Was blüht auf den Feldern?

Blühende Felder im Herbst & Pflanzen auf dem Acker

20/08/2023

Rating: 3.8 (5372 votes)

Es mag überraschend erscheinen, doch mitten im Herbst verwandeln sich viele Felder in Deutschland in blühende Landschaften. Während die Tage kürzer werden und sich die Natur auf den Winter vorbereitet, leuchten Felder in Weiß und Gelb. Dieses Phänomen ist den sogenannten Zwischenfrüchten zu verdanken, die eine wichtige Rolle in der modernen Landwirtschaft spielen. Aber nicht nur im Herbst gibt es auf den Äckern viel zu entdecken. Auch im Frühjahr und Sommer wächst und gedeiht es, denn die Felder sind das Fundament unserer Ernährung und der Tierhaltung. In diesem Artikel beleuchten wir, was auf den Feldern blüht und welche Pflanzen dort das ganze Jahr über angebaut werden.

Was blüht auf den Feldern?
Ölrettich und Senf sind die beliebtesten Zwischenfrüchte, aber auch Rauhafer, Leindotter, Sonnenblumen, Perserklee, Sommerwicke oder Buchweizen werden in den Mischungen je nach Standort und Hauptfrucht verwendet.
Inhaltsverzeichnis

Zwischenfrüchte: Blühende Vielfalt im Herbst

Wenn die Hauptkulturen wie Getreide oder Mais abgeerntet sind, könnten die Felder brachliegen. Doch viele Landwirte nutzen diese Zeit, um Zwischenfrüchte anzubauen. Dabei handelt es sich um Pflanzen, die zwischen zwei Hauptkulturen auf dem Feld wachsen. Sie werden nicht geerntet, sondern dienen verschiedenen wichtigen Zwecken für den Boden und die Umwelt. Besonders im Herbst zeigen sich die Felder dann in voller Pracht, denn viele Zwischenfruchtarten blühen zu dieser Jahreszeit.

Warum blühen Zwischenfrüchte im Herbst?

Die Blütezeit vieler Zwischenfrüchte, wie beispielsweise Senf und Ölrettich, fällt in den Herbst. Das ist kein Zufall, denn die Landwirte säen diese Pflanzen bewusst nach der Ernte der Hauptfrucht aus. Die Zwischenfrüchte nutzen die verbleibende Wärme und das Sonnenlicht des Herbstes, um zu wachsen und zu blühen. Diese späte Blüte bietet nicht nur einen schönen Anblick, sondern erfüllt auch wichtige ökologische Funktionen.

Die Vorteile von Zwischenfrüchten

Zwischenfrüchte sind wahre Multitalente und bieten zahlreiche Vorteile für die Landwirtschaft und die Umwelt:

  • Bodenverbesserung: Zwischenfrüchte tragen maßgeblich zur Verbesserung der Bodenstruktur bei. Ihre Wurzeln durchdringen den Boden, lockern ihn auf und fördern die Krümelstruktur. Dies verbessert die Belüftung und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens.
  • Nährstoffspeicherung: Besonders Ölrettich ist bekannt dafür, große Mengen an Stickstoff aus dem Boden aufzunehmen. Bis zu 140 kg Stickstoff pro Hektar kann Ölrettich speichern! Dieser Stickstoff wird dann nicht ausgewaschen und geht verloren, sondern steht im Frühjahr der nächsten Hauptfrucht wieder zur Verfügung.
  • Humusaufbau: Die Biomasse der Zwischenfrüchte, also die oberirdischen Pflanzenteile und die Wurzeln, tragen zum Aufbau von Humus im Boden bei. Humus ist organische Substanz, die für die Bodenfruchtbarkeit unerlässlich ist. Er verbessert die Nährstoffspeicherfähigkeit, die Wasserhaltekapazität und die Bodenstruktur.
  • Erosionsschutz: Gerade auf Hanglagen bieten Zwischenfrüchte einen wichtigen Erosionsschutz. Ihre dichte Pflanzendecke verhindert, dass der wertvolle Oberboden durch Regen und Wind abgetragen wird.
  • Wildtierschutz und -futter: Die blühenden Zwischenfruchtfelder im Herbst sind nicht nur schön anzusehen, sondern bieten auch Schutz und Futter für Wildtiere. In einer Zeit, in der natürliche Nahrungsquellen knapper werden, sind die Zwischenfruchtfelder eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und andere Tiere.
  • Unkrautunterdrückung: Ein dichter Bestand an Zwischenfrüchten kann das Wachstum von Unkräutern unterdrücken. Sie nehmen den Unkräutern Licht, Wasser und Nährstoffe weg.

Beliebte Zwischenfruchtarten

Es gibt eine Vielzahl von Zwischenfruchtarten, die je nach Standort, Bodenart und Fruchtfolge eingesetzt werden. Zu den beliebtesten gehören:

  • Senf: Senf ist eine schnellwachsende Zwischenfrucht, die den Boden gut bedeckt und Unkraut unterdrückt.
  • Ölrettich: Ölrettich ist besonders effektiv bei der Stickstoffspeicherung und Bodenlockerung.
  • Rauhafer: Rauhafer ist eine robuste Zwischenfrucht, die auch auf weniger guten Böden gut wächst.
  • Leindotter: Leindotter ist eine ölhaltige Zwischenfrucht, die ebenfalls zur Bodenverbesserung beiträgt.
  • Sonnenblumen: Sonnenblumen sind nicht nur schön anzusehen, sondern bieten auch Bienen und anderen Insekten Nahrung.
  • Perserklee, Sommerwicke, Buchweizen: Diese Arten werden oft in Mischungen verwendet, um die positiven Effekte verschiedener Zwischenfrüchte zu kombinieren.

Wie werden Zwischenfrüchte angebaut?

Die Aussaat von Zwischenfrüchten erfolgt in der Regel direkt nach der Ernte der Hauptfrucht, meist im Spätsommer oder Frühherbst. Die meisten Zwischenfrüchte sind nicht winterhart. Das bedeutet, dass sie bei Frost absterben. Dies ist jedoch kein Nachteil, sondern sogar erwünscht. Die abgefrorenen Pflanzen bilden eine schützende Mulchschicht auf dem Feld, die den Boden vor Erosion schützt und die Humusbildung fördert. Im Frühjahr werden die Pflanzenreste dann in den Boden eingearbeitet, wodurch der gespeicherte Stickstoff wieder für die nächste Hauptfrucht verfügbar wird.

Welche Pflanzen wachsen auf dem Acker? – Vielfalt jenseits der Zwischenfrüchte

Neben den Zwischenfrüchten, die vor allem im Herbst in Erscheinung treten, wachsen auf den Äckern das ganze Jahr über eine Vielzahl von Pflanzen. Dabei unterscheidet man grob zwischen Futterpflanzen und Nahrungspflanzen. Ein Großteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland, etwa 60 Prozent, wird für den Anbau von Futterpflanzen verwendet. Dies liegt zum einen am hohen Bedarf an Tierfutter, zum anderen aber auch daran, dass nicht alle landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln geeignet sind.

Was blüht auf dem Feld lila?
Im Herbst bieten viele Felder in der Landwirtschaft ein wunderbares Farbspektrum: satt grüne Pflanzen, die gelb oder lila blühen. Dabei handelt es sich um Zwischenfrüchte, wie Senf, Phacelia oder Ölrettich.

Futterpflanzen: Grundlage der Tierhaltung

Futterpflanzen bilden die Grundlage für die Tierhaltung. Sie werden angebaut, um Tiere wie Rinder, Schweine und Geflügel mit Nahrung zu versorgen. Dabei gibt es verschiedene Arten des Futterbaus:

  • Grünlandnutzung: Die Grünlandnutzung umfasst Wiesen und Weiden. Wiesen werden gemäht, um Heu oder Silage zu gewinnen, während Weiden von Tieren beweidet werden. Grünland macht etwa die Hälfte der Futteranbaufläche in Deutschland aus.
  • Ackerfutterbau: Beim Ackerfutterbau werden Futterpflanzen auf Ackerflächen angebaut. Die wichtigsten Hauptfruchtarten im Ackerfutterbau sind Mais, Gerste und Weizen. Diese werden vor allem in der Rinder-, Schweine- und Geflügelernährung eingesetzt.
  • Acker- oder Feldfutterbau: Zusätzlich zu den Hauptfruchtarten gibt es den sogenannten Acker- oder Feldfutterbau. Dazu gehören beispielsweise Ackergras-, Kleegras- oder Luzernemischungen. Diese liefern nicht nur wertvolles Futter, sondern fördern auch die Bodenfruchtbarkeit und reduzieren das Unkrautproblem.

Die Eiweißlücke in der Fütterung

Während Deutschland bei Gras, Getreide und Mais einen Großteil des Futterbedarfs decken kann, gibt es eine sogenannte Eiweißlücke. Das bedeutet, dass eiweißreiche Futtermittel nicht in ausreichend großen Mengen in Deutschland oder der EU erzeugt werden. Diese Lücke wird hauptsächlich durch Importe, insbesondere von Soja aus Übersee, gefüllt. Allerdings gibt es auch Bestrebungen, die Eiweißlücke zu schließen und den Anbau von heimischen Eiweißpflanzen zu fördern. Der Anbau von Raps hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen und das dabei anfallende Rapsschrot ist zu einem wichtigen Eiweißträger in der Tierfütterung geworden.

Nahrungspflanzen: Weniger Fläche, große Bedeutung

Im Vergleich zu Futterpflanzen nehmen Nahrungspflanzen in Deutschland eine deutlich geringere Fläche ein. Obst und Gemüse werden auf gerade mal gut einem Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche angebaut. Zusammen mit Kartoffeln sind es 2,8 Prozent. Obwohl die Fläche gering ist, ist die Bedeutung von Nahrungspflanzen für unsere Ernährung enorm. Sie liefern uns wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe und tragen zu einer ausgewogenen Ernährung bei.

Fazit: Vielfalt auf dem Acker

Die Felder in Deutschland sind vielfältiger, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Von den blühenden Zwischenfruchtfeldern im Herbst bis hin zu den verschiedenen Futter- und Nahrungspflanzen, die das ganze Jahr über angebaut werden, steckt viel Leben und Arbeit in unseren Äckern. Die Landwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung, zur Tierhaltung und zum Umweltschutz. Indem wir uns bewusst machen, was auf den Feldern wächst und welche Bedeutung diese Pflanzen haben, können wir die Leistungen der Landwirtschaft besser wertschätzen und eine nachhaltige Landwirtschaft unterstützen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Pflanzen auf dem Acker

Warum blühen Felder im Herbst?
Felder blühen im Herbst aufgrund des Anbaus von Zwischenfrüchten wie Senf und Ölrettich. Diese Pflanzen werden nach der Ernte der Hauptfrucht ausgesät und blühen im Herbst, bevor sie im Winter abfrieren.
Was sind Zwischenfrüchte und warum sind sie wichtig?
Zwischenfrüchte sind Pflanzen, die zwischen zwei Hauptkulturen auf dem Feld angebaut werden. Sie dienen der Bodenverbesserung, Nährstoffspeicherung, Humusaufbau, Erosionsschutz, Wildtierschutz und Unkrautunterdrückung.
Welche Pflanzen werden hauptsächlich als Futterpflanzen angebaut?
Die wichtigsten Futterpflanzen in Deutschland sind Gras (Grünlandnutzung), Mais, Gerste und Weizen (Ackerfutterbau). Zusätzlich werden Ackergras-, Kleegras- und Luzernemischungen angebaut.
Was ist die Eiweißlücke in der Fütterung?
Die Eiweißlücke bezeichnet den Mangel an heimisch erzeugten eiweißreichen Futtermitteln in Deutschland und der EU. Diese Lücke wird hauptsächlich durch Importe, insbesondere von Soja, geschlossen.
Welchen Anteil der landwirtschaftlichen Fläche nehmen Nahrungspflanzen ein?
Nahrungspflanzen wie Obst und Gemüse nehmen in Deutschland einen geringen Anteil der landwirtschaftlichen Fläche ein, nur etwa 2,8 Prozent inklusive Kartoffeln.

Go up