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Sprichwörter-Vergleich: Deutsch vs. Englisch

22/11/2024

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Redewendungen sind ein faszinierender Teil jeder Sprache. Sie geben uns Einblicke in die Kultur und Denkweise eines Volkes. Oftmals verwenden wir sie ganz automatisch im Alltag, ohne uns über ihre eigentliche Herkunft oder Bedeutung Gedanken zu machen. Doch gerade diese verborgenen Geschichten machen Redewendungen so spannend. In diesem Artikel nehmen wir uns einige bekannte deutsche Redewendungen vor und vergleichen sie mit ihren englischen Pendants. Dabei werden wir nicht nur die wörtlichen Übersetzungen betrachten, sondern auch die kulturellen Unterschiede und interessanten Fakten hinter den Sprichwörtern beleuchten.

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Inhaltsverzeichnis

Deutsche und englische Redewendungen im direkten Vergleich

Werfen wir einen Blick auf einige ausgewählte Beispiele und entdecken die feinen Unterschiede und überraschenden Ähnlichkeiten zwischen deutschen und englischen Redewendungen.

1. Blind wie ein Maulwurf - As blind as a bat

Wenn wir jemanden als „blind wie ein Maulwurf“ bezeichnen, meinen wir, dass diese Person schlecht sieht oder etwas Offensichtliches übersieht. Interessanterweise verwenden die Engländer in ihrer Redewendung nicht den Maulwurf, sondern die Fledermaus. Beide Tiere sind bekannt dafür, sich nicht primär auf ihren Sehsinn zu verlassen. Es ist bemerkenswert, dass sich die Engländer hier für ein anderes Tier entschieden haben, obwohl Maulwürfe und Fledermäuse ähnliche Lebensweisen und Sehfähigkeiten haben. Es zeigt, wie kulturelle Beobachtungen und Assoziationen die Sprache formen.

2. Grinsen wie ein Honigkuchenpferd - To grin like a Cheshire cat

Ein breites, übertriebenes Grinsen beschreibt die Redewendung „grinsen wie ein Honigkuchenpferd“. Das Honigkuchenpferd, mit seinem aufgemalten Zuckergussgrinsen, ist ein typisch deutsches Bild, das besonders auf Weihnachtsmärkten präsent ist. Die englische Entsprechung, „to grin like a Cheshire cat“, bezieht sich auf die berühmte Grinsekatze aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“. Beide Redewendungen nutzen fiktive Figuren mit markanten Grinsen, doch die Herkunft ist klar kulturell verankert. Das Honigkuchenpferd ist ein deutsches, die Grinsekatze ein englisches Phänomen. Dies verdeutlicht, wie Literatur und lokale Traditionen Redewendungen beeinflussen können.

3. Mit der Tür ins Haus fallen - Go like a bull at a gate

Wer „mit der Tür ins Haus fällt“, geht ungestüm und unüberlegt vor, oft ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer. Die Tür symbolisiert hier den respektvollen Eintritt in einen Raum oder eine Konversation. Die englische Redewendung „go like a bull at a gate“ verwendet das Bild eines Stiers, der ungestüm auf ein Tor zustürmt. Beide Metaphern vermitteln den Eindruck von Ungestümheit und mangelnder Sensibilität. Während die deutsche Redewendung die Verletzung des sozialen Raumes durch eine Tür symbolisiert, betont die englische Version die rohe Gewalt und Unkontrolliertheit eines Stiers. Es ist faszinierend, wie beide Kulturen ähnliche Verhaltensweisen mit unterschiedlichen Bildern beschreiben.

4. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen - To kill two birds with one stone

Effizienz und Geschicklichkeit werden mit dem Sprichwort „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ gelobt. Es bedeutet, zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen. Die englische Variante „to kill two birds with one stone“ ist inhaltlich identisch, verwendet aber das Bild von Vögeln und einem Stein. Interessant ist die vermutete Herkunft beider Redewendungen. Die deutsche Version wird oft mit dem Märchen „Das tapfere Schneiderlein“ in Verbindung gebracht, während die englische Redewendung möglicherweise auf die griechische Mythologie zurückgeht, genauer gesagt auf die Geschichte von Ikarus und Dädalus, die mit Vogelfedern Flügel bastelten. Die leichte Abwandlung in der Bildsprache – Fliegen vs. Vögel, Klappe vs. Stein – zeigt, wie sich ähnliche Konzepte in verschiedenen kulturellen Erzählungen manifestieren.

5. Brüllen wie am Spieß - Cry blue murder

„Brüllen wie am Spieß“ beschreibt ein lautes, qualvolles Schreien. Die Redewendung erinnert an mittelalterliche Foltermethoden, bei denen Menschen aufgespießt wurden. Die englische Entsprechung „cry blue murder“ ist in ihrer Herkunft weniger eindeutig. Eine Theorie besagt, dass „blue“ hier als Euphemismus für „bloody“ (blutig) steht. Eine andere Interpretation sieht „blue“ als Beschreibung der bläulichen Gesichtsfarbe von verängstigten Menschen im 17. Jahrhundert. Wieder eine andere Theorie führt „blue murder“ auf das französische „morbleu“ zurück, einen Euphemismus für „mort de Dieu“. Während die deutsche Redewendung ein sehr drastisches, bildhaftes Szenario des Leidens evoziert, ist die englische Version in ihrer Herkunft und Bedeutung etwas rätselhafter und vielschichtiger.

6. Sich den Mund fusselig reden - Talk until one is blue in the face

Wenn jemand „sich den Mund fusselig redet“, spricht er oder sie unaufhörlich und ermüdend. Die deutsche Redewendung vergleicht den Mund mit einem Stoff, der durch übermäßigen Gebrauch fusselig wird. Die englische Version „talk until one is blue in the face“ beschreibt das blaue Gesicht einer Person, die so lange redet, bis ihr die Luft ausgeht. Beide Redewendungen beschreiben exzessives Reden, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die deutsche Version betont die Ermüdung des Sprechenden, während die englische Version die potenzielle physische Erschöpfung durch das viele Reden hervorhebt.

7. Aus dem Schneider sein - Be out of the woods

„Aus dem Schneider sein“ bedeutet, eine schwierige Situation überstanden zu haben. Der Schneider war früher ein Beruf mit niedrigem sozialem Status und geringem Einkommen. Beim Skatspiel bedeutete „Schneider sein“, dass man noch weit vom Sieg entfernt war. Die englische Redewendung „be out of the woods“ verwendet das Bild des Waldes. Wer „out of the woods“ ist, hat den gefährlichen Wald verlassen und ist in Sicherheit. Beide Redewendungen beschreiben das Überwinden einer Gefahr, doch die Metaphern sind unterschiedlich. Die deutsche Version bezieht sich auf einen sozialen und spielerischen Kontext, während die englische Version eine konkretere, natürliche Gefahr – den Wald – als Symbol verwendet.

8. Zwei linke Hände haben - Fingers like toes

Ungeschicklichkeit in handwerklichen Dingen wird mit der Redewendung „zwei linke Hände haben“ beschrieben. Die linke Hand wird oft als weniger geschickt angesehen, besonders bei Rechtshändern. Die englische Version „fingers like toes“ vergleicht Finger mit Zehen, die für feine motorische Tätigkeiten ungeeignet sind. Beide Redewendungen verdeutlichen Ungeschicklichkeit durch den Vergleich mit Körperteilen, die nicht für präzise Handarbeit bestimmt sind. Die deutsche Version konzentriert sich auf die linke Hand als Symbol für Unbeholfenheit, während die englische Version einen allgemeineren Vergleich mit Zehen zieht.

9. Klar wie Kloßbrühe - As sure as eggs is eggs

„Klar wie Kloßbrühe“ beschreibt etwas, das offensichtlich und eindeutig ist. Ursprünglich war „Klosterbrühe“ gemeint, die tatsächlich klar und ohne feste Bestandteile war. Die heutige Kloßbrühe ist jedoch eher trüb. Die englische Redewendung „as sure as eggs is eggs“ (so sicher wie Eier Eier sind) ist eine tautologische Aussage, die die absolute Gewissheit betont. Die deutsche Redewendung ist ironisch, da Kloßbrühe eben nicht klar ist, während die englische Version durch ihre Einfachheit und Wiederholung Überzeugung ausdrückt. Die Vermutung, dass „eggs“ auch als Wortspiel mit „X“ interpretiert werden könnte, um die Sicherheit zu betonen, ist eine interessante zusätzliche Ebene.

10. Den Braten riechen - Smell a rat

Wer „den Braten riecht“, ahnt Gefahr oder Täuschung. Die Redewendung geht auf eine Fabel zurück, in der ein Tier den Geruch eines Artgenossen in der Pfanne wahrnimmt und so eine Falle erkennt. Die englische Entsprechung „smell a rat“ verwendet den Geruch einer Ratte als Warnsignal. Ratten waren früher, und sind teilweise noch heute, Überträger von Krankheiten und gelten als Schädlinge. Beide Redewendungen nutzen Gerüche als Hinweis auf drohendes Unheil. Die deutsche Version betont die Täuschung durch das „leckere“ Versprechen eines Bratens, während die englische Version die konkrete Gefahr durch Ratten hervorhebt. Die historische Rolle von Ratten als Krankheitsüberträger im 14. Jahrhundert, als Hunde zur Rattenbekämpfung eingesetzt wurden, verleiht der englischen Redewendung zusätzlichen historischen Kontext.

Fazit

Redewendungen sind weit mehr als nur Worte. Sie sind Fenster in die Seele einer Sprache und Kultur. Der Vergleich deutscher und englischer Sprichwörter zeigt, wie unterschiedlich und doch ähnlich Kulturen die Welt wahrnehmen und sprachlich ausdrücken können. Für Sprachlernende ist das Verständnis von Redewendungen unerlässlich, um die Feinheiten einer Sprache zu erfassen und sich wie ein „Native Speaker“ auszudrücken. Sie verraten viel über die Geschichte, Werte und das Alltagsleben eines Landes. Also, tauchen Sie ein in die Welt der Redewendungen und entdecken Sie die verborgenen Schätze der Sprache!

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