17/03/2022
Wer kennt es nicht? Jedes Jahr stehen Gartenbesitzer mit Rosen vor den gleichen Fragen: Kann ich jetzt schon schneiden? Wie viel muss ich abschneiden? Kann ich jede Rose gleich schneiden? Oftmals herrscht Unsicherheit und es werden nur die Spitzen der Rosen geschnitten. Die Folge sind verkahlte Rosensträucher im unteren Bereich, weniger Blüten und eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten. Das muss nicht sein! Damit Ihre Rosen blühfreudig und vital bleiben, ist ein regelmäßiger und korrekter Schnitt unerlässlich. Wir helfen Ihnen, Licht ins Dunkel zu bringen und geben Ihnen die wichtigsten Informationen, damit Sie Ihre Rosen ohne großes Kopfzerbrechen schneiden können.

- Der Mut zum richtigen Rosenschnitt
- Das richtige Werkzeug für den Rosenschnitt
- Schritt 1: Die verschiedenen Rosengruppen verstehen
- Schritt 2: Der richtige Schnittzeitpunkt
- Schritt 3: Wo wird geschnitten? Das Auge der Rose finden
- Schritt 4: Wie viel wird weggeschnitten? Mut zur Schere!
- Zusammenfassende Tabelle: Rosenschnitt im Überblick
- Häufig gestellte Fragen zum Rosenschnitt (FAQ)
Der Mut zum richtigen Rosenschnitt
So üppig blühend und strahlend grün wie auf dem Titelbild wünschen wir uns alle unsere Rosen. Und das ist kein Hexenwerk! Das Wichtigste ist etwas Mut! Ja, Mut! Wir erleben immer wieder, dass sich viele nicht trauen, ihre Rosen kräftig zurückzuschneiden. Aber genau das braucht die Königin der Pflanzen: einen starken Rückschnitt. Ein beherzter Schnitt ist der Schlüssel zu gesunden, blühfreudigen Rosen.
Das richtige Werkzeug für den Rosenschnitt
Bevor wir uns den verschiedenen Schnitttechniken widmen, werfen wir einen Blick auf das benötigte Werkzeug. Mit den richtigen Werkzeugen wird der Rosenschnitt nicht nur einfacher, sondern auch schonender für die Pflanzen. Hier ist eine Liste der wichtigsten Utensilien:
- Hochwertige, scharfe Gartenschere: Eine scharfe Schere ist das A und O. Sie ermöglicht saubere Schnitte, die schnell verheilen und das Risiko von Krankheiten minimieren. Achten Sie auf Qualität und ergonomische Griffe für ein angenehmes Arbeiten.
- Kleine Klappsäge: Für stärkere Äste, die die Gartenschere nicht mehr bewältigen kann, ist eine kleine Klappsäge ideal. Sie ist handlich und ermöglicht präzise Schnitte auch an dickeren Trieben.
- Astschere (optional): Für besonders dicke oder schwer zugängliche Äste kann eine Astschere hilfreich sein. Sie bietet mehr Hebelkraft und ermöglicht das Durchtrennen von dickeren Trieben.
- Handschuhe: Rosen haben Dornen! Schützen Sie Ihre Hände mit robusten Gartenhandschuhen vor Verletzungen und Dornenstichen.
- Schubkarre oder Behälter für Schnittgut: Um den Garten sauber zu halten und das Schnittgut bequem zu entsorgen, ist eine Schubkarre oder ein großer Behälter unerlässlich.
- Leiter (optional): Für hochgewachsene Kletterrosen kann eine Leiter notwendig sein, um alle Bereiche der Pflanze gut erreichen zu können.
- Genug Mut: Wie bereits erwähnt, ist der Mut zum kräftigen Rückschnitt entscheidend für den Erfolg. Überwinden Sie Ihre Scheu und schneiden Sie beherzt!
Schritt 1: Die verschiedenen Rosengruppen verstehen
Bevor Sie mit dem Schneiden beginnen, ist es wichtig zu wissen, mit welcher Art von Rose Sie es zu tun haben. Denn jede Rosengruppe hat ihre eigenen Schnittbedürfnisse. Die wichtigsten Rosengruppen sind:
- Strauchrosen
- Beetrosen
- Edelrosen
- Kletterrosen
- Ramblerrosen
- Bodendeckerrosen
Lernen Sie, Ihre Rosen zu identifizieren, um den Schnitt optimal anzupassen.
Strauchrosen erkennen und schneiden
Strauchrosen sind wüchsige Rosen mit einer Höhe von 1,5m bis 2,0m. Sie bilden breite Sträucher mit einem Durchmesser von etwa 1,5m oder mehr. Die meisten Strauchrosen sind öfter blühend, es gibt aber auch einmal blühende Sorten. Beim Schnitt von Strauchrosen gehen Sie wie folgt vor:
- Entfernen Sie zunächst alle schwachen, nach innen wachsenden und stark verholzten Triebe.
- Kürzen Sie die jüngeren, verbleibenden Triebe um etwa ein Drittel ein.
- Schneiden Sie immer ca. 0,5 cm schräg über einem nach außen zeigenden Auge.
- Achten Sie auf einen stufigen, lockeren Aufbau des Strauchs.
Beetrosen erkennen und schneiden
Beetrosen, früher auch als Floribunda- oder Polyantharosen bekannt, zeichnen sich durch ihre reiche und öftere Blüte aus. Sie haben eine kompakte Wuchshöhe von meist 0,6m bis 0,8m und sind ideal für Rabatten- und Beetbepflanzungen. So schneiden Sie Beetrosen richtig:
- Entfernen Sie zuerst alle schwachen, nach innen wachsenden und stark verholzten Triebe.
- Schneiden Sie die jüngeren, verbleibenden Triebe auf etwa 4 bis 5 Augen zurück.
- Bei stark wachsenden Sorten können Sie etwas schwächer schneiden und 6 bis 8 Augen stehen lassen.
- Schneiden Sie immer ca. 0,5 cm schräg über einem nach außen zeigenden Auge.
- Etwa ein Drittel der Pflanze sollte stehen bleiben, zwei Drittel werden weggeschnitten.
- Achten Sie auf einen lockeren Aufbau der Pflanze.
Edelrosen erkennen und schneiden
Edelrosen, auch Teehybriden genannt, bilden die älteste Rosengruppe. Ihre Wuchshöhe variiert je nach Sorte zwischen 0,7m und 1,2m. Edelrosen bilden langstielige Triebe mit einer großen Blüte pro Stiel und sind daher ideal als Schnittblumen für die Vase. Viele Edelrosen duften herrlich und blühen öfter. Der Schnitt von Edelrosen erfolgt ähnlich wie bei Beetrosen:
- Entfernen Sie auch hier zuerst alle schwachen, nach innen wachsenden und stark verholzten Triebe.
- Für kräftige, langstielige Triebe schneiden Sie die verbleibenden Äste auf ca. 4 bis 5 Augen zurück.
- Bei stark wachsenden Sorten können Sie etwas schwächer schneiden und ca. 6 bis 8 Augen stehen lassen.
- Etwa ein Drittel der Pflanze sollte stehen bleiben, zwei Drittel werden weggeschnitten.
- Schneiden Sie immer ca. 0,5 cm schräg über einem nach außen zeigenden Auge.
- Achten Sie auf einen lockeren Aufbau der Pflanze.
Kletterrosen erkennen und schneiden
Kletterrosen zeichnen sich durch meterlange, zum Teil bogig überhängende Triebe aus. Sie erreichen eine Höhe von 2,5m bis 3,0m und mehr. Die meisten Kletterrosen sind öfter blühend, es gibt aber auch einmal blühende Sorten. Beim Schnitt von öfter blühenden Kletterrosen ist Folgendes zu beachten:
- Entfernen Sie zuerst alle schwachen und stark verholzten Triebe. Dadurch wird die Bildung neuer, junger Triebe von unten angeregt.
- Entfernen Sie zu dicht stehende Triebe, um Licht und Luft in das Innere des Strauchs zu lassen.
- Schneiden Sie immer ca. 0,5 cm schräg über einem nach außen zeigenden Auge.
- Achten Sie je nach gewünschter Wuchsrichtung auf einen stufigen Aufbau. Dadurch blüht die Kletterrose von oben bis unten und verkahlt nicht. Sie können die Triebe auch fächerförmig ziehen.
Ramblerrosen erkennen und schneiden
Ramblerrosen sind wahre Kletterkünstler mit sehr langen, weichen Trieben. Je nach Sorte können sie eine Höhe von 8,0 m bis 10,0 m erreichen. Die meisten Ramblerrosen blühen einmal im Jahr und duften. Ihre Blüten sind klein, wildrosenartig und sehr reich blühend. Einmalblühende Ramblerrosen benötigen in der Regel keinen Schnitt. Wenn nötig, entfernen Sie Totholz. Im Sommer, nach der Blüte, können Sie die abgeblühten Triebe abschneiden.
Bodendeckerrosen erkennen und schneiden
Bodendeckerrosen haben einen flachen, dichten Wuchs und erreichen eine Wuchshöhe zwischen 0,3m und 0,6m. Sie sind öfter blühend, sehr reich und lang blühend. Bodendeckerrosen kommen oft ohne Schnitt aus und müssen nicht jährlich geschnitten werden. Bei Bedarf gehen Sie wie folgt vor:
- Entfernen Sie zunächst alle schwachen, stark verholzten und abgestorbenen Triebe.
- Schneiden Sie immer ca. 0,5 cm schräg über einem nach außen zeigenden Auge.
Schritt 2: Der richtige Schnittzeitpunkt
Der Hauptschnitt bei Rosen erfolgt im Frühjahr, idealerweise wenn keine anhaltenden Fröste mehr zu erwarten sind und die Pflanze noch nicht stark ausgetrieben hat. Dies ist in der Regel im März oder April der Fall. Der genaue Zeitpunkt hängt jedoch von der jeweiligen Region und den Witterungsbedingungen ab. Als Faustregel gilt: Wenn die Forsythien blühen, ist es Zeit für den Rosenschnitt.
Es gibt jedoch auch noch einen Sommerschnitt, der nach der ersten Blüte durchgeführt wird. Dieser sogenannte Verblütenschnitt fördert die Nachblüte und verhindert die Bildung von Hagebutten, was die Rose unnötig Kraft kostet. Beim Verblütenschnitt werden lediglich die verwelkten Blütenstände bis zum ersten voll entwickelten Laubblatt entfernt.
Schritt 3: Wo wird geschnitten? Das Auge der Rose finden
Der Schnitt erfolgt ca. 0,5cm cm über einem nach außen stehenden „Auge“, in schräger Schnittführung. Die Schere sollte so angesetzt werden, dass der höchste Punkt des Schnittes direkt über dem „Auge“ liegt. Viele haben Schwierigkeiten, ein „Auge“ am Rosentrieb zu erkennen. Aber keine Sorge, es ist einfacher als gedacht!
Das Auge ist der Austriebspunkt, aus dem im Frühjahr bei einsetzendem Wachstum die neuen Blätter und Triebe hervorkommen. Es sieht aus wie eine kleine Verdickung oder ein Knospenansatz am Trieb. Meist sind die Augen etwas rötlich gefärbt und als kleiner Punkt erkennbar. Sie befinden sich in den Blattachseln, also dort, wo die Blätter am Trieb ansitzen.
Die Richtung, in die das Auge zeigt, gibt auch die Richtung vor, in die der neue Trieb wachsen wird. Für eine gesunde Pflanze, bei der die Blätter schnell abtrocknen können, sollte das Auge immer nach außen, also von der Pflanze weg, zeigen. Dadurch haben alle Triebe genug Licht und der Rosenstrauch hat eine gute Durchlüftung, was es Pilzsporen schwerer macht, sich auszubreiten.
Schritt 4: Wie viel wird weggeschnitten? Mut zur Schere!
Hier ist wirklich etwas Mut erforderlich! Wer eine üppig blühende Rose mit kräftigen Trieben haben möchte, muss mutig sein und die Pflanzen stark zurückschneiden. Sie brauchen keine Angst zu haben, denn es gilt: je radikaler der Rückschnitt, desto üppiger blüht und desto kräftiger wächst die Rose. Der starke Rückschnitt regt die Rose an, neue Triebe und Blüten zu bilden.
Denken Sie daran: Ein kräftiger Rückschnitt im Frühjahr ist wie ein Frischekick für Ihre Rosen. Er sorgt für Vitalität, Blütenreichtum und gesunde Pflanzen. Also, Ärmel hochkrempeln, Handschuhe an und Gartenschere in die Hand – jetzt wird geschnitten!
Zusammenfassende Tabelle: Rosenschnitt im Überblick
| Rosengruppe | Schnittzeitpunkt | Schnittstärke | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Strauchrosen | Frühjahr | Um 1/3 kürzen | Stufiger, lockerer Aufbau |
| Beetrosen | Frühjahr | Auf 4-5 Augen | Lockerer Aufbau, 1/3 stehen lassen |
| Edelrosen | Frühjahr | Auf 4-5 Augen | Lockerer Aufbau, 1/3 stehen lassen |
| Kletterrosen (öfterblühend) | Frühjahr | Auslichten, schwache Triebe entfernen | Stufiger Aufbau, fächerförmig ziehen möglich |
| Ramblerrosen (einmalblühend) | Sommer (nach Blüte) | Kaum Schnitt nötig, Totholz entfernen | Abgeblühte Triebe entfernen |
| Bodendeckerrosen | Bei Bedarf im Frühjahr | Auslichten, schwache Triebe entfernen | Oft kein Schnitt nötig |
Häufig gestellte Fragen zum Rosenschnitt (FAQ)
- Kann ich Rosen auch im Herbst schneiden?
- Ein leichter Herbstschnitt ist möglich, um lange Triebe zu kürzen und die Rose winterfest zu machen. Der Hauptschnitt sollte aber im Frühjahr erfolgen.
- Was mache ich mit Wildtrieben?
- Wildtriebe sind unerwünscht und sollten immer direkt am Ansatz entfernt werden. Sie erkennen Wildtriebe daran, dass sie unterhalb der Veredelungsstelle austreiben und meist mehr als fünf Fiederblätter haben.
- Muss ich verblühte Rosenblüten entfernen?
- Ja, das Entfernen verblühter Blüten (Verblütenschnitt) fördert die Nachblüte und verhindert die Bildung von Hagebutten.
- Was bedeutet "Auge" bei Rosen?
- Das Auge ist der Austriebspunkt am Rosentrieb, aus dem neue Blätter und Triebe wachsen. Es sieht aus wie eine kleine Verdickung oder ein Knospenansatz.
- Warum soll ich schräg schneiden?
- Ein schräger Schnitt verhindert, dass sich Wasser auf der Schnittfläche sammelt und Fäulnis entsteht. Außerdem trocknet die Schnittfläche schneller ab.
Nun müssen Sie nur noch bis zum Sommer warten, bis sich die ersten Blütenknospen öffnen und Sie den schönen Anblick Ihres Blütenmeeres genießen können. Wir sind gespannt auf Ihre Schnittergebnisse und Fotos Ihrer üppig blühenden Rosen im Sommer! Zeigen Sie uns, wie mutig Sie waren!
