03/08/2024
Der Amerikanische Aronstab, genauer gesagt der Amerikanische Riesenaronstab (Lysichiton americanus), und der Stinkkohl (Symplocarpus foetidus) sind zwei bemerkenswerte Vertreter der Aronstabgewächse (Araceae), einer Familie, die vor allem in den Tropen beheimatet ist. Diese beiden Arten, die in den Sümpfen Nordamerikas zu finden sind, könnten unterschiedlicher kaum sein, wenn es um ihre Sinnesreize geht: Der eine lockt mit leuchtendem Gelb, der andere mit einem Geruch, der an Stinktiere erinnert.

Der Amerikanische Riesenaronstab: Ein gelbes Prachtstück
Im Frühjahr zieht der Amerikanische Riesenaronstab alle Blicke auf sich. Sein leuchtend gelbes Hochblatt (Spatha) ist kaum zu übersehen. Dieses große, blattähnliche Gebilde umhüllt schützend den eigentlichen Blütenstand, den sogenannten Kolben (Spadix). Der Kolben ist etwa 10 bis 15 cm lang und dicht mit unzähligen kleinen Blüten besetzt. Diese Blütenstände sind typisch für die Aronstabgewächse und zeigen die Zugehörigkeit des Riesenaronstabs zu dieser vielfältigen Pflanzenfamilie.
Obwohl die Aronstabgewächse hauptsächlich in tropischen Regionen verbreitet sind, hat sich der Amerikanische Riesenaronstab an gemäßigte Klimazonen angepasst. Seine Heimat sind die feuchten Sumpfgebiete im westlichen Nordamerika, von Alaska bis hinunter nach Kalifornien. Hier gedeiht er prächtig und bringt Farbe in die oft noch graue Frühlingslandschaft.
Die eigentlichen Laubblätter des Riesenaronstabs sind beeindruckend groß und erscheinen erst nach der Blütezeit. Sie können fast einen Meter Länge erreichen und sind durch ihre dicken Blattrippen sehr markant. Nach der Blüte entwickeln sich auf dem Kolben leuchtend scharlachrote Früchte. Diese sind nicht nur ein Farbtupfer im Sumpf, sondern auch eine begehrte Nahrungsquelle für Bären. Die Bären scheinen eine Vorliebe für diese süßen Beeren zu haben und tragen so zur Verbreitung der Samen bei.
Verwandtschaftliche Beziehungen: Der Kamtschatka-Aronstab
Ein naher Verwandter des Amerikanischen Riesenaronstabs ist der Kamtschatka-Aronstab (Lysichiton camtschatcensis). Diese Art ähnelt dem Riesenaronstab in vielen Aspekten, unterscheidet sich aber vor allem durch sein weißes Hochblatt. Zudem ist der Kamtschatka-Aronstab etwas kleiner im Wuchs und blüht etwas später im Jahr. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ostsibirien bis nach Japan. Diese geografische Verteilung zeigt die Anpassungsfähigkeit der Gattung Lysichiton an unterschiedliche, aber stets feuchte Lebensräume.
Der Stinkkohl: Wenn der Geruch die Bestäuber lockt
Ganz anders als der farbenprächtige Riesenaronstab macht der Stinkkohl (Symplocarpus foetidus) auf sich aufmerksam. Sein Name ist Programm: Von ihm geht ein unangenehmer Geruch aus, der dem eines Stinktieres ähneln soll. Daher wird er in seiner nordamerikanischen Heimat auch als 'Skunk cabbage' bezeichnet. Dieser Geruch mag für uns Menschen abstoßend sein, hat aber einen wichtigen Zweck: Er lockt Bestäuber an, insbesondere Fliegen, die sich von solchen Gerüchen angezogen fühlen.
Das Hochblatt des Stinkkohls erscheint bereits im zeitigen Frühjahr, oft noch bevor der Schnee vollständig geschmolzen ist. Es schmiegt sich dicht an den Boden und ist durch seine bräunlich-rote und gelblich-grüne Färbung kaum von der Umgebung zu unterscheiden. Die Form des Hochblatts ist ebenfalls ungewöhnlich: Es ist dick, bauchig und läuft dann plötzlich spitz zu, was an eine Muschel erinnert. Diese Form und Farbe tragen zur Tarnung bei und schützen den empfindlichen Blütenstand vor den rauen Bedingungen des frühen Frühlings.
Aus den dicken Wurzelstöcken des Stinkkohls wachsen nach der Blüte zunächst nur Niederblätter. Die eigentlichen Laubblätter, die herzförmig und dick sind, erscheinen erst im darauffolgenden Jahr. Diese Blätter können beachtliche Größen erreichen, bis zu einem Meter Länge und 30 Zentimeter Breite. Sie bilden einen dichten Blätterteppich und tragen zur Beschattung des Bodens bei.
Die Beerenfrüchte des Stinkkohls sind in den kurzen Kolben eingesenkt und bilden mit ihm einen fast kugeligen Fruchtstand. Dieser Fruchtstand ist weniger auffällig als die leuchtenden Früchte des Riesenaronstabs, aber ebenso wichtig für die Vermehrung der Pflanze.
Vergleich: Amerikanischer Riesenaronstab und Stinkkohl
Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Aronstabgewächse noch deutlicher hervorzuheben, hier eine kleine vergleichende Tabelle:
| Merkmal | Amerikanischer Riesenaronstab (Lysichiton americanus) | Stinkkohl (Symplocarpus foetidus) |
|---|---|---|
| Hochblattfarbe | Leuchtend gelb | Braunrot und gelblich-grün |
| Geruch | Kein besonderer Geruch | Unangenehmer, stinktierartiger Geruch |
| Blütezeit | Frühjahr | Sehr zeitiges Frühjahr |
| Bestäuber | Wahrscheinlich Insekten (nicht spezifisch im Text genannt) | Fliegen (angelockt durch Geruch) |
| Früchte | Scharlachrote Beeren, von Bären gefressen | Beeren in kugeligen Fruchtstand eingesenkt |
| Laubblätter | Erscheinen nach der Blüte, bis 1 m lang | Erscheinen im Folgejahr, herzförmig, bis 1 m lang |
| Lebensraum | Sümpfe West-Nordamerikas | Sümpfe Nordamerikas |
Ansprüche und Vermehrung
Beide Stauden, Amerikanischer Riesenaronstab und Stinkkohl, bevorzugen nasse und saure Böden. In ihren natürlichen Lebensräumen finden sie ideale Bedingungen in Sümpfen und Feuchtgebieten. Für den Gartenliebhaber, der diese ungewöhnlichen Pflanzen kultivieren möchte, ist es wichtig, diese Bedingungen nachzubilden. Ein Standort im Halbschatten oder Schatten mit ausreichend feuchtem, saurem Boden ist ideal.
Die Vermehrung aus Samen ist bei beiden Arten schwierig und langwierig. Dies macht sie zu eher seltenen Pflanzen in Gärten und Baumschulen. Die vegetative Vermehrung über Teilung der Wurzelstöcke ist zwar möglich, aber ebenfalls nicht ganz einfach. Daher sind beide Arten eher Liebhaberpflanzen für Spezialisten und Sammler.
Fazit
Der Amerikanische Riesenaronstab und der Stinkkohl sind faszinierende Beispiele für die Vielfalt der Aronstabgewächse. Während der Riesenaronstab mit seiner leuchtenden Farbe und den begehrten Früchten auffällt, überrascht der Stinkkohl mit seinem ungewöhnlichen Geruch und seiner frühen Blütezeit. Beide Pflanzen zeigen auf ihre Weise, wie Arten sich an spezielle Lebensräume anpassen und unterschiedliche Strategien zur Fortpflanzung entwickeln. Für Naturliebhaber und Gartenfreunde bieten sie eine spannende Möglichkeit, die Welt der Sumpfpflanzen zu entdecken und die Vielfalt der nordamerikanischen Flora zu bewundern.
