War Oskar Baum blind?

Schicksalhafte Bäume in Schriftstellerleben

22/11/2021

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Das Leben von Schriftstellern ist oft von dramatischen Wendungen und tiefgreifenden Erfahrungen geprägt. Manchmal scheint das Schicksal auf bizarre Weise Regie zu führen und Verbindungen zu knüpfen, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. In diesem Artikel beleuchten wir die Lebenswege zweier bemerkenswerter deutschsprachiger Schriftsteller, Oskar Baum und Ödön von Horváth, deren Leben auf unerwartete und tragische Weise mit dem Wort „Baum“ verbunden ist – im Falle des einen als Namensbestandteil, im Falle des anderen als Todesursache.

War Oskar Baum blind?
Oskar Baum wurde am 21. Januar 1883 als Sohn eines jüdischen Tuchwarenhändlers in Pilsen geboren. Von Geburt an litt er unter einem sehschwachen Auge, das später fast völlig erblindete; im Alter von elf Jahren trug Baum bei einer Rauferei eine irreversible Verletzung auch des zweiten Auges davon.
Inhaltsverzeichnis

Oskar Baum: Im Schatten der Dunkelheit zum literarischen Licht

Oskar Baum, geboren am 21. Januar 1883 in Pilsen, war ein Schriftsteller, dessen Leben von früh an von Dunkelheit überschattet war. Geboren in eine jüdische Familie, als Sohn eines Tuchwarenhändlers, kam er mit einem schwachen Auge zur Welt. Diese Sehschwäche verschlimmerte sich im Laufe seiner Kindheit und führte schließlich fast zur vollständigen Erblindung eines Auges. Ein tragischer Vorfall im Alter von elf Jahren, eine Rauferei, besiegelte sein Schicksal und verursachte eine irreversible Verletzung auch des zweiten Auges. Die Welt um ihn herum versank in zunehmendem Maße in Dunkelheit.

Dieser Schicksalsschlag zwang Oskar Baum, das Gymnasium in Pilsen zu verlassen. Ein Wendepunkt in seinem Leben war die Aufnahme in die jüdische Blindenanstalt ›Hohe Warte‹ in Wien. Hier erhielt er nicht nur die notwendige Betreuung und Ausbildung, sondern entdeckte auch seine musischen Talente. Er absolvierte die Lehramtsprüfung und verließ die Anstalt im Jahr 1902 als qualifizierter Lehrer für Klavier und Orgel. Es zog ihn nach Prag, wo er zunächst als Organist in einer Synagoge und später als Klavierlehrer seinen Lebensunterhalt verdiente.

Der Weg zum Schriftsteller

Trotz seiner Blindheit oder vielleicht gerade deswegen, fand Oskar Baum einen Weg, sich literarisch auszudrücken. Ab 1908 trat er mit Erzählungen und Romanen an die Öffentlichkeit. Seine Werke zeichnen sich durch eine eindringliche Schilderung des Blindenlebens und eine sensible Beobachtung der menschlichen Natur aus. Zu seinen bekanntesten Werken zählen:

  • Uferdasein. Abenteuer und Erzählungen aus dem Blindenleben von heute (1908): Dieses Werk gilt als sein literarisches Debüt und gibt einen tiefen Einblick in die Welt der Blinden.
  • Das Leben im Dunkeln (1909): Ein weiterer Roman, der sich mit den Herausforderungen und Erfahrungen blinder Menschen auseinandersetzt.
  • Die Tür ins Unmögliche (1919): Ein Werk, das den Blick über das unmittelbare Erleben der Blindheit hinaus erweitert und sich mit existenziellen Fragen auseinandersetzt.

Freundschaft mit Franz Kafka

Ein wichtiger Aspekt in Oskar Baums Leben war seine Freundschaft mit Franz Kafka. Die beiden Schriftsteller lernten sich im Herbst 1904 durch Max Brod kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine lebenslange und prägende Freundschaft. Nach Baums Heirat im Dezember 1907 wurde die Wohnung des Ehepaares zu einem wichtigen Treffpunkt für Kafka, Brod und Felix Weltsch. In diesem Kreis wurden literarische Texte diskutiert und vorgelesen, ein intellektueller und kreativer Austausch, der für alle Beteiligten von großer Bedeutung war.

Das tragische Ende

Ab 1922 arbeitete Oskar Baum als Musikkritiker für die Prager Presse. Doch die politischen Entwicklungen der 1930er Jahre überschatteten auch sein Leben. Im Dezember 1938, im Vorfeld der deutschen Okkupation, wurde er aus seiner Position entlassen. Versuche, ihm die Ausreise nach Palästina zu ermöglichen, scheiterten an bürokratischen Hürden. Oskar Baum starb am 1. März 1941 in Prag an den Folgen einer Darmoperation. Seine Frau Margarete wurde kurz darauf deportiert und kam in Theresienstadt ums Leben. Auch sein Sohn Leo fand im Jahr 1946 bei einem Bombenanschlag in Jerusalem den Tod. Das Leben Oskar Baums, geprägt von Verlust und Dunkelheit, endete in einer Zeit des größten Grauens.

Welcher Schriftsteller wurde von einem Baum erschlagen?
1938. Aus ung. Kleinadel, Sohn eines Staatsbeamten und Diplomaten; lebte als freier Schriftsteller in Murnau (Oberbayern) und emigrierte vor dem Nationalsozialismus 1933 nach Wien und Henndorf (Salzburg) und 1938 nach Holland. In Paris wurde er auf den Champs-Elysées von einem niederstürzenden Baum erschlagen.

Ödön von Horváth: Vom Baum des Lebens zum Baum des Todes

Ödön von Horváth, geboren am 9. Dezember 1901 in Fiume (heute Rijeka), war ein österreichisch-ungarischer Schriftsteller, dessen Werk die Zwischenkriegszeit und die aufkommende Bedrohung durch den Nationalsozialismus thematisiert. Sein Leben war ebenso bewegt und tragisch wie das seines Kollegen Oskar Baum, wenngleich auf völlig andere Weise. Während Oskar Baums Leben von innerer Dunkelheit geprägt war, wurde Ödön von Horváth Opfer eines äußeren, zufälligen Unglücks – eines fallenden Baumes.

Horváth lebte als freier Schriftsteller und emigrierte 1933 vor den Nationalsozialisten zunächst nach Wien, dann nach Henndorf und schließlich 1938 nach Paris. In Paris ereignete sich am 1. Juni 1938 das tragische Unglück. Während eines Gewitters wurde Ödön von Horváth auf den Champs-Élysées von einem herabstürzenden Ast eines Baumes erschlagen. Ein absurder und sinnloser Tod, der das Leben eines bedeutenden Schriftstellers abrupt beendete.

Werk und Bedeutung

Ödön von Horváths Werk ist geprägt von einer kritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft seiner Zeit. Er entlarvte in seinen Theaterstücken und Romanen die Dämonie des Kleinbürgertums, die Verführbarkeit der Jugend und die aufkommende Diktatur. Seine Sprache ist oft schmucklos und direkt, seine Figuren sind geprägt von einer tiefen Entfremdung und Kontaktlosigkeit. Zu seinen wichtigsten Werken zählen:

  • Geschichten aus dem Wiener Wald (1931): Ein Volksstück, das die Abgründe der bürgerlichen Gesellschaft in Wien offenbart.
  • Kasimir und Karoline (1932): Ein weiteres Volksstück, das die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Zwischenkriegszeit thematisiert.
  • Jugend ohne Gott (1938): Ein Roman, der die Verführung der Jugend durch totalitäre Ideologien und die Gefahren des Mitläufertums thematisiert.

Eine schicksalhafte Verbindung

Obwohl die Lebenswege von Oskar Baum und Ödön von Horváth auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten aufweisen, verbindet sie doch eine schicksalhafte Ironie. Beide Schriftsteller, deren Leben und Werk auf ihre Weise von Verlust und Tragik geprägt waren, sind auf unerwartete Weise mit dem Begriff „Baum“ verbunden. Oskar Baum, dessen Nachname „Baum“ bedeutet und dessen Leben im übertragenen Sinne im Schatten der Dunkelheit stand, und Ödön von Horváth, der buchstäblich unter einem Baum seinen Tod fand. Diese ungewöhnliche Verbindung lädt dazu ein, über die Zufälle und Schicksalswendungen im Leben von Künstlern und die oft unergründlichen Wege des Schicksals nachzudenken.

Vergleich: Oskar Baum und Ödön von Horváth

MerkmalOskar BaumÖdön von Horváth
Geburtsdatum21. Januar 18839. Dezember 1901
GeburtsortPilsenFiume (Rijeka)
Todesdatum1. März 19411. Juni 1938
TodesursacheFolgen einer DarmoperationErschlagen von einem Baumast
BesonderheitBlindheit seit KindheitTod durch einen Baum
Bekannteste WerkeUferdasein, Das Leben im DunkelnGeschichten aus dem Wiener Wald, Jugend ohne Gott

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

War Oskar Baum blind?
Ja, Oskar Baum erblindete im Laufe seiner Kindheit und Jugend vollständig.
Welcher Schriftsteller wurde von einem Baum erschlagen?
Ödön von Horváth wurde in Paris von einem herabstürzenden Baumast erschlagen.
Welche Themen behandelten Oskar Baum und Ödön von Horváth in ihren Werken?
Oskar Baum thematisierte oft das Leben blinder Menschen und die menschliche Natur. Ödön von Horváth setzte sich kritisch mit der Gesellschaft der Zwischenkriegszeit, dem Kleinbürgertum und der aufkommenden Diktatur auseinander.

Das Leben und Werk von Oskar Baum und Ödön von Horváth sind eindrucksvolle Beispiele für die Vielfalt und Tragik menschlicher Existenz. Ihre Geschichten, verbunden durch das schicksalhafte Wort „Baum“, regen zum Nachdenken über Leben, Tod und die unergründlichen Wege des Schicksals an.

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