22/06/2021
Ein üppiger Apfelbaum im eigenen Garten ist der Traum vieler Gartenliebhaber. Doch damit dieser Traum Wirklichkeit wird und der Baum Jahr für Jahr reichlich Früchte trägt, ist die richtige Pflege entscheidend. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Pflege ist der regelmäßige und fachgerechte Baumschnitt. Dieser Artikel erklärt Ihnen detailliert, wann und wie Sie Ihre Apfelbäume am besten schneiden, um ihre Gesundheit und Fruchtbarkeit optimal zu fördern.

- Warum Apfelbäume schneiden? Die Vorteile auf einen Blick
- Der optimale Zeitpunkt für den Apfelbaumschnitt: Winter-, Sommer- und Herbstschnitt
- Die richtige Schnitttechnik beim Apfelbaum: Schritt für Schritt zum Erfolg
- Junge Apfelbäume schneiden: Erziehungsschnitt für eine stabile Struktur
- Der Schnitt von Buschbaum, Spindelbusch und Säulenapfel: Unterschiede beachten
- Das richtige Werkzeug für den Apfelbaumschnitt: Scharf und sauber muss es sein
- Wohin mit dem Baumschnitt? Nachhaltige Verwendung im Garten
- Häufig gestellte Fragen zum Apfelbaumschnitt (FAQ)
Warum Apfelbäume schneiden? Die Vorteile auf einen Blick
Der Baumschnitt ist mehr als nur eine kosmetische Maßnahme. Er ist essenziell für die Vitalität und den Ertrag Ihres Apfelbaumes. Ein fachgerechter Schnitt bringt zahlreiche Vorteile mit sich:
- Erhöhte Fruchtqualität und -größe: Durch den Schnitt wird sichergestellt, dass die verbleibenden Früchte ausreichend Sonnenlicht und Nährstoffe erhalten. Dies führt zu größeren, aromatischeren und qualitativ hochwertigeren Äpfeln.
- Förderung der Baumgesundheit: Ein ausgelichteter Baum trocknet nach Regen schneller ab, was das Risiko von Pilzerkrankungen deutlich reduziert. Zudem werden kranke oder beschädigte Äste entfernt, wodurch die Ausbreitung von Krankheiten verhindert wird.
- Verbesserte Luftzirkulation und Lichteinfall: Eine lockere Baumkrone ermöglicht eine bessere Luftzirkulation. Dies beugt nicht nur Krankheiten vor, sondern sorgt auch für eine gleichmäßigere Reifung der Früchte im gesamten Baum. Zudem erreicht mehr Sonnenlicht auch die inneren Bereiche der Krone.
- Anregung des Wachstums und der Blütenbildung: Der Schnitt regt den Baum an, neue Triebe und Blütenknospen zu bilden. So wird die Grundlage für eine reiche Ernte im Folgejahr geschaffen.
- Verjüngung des Baumes: Durch gezielte Schnittmaßnahmen können ältere Bäume verjüngt und ihre Lebensdauer verlängert werden.
- Erleichterung der Ernte und Pflege: Ein regelmäßig geschnittener Baum behält eine übersichtliche Form, was die Ernte und andere Pflegemaßnahmen wie das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln erheblich erleichtert.
Der optimale Zeitpunkt für den Apfelbaumschnitt: Winter-, Sommer- und Herbstschnitt
Der Zeitpunkt des Baumschnitts ist entscheidend und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Alter des Baumes, der Sorte und dem gewünschten Ziel des Schnitts. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Schnittzeiten:
Der Winterschnitt (Januar bis März): Für Wachstum und Ertrag
Der Winterschnitt, idealerweise durchgeführt an einem frostfreien Tag zwischen Januar und März, ist der wichtigste Schnitt für Apfelbäume. In dieser Zeit befindet sich der Baum in der Winterruhe, und der Schnitt regt ihn im Frühjahr zu kräftigem Wachstum an. Der Winterschnitt dient vor allem dazu, den Baum auszulichten und die Grundlage für eine reiche Ernte zu legen. Er ist besonders geeignet für Kernobstbäume wie Äpfel, Birnen und Quitten.
Vorteile des Winterschnitts:
- Starker Wuchsreiz im Frühjahr
- Förderung der Blüten- und Fruchtbildung
- Gute Übersicht über die Baumstruktur ohne Laub
- Optimale Zeit für einen stärkeren Verjüngungsschnitt
Der Sommerschnitt (Juni bis Juli): Der Juniknip für Fruchtqualität und Wachstumskontrolle
Der Sommerschnitt, oft auch als Juniknip bezeichnet, wird idealerweise zwischen Ende Juni und Mitte Juli durchgeführt. Dieser Schnitt dient vor allem der Wachstumsberuhigung und der Verbesserung der Fruchtqualität. Durch den Sommerschnitt wird das vegetative Wachstum etwas gebremst und die Energie des Baumes stärker in die Fruchtentwicklung gelenkt. Zudem wird die Bildung von unerwünschten Wasserschosse reduziert.
Vorteile des Sommerschnitts (Juniknip):
- Reduzierung des Triebwachstums
- Verbesserung der Fruchtqualität (Aromabildung, Ausfärbung)
- Weniger Wasserschossebildung
- Bessere Belichtung der Früchte
- Vorbeugung von Pilzerkrankungen durch bessere Durchlüftung
Beim Sommerschnitt werden vor allem Wasserschosse entfernt, also senkrecht nach oben wachsende Triebe, die wenig oder keine Früchte tragen. Diese werden am besten ausgerissen, anstatt geschnitten, um ein erneutes Austreiben an derselben Stelle zu verhindern.
Der Herbstschnitt (Oktober): Der leichte Pflegeschnitt
Der Herbstschnitt im Oktober ist ein leichter Pflegeschnitt, bei dem vor allem Totholz, kranke oder beschädigte Äste entfernt werden. Dieser Schnitt dient der Vorbereitung des Baumes auf den Winter und der Gesunderhaltung. Ein starker Rückschnitt sollte im Herbst vermieden werden, da die Wundheilung in der kalten Jahreszeit langsamer verläuft und der Baum anfälliger für Frostschäden sein kann.

Vorteile des Herbstschnitts:
- Entfernung von Totholz und kranken Ästen
- Vorbereitung des Baumes auf den Winter
- Leichte Auslichtung der Krone
Achtung: Naturschutzgesetz beachten!
Beachten Sie das Bundesnaturschutzgesetz, welches besagt, dass es in Deutschland vom 1. März bis zum 30. September verboten ist, Bäume und Sträucher stark zurückzuschneiden oder zu fällen. In dieser Zeit sind lediglich Pflege- und Formschnitte erlaubt, sofern sie keine Gefahr für brütende Vögel darstellen.
Die richtige Schnitttechnik beim Apfelbaum: Schritt für Schritt zum Erfolg
Die Schnitttechnik ist entscheidend für den Erfolg des Baumschnitts und die Gesundheit Ihres Apfelbaumes. Hier sind die wichtigsten Grundlagen und Techniken:
Grundlegende Schnittregeln:
- Schnitt kurz über einer Knospe: Schneiden Sie immer kurz (ca. 5 Millimeter) über einer nach außen weisenden Knospe. So wird sichergestellt, dass der neue Trieb in die gewünschte Richtung wächst, nämlich nach außen und vom Baumzentrum weg.
- Schnitt „auf Astring“: Möchten Sie einen ganzen Ast entfernen, schneiden Sie ihn direkt am Stamm oder an einer Verzweigung ab, den sogenannten Astring. Dieser verdickte Bereich am Astansatz enthält Gewebe, das die Wundheilung fördert. Schneiden Sie den Ast glatt und ohne Stummel ab.
- Vermeiden Sie Astgabeln: Achten Sie darauf, dass durch den Schnitt keine engen Astgabeln entstehen. In diesen Gabeln kann sich Wasser sammeln und Fäulnis verursachen.
- Nicht zu viel schneiden: Weniger ist oft mehr! Schneiden Sie gezielt und überlegt, aber nicht zu viel auf einmal. Ein zu starker Schnitt kann den Baum unnötig stressen und zu übermäßigem Wachstum von Wasserschossen führen.
- Wundverschlussmittel: In der Regel ist die Behandlung von Schnittwunden mit Wundverschlussmittel nicht mehr notwendig. Moderne Erkenntnisse zeigen, dass diese Mittel die Wundheilung eher behindern können, da sich unter der Schicht Feuchtigkeit ansammeln und Pilzwachstum fördern kann. Bei sehr großen Wunden (Durchmesser über 10 Zentimeter) kann der äußere Rand der Wunde jedoch mit einem Wundverschlussmittel behandelt werden.
Welche Äste werden geschnitten? Die wichtigsten Kandidaten für die Schere:
- Nach innen wachsende Äste: Äste, die in die Baumkrone hineinwachsen und andere Äste behindern, sollten entfernt werden. Sie erhalten wenig Licht und tragen kaum Früchte.
- Nach unten hängende Äste: Diese Äste werden im Laufe der Zeit zu schwer und können schwere Früchte nicht mehr tragen. Zudem verschatten sie die unteren Bereiche der Krone.
- Überkreuzende Äste: Äste, die sich kreuzen und aneinander reiben, können sich gegenseitig verletzen und Eintrittspforten für Krankheiten schaffen. Einer der beiden Äste sollte entfernt werden.
- Steil nach oben wachsende Äste (Wasserschosse): Diese Wasserschosse wachsen sehr stark, verbrauchen viel Energie und tragen kaum Früchte. Sie sollten möglichst nah am Ansatz entfernt werden.
- Äste, die schon viele Jahre Früchte getragen haben: Ältere Fruchttriebe lassen in ihrer Fruchtbarkeit nach. Sie können zugunsten jüngerer Triebe entfernt werden, um die Verjüngung des Baumes zu fördern.
- Totholz: Abgestorbene Äste sind nicht nur unansehnlich, sondern auch ein Nährboden für Schädlinge und Krankheiten. Sie sollten regelmäßig entfernt werden.
- Von Rehen angeknabberte Äste: Beschädigte Äste sollten ebenfalls entfernt werden, um das Risiko von Krankheiten zu minimieren.
Apfelbäume in die richtige Form schneiden: Die Pyramidenform als Ideal
Beim Schnitt von Apfelbäumen hat sich die Pyramidenform als ideal erwiesen. Diese Form, bei der der Baum nach oben hin schmaler und nach unten hin breiter wird, sorgt für eine optimale Lichtverteilung in der Krone. So gelangen auch die unteren Äste ausreichend Sonnenlicht, was für eine gute Fruchtentwicklung wichtig ist.
Um die Pyramidenform zu erreichen, werden folgende Aspekte berücksichtigt:
- Leitäste: Wählen Sie 3-4 kräftige Leitäste aus, die gleichmäßig um den Stamm verteilt sind und nach außen wachsen.
- Mitteltrieb: Bei jungen Bäumen wird oft ein Mitteltrieb als zentrale Achse belassen. Bei älteren Bäumen mit offener Krone kann der Mitteltrieb auch entfernt werden.
- Saftwaage: Achten Sie bei jungen Bäumen auf die sogenannte Saftwaage. Leitäste, die etwa auf gleicher Höhe am Stamm entspringen, sollten so geschnitten werden, dass sie ungefähr die gleiche Höhe haben. So wird eine ausgewogene Nährstoffversorgung des Baumes gewährleistet.
Junge Apfelbäume schneiden: Erziehungsschnitt für eine stabile Struktur
Der Schnitt junger Apfelbäume, der sogenannte Erziehungsschnitt, ist besonders wichtig, um den Baum in die gewünschte Form zu bringen und eine stabile, fruchtbare Struktur aufzubauen. Junge Bäume sollten nicht zu dicht wachsen und nur wenige, gut verteilte Triebe haben.
So schneiden Sie junge Apfelbäume:
- Auswahl der Leittriebe: Wählen Sie einen geraden Mitteltrieb und 3-4 kräftige Leittriebe aus, die nach außen weisen und sich um den Mitteltrieb gruppieren.
- Entfernung überflüssiger Triebe: Alle überflüssigen Triebe, die nicht als Leittriebe dienen, werden bis zum Astring abgeschnitten.
- Kürzung der Leittriebe: Die Leittriebe werden leicht gekürzt, sodass sie am Ende alle in etwa die gleiche Länge haben.
- Kürzung des Mitteltriebs: Der Mitteltrieb wird ebenfalls gekürzt, sollte aber etwa 15 Zentimeter länger bleiben als die Leittriebe.
Der Schnitt von Buschbaum, Spindelbusch und Säulenapfel: Unterschiede beachten
Je nach Apfelbaumtyp (Buschbaum, Hochstamm, Spindelbusch, Zwergpyramide, Säulenapfel) kann der Schnitt etwas variieren. Hier die wichtigsten Unterschiede:
Buschbaum und Hochstamm: Die offene Mitte
Buschbäume und Hochstämme haben eine „offene Mitte“, d.h. keinen zentralen Leittrieb in der Mitte der Krone. Der Haupttrieb wird gekürzt, um ein zu starkes Höhenwachstum zu verhindern und die Bildung von 3-4 starken Seitenästen zu fördern, die sich zu Leitästen entwickeln. Diese Bäume wachsen zu einer halbrunden Krone heran.

Spindelbusch und Zwergpyramide: Der zentrale Leittrieb
Spindelbüsche und Zwergpyramiden behalten einen zentralen Leittrieb in der Mitte der Krone. Die Krone ist eher kegel- oder pyramidenförmig. Diese Baumtypen werden nicht so hoch wie Hochstämme und sind daher auch für kleinere Gärten geeignet. Sie benötigen oft einen Pfahl zur Stützung des Leittriebs.
Säulenapfel: Der unkomplizierte Schnitt
Säulenäpfel zeichnen sich durch einen starken Mitteltrieb aus, an dem kurze Seitentriebe wachsen. Werden die Seitentriebe zu lang, werden sie einfach auf 10-15 Zentimeter gekürzt. Wird der Stamm im Laufe der Jahre zu hoch, kann er im Spätsommer oberhalb einer Seitenverzweigung zurückgeschnitten werden.
Das richtige Werkzeug für den Apfelbaumschnitt: Scharf und sauber muss es sein
Für einen sauberen und effizienten Apfelbaumschnitt ist das richtige Werkzeug unerlässlich. Es sollte scharf, sauber und gut gepflegt sein, um Verletzungen des Baumes zu minimieren und Krankheitsübertragungen zu verhindern.
Grundausstattung Werkzeug:
- Gartenschere (klein): Für dünnere Zweige bis ca. 1,5 Zentimeter Stärke.
- Astschere: Für dickere Äste bis ca. 4-5 Zentimeter Stärke. Ideal sind Modelle mit Teleskopverlängerung, um auch höhere Äste vom Boden aus zu erreichen.
- Säge: Für Äste über 4-5 Zentimeter Stärke. Eine Bügelsäge oder eine Stichsäge (vorsichtig verwenden!) eignen sich gut für größere Äste.
Empfehlenswerte Akku-Werkzeuge für den komfortablen Baumschnitt:
- Akku-Astschere: Ideal für dünnere Äste, kraftsparend und präzise.
- Akku-Astsäge: Für Äste mittlerer Stärke, handlich und effizient.
- Akku-Astkettensäge: Für stärkere Äste, leistungsstark und vibrationsarm. Für den privaten Gebrauch ist die Einhand-Akku-Kettensäge FORTEXXA 18/20 TH jedoch nur für ausgebildete Fachkräfte geeignet.
Wohin mit dem Baumschnitt? Nachhaltige Verwendung im Garten
Der Baumschnitt muss nicht im Müll landen. Er kann auf vielfältige Weise im Garten sinnvoll weiterverwendet werden:
- Rankhilfen und Stützen: Längere Äste eignen sich hervorragend als natürliche Rankhilfen für Kletterpflanzen oder als Stützen für junge Bäume und Sträucher.
- Benjeshecke: Ein Teil des Baumschnitts kann in einer Benjeshecke kompostiert werden. Diese Hecken bieten Lebensraum für Kleintiere und Insekten und sind eine ökologisch wertvolle Bereicherung für den Garten.
- Hochbeetfüllung: Gröbere Äste und Zweige können als unterste Schicht in einem Hochbeet verwendet werden. Sie sorgen für eine gute Belüftung und Drainage.
- Beeteinfassung: Längere, gerade Äste können als natürliche Beeteinfassung dienen.
- Mulchmaterial: Feinerer Baumschnitt kann gehäckselt und als Mulchmaterial unter Bäumen und Sträuchern verwendet werden. Dies schützt den Boden vor Austrocknung und Unkrautwuchs.
Häufig gestellte Fragen zum Apfelbaumschnitt (FAQ)
Wann darf ich Obstbäume schneiden?
Kernobstbäume wie Apfel, Birne und Quitte sollten idealerweise im Winter (Januar bis März) geschnitten werden. Ein leichter Sommerschnitt (Juniknip) ist ebenfalls möglich. Beachten Sie das Naturschutzgesetz (1. März bis 30. September: nur Pflege- und Formschnitte erlaubt).

Welche Äste sollte man beim Apfelbaum abschneiden?
Zu entfernen sind: nach innen wachsende, nach unten hängende, überkreuzende, steil nach oben wachsende Äste (Wasserschosse), Totholz, kranke und beschädigte Äste. Achten Sie auf eine Pyramidenform der Krone.
Kann man Apfelbäume auch im Herbst schneiden?
Ja, ein leichter Herbstschnitt im Oktober ist möglich, um Totholz und kranke Äste zu entfernen. Ein starker Rückschnitt sollte jedoch im Winter erfolgen.
Wann sollte man den Apfelbaum im Sommer schneiden?
Der Sommerschnitt (Juniknip) wird idealerweise zwischen Ende Juni und Mitte Juli durchgeführt. Er dient der Wachstumsberuhigung, der Verbesserung der Fruchtqualität und der Reduzierung von Wasserschossen.
Mit dem richtigen Wissen und den passenden Techniken wird der Apfelbaumschnitt zu einer lohnenden Aufgabe, die Ihnen gesunde Bäume und eine reiche Apfelernte beschert. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Bäume regelmäßig zu pflegen, und genießen Sie die Früchte Ihrer Arbeit!
