06/10/2024
Die Vermessung von Baumstämmen ist ein fundamentaler Schritt in der Forstwirtschaft und im Holzhandel. Ob für die Abrechnung nach der Holzernte, die Bestimmung des Holzvolumens oder die Planung von Holztransporten – präzise Messungen sind unerlässlich. Dieser Artikel führt Sie detailliert durch die gängige Methode der Holzvermessung nach Waldmaß, erklärt die einzelnen Schritte und gibt Ihnen eine klare Anleitung, wie Sie Baumstämme korrekt ausmessen können.

Die Längenmessung von Langholz
Direkt nach der Fällung, im Wald, beginnt der Prozess der Holzvermessung. Üblicherweise wird Langholz vermessen, also ungekürzte Baumstämme oder Stammabschnitte, die länger als sechs Meter sind. Der Forstwirt oder Holzvermesser verwendet hierfür ein geeichtes Maßband. Dieses wird am liegenden Baumstamm eingehakt, und der Vermesser läuft entlang des Stammes bis zum Ende, um die Länge zu ermitteln. Diese einfache Methode liefert die Basis für alle weiteren Berechnungen.
Das Übermaß bei der Längenmessung
Eine Besonderheit bei der Längenmessung von Stammholz ist das sogenannte Übermaß. Dieses berücksichtigt die natürlichen Eigenschaften von Holz als Naturprodukt. Holz kann quellen und schwinden, abhängig von der Luftfeuchtigkeit und dem Feuchtegehalt des Holzes selbst. Um diese Schwankungen auszugleichen und dem Käufer entgegenzukommen, wird bei der Längenmessung ein prozentualer Aufschlag hinzugerechnet. Gängig ist ein Aufschlag von 1% der gemessenen Länge, mindestens jedoch 10 Zentimeter.
Betrachten wir ein Beispiel: Ein Baumstamm wird mit einer Länge von 17 Metern gemessen. Durch den Übermaß-Aufschlag von 1% (1% von 17 Metern sind 0,17 Meter oder 17 Zentimeter) ergibt sich eine Verkaufslänge von 17,17 Metern. Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass der Käufer in diesem Fall nur für 17 Meter Stammholz bezahlt. Das Übermaß dient also als eine Art Toleranzpuffer und wird dem Verkäufer angelastet.
Die Durchmesser-Messung mit der Kluppe
Nach der Längenmessung folgt die Bestimmung des Durchmessers. Hierfür kommt ein spezielles Messwerkzeug zum Einsatz: die Kluppe. Eine Kluppe ist im Wesentlichen eine große Schieblehre, die speziell für die Messung von Baumdurchmessern konzipiert ist. Um den Durchmesser zu messen, wird die Kluppe mittig am Stamm angelegt, also in der Mitte der zuvor gemessenen Länge. Die Kluppe muss dabei senkrecht zur Stammachse positioniert werden, um eine korrekte Messung zu gewährleisten.
Kreuzweise Messung bei größeren Durchmessern
Bei Stämmen mit einem Durchmesser von mehr als 19 Zentimetern wird eine genauere Methode angewandt: die kreuzweise Kluppung. Dabei wird an derselben Stelle, an der die erste Messung durchgeführt wurde, eine zweite Messung vorgenommen. Diese zweite Messung erfolgt jedoch um 90° versetzt zur ersten Messung. Der Grund für diese Methode liegt in der Tatsache, dass Baumstämme selten perfekt rund sind. Durch die Messung in zwei Richtungen und die anschließende Mittelwertbildung wird die Unregelmäßigkeit des Stammesquerschnitts besser berücksichtigt und ein präziserer Durchschnittsdurchmesser ermittelt.
Mittelwertbildung und Rundung
Nach der Durchführung der ein- oder zweifachen Durchmesser-Messung werden die Werte weiterverarbeitet. Bei der kreuzweisen Kluppung werden die beiden gemessenen Werte gemittelt. Das Ergebnis, egal ob aus einer Einzelmessung oder dem Mittelwert zweier Messungen, wird anschließend auf ganze Zentimeter abgerundet. Beispiel: Eine Messung ergibt 43,6 Zentimeter. Dieser Wert wird auf 43 Zentimeter abgerundet. Dieser gerundete Durchmesser dient dann als Grundlage für die Volumenberechnung.
Die Berechnung des Stammvolumens
Mit den ermittelten Werten für Länge und Durchmesser kann nun das Volumen des Baumstammes berechnet werden. Die gängige Formel hierfür basiert auf der Volumenberechnung eines Zylinders, da ein Baumstamm in vereinfachter Form einem Zylinder ähnelt. Die Formel lautet:
Stammvolumen = (π / 4) * (Mittendurchmesser)² * Länge
Dabei steht π (Pi) für die Kreiszahl (ca. 3,14159), der Mittendurchmesser ist der zuvor ermittelte und gerundete Durchmesser des Stammes, und die Länge ist die gemessene Länge ohne Übermaß. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass alle Angaben in der Einheit Meter in die Berechnung einfließen. Der Durchmesser in Zentimetern muss also vor der Berechnung in Meter umgerechnet werden (z.B. 43 Zentimeter = 0,43 Meter).
Maßeinheiten: Kubikmeter und Festmeter
Die Maßeinheit des Ergebnisses der Volumenberechnung ist der Kubikmeter (m³). In der Forstwirtschaft ist jedoch oft eine andere Einheit üblicher: der Festmeter (Fm). Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter festen Holzvolumens ohne Hohlräume. Für die Vermessung von Rundholz ist der Festmeter die gebräuchlichste Einheit. In der Praxis sind Kubikmeter und Festmeter im Zusammenhang mit Rundholz gleichzusetzen, da die Berechnung auf dem reinen Holzvolumen basiert.
Der Rindenabzug – Berücksichtigung der Baumrinde
Ein wichtiger Aspekt bei der Holzvermessung ist der Rindenabzug. Die Baumrinde ist kein Holz und gehört somit nicht zum eigentlichen Verkaufsprodukt. Da es jedoch in der Regel nicht praktikabel ist, an jedem einzelnen Stamm die Rinde zu entfernen, wird ein pauschaler Rindenabzug vorgenommen. Dieser Abzug wird vom gemessenen Durchmesser abgezogen, bevor das Volumen berechnet wird.
Festgelegte Rindenabzugswerte nach Baumart
Die Höhe des Rindenabzugs ist nicht einheitlich, sondern hängt von der jeweiligen Baumart und dem Stammdurchmesser ab. Für verschiedene Baumarten gibt es festgelegte Rindenabzugswerte, die in Tabellen oder Richtlinien der Forstwirtschaft dokumentiert sind. Diese Werte liegen typischerweise im Bereich von 1 bis 5 Zentimetern. Hartholzarten wie Eiche oder Buche haben tendenziell geringere Rindenabzugswerte als Weichholzarten wie Fichte oder Kiefer. Es ist wichtig, die spezifischen Rindenabzugswerte für die jeweilige Baumart zu kennen und bei der Berechnung zu berücksichtigen.
Beispielrechnung für Stammholz
Um das Gelernte zu veranschaulichen, betrachten wir die Beispielrechnung aus dem Ausgangstext genauer:
Baumart: Buche
Länge: 12 Meter
Erste Durchmesser-Messung: 42 Zentimeter
Zweite Durchmesser-Messung (90° versetzt): 44 Zentimeter
- Mittelwertbildung des Durchmessers: (42 cm + 44 cm) / 2 = 43 Zentimeter
- Rundung des Mittelwerts: 43 Zentimeter (hier keine Rundung notwendig, da bereits eine ganze Zahl)
- Rindenabzug für Buche (angenommen): 2 Zentimeter
- Durchmesser nach Rindenabzug: 43 cm - 2 cm = 41 Zentimeter = 0,41 Meter
- Volumenberechnung: (π / 4) * (0,41 m)² * 12 m = 1,58 Festmeter (Fm)
In diesem Beispiel beträgt das Stammvolumen des Buchenstammes also 1,58 Festmeter. Dieser Wert dient als Grundlage für die Abrechnung und den Verkauf des Holzes.
Fazit
Die Vermessung von Baumstämmen nach Waldmaß ist ein präziser Prozess, der mehrere Schritte umfasst: die Längenmessung mit Übermaß, die Durchmesser-Messung mit der Kluppe (ggf. kreuzweise), die Berechnung des Volumens unter Berücksichtigung des Rindenabzugs. Die korrekte Anwendung dieser Methoden ist entscheidend für eine faire und transparente Abrechnung im Holzhandel und für eine effiziente Bewirtschaftung der Wälder. Mit diesem Wissen sind Sie nun bestens gerüstet, um Baumstämme selbst auszumessen und das Volumen zu bestimmen.
