Wie verläuft der Prozess vom Samen zur Pflanze?

Jungpflanzen richtig abhärten: So gelingt's!

25/08/2020

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Jedes Jahr aufs Neue freuen sich Gartenliebhaber auf die Anzucht von Gemüse, Kräutern und Blumen. Der Duft von frischer Erde und das zarte Grün der ersten Keimlinge wecken die Vorfreude auf eine üppige Gartensaison. Doch der Weg von zarten Sämlingen zu robusten Pflanzen im Beet ist nicht immer einfach. Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg ist das Abhärten der Jungpflanzen. Aber was bedeutet das eigentlich und wie geht man dabei richtig vor? Dieser Artikel liefert dir alle wichtigen Informationen und Tipps, damit deine Pflanzen den Umzug ins Freie problemlos meistern und prächtig gedeihen.

Welche Blumen kann ich selbst ziehen?
Zum Vorziehen eignen sich beispielsweise Samen von folgenden Blumen: Nesseln, Stiefmütterchen, Chrysanthemen, Veilchen, Löwenmäulchen und Mandelröschen. Möchtest du Kräuter in deinem Garten ziehen, dann startest du am besten mit Saatgut für Basilikum, Salbei, Zitronenmelisse oder Petersilie.
Inhaltsverzeichnis

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Anzucht?

Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr locken, ist die Versuchung groß, sofort mit der Anzucht zu beginnen. Doch Geduld ist hier gefragt! Ein zu früher Start kann mehr schaden als nützen. Nur Chili, Paprika und Auberginen, die eine längere Entwicklungszeit benötigen, dürfen bereits Mitte bis Ende Februar vorgezogen werden. Alle anderen Gemüsesorten wie Tomaten, Zucchini oder auch Sommerblumen sollten erst Mitte bis Ende März ausgesät werden. Der Grund dafür ist einfach: Die jungen Pflanzen können erst nach den Eisheiligen, also Mitte Mai, ins Freiland oder auf den Balkon umziehen. Werden sie zu früh ausgesät, verbringen sie zu viel Zeit in der warmen Wohnung mit oft suboptimalen Lichtverhältnissen. Das Ergebnis sind lange, dünne und schwächliche Setzlinge, die später im Garten Probleme haben werden.

Die richtige Anzuchterde

Für den Start ins Pflanzenleben ist die Wahl der richtigen Erde entscheidend. Hier sollte unbedingt auf spezielle Anzuchterde zurückgegriffen werden. Diese unterscheidet sich deutlich von herkömmlicher Blumenerde oder Gartenerde. Anzuchterde ist besonders fein und locker, sodass die zarten Wurzeln der Keimlinge sich leicht entwickeln können. Sie ist außerdem nährstoffarm, was die Wurzelbildung anregt, und frei von Unkrautsamen, Schädlingen und Pilzsporen. Gartenerde oder Kompost sind für die Anzucht ungeeignet, da sie oft zu schwer sind, zu viele Nährstoffe enthalten und Krankheitserreger übertragen können. Eine hochwertige Anzuchterde, wie beispielsweise die von Neudorff, schafft die optimalen Bedingungen für eine erfolgreiche Keimung und gesunde Entwicklung deiner Sämlinge.

Anzuchtgefäße: Schalen oder Töpfe?

Auch bei der Wahl der Anzuchtgefäße gibt es Unterschiede. Flache Anzuchtschalen haben sich bewährt, besonders wenn man in Reihen aussäen möchte. Sie bieten ausreichend Platz für viele Samen und sind platzsparend. Eine praktische Alternative sind Anzuchtplatten mit einzelnen Zellen. Diese haben den Vorteil, dass man weniger Anzuchterde benötigt und die Wurzeln der einzelnen Pflanzen weniger miteinander konkurrieren. Im Vergleich zu herkömmlichen Papiertöpfchen trocknet die Erde in Schalen und Platten nicht so schnell aus, und auch die Schimmelgefahr ist geringer. Letztendlich ist die Wahl des Anzuchtgefäßes Geschmackssache, wichtig ist, dass es ausreichend Platz für die Wurzelentwicklung bietet und eine gute Drainage gewährleistet ist.

Konstante Feuchtigkeit ist entscheidend

Nach der Aussaat und dem ersten Angießen ist eine gleichmäßige Feuchtigkeit das A und O für eine erfolgreiche Keimung. Die Samen dürfen nicht austrocknen, da dies den Keimprozess stoppen würde. Zum Angießen eignet sich am besten eine Gießbrause oder eine Sprühflasche, da der feine Wasserstrahl die Samen nicht wegschwemmt. Um die Feuchtigkeit konstant zu halten, empfiehlt es sich, die Anzuchtschalen mit Klarsichtfolie oder einem Zimmergewächshaus abzudecken. So entsteht ein feuchtwarmes Klima, das die Keimung fördert. Sobald die ersten Keimlinge aus der Erde spitzen, sollte die Abdeckung entfernt werden, um Staunässe und Schimmelbildung zu vermeiden. Sollte sich dennoch Schimmel bilden, ist es wichtig, regelmäßig zu lüften und die befallenen Stellen vorsichtig zu entfernen.

Beschriftung nicht vergessen!

Wer verschiedene Sorten Gemüse, Kräuter oder Blumen aussät, verliert schnell den Überblick. Um Verwechslungen zu vermeiden und später genau zu wissen, was wo wächst, ist eine sorgfältige Beschriftung unerlässlich. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Anzucht zu kennzeichnen. Bewährt haben sich selbstgemachte Schildchen aus Joghurtbechern oder gekaufte Holzstäbchen. Beschriftet werden die Schildchen am besten mit einem Bleistift, da dieser wetterfest ist und nicht verwischt. Wichtig ist, neben der Pflanzenart auch das Aussaatdatum zu notieren, um den Entwicklungsstand besser einschätzen zu können.

Der ideale Standort: Hell und warm

Licht und Wärme sind die Lebenselixiere junger Pflanzen. Leider ist es in Wohnungen oft schwierig, beides in optimaler Kombination zu finden. Ein Fensterbrett ist zwar hell, aber wenn sich darunter die Heizung befindet, kann es schnell zu warm und trocken werden. Ideal ist ein heller, aber nicht zu warmer Standort, beispielsweise ein ungeheiztes Zimmer oder ein kühler Wintergarten. Auch ein Platz am Boden vor einem bodentiefen Fenster kann geeignet sein, besonders wenn man die Anzuchtschalen etwas erhöht stellt, um sie vor Kälte von unten zu schützen. In lichtärmeren Wohnungen können Pflanzenlampen eine wertvolle Unterstützung sein, um den Lichtbedarf der Keimlinge zu decken.

Pikieren für kräftige Pflanzen

Nach etwa vier Wochen, abhängig von der Pflanzenart, sind die Sämlinge zu kleinen Setzlingen herangewachsen. Nun ist es Zeit für das Pikieren, auch Vereinzeln genannt. Dieser Schritt ist wichtig, damit die Pflanzen genügend Platz zum Wachsen bekommen und sich kräftig entwickeln können. Auch wenn die Samen bereits in einzelne Töpfe ausgesät wurden, ist das Pikieren oft sinnvoll, da die Anzuchterde nun nicht mehr ausreichend Nährstoffe liefert. Beim Pikieren werden die Setzlinge vorsichtig aus der Anzuchterde genommen und in größere Töpfe mit nährstoffreicherer Bio-Gemüseerde umgepflanzt. Dabei sollte darauf geachtet werden, die zarten Wurzeln nicht zu beschädigen und die Pflanzen etwas tiefer zu setzen als zuvor. Das Pikieren regt die Wurzelbildung an und sorgt für kompakte, gesunde Jungpflanzen.

Das Abhärten der Jungpflanzen

Bevor die Jungpflanzen endgültig ins Freiland umziehen, müssen sie an die veränderten Bedingungen im Garten oder auf dem Balkon gewöhnt werden. Dieser Prozess wird als Abhärten bezeichnet und ist entscheidend, um einen sogenannten Freilandschock zu vermeiden. Im geschützten Innenraum herrschen konstante Temperaturen, wenig Wind und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Im Freien hingegen sind die Pflanzen Wind, Sonne, Temperaturschwankungen und Regen ausgesetzt. Ohne Abhärtung können die zarten Setzlinge auf diese plötzliche Umstellung mit Wachstumsstopp, Sonnenbrand oder sogar dem Eingehen reagieren.

Warum ist Abhärten wichtig?

Das Abhärten dient dazu, die Pflanzen langsam an die UV-Strahlung der Sonne, kühlere Temperaturen, Wind und wechselnde Witterungsbedingungen zu adaptieren. Durch die langsame Gewöhnung werden die Pflanzen robuster, widerstandsfähiger und weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Abgehärtete Pflanzen wachsen nach dem Auspflanzen schneller an und entwickeln sich besser. Kurz gesagt: Abhärten ist die beste Vorbereitung für ein gesundes Pflanzenleben im Freien und eine reiche Ernte.

Wie härtet man Jungpflanzen richtig ab?

Das Abhärten sollte etwa ein bis zwei Wochen vor dem geplanten Auspflanztermin beginnen, idealerweise Mitte bis Ende April, wenn die ersten milden Tage locken. Wichtig ist, dass die Nächte frostfrei sind. An sonnigen und milden Tagen können die Jungpflanzen für einige Stunden ins Freie gestellt werden. Beginne am ersten Tag mit etwa einer Stunde und steigere die Zeit täglich um eine Stunde. Wähle für den Anfang einen schattigen und windgeschützten Platz, beispielsweise unter einem Baum oder an einer Hauswand. Direkte Mittagssonne sollte vermieden werden, da die zarten Blätter schnell verbrennen können. Auch starker Wind und Regen sind anfangs noch zu vermeiden. Mit der Zeit können die Pflanzen auch an einen sonnigeren Standort und an leichten Wind gewöhnt werden. Nachts sollten die Pflanzen zunächst wieder ins Haus geholt werden, besonders wenn noch kühle Nächte oder Frostgefahr drohen. Nach etwa einer Woche können sie auch über Nacht draußen bleiben, wenn die Temperaturen mild genug sind. Achte während des Abhärtens auf eine ausreichende Wasserversorgung, da die Pflanzen im Freien schneller austrocknen können. Es ist auch ratsam, die Pflanzen während des Abhärtens vor Schneckenfraß zu schützen.

Zeitplan für das Abhärten (Beispiel)

Dieser Zeitplan dient als Orientierung und sollte an die jeweiligen Wetterbedingungen angepasst werden.

TagDauer im FreienStandortHinweise
11 StundeSchatten, windgeschützt
22 StundenSchatten, windgeschützt
33 StundenHalbschatten, windgeschützt
44 StundenHalbschatten, leicht windig
55 StundenHalbschatten bis Sonne, leicht windig
66 StundenSonne, windig
7GanztägigSonne, windigNachts evtl. noch reinholen
8-14Ganztägig & NachtsSonne, windigJe nach Wetterlage

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Muss ich wirklich alle Jungpflanzen abhärten?
Ja, das Abhärten ist für fast alle Jungpflanzen empfehlenswert, die im Freien wachsen sollen. Besonders empfindlich sind Tomaten, Paprika, Gurken und Zucchini. Robuste Pflanzen wie Salat oder Kohl können etwas weniger intensiv abgehärtet werden.
Was passiert, wenn ich das Abhärten vergesse?
Wenn du Jungpflanzen ohne Abhärtung direkt ins Freiland pflanzt, riskierst du einen Wachstumsschock. Die Pflanzen können in ihrem Wachstum stagnieren, Blätter verbrennen oder sogar eingehen. Das Abhärten ist also eine wichtige Vorsichtsmaßnahme.
Kann ich Jungpflanzen auch im Gewächshaus abhärten?
Ja, das Gewächshaus ist ein guter Ort zum Abhärten. Hier sind die Pflanzen vor extremen Witterungseinflüssen geschützt, aber dennoch der UV-Strahlung und den Temperaturschwankungen ausgesetzt. Öffne tagsüber die Fenster und Türen des Gewächshauses, um für eine gute Belüftung zu sorgen.
Was mache ich bei schlechtem Wetter während des Abhärtens?
Bei starkem Regen, Hagel oder Frost sollten die Jungpflanzen lieber drinnen bleiben. Verschiebe das Abhärten einfach um ein paar Tage, bis das Wetter besser wird. Auch an sehr heißen Tagen sollte man die Pflanzen nicht der prallen Sonne aussetzen, sondern eher einen schattigen Platz wählen.

Fazit

Das Abhärten von Jungpflanzen ist zwar etwas zeitaufwendig, aber es lohnt sich! Mit der richtigen Vorbereitung legst du den Grundstein für gesunde, kräftige Pflanzen und eine reiche Ernte. Nimm dir die Zeit, deine Schützlinge langsam an das Freiland zu gewöhnen, und sie werden es dir mit üppigem Wachstum und einer reichen Ernte danken. So steht einem erfolgreichen Gartenjahr nichts mehr im Wege!

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