23/07/2024
Der Wermut, oft im Zusammenhang mit dem alkoholischen Getränk Absinth genannt, ist weit mehr als nur eine Zutat für Spirituosen. Er ist eine faszinierende Pflanze mit einer langen Geschichte als Heilpflanze und einem festen Platz im Kräutergarten. Viele wissen nicht, dass Wermut (Artemisia absinthium) nicht nur existiert, sondern auch eine bemerkenswert gesunde Pflanze ist, die die Verdauung auf natürliche Weise unterstützt und relativ einfach im eigenen Garten angebaut werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Wermuts, von seinem Anbau und seiner Pflege bis hin zu seiner Wirkung und Anwendung.

Was ist Wermut eigentlich?
Wermut ist eine winterharte, krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Er ist bekannt für seinen intensiven, bitteren Geschmack und sein charakteristisches silbrig-grünes Laub. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Europa und Westasien, ist aber heute in vielen Teilen der Welt verbreitet. Wermut kann eine Höhe von bis zu 1,2 Metern erreichen und bevorzugt sonnige Standorte. Seine aromatischen Blätter und Blüten werden seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin und Küche verwendet.
Wermut im Kräutergarten anbauen
Der Anbau von Wermut im eigenen Garten ist unkompliziert und bereichert jeden Kräutergarten. Hier sind einige wichtige Punkte für den erfolgreichen Anbau:
Standort und Boden
Wermut liebt die Sonne! Ein möglichst sonniger Standort ist ideal, damit die Pflanze optimal gedeihen kann. Notfalls toleriert er auch einen halbschattigen Platz, aber volle Sonne fördert das Wachstum und die Aromaentwicklung. Der Boden sollte vor allem trocken und eher nährstoffarm sein. Sandige und kalkhaltige Böden sind für Wermut besonders gut geeignet. Staunässe sollte unbedingt vermieden werden, da sie zu Wurzelfäule führen kann. Auch die Kübelhaltung ist eine gute Option, besonders für Balkone oder Terrassen.
Aussaat und Pflanzung
Die Aussaat von Wermut erfolgt idealerweise von April bis Mai direkt ins Freiland. Saatgut ist im Fachhandel erhältlich. Wichtig ist, dass die Samen Lichtkeimer sind und daher nicht mit Erde bedeckt werden dürfen. Einfach auf die vorbereitete Erde streuen und leicht andrücken. Wer möchte, kann auch im August/September eine Aussaat vornehmen, um für das Folgejahr Pflanzen vorzuziehen. Sobald die jungen Pflänzchen eine Höhe von etwa 8 cm erreicht haben, sollten sie pikiert werden, falls sie zu dicht stehen. Für den normalen Hausgebrauch sind in der Regel zwei bis drei Wermutpflanzen ausreichend.
Wermut Pflege: Gießen, Düngen, Schneiden
Wermut ist eine pflegeleichte Pflanze, die wenig Aufmerksamkeit benötigt, sobald sie etabliert ist. Die richtige Pflege sorgt jedoch für ein gesundes Wachstum und eine reiche Ernte.
Gießen
Wermut hat einen geringen Wasserbedarf. Zusätzliche Wassergaben sind in der Regel nur an sehr heißen und trockenen Tagen notwendig. Es ist besser, den Boden eher trocken zu halten, als ihn zu überwässern. In Kübeln gepflanzter Wermut benötigt möglicherweise etwas häufiger Wasser, da die Erde hier schneller austrocknet.
Düngen
Eine übermäßige Düngung ist für Wermut nicht notwendig. Eine jährliche Gabe von Kompost im Frühjahr reicht völlig aus, um den Nährstoffbedarf zu decken. Zu viel Dünger kann sogar das Aroma der Blätter beeinträchtigen und die Pflanze anfälliger für Krankheiten machen. Auf Mineraldünger sollte verzichtet werden.

Überwintern
Wermut ist winterhart und übersteht auch strenge Winter im Freien problemlos. Nur wenn er in einem Kübel gehalten wird, sollte er bei sehr strengem Frost eventuell etwas geschützt oder an einen geschützten Ort gestellt werden. In der Regel ist dies aber nicht notwendig.
Schneiden
Wermut hat eine Tendenz zum Wuchern. Ein regelmäßiger Rückschnitt ist daher empfehlenswert, um die Pflanze in Form zu halten und die Verholzung zu verhindern. Ein guter Zeitpunkt für den Rückschnitt ist Ende Juli, nach der Blüte. Dabei können Sie die Triebe um etwa ein Drittel kürzen. Zusätzlich sollte Wermut alle vier Jahre komplett ausgetauscht werden, da er mit der Zeit stark verholzt und seine Wuchskraft nachlässt.
Wermut Vermehrung
Die Vermehrung von Wermut ist einfach und kann auf verschiedene Weisen erfolgen:
Stecklinge
Wermut lässt sich sehr gut über Stecklinge vermehren. Im Sommer werden dazu etwa 10 cm lange Triebe von der Spitze eines bestehenden Strauchs abgeschnitten. Die unteren Blätter werden entfernt, und die Stecklinge werden in feuchte Erde gesteckt. An einem warmen, hellen Ort bewurzeln sie in der Regel innerhalb kurzer Zeit. Regelmäßiges Gießen ist wichtig, damit die Erde feucht bleibt.
Wurzelausläufer
Wermut vermehrt sich auch selbstständig über Wurzelausläufer. Diese bilden sich um die Hauptwurzel herum und können im Frühjahr oder Herbst von der Mutterpflanze getrennt und an einem neuen Standort eingepflanzt werden. Dies ist eine einfache Methode, um schnell neue Wermutpflanzen zu gewinnen.
Wermut Ernte und Verarbeitung
Die Erntezeit für Wermut beginnt ab Ende Juli und kann sich bis in den Spätherbst hineinziehen. Geerntet werden sowohl die frischen Blätter als auch die gelben Blütenrispen. Die Blätter können während der gesamten Vegetationsperiode geerntet werden, während die Blütenrispen hauptsächlich zur Blütezeit im Sommer geerntet werden.
Trocknen
Für die Konservierung und spätere Verwendung, beispielsweise für Tee oder Duftsäckchen, werden die geernteten Pflanzenteile getrocknet. Dazu werden sie an einem trockenen, luftigen und schattigen Ort ausgebreitet oder aufgehängt. Direktes Sonnenlicht sollte vermieden werden, da es die ätherischen Öle und somit das Aroma beeinträchtigen kann. Sobald die Pflanzenteile rascheltrocken sind, können sie in luftdichten Behältern gelagert werden.

Wermut Wirkung und Anwendung
Wermut ist seit der Antike für seine heilenden Eigenschaften bekannt. Seine Wirkung beruht hauptsächlich auf seinen Bitterstoffen, aber auch auf ätherischen Ölen und anderen Inhaltsstoffen.
Wirkung
Wermutkraut wirkt unter anderem:
- appetitanregend
- immunsystemstärkend
- durchblutungsfördernd
- verdauungsfördernd
- krampflösend
Aufgrund dieser Eigenschaften wird Wermut gerne unterstützend eingesetzt bei:
- Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit
- Nierenbeschwerden
- Leberbeschwerden
- Menstruationsbeschwerden
Anwendung
Die häufigste Anwendungsform von Wermut ist der Tee. Für eine Tasse Tee werden zwei Teelöffel getrocknete Wermutblätter mit 200 ml heißem Wasser übergossen und 10 Minuten ziehen gelassen. Der Tee sollte in kleinen Schlucken und idealerweise vor den Mahlzeiten getrunken werden, um die Verdauung anzuregen. Aufgrund seines bitteren Geschmacks kann er mit anderen Kräutern wie Pfefferminze oder Fenchel gemischt werden.
Auch Wermutwein oder Wermutschnaps sind traditionelle Zubereitungen, die insbesondere nach fettreichen Mahlzeiten die Verdauung unterstützen sollen. Hierfür wird Wermut mit Wein oder Branntwein angesetzt.
Äußerlich kann Wermut in Form von Umschlägen oder Bädern bei schlecht heilenden Wunden oder Hautproblemen angewendet werden.
Wichtiger Hinweis: Wermut sollte nicht dauerhaft und in hohen Dosen eingenommen werden, da er Thujon enthält, einen Inhaltsstoff, der in hohen Mengen gesundheitsschädlich sein kann. Schwangere und stillende Frauen sollten auf Wermut verzichten. Bei bestehenden Erkrankungen oder Unsicherheiten sollte vor der Anwendung von Wermut ein Arzt oder Heilpraktiker konsultiert werden.
Wermut im Kräutergarten – Ein Fazit
Der winterharte Wermut ist eine Bereicherung für jeden Kräutergarten. Er ist nicht nur eine attraktive und pflegeleichte Pflanze, sondern auch ein wertvolles Heilkraut mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Ob als verdauungsfördernder Tee, als natürliche Mottenabwehr oder einfach als aromatischer Bestandteil des Gartens – Wermut ist eine vielseitige Pflanze, die sowohl in der Küche als auch in der Hausapotheke ihren Platz findet. Entdecken Sie die Freude am Gärtnern und die wohltuende Wirkung des Wermuts in Ihrem eigenen Garten!
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Ist Wermut winterhart? | Ja, Wermut ist winterhart und übersteht auch kalte Winter im Freien problemlos. |
| Wie vermehrt man Wermut? | Wermut lässt sich einfach über Stecklinge oder Wurzelausläufer vermehren. |
| Wann erntet man Wermut? | Die Erntezeit beginnt ab Ende Juli und dauert bis in den Spätherbst hinein. |
| Wofür ist Wermut gut? | Wermut wirkt verdauungsfördernd, appetitanregend, immunstärkend und wird traditionell bei Verdauungsbeschwerden, Leber- und Nierenleiden eingesetzt. |
| Wie bereitet man Wermuttee zu? | Für eine Tasse Tee 2 Teelöffel getrocknete Wermutblätter mit 200ml heißem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. |
