12/10/2021
Amsterdam, bekannt für seine malerischen Grachten, historischen Häuser und lebendige Kultur, überrascht viele Besucher mit einem unerwarteten Reichtum an Grünflächen und Bäumen. Tatsächlich beherbergt die niederländische Hauptstadt mehr Bäume als die meisten anderen europäischen Metropolen und präsentiert sich als eine wahre grüne Oase inmitten des urbanen Raums. Diese üppige Vegetation trägt maßgeblich zur Lebensqualität bei und macht Amsterdam zu einem besonders angenehmen Ort zum Leben und Besuchen.

Die grüne Vielfalt Amsterdams: Mehr als nur Bäume
Die beeindruckende Anzahl an Bäumen in Amsterdam ist jedoch nur ein Teil der Geschichte. Die Stadt zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Biodiversität aus, die sich in Parks, entlang der Grachten und sogar in versteckten Ecken der Stadt entfaltet. Stadtökologen wie Remco Daalder widmen sich leidenschaftlich dem Schutz und der Förderung dieser urbanen Natur. Für Daalder liegt die wahre Schönheit Amsterdams oft im Detail, im Blick nach unten und nach oben, wo sich eine faszinierende Welt von Pflanzen und Tieren verbirgt.

Pilze und Farne: Unerwartete Bewohner der Stadt
Wussten Sie, dass Amsterdam eine erstaunliche Vielfalt an Pilzen beherbergt? Allein im Jordaan, einem charmanten Amsterdamer Viertel, wurden über 1000 Pilzarten identifiziert. Diese wachsen an alten Bäumen, zwischen Steinen und an unerwarteten Orten mitten in der Stadt. Auch Farne fühlen sich in Amsterdam besonders wohl. Mit 23 verschiedenen Arten ist die Stadt sogar die „Farnhauptstadt der Niederlande“. Eine der seltensten Arten, der Grüne Streifenfarn, wächst in einer alten Schleuse beim Carré-Theater – ein Fund, der das Herz jedes Naturfreundes höherschlagen lässt.
Tierische Bewohner der Grachten: Eisvögel und „Pinguine“
Nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere haben in Amsterdam ein Zuhause gefunden. Besondere Freude bereitet Stadtökologe Daalder der Eisvogel. Vor wenigen Jahren noch eine Sensation, ist er heute ein immer häufiger werdender Anblick in Amsterdam. Mittlerweile gibt es über 40 Eisvogelpaare in der Stadt. Auch der Kormoran, von Daalder liebevoll „Pinguin von Amsterdam“ genannt, ist ein häufiger Gast. Elegant auf Pfählen sitzend, sind diese Vögel geschickte Jäger in den Grachten.

Saubere Grachten: Ein Paradies für Mensch und Tier
Die Amsterdamer Grachten waren nicht immer ein soladyllisches Biotop. Lange Zeit galten sie als „romantischstes Klo der Welt“. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan. Durch den Anschluss der letzten Grachtenhäuser und Hausboote an die Kanalisation ist das Wasser der Grachten heute erstaunlich sauber. So sauber, dass man darin schwimmen kann – selbst Königin Máxima hat bereits an einem Schwimmwettbewerb in den Grachten teilgenommen! Diese verbesserte Wasserqualität hat natürlich auch positive Auswirkungen auf die Tierwelt und trägt zur ökologischen Vielfalt der Stadt bei.
Herausforderungen und Exoten: Nicht alles ist Gold, was glänzt
Trotz der vielen positiven Entwicklungen gibt es auch Herausforderungen für die Amsterdamer Natur. Ein Problem sind die immer noch zahlreichen Fahrräder und der Kleinmüll, die in die Grachten geworfen werden. Auch das Aussetzen von Haustieren, die nicht mehr erwünscht sind, stellt ein Problem dar. Ein Beispiel dafür ist der Rote Amerikanische Sumpfkrebs, der ursprünglich aus Aquarien stammt und sich nun in den Grachten stark vermehrt. Diese invasive Art ist zwar eine Plage, aber immerhin auch essbar – und es gibt sogar Grillrezepte dafür!
Ein weiteres Thema sind Exoten, die durch den Schiffsverkehr nach Amsterdam gelangen. Durch den Rhein-Main-Donau-Kanal sind die Grachten indirekt mit dem Kaspischen Meer verbunden, was zur Einwanderung neuer Arten wie des Donau-Rapfens und der Schwarzmundgrundel geführt hat. Obwohl diese Artenvielfalt faszinierend ist, stellen viele Exoten eine Bedrohung für die heimische Fauna dar.

Amsterdam für Naturliebhaber: Tipps und Empfehlungen
Wer die grüne Seite Amsterdams entdecken möchte, hat viele Möglichkeiten. Neben den zahlreichen Parks und Grünanlagen lohnt sich ein Besuch von IJburg, einem neu geschaffenen Stadtteil im IJ-See. Dieses Neuland ist mit der Tram 26 bequem zu erreichen und bietet eine einzigartige Naturoase mitten in der Stadt. Hier können Sie die Natur genießen und gleichzeitig in einem Café am Wasser entspannen, während Kormorane direkt neben Ihnen sitzen.
Weitere interessante Fakten über Amsterdam:
- Fahrradstadt: Amsterdam ist eine Fahrradstadt par excellence. Mit 1,2 Millionen Fahrrädern auf etwa 821.000 Einwohner gibt es mehr Fahrräder als Einwohner.
- Grachtenstadt: Mit über 165 Grachten und 1281 Brücken hat Amsterdam mehr Grachten als Venedig und mehr Brücken als Paris.
- Museenstadt: Amsterdam hat die höchste Museumsdichte der Welt pro Quadratmeter.
- Blumenstadt: Der schwimmende Blumenmarkt (Bloemenmarkt) ist ein einzigartiges Erlebnis und existiert bereits seit 1862.
Fazit: Amsterdam – Grüne Stadt mit Lebensqualität
Amsterdam ist mehr als nur Grachten und Tulpen. Die Stadt überrascht mit einer beeindruckenden grünen Infrastruktur und einer bemerkenswerten Artenvielfalt. Das Engagement für Nachhaltigkeit und Naturschutz zeigt sich in vielen Bereichen, von der Sauberkeit der Grachten bis hin zur Förderung urbaner Grünflächen. Für Besucher und Einwohner gleichermaßen bietet Amsterdam eine hohe Lebensqualität, die maßgeblich von der grünen Umgebung geprägt ist. Entdecken Sie diese grüne Seite Amsterdams und lassen Sie sich von der Natur mitten in der Stadt verzaubern!
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Gibt es in Amsterdam wirklich mehr Bäume als in anderen europäischen Städten?
- Ja, Amsterdam zeichnet sich durch eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Bäumen und Grünflächen im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen aus.
- Welche besonderen Tiere kann man in den Amsterdamer Grachten beobachten?
- Neben dem Eisvogel und dem Kormoran gibt es in den Grachten auch Zander, Aale und verschiedene andere Fischarten. Durch die verbesserte Wasserqualität hat sich die Artenvielfalt in den Grachten deutlich erhöht.
- Was sind die größten Herausforderungen für die Natur in Amsterdam?
- Zu den Herausforderungen gehören invasive Arten wie der Rote Amerikanische Sumpfkrebs, die Verschmutzung der Grachten durch Fahrräder und Müll sowie die Bedrohung der heimischen Fauna durch eingeschleppte Exoten.
- Wo kann man die Natur in Amsterdam am besten erleben?
- Neben den zahlreichen Parks und Grünanlagen ist IJburg ein besonders empfehlenswertes Ziel für Naturliebhaber. Auch ein Spaziergang entlang der Grachten bietet viele Möglichkeiten, die urbane Natur zu entdecken.
