11/03/2023
Island, bekannt für seine atemberaubenden Landschaften aus Vulkanen, Gletschern und Wasserfällen, mag auf den ersten Blick nicht der typische Ort für ausgedehnte Wälder sein. Doch inmitten dieser rauen Schönheit verbirgt sich ein grünes Juwel: der Hallormstaðaskógur. Dieser Wald, der sich im Osten der Insel erstreckt, ist nicht nur der größte Wald Islands, sondern auch ein faszinierendes Beispiel für menschliches Engagement und die Anpassungsfähigkeit der Natur.

Was ist Hallormstaðaskógur?
Hallormstaðaskógur ist Islands größtes zusammenhängendes Waldgebiet. Er liegt malerisch am östlichen Ufer des Sees Lögurinn, etwa 25 Kilometer südlich von Egilsstaðir, der größten Stadt Ostislands. Westlich der Ringstraße gelegen, ist er gut erreichbar und stellt ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen dar. Der Wald verdankt seinen Namen dem nahegelegenen Hof Hallormstaður, einem Ort mit langer Geschichte und Bedeutung für die Entwicklung der Forstwirtschaft in Island.
Die Geschichte von Hallormstaðaskógur: Ein Wald entsteht
Die Geschichte von Hallormstaðaskógur ist eng mit dem Wunsch verbunden, Islands karge Landschaft zu begrünen und die negativen Auswirkungen der Entwaldung, die über Jahrhunderte stattgefunden hatte, zu bekämpfen. Anfang des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1903, begann man auf dem Hof Hallormstaður systematisch zu untersuchen, welche Baumarten unter den herausfordernden klimatischen Bedingungen Islands gedeihen könnten. Das isländische Klima ist geprägt von kurzen Sommern, langen Wintern, starken Winden und häufigen Temperaturschwankungen. Die Suche nach geeigneten Baumarten war also keine leichte Aufgabe.
Nach sorgfältigen Studien und Experimenten entschied man sich, vor allem auf Birken und Lärchen zu setzen. Diese Baumarten zeigten sich als besonders widerstandsfähig und anpassungsfähig an das raue Klima. Die Birken, die ohnehin in Island heimisch sind, wurden verstärkt angepflanzt, während die Lärchen, die aus anderen Regionen importiert wurden, sich überraschend gut entwickelten. Im Laufe der Zeit wuchs so ein beeindruckendes Waldgebiet heran, das heute eine Fläche von rund 740 Hektar umfasst. Diese Fläche mag im Vergleich zu den riesigen Wäldern anderer Länder bescheiden erscheinen, aber für isländische Verhältnisse ist Hallormstaðaskógur ein wahrer Riese.
Was macht Hallormstaðaskógur so besonders?
Hallormstaðaskógur ist nicht nur wegen seiner Größe einzigartig. Er bietet dem Besucher ein ganz besonderes Erlebnis, das man in Island vielleicht nicht unbedingt erwartet. Beim Betreten des Waldes fühlt man sich fast wie in einem Waldstück in Mitteleuropa, beispielsweise im Schwarzwald oder der Eifel, wie im Originaltext treffend verglichen wird. Die dichten Baumkronen, das gedämpfte Licht und der weiche Waldboden vermitteln eine Atmosphäre der Ruhe und Abgeschiedenheit, die einen wohltuenden Kontrast zur offenen, windgepeitschten Landschaft außerhalb des Waldes bildet.
Die Vielfalt der Baumarten, die im Laufe der Jahrzehnte angepflanzt wurden, trägt ebenfalls zur Besonderheit von Hallormstaðaskógur bei. Neben den dominierenden Birken und Lärchen finden sich hier auch Kiefern, Fichten und andere Nadel- und Laubbaumarten. Diese Mischung sorgt für ein abwechslungsreiches Waldbild und bietet Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna. Obwohl die Tierwelt in Hallormstaðaskógur nicht so artenreich ist wie in Wäldern in wärmeren Klimazonen, kann man hier verschiedene Vogelarten beobachten, darunter typische Waldvögel wie Meisen, Finken und Spechte. Auch Insekten und Kleinsäuger sind im Wald zu finden.
Aktivitäten im und um den Hallormstaðaskógur
Hallormstaðaskógur ist nicht nur ein Ort der Ruhe und Erholung, sondern auch ein Paradies für Outdoor-Aktivitäten. Ein gut ausgebautes Netz von Wanderwegen durchzieht den Wald und lädt zu ausgedehnten Spaziergängen und Wanderungen ein. Die Wege sind unterschiedlich lang und anspruchsvoll, sodass für jeden Geschmack und jedes Fitnesslevel etwas dabei ist. Ob man einen kurzen Rundweg durch den Wald bevorzugt oder eine längere Tour entlang des Seeufers plant, in Hallormstaðaskógur findet jeder Wanderfreund sein Glück. Auch für Mountainbike-Fahrer gibt es attraktive Strecken im Wald und in der Umgebung. Das Mountainbiken in dieser einzigartigen Umgebung ist ein besonderes Erlebnis, bei dem man die Natur auf sportliche Weise genießen kann.
Für Pilzsammler ist Hallormstaðaskógur ein wahres Eldorado. Im Herbst, nach den ersten Regenfällen, sprießen hier zahlreiche Pilzarten aus dem Boden. Von Steinpilzen über Pfifferlinge bis hin zu Rotkappen gibt es eine große Vielfalt zu entdecken. Auch Beeren wie Blaubeeren und Preiselbeeren wachsen im Wald und können im Sommer und Herbst geerntet werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass man sich vor dem Sammeln von Pilzen und Beeren über die geltenden Regeln und Vorschriften informiert und nur Arten sammelt, die man sicher kennt.
Der See Lögurinn: Ein Juwel am Rande des Waldes
Ein weiteres Highlight in der Umgebung von Hallormstaðaskógur ist der See Lögurinn, an dessen Ufer der Wald liegt. Der See ist nicht nur der drittgrößte See Islands, sondern auch einer der tiefsten. Seine mystische Atmosphäre und die umliegende Landschaft machen ihn zu einem faszinierenden Ort. Am Ufer des Lögurinn kann man wunderbar entspannen, die Ruhe genießen und den fantastischen Ausblick über das weite Wasser schweifen lassen. Besonders bei schönem Wetter ist es ein Genuss, am Seeufer zu sitzen, die Sonne zu genießen und die Seele baumeln zu lassen. Der See bietet auch Möglichkeiten zum Angeln und für Bootsfahrten. Wer die Umgebung vom Wasser aus erkunden möchte, kann eine Bootstour auf dem Lögurinn unternehmen und die Landschaft aus einer neuen Perspektive erleben.
Praktische Informationen für Besucher
Hallormstaðaskógur ist ganzjährig zugänglich und kann kostenlos besucht werden. Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, geführten Touren oder speziellen Angeboten sind in der Regel bei den lokalen Hotels oder Tourismusbüros erhältlich. Es empfiehlt sich, vor dem Besuch die Wetterbedingungen zu prüfen und sich entsprechend zu kleiden, da das Wetter in Island bekanntlich schnell wechseln kann. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind empfehlenswert, besonders wenn man Wanderungen im Wald plant. Für Pilzsammler und Beerenpflücker ist es ratsam, sich über die aktuellen Bestimmungen und eventuelle Einschränkungen zu informieren.
Ein Besuch in Hallormstaðaskógur ist eine wunderbare Gelegenheit, die einzigartige Natur Ostislands kennenzulernen und die überraschende Vielfalt dieser faszinierenden Insel zu entdecken. Ob beim Wandern, Radfahren, Pilzesammeln oder einfach nur beim Entspannen am Seeufer – Hallormstaðaskógur bietet für jeden etwas und ist ein unvergessliches Erlebnis für Naturliebhaber und Erholungssuchende.
