22/03/2023
Weben ist eine faszinierende und uralte Technik zur Herstellung von Textilien. Es handelt sich um einen Prozess, bei dem zwei Fadensysteme, der Kettfaden und der Schussfaden, rechtwinklig miteinander verkreuzt werden. Diese Kunsthandwerkstechnik bietet unzählige kreative Möglichkeiten und findet Anwendung in der Herstellung verschiedenster Produkte, von Kleidung bis hin zu Heimtextilien. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die grundlegenden Webarten, die benötigten Materialien und die spannenden Prozesse, die das Weben so vielseitig machen.

Grundlegende Webarten
Es gibt eine Vielzahl von Webarten, die sich in ihrer Struktur und ihrem Erscheinungsbild unterscheiden. Die drei grundlegendsten und am weitesten verbreiteten sind die Leinwandbindung, die Köperbindung und die Atlasbindung. Jede dieser Bindungsarten verleiht dem Gewebe einzigartige Eigenschaften und Texturen.

Leinwandbindung
Die Leinwandbindung ist die einfachste und wahrscheinlich älteste Webart. Hierbei kreuzen sich Kett- und Schussfaden abwechselnd, wodurch ein gleichmäßiges und strapazierfähiges Gewebe entsteht. Ein charakteristisches Merkmal der Leinwandbindung ist, dass beide Seiten des Stoffes identisch aussehen. Die Textur kann je nach verwendetem Garn glatt oder gröber sein. Leinwandbindige Gewebe sind unter verschiedenen Namen bekannt, die oft von der Garnzusammensetzung und dem Gewicht abhängen:
- Popeline: Ein feines Gewebe aus Baumwollgarn, bekannt für seine glatte Oberfläche.
- Batist: Ein durchscheinendes, sehr feines Gewebe, ebenfalls aus Baumwolle gefertigt.
- Taft: Ein glänzendes Gewebe, traditionell aus Seide, aber auch aus Kunstfasern erhältlich.
- Leinwand: Ein robustes Gewebe aus Baumwolle oder Leinen, vielseitig einsetzbar.
- Canvas: Ein grobes und strapazierfähiges Gewebe aus Baumwolle oder Leinen, ideal für robuste Anwendungen.
Köperbindung
Die Köperbindung zeichnet sich durch diagonale Linien im Gewebe aus. Diese entstehen, weil ein Kettfaden über mindestens zwei Schussfäden (oder umgekehrt) verläuft. Im Gegensatz zur Leinwandbindung sind die rechte und linke Stoffseite bei der Köperbindung unterschiedlich. Köpergewebe sind in der Regel dichter, fester und widerstandsfähiger als Leinwandgewebe, aber gleichzeitig weicher und fallen besser. Sie knittern auch weniger. Bekannte Beispiele für Köpergewebe sind:
- Jeans: Ein robustes Baumwollgewebe in Köperbindung, bekannt für seine Strapazierfähigkeit.
- Fischgrat: Ein Köpergewebe mit einem V-förmigen Muster, das an Fischgräten erinnert.
- Schottenkaro (Tartan): Ein gemustertes Köpergewebe, traditionell mit Karos in verschiedenen Farben.
- Pepita: Ein kleinkariertes Köpergewebe mit einem charakteristischen Muster.
Atlasbindung
Die Atlasbindung ist bekannt für ihren feinen Glanz auf der rechten Stoffseite und eine matte linke Seite. Dieser Glanz entsteht durch die Art der Bindung, bei der typischerweise vier oder mehr Kettfäden über einen Schussfaden laufen (oder umgekehrt). Der Begriff Atlasbindung umfasst verschiedene Stoffarten, die sich in ihrer Faserzusammensetzung unterscheiden können. Je nach Material werden Atlasgewebe unterschiedlich benannt:
- Satin: Ein glänzendes Atlasgewebe aus Seide oder Zellulosefasern, bekannt für seinen luxuriösen Fall.
- Baumwollsatin: Ein Atlasgewebe aus Baumwollfasern, das weicher und weniger glänzend als Seidensatin ist.
Schären beim Weben: Die Vorbereitung
Bevor mit dem eigentlichen Weben begonnen werden kann, ist das Schären ein wichtiger vorbereitender Schritt. Beim Schären werden die Kettfäden parallel und in der benötigten Fadendichte von einem Spulengatter abgewickelt. Die Gesamtheit der Kettfäden wird als Kette bezeichnet. Das entstehende Schärband, bestehend aus Hunderten paralleler Kettgarne, wird auf eine konische Schärtrommel aufgewickelt. In der Regel werden mehrere Schärbänder nebeneinander gewickelt, beispielsweise 15 bis 17 Bänder mit je 600 Fäden. Anschließend werden alle Bänder gleichzeitig auf einen Kettbaum umgewickelt. Dieser Vorgang wird als Bäumen bezeichnet. Das Schären ist besonders wichtig für die Herstellung von Webwaren mit Farbstreifen oder sich wiederholenden Mustern, wie beispielsweise Tartan.
In der Textilindustrie werden Schärmaschinen für diesen Prozess eingesetzt. Für die handwerkliche Weberei wird oft ein Schärbaum oder Schärrahmen verwendet. Das Schären kann entweder auf einzelne Teilkettbäume oder direkt auf eine konische Schärtrommel erfolgen. Die Schärtrommel ermöglicht komplexere Muster, da jedes Band mit unterschiedlichen Farbmustern versehen werden kann. Nach dem Schären wird die Kette auf den Kettbaum des Webstuhls umgebäumt und ist bereit für den Webprozess. In manchen Fällen wird die Kette zusätzlich geschlichtet, um die Kettfäden zu schützen und zu verfestigen. Dies ist jedoch aufwändiger und wird seltener angewendet, insbesondere bei Garnen, die auch ohne Schlichte verarbeitet werden können.
Welches Garn zum Weben? Materialien und mehr
Die Auswahl des richtigen Garns ist entscheidend für das Ergebnis Ihres Webprojekts. Weben ist eine vielseitige Technik, die eine breite Palette an Materialien zulässt. Ob für Anfänger oder Fortgeschrittene, die benötigten Materialien sind überschaubar und ermöglichen kreative Entfaltung. Für den Einstieg benötigen Sie lediglich:
- Webrahmen oder Webstuhl: Das Grundgerät zum Spannen der Kettfäden.
- Garne: In verschiedenen Farben und Materialien, je nach gewünschtem Projekt.
- Webschiffchen: Zum Einführen des Schussfadens durch die Kettfäden.
- Schere: Zum Abschneiden der Garne.
Die Wahl des Garns hängt stark vom gewünschten Endprodukt ab. Für robuste Projekte wie Teppiche eignen sich beispielsweise dickere, strapazierfähige Garne wie Wolle oder Baumwolle. Für feinere Textilien wie Schals oder Tischdecken können dünnere Garne aus Seide, Baumwolle oder Leinen verwendet werden. Auch synthetische Garne wie Acryl oder Polyester sind möglich und bieten oft besondere Eigenschaften wie Farbechtheit oder Pflegeleichtigkeit.

Der Webprozess: Schritt für Schritt
Der Webprozess selbst besteht aus mehreren grundlegenden Schritten:
- Vorbereitung der Kette: Die Kettfäden werden auf dem Webstuhl gespannt. Sie verlaufen in Längsrichtung und müssen gleichmäßig gespannt sein.
- Einrichten des Webstuhls: Der Webstuhl steuert das Heben und Senken der Kettfäden, was Muster und Struktur des Stoffes bestimmt.
- Einführen des Schussfadens: Der Schussfaden wird quer durch die angehobenen und gesenkten Kettfäden geführt, meist mit einem Schiffchen.
- Verdichten des Gewebes: Der Schussfaden wird gegen das bereits Gewebte gedrückt, um ein dichtes Gewebe zu erzeugen. Dies geschieht oft mit einem Kamm oder einer Lade.
- Wiederholung: Die Schritte werden wiederholt, bis die gewünschte Stofflänge erreicht ist.
Moderne Webtechniken und Fortschritte
Die Webtechnik hat im Laufe der Zeit enorme Fortschritte gemacht. Vom traditionellen Schützenwebstuhl bis hin zu hochmodernen Maschinen hat sich die Geschwindigkeit und Effizienz des Webens deutlich gesteigert.
Der mechanische Schützenwebstuhl
Der mechanische Schützenwebstuhl, der im frühen 20. Jahrhundert weit verbreitet war, nutzte Exzenterscheiben, um die Bewegungen des Webens zu automatisieren. Dies umfasste das Heben und Senken der Schäfte, die Bewegung der Lade und das Auslösen des Schützens. Frühe Modelle mussten zum Spulenwechsel angehalten werden, aber später wurden automatische Spulenwechsler entwickelt. Ein typischer Schützenwebstuhl erreichte etwa 80 Schuss pro Minute und produzierte rund zwei Meter Stoff pro Stunde. Ein Fadenwächter überwachte den Schussfaden und stoppte die Maschine automatisch bei Fadenbruch.
Jacquard-Weberei
Die von Joseph-Marie Jacquard um 1800 erfundene Jacquardmaschine revolutionierte das Weben komplexer Muster. Durch Lochkarten gesteuert, ermöglichte sie die individuelle Ansteuerung jedes einzelnen Kettfadens. Im Gegensatz zur Schaftmaschine, die nur ganze Fadengruppen heben und senken konnte, erlaubte die Jacquardmaschine das Weben detaillierter und rapportierlicher Muster. Der Hubkastenwechsel ermöglichte zudem das Weben mit verschiedenen Farben.

Fortschritte in der modernen Webtechnik
Die Weiterentwicklung des Schützenwebstuhls führte zu Geschwindigkeiten von 150 bis 200 Touren pro Minute. Die Greifertechnik kam ohne Schützen und Spulen aus und erreichte 300 bis 400 Touren pro Minute. Hier wird der Schussfaden durch Greifer durch das Fach gezogen. Die Luftdüsentechnik ist die schnellste Methode, mit Maschinen von Picanol, die bis zu 1000 Touren pro Minute erreichen. Luftstöße befördern den Faden durch das Fach, was höchste Geschwindigkeiten ermöglicht.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Weben
Was sind die drei grundlegenden Webarten?
Die drei grundlegenden Webarten sind Leinwandbindung, Köperbindung und Atlasbindung. Sie unterscheiden sich in der Art, wie Kett- und Schussfäden miteinander verkreuzt werden, und erzeugen unterschiedliche Stoffstrukturen und Eigenschaften.
Was bedeutet Schären beim Weben?
Schären ist ein vorbereitender Prozess, bei dem die Kettfäden parallel und in der benötigten Länge und Fadendichte auf eine Schärtrommel gewickelt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung der Kette für den Webprozess.

Welche Garne eignen sich am besten zum Weben?
Die Wahl des Garns hängt vom gewünschten Projekt ab. Natürliche Garne wie Baumwolle, Wolle, Leinen und Seide sind beliebt, aber auch synthetische Garne wie Acryl und Polyester können verwendet werden. Dicke und Material des Garns beeinflussen das Aussehen und die Eigenschaften des fertigen Gewebes.
Wie funktioniert der grundlegende Webprozess?
Der Webprozess umfasst das Spannen der Kettfäden, das Einrichten des Webstuhls, das Einführen des Schussfadens, das Verdichten des Gewebes und die Wiederholung dieser Schritte, um den gewünschten Stoff zu erzeugen.
Welche Handarbeitsprojekte eignen sich für das Weben?
Weben eignet sich für eine Vielzahl von Projekten, darunter Tischläufer, Schals, Teppiche, Wandbilder, Kissenhüllen, Taschen und vieles mehr. Die Webtechnik ermöglicht kreative Gestaltungsmöglichkeiten und die Herstellung sowohl dekorativer als auch praktischer Gegenstände.
