22/01/2026
Die Frage nach dem Alter von Bavaria Porzellan führt uns zurück in die bewegte Zeit der Weimarer Republik. Genauer gesagt, in das Jahr 1920, als in Weiden in der Oberpfalz die Porzellanfabrik Bavaria AG gegründet wurde. Weiden, bereits bekannt für namhafte Porzellanhersteller wie Bauscher und Seltmann Weiden, erweiterte mit der Bavaria AG seine Position als bedeutendes Zentrum der Porzellanindustrie in Nordbayern. Doch die Geschichte dieser Fabrik ist nicht nur eine des Erfolgs, sondern auch eine von wirtschaftlichen Herausforderungen und einem jähen Ende.

Gründung in der Aufbruchszeit
Die Porzellanfabrik Bavaria AG wurde am 13. Februar 1920 offiziell ins Handelsregister eingetragen. Bereits im Jahr zuvor, 1919, hatte der Bau des Fabrikgebäudes begonnen. Die Investitionen in die neue Fabrik waren beträchtlich und beliefen sich laut der Tonindustrie-Zeitung auf rund zwei Millionen Mark. Hinter der Gründung standen namhafte Persönlichkeiten der regionalen Wirtschaft und Industrie: Edmund Mannl (Porzellanfabrik Mannl, Krummennaab), Ottmar Opfinger (Porzellanfabrik Opfinger, Weiden), die Rechtsanwälte Franz Joseph Pfleger und Karl Häupler, der Bankier Alfred Frischholz, der Großkaufmann Josef Röger und der Kaufmann Wilhelm Bühler. Die Geschäftsführung und Hauptverantwortung wurde dem jungen, gerade 25-jährigen Karl Häupler übertragen.
Die Gründungszeit der Bavaria AG fiel in eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Ersten Weltkrieg. Die Weltwirtschaft schien sich zu erholen, und es herrschte Optimismus. Die Geschäftsidee der Bavaria AG war klar definiert: die Produktion von qualitativ hochwertigem Gebrauchs- und Hotelporzellan. Man setzte auf Qualität und ansprechendes Design, um sich auf dem Markt zu etablieren.
Produktion und Design der Goldenen Zwanziger
In den ersten Produktionsjahren konzentrierte sich die Bavaria AG zunächst auf konventionelle Dekore. Doch schnell erkannte man das Potential zeitgemäßer Gestaltung und verfeinerte die Produktlinie mit Art Déco Designs. Dieser Stil, der die 1920er Jahre prägte, zeichnete sich durch elegante, geometrische Formen, kräftige Farben und luxuriöse Materialien aus. Bavaria Porzellan im Art Déco Stil spiegelte den Zeitgeist wider und fand Anklang bei einem breiten Publikum. Das Absatzgebiet der Fabrik erstreckte sich über Europa und sogar bis nach Amerika.
Eine interessante Randnotiz ist die zeitweise Beteiligung des Physiknobelpreisträgers Johannes Stark an der Bavaria AG. Stark war in den 1920er Jahren Hauptaktionär des Unternehmens. Auch leitende Angestellte wie Fritz Hilburger und Alois Greger, die später die Porzellanfabrik Schlottenhof in Arzberg übernahmen, prägten die Geschicke der Bavaria AG.
Das jähe Ende in der Weltwirtschaftskrise
Der wirtschaftliche Aufschwung der 1920er Jahre war jedoch nicht von Dauer. Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 mit dem New Yorker Börsencrash ihren Anfang nahm, traf auch die Porzellanindustrie hart. Die Umsatzerwartungen der Bavaria AG erfüllten sich nicht, und die weltweite Bankenkrise verschärfte die Lage zusätzlich. Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschlechterte sich rapide.

Schließlich war die Bavaria AG gezwungen, Konkurs anzumelden. Am 16. Juli 1931 wurde am Amtsgericht Weiden das Konkursverfahren eröffnet. Das Ende der Porzellanfabrik war besiegelt. Der Ausverkauf der noch vorhandenen Waren zog sich bis ins Jahr 1933 hin. Nach nur etwas mehr als einem Jahrzehnt endete die Geschichte der Bavaria Porzellanfabrik.
Das Erbe der Bavaria Porzellanfabrik
Obwohl die Bavaria Porzellanfabrik nur eine kurze Lebensdauer hatte, hat sie in Weiden und in der Porzellangeschichte Spuren hinterlassen. Noch heute erinnert der Straßenname „Bavaria“, der zur ehemaligen Fabrik führt, an das Unternehmen. Das Fabrikgebäude selbst, einst Produktionsstätte hochwertigen Porzellans, befindet sich heute im Besitz der Josef Witt GmbH, einem Unternehmen der Hamburger Otto Group. Auf dem heutigen Parkplatz des Versandhauses standen früher Werkswohnungen der Porzellanfabrik, die in den 1990er Jahren abgerissen wurden.
Ein weiteres sichtbares Zeugnis der Bavaria AG ist die repräsentative Direktorenvilla, die nördlich des Fabrikgeländes an der Straße „Zum Burgstall“ (früher Hubertusstraße) steht. Diese Villa wurde für den Fabrikdirektor Karl Häupler erbaut und zeugt von der Bedeutung, die dem Unternehmen einst zukam.
Das Internationale Keramik-Museum in Weiden i. d. OPf., ein Zweigmuseum der Neuen Sammlung München, widmet der ehemaligen Porzellanfabrik Bavaria AG besondere Aufmerksamkeit. Neben einer Dauerausstellung mit Exponaten von Bavaria Porzellan fand im Jahr 2020, anlässlich des 100-jährigen Gründungsdatums, eine vielbeachtete Sonderausstellung statt. Dies zeigt, dass das Interesse an der Geschichte und den Produkten der Bavaria Porzellanfabrik bis heute lebendig ist.
Fazit
Die Bavaria Porzellanfabrik existierte nur von 1920 bis 1931. Sie war also nur etwas mehr als ein Jahrzehnt in Betrieb. In dieser kurzen Zeit produzierte sie jedoch hochwertiges Gebrauchs- und Zierporzellan im Stil des Art Déco und etablierte sich als wichtiger Porzellanhersteller in Weiden. Die Weltwirtschaftskrise führte jedoch zu einem abrupten Ende. Trotz des Konkurses ist die Erinnerung an die Bavaria Porzellanfabrik in Weiden präsent, und ihre Produkte sind heute begehrte Sammlerstücke.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wann wurde Bavaria Porzellan gegründet?
- Die Porzellanfabrik Bavaria AG wurde am 13. Februar 1920 gegründet.
- Wo befand sich die Bavaria Porzellanfabrik?
- Die Fabrik stand in Weiden in der Oberpfalz, in Bayern, Ortsteil Ullersricht.
- Was produzierte Bavaria Porzellan?
- Bavaria Porzellan stellte hochwertiges Gebrauchs- und Hotelporzellan sowie Zierporzellan her, insbesondere im Art Déco Stil.
- Warum ging Bavaria Porzellan Konkurs?
- Der Konkurs im Jahr 1931 war eine Folge der Weltwirtschaftskrise, die zu einem Einbruch der Nachfrage und finanziellen Schwierigkeiten führte.
- Gibt es heute noch Spuren der Bavaria Porzellanfabrik?
- Ja, der Straßenname „Bavaria“ in Weiden erinnert an die Fabrik. Das Fabrikgebäude existiert noch und wird von der Josef Witt GmbH genutzt. Auch die Direktorenvilla ist erhalten.
- Wo kann man mehr über Bavaria Porzellan erfahren?
- Das Internationale Keramik-Museum in Weiden i. d. OPf. beherbergt eine Sammlung von Bavaria Porzellan und widmete dem Unternehmen eine Sonderausstellung zum 100-jährigen Jubiläum.
