15/02/2022
Blumen sind nicht nur eine Augenweide, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle im Ökosystem. Viele Blütenpflanzen produzieren eine süße Flüssigkeit namens Nektar, die als unwiderstehlicher Lockstoff für Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge, Hummeln und sogar Kolibris dient. Dieser Artikel beleuchtet, welche Blumen besonders nektarreich sind und warum Nektar für die Natur so wichtig ist.

Was ist Nektar und warum ist er so wichtig?
Nektar ist im Grunde eine zuckerhaltige Lösung, die von speziellen Drüsen, den sogenannten Nektarien, in den Blüten von Pflanzen produziert wird. Die Hauptbestandteile sind verschiedene Zuckerarten wie Saccharose, Glukose und Fruktose, aber auch geringe Mengen an Aminosäuren, organischen Säuren und Mineralstoffen können enthalten sein. Diese süße Flüssigkeit dient als Energiequelle für viele Insekten und andere Tiere.
Die Bedeutung des Nektars liegt in seiner Rolle bei der Bestäubung. Blütenpflanzen sind oft auf Fremdbestäubung angewiesen, um sich fortzupflanzen. Das bedeutet, dass der Pollen – der männliche Samen der Pflanze – von einer Blüte zu einer anderen Blüte der gleichen Art transportiert werden muss. Hier kommen die Bestäuber ins Spiel. Angelockt vom süßen Duft und dem visuellen Reiz der Blüten, besuchen sie die Blumen, um den Nektar zu trinken. Dabei bleiben Pollen an ihrem Körper haften. Wenn der Bestäuber die nächste Blüte besucht, überträgt er den Pollen und ermöglicht so die Befruchtung und damit die Bildung von Samen und Früchten.

Warum produzieren Blumen Nektar? Eine evolutionäre Strategie
Die Produktion von Nektar ist eine ausgeklügelte evolutionäre Strategie der Blütenpflanzen. Sie „belohnen“ die Bestäuber für ihre Dienste. Diese symbiotische Beziehung ist für beide Seiten von Vorteil: Die Pflanzen sichern ihre Fortpflanzung, und die Bestäuber erhalten Nahrung.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Nektarproduktion ein komplexer Prozess ist, an dem spezielle Zuckertransporter beteiligt sind. Ein wichtiger Transporter namens SWEET9 spielt eine Schlüsselrolle beim Transport von Zucker in den Nektar und dessen Freisetzung aus den Nektarien. Forschungen deuten darauf hin, dass die Entwicklung von Nektarien und spezialisierten Zuckertransportern wie SWEET9 eine wichtige Rolle bei der rasanten Ausbreitung von Blütenpflanzen und Insekten in der Kreidezeit gespielt haben könnte. Es wird vermutet, dass die Koevolution von Blütenpflanzen und ihren Bestäubern – also die gegenseitige Anpassung und Entwicklung – zu der enormen Vielfalt an Blütenpflanzen geführt hat, die wir heute kennen.
Nektarreiche Blumen für Bienen, Schmetterlinge und Co.
Viele Blumen sind wertvolle Nektarquellen und ziehen unterschiedliche Bestäuber an. Hier sind einige Beispiele für besonders nektarreiche Stauden und Blumen, die insektenfreundlich sind:
Stauden für Bienen und andere Insekten
- Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa): Diese heimische Staude ist bekannt für ihren hohen Nektargehalt und lockt mit ihren hübschen Blüten zahlreiche Bienen und andere Bestäuber an. Sie ist ideal für Bienenweiden und naturnahe Gärten.
- Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Die Wilde Karde ist ebenfalls eine wertvolle Nektarpflanze, die mit ihren attraktiven Blütenständen viele Insekten anzieht. Sie unterstützt die ökologische Vielfalt und eignet sich gut für Bienenweiden.
- Natterkopf (Echium): Mit seinen auffälligen blauen Blüten ist der Natterkopf ein Magnet für Bienen und andere Bestäuber. Er ist eine wertvolle Nahrungsquelle und ideal für naturnahe Gärten.
- Färberkamille (Anthemis tinctoria): Diese Kamille blüht von Juni bis September mit goldgelben Blüten und bietet Wildbienen eine wichtige Nahrungsquelle. Sie bevorzugt sonnige Standorte und trockene Böden.
- Engelwurz (Angelica): Die Engelwurz ist eine imposante Staude mit großen Blütenständen, die reich an Nektar sind und viele Insekten anlocken. Sie ist eine wertvolle Pflanze für die Förderung der Bienenpopulation.
- Katzenminze (Nepeta): Katzenminze ist nicht nur für Katzen attraktiv, sondern auch für Bienen und Schmetterlinge. Ihre duftenden Blüten sind reich an Nektar und unterstützen die ökologische Vielfalt.
- Pracht-Fetthenne (Sedum spectabile): Diese robusten Stauden sind nicht nur pflegeleicht, sondern auch wertvolle Nektarquellen im Spätsommer und Herbst. Ihre attraktiven Blütenstände ziehen viele Insekten an.
- Lungenkraut (Pulmonaria): Für schattige Gartenbereiche ist das Lungenkraut eine ideale Wahl. Es blüht früh im Jahr und bietet Bienen und anderen Insekten eine wichtige Nahrungsquelle, besonders im zeitigen Frühjahr.
Weitere nektarreiche Blumen und Pflanzen (Auswahl)
- Milchstern (Asclepias spp.): Besonders wichtig für Monarchfalter, aber auch eine gute Nektarquelle für viele andere Bestäuber. Es gibt verschiedene Arten, wählen Sie am besten eine heimische Art für Ihre Region.
- Löwenzahn (Taraxacum officinale): Oft als Unkraut verkannt, ist Löwenzahn eine der wichtigsten frühen Nektarquellen im Frühling. Er ist besonders wertvoll für Hummeln und andere früh fliegende Insekten.
- Borretsch (Borago officinalis): Mit seinen leuchtend blauen, sternförmigen Blüten ist Borretsch nicht nur schön anzusehen, sondern auch eine wertvolle Nektar- und Pollenquelle für Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen.
- Geißblatt (Lonicera sp.): Geißblatt-Arten, ob Kletterpflanzen oder Sträucher, bieten reichlich Nektar in ihren duftenden, trompetenförmigen Blüten. Sie sind besonders attraktiv für Kolibris und Schmetterlinge.
- Schafgarbe (Achillea millefolium): Diese heimische Wildblume ist in vielen Farben erhältlich und zieht mit ihren aromatischen Blütenständen zahlreiche Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten an.
- Hibiskus (Hibiscus sp.): Hibiskus-Arten mit ihren großen, auffälligen Blüten sind ebenfalls nektarreich und ziehen eine Vielzahl von Bestäubern an, darunter Kolibris, Bienen und Schmetterlinge.
- Löwenmäulchen (Antirrhinum majus): Die ungewöhnlich geformten Blüten des Löwenmäulchens sind reich an Nektar und besonders attraktiv für Hummeln und Schmetterlinge.
- Phlox (Phlox sp.): Phlox-Arten mit ihren duftenden, röhrenförmigen Blüten sind wahre Bestäuber-Magnete. Sie blühen den ganzen Sommer über und bieten kontinuierlich Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und Kolibris.
- Sonnenhut (Echinacea purpurea): Der purpurfarbene Sonnenhut ist eine beliebte Staude, die sowohl Nektar als auch Pollen liefert und von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen gerne besucht wird.
- Prachtscharte (Liatris spicata): Mit ihren aufrechten, federartigen Blütenständen ist die Prachtscharte ein Blickfang im Garten und eine wertvolle Nektarquelle für Bienen und Schmetterlinge.
- Anis-Ysop (Agastache foeniculum): Dieser duftende Ysop blüht lange und bietet mit seinen ährenförmigen Blüten Nektar und Pollen für Bienen, Schmetterlinge und Kolibris.
- Salbei (Salvia spp.): Salbei-Arten sind nicht nur aromatisch, sondern auch nektarreich und ziehen viele Bestäuber an. Es gibt eine große Vielfalt an Arten und Farben.
- Fuchsien (Fuchsia spp.): Die hängenden, tropfenförmigen Blüten der Fuchsien sind besonders attraktiv für Kolibris, aber auch Insekten besuchen sie gerne wegen des Nektars.
- Bartfaden (Penstemon spp.): Bartfaden-Arten mit ihren glockenförmigen Blüten sind wertvolle Nektarquellen für Kolibris und bestimmte Bienenarten.
- Fackellilie (Kniphofia spp.): Die auffälligen, leuchtend roten und orangefarbenen Blüten der Fackellilie sind besonders für Kolibris attraktiv.
- Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii): Der Name sagt es schon: Schmetterlingsflieder ist ein wahrer Magnet für Schmetterlinge. Seine langen Blütenstände sind reich an Nektar und ziehen unzählige Falter an.
- Eisenkraut (Verbena sp.): Verbene-Arten blühen üppig und lange und ziehen eine Vielzahl von Insekten und Kolibris an.
- Sedum (Sedum spp.): Sedum-Arten, auch Fetthennen genannt, sind nicht nur trockenheitstolerant, sondern bieten auch im Spätsommer und Herbst noch reichlich Nektar für Bienen und Schmetterlinge.
- Astern (Symphyotrichum spp.): Astern sind wertvolle Spätblüher, die im Herbst noch eine wichtige Nektarquelle für Bienen und Schmetterlinge darstellen.
- Mexikanische Sonnenblume (Tithonia diversifolia): Diese Sonnenblume blüht im Spätsommer und Herbst und bietet reichlich Nektar für Bienen, Schmetterlinge und Kolibris.
- Indianernessel (Monarda sp.): Indianernessel, auch bekannt als Bergamotte, ist eine ikonische Bestäuberpflanze mit einzigartigen, duftenden Blütenständen, die Bienen und Schmetterlinge magisch anziehen.
- Goldrute (Solidago sp.): Goldrute ist eine heimische Wildblume, die im Spätsommer und Herbst mit ihren goldenen Blütenständen eine wichtige Nektarquelle darstellt.
- Ringelblume (Tagetes sp.): Ringelblumen sind nicht nur farbenfroh, sondern auch nektarreich und ziehen Bienen und Schmetterlinge an.
- Katzenminze (Nepeta cataria): Katzenminze ist nicht nur für Katzen attraktiv, sondern auch für Bienen, Schmetterlinge und Kolibris.
- Lavendel (Lavandula sp.): Lavendel ist bekannt für seinen Duft und seine schönen lila Blüten, die Bienen und andere Bestäuber anziehen.
- Wilde Möhre (Daucus carota): Die Wilde Möhre, auch bekannt als „Wilde Karotte“ oder „Vogelnestblume“, ist eine heimische Wildblume, die mit ihren weißen Doldenblüten viele Insekten anzieht.
- Spinnenblume (Cleome sp.): Die Spinnenblume mit ihren auffälligen, spinnenartigen Blüten ist eine ungewöhnliche und attraktive Nektarquelle für Bienen, Schmetterlinge, Kolibris und sogar Fledermäuse.
Schaffen Sie ein Paradies für Bestäuber in Ihrem Garten
Indem Sie nektarreiche Blumen in Ihrem Garten pflanzen, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Bestäuber und zur Förderung der Artenvielfalt. Ein blühender Garten, der ein reichhaltiges Nektarangebot bietet, ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein wertvoller Lebensraum für viele nützliche Insekten und andere Tiere. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzen auf heimische Arten, da diese oft besonders gut an die Bedürfnisse der lokalen Bestäuber angepasst sind. Pflanzen Sie eine Vielfalt an Blumen mit unterschiedlichen Blütezeiten, um den Bestäubern über die gesamte Saison hinweg ein kontinuierliches Nahrungsangebot zu bieten. So wird Ihr Garten zu einem lebendigen und summenden Paradies für Bienen, Schmetterlinge und andere faszinierende Geschöpfe.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Nektar und nektarreichen Blumen
Welche Blumen produzieren am meisten Nektar?
Es gibt viele Blumen, die reich an Nektar sind. Einige Beispiele sind Sonnenblumen, Phlox, Schmetterlingsflieder, Lavendel und verschiedene Distelarten. Die Menge an Nektar kann jedoch auch von Faktoren wie dem Klima, dem Boden und dem Alter der Pflanze abhängen.
Wie kann ich meinen Garten bienen- und schmetterlingsfreundlicher gestalten?
Pflanzen Sie eine Vielfalt an nektarreichen Blumen, Kräutern und Stauden. Vermeiden Sie den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden, da diese schädlich für Bestäuber sein können. Stellen Sie Wasserquellen wie eine Vogeltränke oder eine flache Schale mit Steinen bereit. Schaffen Sie Nistplätze für Wildbienen, z.B. mit einem Insektenhotel oder Totholz.
Ist Nektar nur für Insekten wichtig?
Obwohl Insekten die bekanntesten Nektarkonsumenten sind, nutzen auch andere Tiere Nektar als Nahrungsquelle, darunter Kolibris, Fledermäuse und sogar einige Säugetiere. Nektar ist eine wichtige Energiequelle und spielt eine zentrale Rolle in der Bestäubung vieler Pflanzenarten weltweit.

Kann man Nektar ernten?
In der Regel wird Nektar nicht direkt geerntet. Honigbienen sammeln Nektar und verarbeiten ihn zu Honig. Dieser Honig kann dann vom Menschen geerntet werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Honigbienen auch auf Nektar als Nahrung angewiesen sind, daher sollte eine nachhaltige Honigernte erfolgen.
Sind alle Blütenpflanzen nektarproduzierend?
Nicht alle Blütenpflanzen produzieren Nektar. Einige Pflanzen sind auf andere Bestäubungsmechanismen angewiesen, wie z.B. Windbestäubung. Pflanzen, die windbestäubt werden, wie z.B. Gräser und viele Bäume, produzieren in der Regel keinen Nektar.
