fordern humanere Methoden zur Populationskontrolle und bemängeln die Tötung von Tausenden von Tieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kamelabschüsse in Australien eine umstrittene, aber auch notwendige Maßnahme zur Kontrolle der Wildkamelpopulation darstellen. Die Herausforderungen im Zusammenhang mit den wilden Kamelen bleiben bestehen, und es bedarf weiterhin Anstrengungen, um nachhaltige Lösungen für das Management dieser Tiere in Australien zu finden.

Go up