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Pyramus und Thisbe: Eine tragische Liebesgeschichte

13/12/2024

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Die Geschichte von Pyramus und Thisbe ist eine der berührendsten und tragischsten Liebesgeschichten der antiken Mythologie. Ihre Erzählung, die uns vor allem durch Ovids Metamorphosen überliefert ist, handelt von zwei jungen Menschen in Babylon, deren Liebe durch die Feindschaft ihrer Familien auf eine harte Probe gestellt wird und schließlich in einem dramatischen Ende mündet. Diese Sage, die seit der Antike Künstler und Dichter inspiriert hat, thematisiert auf eindringliche Weise die Kraft der Liebe, die Unbarmherzigkeit des Schicksals und die ewige Sehnsucht nach Verbundenheit.

Was ist die Metamorphose bei Pyramus und Thisbe?
Die früheste und ausführlichste Schilderung findet man in Ovids Epos über Verwandlungssagen mit dem Titel Metamorphosen. Seine Darstellung gipfelt, wie es der Absicht dieses Werks entspricht, in einer Verwandlung: Die Früchte des Maulbeerbaums sind seitdem nicht mehr weiß, sondern blutrot.
Inhaltsverzeichnis

Die verbotene Liebe in Babylon

Pyramus und Thisbe lebten in der prachtvollen Stadt Babylon, getrennt durch nichts als eine Wand, die ihre elterlichen Häuser voneinander schied. Ihre Familien waren verfeindet und untersagten jeglichen Kontakt zwischen den Liebenden. Doch die Liebe der beiden war stärker als jedes Verbot. Sie entdeckten einen kleinen Spalt in der Wand, der ihnen ermöglichte, miteinander zu flüstern und ihre Gefühle auszutauschen. Durch diesen Spalt hindurch teilten sie sich ihre Sehnsucht, ihre Träume und ihre Verzweiflung über die unüberwindbare Barriere, die zwischen ihnen stand. Dieser Spalt wurde zum Symbol ihrer verbotenen, aber innigen Verbindung, ein stiller Zeuge ihrer heimlichen Gespräche und ihrer wachsenden Liebe.

Das verhängnisvolle Treffen am Maulbeerbaum

Verzweifelt über ihre Situation und getrieben von dem Wunsch nach Freiheit und ungestörter Zweisamkeit, schmiedeten Pyramus und Thisbe einen Plan zur Flucht. Sie verabredeten sich zu einem nächtlichen Treffen außerhalb der Stadtmauern, an einem bekannten Ort: einem Maulbeerbaum, der schneeweiße Früchte trug. Dieser Baum sollte ihr Treffpunkt und der Beginn eines neuen Lebens fernab der elterlichen Konflikte sein.

Thisbe erreichte den vereinbarten Ort zuerst. Während sie auf Pyramus wartete, entdeckte sie in der Nähe eine Quelle, an der eine Löwin ihren Durst stillte. Das Maul der Löwin war blutverschmiert, ein Zeichen, dass sie kurz zuvor ein Tier gerissen hatte. Erschrocken floh Thisbe vor dem gefährlichen Tier und verlor dabei ihren Schleier. In ihrer Hast bemerkte sie nicht, dass der Schleier zu Boden fiel. Die Löwin, die von ihrem Durst getrieben war, spielte kurz mit dem Schleier, zerriss ihn und färbte ihn mit dem Blut ihres Mauls rot.

Pyramus' tragischer Irrtum

Als Pyramus endlich am Treffpunkt eintraf, fand er anstelle seiner geliebten Thisbe nur den blutigen, zerrissenen Schleier. In seiner Verzweiflung und ohne zu zögern, zog er den falschen Schluss: Er glaubte, Thisbe sei von einem wilden Tier getötet worden. Überwältigt von Schmerz und Schuldgefühlen, da er sich für das Unglück seiner Geliebten verantwortlich fühlte, beschloss Pyramus, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er zog sein Schwert und stürzte sich darunter, unter dem Maulbeerbaum, in die Klinge. Sein Blut strömte aus der Wunde und tränkte die Wurzeln des Baumes.

Ovid beschreibt diesen Moment mit einem eindringlichen, wenn auch überraschenden Vergleich: „nicht anders, als wenn ein Rohr, weil das Blei beschädigt ist, aufplatzt und durch den feinen Riss zischend in langem Strahl herausschleudert das Wasser und stoßweise die Luft durchbricht“. Dieser Vergleich mag auf den ersten Blick unpassend erscheinen, doch er verdeutlicht die plötzliche und heftige Art des Blutvergießens und unterstreicht gleichzeitig die Tragik des Moments durch die Verwendung eines alltäglichen, fast banalen Bildes.

Thisbes letzte Liebe und der Maulbeerbaum

Kurz darauf kehrte Thisbe zurück zum Maulbeerbaum. Sie war erleichtert, die Löwin nicht mehr zu sehen, doch anstelle ihres erwartungsvollen Glücks fand sie eine schreckliche Szene vor: Pyramus lag im Sterben unter dem Baum. Sie erkannte sofort, was geschehen war: Der blutige Schleier und das Schwert ihres Geliebten erzählten die ganze Geschichte. Voller Verzweiflung und überwältigt von unendlichem Schmerz erkannte Thisbe, dass sie ohne Pyramus nicht leben wollte. Sie nahm das Schwert, das noch warm vom Blut ihres Geliebten war, und stürzte sich in dasselbe.

Was ist ein Erinnerungsbaum für Verstorbene?
Bei BaumFrieden wird die Asche einer verstorbenen Person in den Niederlanden einem Bäumchen Ihrer Wahl beigegeben. Nach einer Wachstumsphase von vier bis neun Monaten kann der Baum an einem von Ihnen gewünschten Ort in Deutschland eingepflanzt werden.

In ihren letzten Atemzügen richtete Thisbe eine Bitte an die Götter und an den Maulbeerbaum selbst. Sie bat darum, dass der Baum, der Zeuge ihres tragischen Todes geworden war, für immer an ihr Unglück erinnern solle. Ihre Bitte wurde erhört. Die Götter verwandelten die weißen Früchte des Maulbeerbaums in tiefrote, blutrote Beeren – als ewiges Zeichen für das vergossene Blut der Liebenden und als Mahnmal für die Tragik ihrer verbotenen Liebe. Auch die Eltern der beiden, die durch den Tod ihrer Kinder endlich zur Vernunft kamen, erfüllten den letzten Wunsch des Paares: Sie bestatteten die Asche von Pyramus und Thisbe in derselben Urne, damit sie auch im Tod vereint seien.

Ovids humorvolle Interpretation

Obwohl die Geschichte von Pyramus und Thisbe eine tiefe Tragödie erzählt, deutet einiges darauf hin, dass Ovid in seiner Darstellung in den Metamorphosen auch humorvolle und ironische Elemente einfließen ließ. Der bereits erwähnte Vergleich des Blutstroms mit einem Wasserrohrbruch ist ein Beispiel dafür. Auch die Verwendung des lateinischen Verbs „eiaculari“ (herausschleudern, hervorspritzen) zur Beschreibung des Blutaustritts hat eine komische, ja sogar obszöne Konnotation, wie die Altphilologin Carole E. Newlands bemerkt. Sie interpretiert Pyramus’ Todesart sogar als „gigantischen Orgasmus“, was die tragische Szene ins Lächerliche ziehen würde.

Diese humorvollen Einschübe könnten als Kommentar Ovids auf die übertriebene Leidenschaft und das melodramatische Verhalten der Liebenden interpretiert werden. Ovid war bekannt für seinen spielerischen Umgang mit den Mythen und seine Fähigkeit, auch in tragischen Geschichten komische Aspekte zu finden. Indem er die Tragödie von Pyramus und Thisbe mit humorvollen Elementen durchbricht, stellt er vielleicht die Ernsthaftigkeit und die Idealisierung der romantischen Liebe in Frage und lädt den Leser zu einer differenzierteren Betrachtung des Stoffes ein.

Rezeption in der Antike und Kunst

Die Sage von Pyramus und Thisbe war in der Antike weit verbreitet und populär. Neben Ovids ausführlicher Darstellung finden sich kürzere Versionen und Anspielungen in anderen Werken der antiken Literatur, beispielsweise bei Servius in seinem Kommentar zu Vergils Eklogen. Die Geschichte hat auch zahlreiche Künstler inspiriert. Zu den bekanntesten Darstellungen gehören:

  • Niklaus Manuel: Pyramus und Thisbe (1520)
  • Hans Baldung: Pyramus und Thisbe (um 1530, Gemäldegalerie, Berlin)

Diese Kunstwerke zeugen von der anhaltenden Faszination der tragischen Liebesgeschichte und ihrer Fähigkeit, Menschen über Jahrhunderte hinweg zu berühren.

Fazit

Die Geschichte von Pyramus und Thisbe ist mehr als nur eine tragische Liebesgeschichte. Sie ist eine Erzählung über die Unberechenbarkeit des Schicksals, die zerstörerische Kraft von Vorurteilen und die ewige Sehnsucht nach Liebe und Verbundenheit. Die Verwandlung des Maulbeerbaums in ein Symbol der Trauer und des Gedenkens macht die Sage zu einem eindringlichen Mahnmal für die Konsequenzen verbotener Liebe und die Unausweichlichkeit des Todes. Gleichzeitig feiert sie die Stärke der Liebe, die selbst im Angesicht des Todes nicht erlischt und in der Erinnerung fortlebt. Die Geschichte von Pyramus und Thisbe ist ein zeitloses Plädoyer für Toleranz, Verständnis und die Anerkennung der universellen Kraft der Liebe.

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