11/03/2022
Wer kennt es nicht? Der eigentlich idyllische Garten wird durch störenden Lärm von außen getrübt. Sei es der Verkehrslärm einer nahen Autobahn, der Donner startender Flugzeuge oder das Rattern einer vorbeifahrenden Bahn – Lärmbelästigung kann die Lebensqualität im eigenen Zuhause erheblich mindern. Anstatt sich mit unansehnlichen Schallschutzwänden zu arrangieren, gibt es jedoch eine natürliche und ästhetisch ansprechende Alternative: Pflanzen als Lärmschlucker.

- Soundscaping: Das Zauberwort für natürlichen Schallschutz
- Wie Pflanzen Lärm „schlucken“
- Welche Pflanzen eignen sich besonders gut als Lärmschutz?
- Wasser als Lärmschutz: Das beruhigende Plätschern
- Kombination von Pflanzen und Wasser für optimalen Lärmschutz
- Fazit: Natürlicher Lärmschutz für mehr Lebensqualität
Soundscaping: Das Zauberwort für natürlichen Schallschutz
Das moderne Konzept, um Lärm auf natürliche Weise zu reduzieren, nennt sich Soundscaping. Dieser Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „Sound“ (Geräusch) und „Landscape“ (Landschaft) zusammen und beschreibt die bewusste Gestaltung einer Geräuschumgebung. Das Prinzip dahinter ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Unangenehme Geräusche werden durch angenehme Klänge überlagert. Dies mag zunächst paradox klingen, funktioniert aber in der Praxis hervorragend. Sie haben Soundscaping wahrscheinlich schon unbewusst erlebt, beispielsweise in Städten oder Einkaufszentren, wo Musik oder Vogelgezwitscher eingesetzt werden, um den Umgebungslärm zu reduzieren.
Unser Gehirn ist erstaunlich selektiv in seiner Wahrnehmung. Es neigt dazu, angenehme Klänge zu betonen und störende Geräusche in den Hintergrund zu drängen. Im Garten lässt sich dieser Effekt auf natürliche Weise mit Bäumen und Sträuchern erzielen. Das sanfte Rascheln von Blättern im Wind, das leise Zirpen von Insekten oder das Plätschern eines kleinen Wasserspiels können den Verkehrslärm oder andere unerwünschte Geräusche überdecken und so eine entspanntere Atmosphäre schaffen.
Wie Pflanzen Lärm „schlucken“
Pflanzen wirken auf verschiedene Weisen als natürliche Schallschutzbarrieren:
- Schallabsorption: Große, dichte Blätter und belaubte Äste können Schallwellen absorbieren und so die Lärmintensität reduzieren. Die Blätter wirken wie kleine Schallschutzwände, die den Schall „schlucken“ und zerstreuen.
- Schallstreuung: Die unregelmäßige Oberfläche von Blättern, Zweigen und Stämmen führt zur Streuung der Schallwellen. Dadurch wird der Schallenergie die Richtung genommen und die Lärmbelästigung gemindert.
- Geräuschmaskierung: Das Rascheln von Blättern, insbesondere bei Pflanzen mit großen Blättern oder Gräsern, erzeugt ein angenehmes Hintergrundgeräusch, das störende Geräusche überdecken kann (Soundscaping-Effekt).
Welche Pflanzen eignen sich besonders gut als Lärmschutz?
Nicht jede Pflanze ist gleichermaßen effektiv im Lärmschutz. Besonders gut geeignet sind:
Immergrüne Pflanzen mit großen Blättern
Immergrüne Pflanzen bieten den Vorteil, dass sie das ganze Jahr über als Schallschutz dienen. Pflanzen mit großen, runden Blättern sind besonders effektiv, da diese eine größere Oberfläche für die Schallabsorption bieten. Einige Beispiele hierfür sind:
- Efeu (Hedera helix): Efeu ist ein Klassiker unter den immergrünen Kletterpflanzen und eignet sich hervorragend als Lärmschutz. Seine Blätter sind nicht nur groß und rundlich, sondern auch so ausgerichtet, dass sie den Schall optimal „abfangen“. Zudem ist Efeu sehr anpassungsfähig und gedeiht sowohl an sonnigen als auch an schattigen Standorten. Efeu kann an Zäunen, Mauern oder Pergolen hochranken und so eine dichte, grüne Schallschutzwand bilden.
- Runzeliger Schneeball (Viburnum rhytidophyllum): Dieser immergrüne Strauch zeichnet sich durch seine großen, runzligen Blätter aus, die ebenfalls sehr effektiv im Lärmschutz sind. Der Runzelige Schneeball ist robust, pflegeleicht und gedeiht gut auf normalen Gartenböden und im Halbschatten. Er wächst zu einer dichten, buschigen Form heran und bietet so einen guten Schallschutz.
- Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus): Auch die Lorbeerkirsche ist eine beliebte immergrüne Heckenpflanze mit großen, glänzenden Blättern. Sie wächst schnell und dicht und bietet einen guten Sicht- und Lärmschutz. Allerdings sollte man bei der Lorbeerkirsche beachten, dass sie in einigen Regionen als invasiv gilt und regelmäßig geschnitten werden muss.
Hohe Gräser und Bambus
Hohe Gräser und Bambus sind ebenfalls ausgezeichnete Pflanzen für den Lärmschutz. Sie rascheln bereits bei geringem Wind und erzeugen so ein angenehmes Geräusch, das störenden Lärm überdecken kann. Zudem bilden sie dichte, hohe Bestände, die ebenfalls zur Schallabsorption und -streuung beitragen.
- Bambus (verschiedene Arten): Bambus ist ein vielseitiges Grasgewächs, das in vielen Gärten immer beliebter wird. Es gibt verschiedene Bambusarten, die sich in Höhe, Wuchsform und Winterhärte unterscheiden. Für den Lärmschutz eignen sich besonders hochwachsende, horstbildende Bambusarten, die keine Ausläufer bilden und somit nicht wuchern. Bambus ist immergrün und bietet das ganze Jahr über Schallschutz.
- Chinaschilf (Miscanthus sinensis): Chinaschilf ist ein weiteres hohes Ziergras, das sich gut als Lärmschutz eignet. Es wächst schnell und bildet dichte, hohe Horste. Im Herbst und Winter verfärben sich die Halme und Blütenstände des Chinaschilfs in attraktive Brauntöne und bieten so auch im Winter einen schönen Anblick.
Hecken und Büsche
Hecken und Büsche sind klassische Elemente im Garten und können ebenfalls einen wertvollen Beitrag zum Lärmschutz leisten. Wichtig ist, dass die Hecke oder der Busch dicht und gleichmäßig wächst und auch am Boden keine Lücken aufweist. Eine dichte Hecke bildet eine effektive Schallschutzbarriere und reduziert die Lärmbelästigung im Garten.
- Hainbuche (Carpinus betulus): Die Hainbuche ist eine beliebte Heckenpflanze, die zwar nicht immergrün ist, aber ihr braunes Laub im Winter behält und somit auch im Winter einen gewissen Sicht- und Lärmschutz bietet. Die Hainbuche ist schnittverträglich und wächst zu einer dichten, formschönen Hecke heran.
- Liguster (Ligustrum vulgare): Liguster ist eine weitere klassische Heckenpflanze, die in vielen Gärten zu finden ist. Es gibt sowohl immergrüne als auch sommergrüne Ligusterarten. Liguster ist schnittverträglich, wächst schnell und dicht und bietet einen guten Sicht- und Lärmschutz.
Wasser als Lärmschutz: Das beruhigende Plätschern
Neben Pflanzen können auch Wasserspiele einen positiven Beitrag zum Lärmschutz leisten. Das Geräusch von plätscherndem Wasser wird von vielen Menschen als angenehm und beruhigend empfunden und kann störende Geräusche überlagern. Dabei muss es nicht gleich ein großer Springbrunnen sein. Eine kleine Wasserschale, aus der das Wasser sanft tropft, oder ein kleiner Brunnen können bereits einen deutlichen Effekt erzielen. Wer einen Gartenteich besitzt, kann einen kleinen Bachlauf integrieren, der ins Wasser plätschert. Die Lautstärke des Wasserrauschens lässt sich dabei individuell anpassen, beispielsweise durch die Höhe, aus der das Wasser fällt.
Kombination von Pflanzen und Wasser für optimalen Lärmschutz
Die Kombination von Pflanzen und Wasserspielen kann den Lärmschutz im Garten noch effektiver machen. Die Pflanzen absorbieren und streuen den Schall, während das Wassergeräusch störende Geräusche überdeckt. Zusammen schaffen sie eine natürliche und angenehme Geräuschkulisse, die den Garten zu einer wahren Ruheoase macht.
Fazit: Natürlicher Lärmschutz für mehr Lebensqualität
Lärmbelästigung im Garten muss nicht länger hingenommen werden. Mit cleverem Soundscaping und der gezielten Auswahl von Pflanzen und Wasserspielen lässt sich eine natürliche und ästhetisch ansprechende Lösung für den Lärmschutz realisieren. Profitieren Sie von den vielfältigen Vorteilen des natürlichen Schallschutzes und verwandeln Sie Ihren Garten in einen ruhigen und erholsamen Ort zum Entspannen und Wohlfühlen. Investieren Sie in Pflanzen als Lärmschlucker und genießen Sie die neu gewonnene Ruhe in Ihrem grünen Paradies.
