Kann eine Pflanze Ammonium aufnehmen?

Ammoniumaufnahme durch Pflanzen: Ein umfassender Leitfaden

30/10/2023

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Stickstoff ist ein essenzieller Nährstoff für das Pflanzenwachstum und spielt eine entscheidende Rolle in zahlreichen Stoffwechselprozessen. Pflanzen können Stickstoff in verschiedenen Formen aufnehmen, wobei Ammonium und Nitrat die wichtigsten anorganischen Stickstoffquellen darstellen. Dieser Artikel beleuchtet detailliert die Ammoniumaufnahme durch Pflanzen, die damit verbundenen Prozesse und deren Bedeutung für die Pflanzenernährung.

Ist Ammonium giftig für Pflanzen?
Was passiert, wenn die Pflanze mehr Ammonium aufnimmt als sie braucht? Im Gegensatz zu Nitrat muss Ammonium schon in der Wurzel weitestgehend zu Aminosäuren umgewandelt werden, da freies Ammonium in der Zelle in hoher Konzentration giftig ist.
Inhaltsverzeichnis

Ammoniumaufnahme über die Wurzeln

Obwohl Ammonium eine wichtige Stickstoffquelle ist, ist seine Aufnahme durch Pflanzenwurzeln komplexer als die von Nitrat. Ein wesentlicher Faktor ist die positive Ladung des Ammoniumions (NH4+). Aufgrund dieser Ladung interagiert Ammonium stark mit den negativ geladenen Tonmineralen und der organischen Substanz im Boden. Dies führt dazu, dass Ammonium im Boden weniger mobil ist und weniger leicht ausgewaschen wird als Nitrat. Es bedeutet aber auch, dass Pflanzenwurzeln aktiv in die Bereiche vordringen müssen, in denen sich Ammonium befindet, um es aufzunehmen.

Im Gegensatz zu Nitrat, das sich im Bodenwasser frei bewegen kann und leicht zu den Wurzeln gelangt, ist die Ammoniumaufnahme stärker ortsgebunden. Die Wurzeln müssen das Ammonium gewissermaßen „suchen“. Daher wird nur ein Teil des im Boden vorhandenen Ammoniums direkt von der Pflanze aufgenommen. Der größte Teil des Ammoniums, der von Pflanzen genutzt wird, stammt indirekt aus Ammoniumquellen im Boden.

Die Umwandlung von Ammonium in Nitrat: Nitrifikation

Der größte Teil des Ammoniums im Boden, der nicht direkt von den Pflanzenwurzeln aufgenommen wird, unterliegt einem wichtigen mikrobiellen Prozess, der als Nitrifikation bezeichnet wird. Dieser Prozess wird von spezialisierten Bakterien im Boden durchgeführt, den sogenannten nitrifizierenden Bakterien. Unter aeroben Bedingungen, also bei ausreichend Sauerstoff im Boden, wandeln diese Bakterien Ammonium (NH4+) in Nitrit (NO2-) und anschließend in Nitrat (NO3-) um. Die vereinfachte Reaktionsgleichung für die Nitrifikation lautet:

NH4+ + 2 O2 → NO3- + H2O + 2H+

Dieser Prozess ist für die Stickstoffverfügbarkeit in vielen Böden von entscheidender Bedeutung, da Nitrat von Pflanzen leichter aufgenommen und transportiert werden kann als Ammonium. Allerdings ist Nitrat auch anfälliger für Auswaschung, was zu Stickstoffverlusten und Umweltbelastungen führen kann.

Ist Ammonium pflanzenverfügbar?
Er ist nicht pflanzenverfügbar – außer für Leguminosen. Die meisten Pflanzen können Stickstoff nur in Form von Ammonium (NH4+) und Nitrat (NO3-) über die Wurzeln resorbieren. Besonders einfach kann die Pflanze Nitrat aufnehmen, aber es ist flüchtiger und geht leicht durch Auswaschen verloren.

Bedingungen für die Nitrifikation

Die Nitrifikation ist ein biologischer Prozess und wird daher von verschiedenen Umweltfaktoren beeinflusst. Zu den wichtigsten Bedingungen, die die Geschwindigkeit der Nitrifikation bestimmen, gehören:

  • Bodentemperatur: Höhere Temperaturen beschleunigen die Aktivität der nitrifizierenden Bakterien und somit den Nitrifikationsprozess. Bei niedrigen Temperaturen verlangsamt sich die Nitrifikation entsprechend.
  • Sauerstoffgehalt im Boden: Nitrifikation ist ein aerober Prozess, der Sauerstoff benötigt. Ein ausreichender Sauerstoffgehalt im Boden ist daher essentiell für eine effiziente Nitrifikation. In wassergesättigten oder verdichteten Böden kann Sauerstoffmangel die Nitrifikation hemmen.
  • Bodenfeuchtigkeit: Eine angemessene Bodenfeuchtigkeit ist für die Aktivität der Bakterien und den Transport von Ammonium und Sauerstoff erforderlich. Sowohl zu trockene als auch zu nasse Böden können die Nitrifikation beeinträchtigen.
  • pH-Wert des Bodens: Nitrifizierende Bakterien bevorzugen einen neutralen bis leicht alkalischen pH-Wert. Ein zu niedriger pH-Wert (saurer Boden) kann die Nitrifikation verlangsamen. Der Nitrifikationsprozess selbst setzt H+-Ionen frei, was zur Bodenversauerung beitragen kann.

Beziehung zwischen Bodentemperatur und Nitrifikationsgeschwindigkeit

Die folgende Tabelle veranschaulicht den Einfluss der Bodentemperatur auf die Umwandlungszeit von 50 % Ammonium in Nitrat:

Bodentemperatur (°C)Umwandlungszeit von 50 % Ammonium in Nitrat (Tage)
5100
1040
2010
305

Wie die Tabelle zeigt, verkürzt sich die Umwandlungszeit bei steigender Temperatur deutlich. Dies unterstreicht die Temperaturabhängigkeit der Nitrifikation.

Verflüchtigung und Immobilisierung von Ammonium

Neben der Nitrifikation gibt es weitere Prozesse, die den Verbleib von Ammonium im Boden beeinflussen. Zwei wichtige Prozesse sind die Verflüchtigung und die Immobilisierung.

Verflüchtigung: Unter bestimmten Bedingungen kann Ammonium in gasförmiges Ammoniak (NH3) umgewandelt werden. Dieser Prozess, die Verflüchtigung, führt zu Stickstoffverlusten in die Atmosphäre. Besonders bei hohen pH-Werten im Boden wird die Umwandlung von Ammonium zu Ammoniak begünstigt, da im alkalischen Bereich mehr Hydroxidionen (OH-) vorhanden sind, die mit Ammonium reagieren können. Auch die Einarbeitung ammoniumhaltiger Dünger in den Boden kann die Verflüchtigung reduzieren.

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Immobilisierung: Ein Teil des Ammoniums kann von Bodenmikroorganismen in organische Formen umgewandelt werden. Dieser Prozess wird als Immobilisierung bezeichnet. Dabei wird Ammonium in die Biomasse der Mikroorganismen eingebaut und ist zunächst nicht mehr direkt pflanzenverfügbar. Erst durch die Mineralisierung organischer Substanz, also den Abbau der Mikroorganismenbiomasse, wird der Stickstoff wieder in anorganischer Form (Ammonium oder Nitrat) freigesetzt.

Wie Pflanzen Ammonium direkt aufnehmen

Obwohl der Großteil des Ammoniums im Boden nitrifiziert wird, können Pflanzen Ammonium auch direkt über ihre Wurzeln aufnehmen. Dies geschieht mithilfe spezieller Ammoniumtransporter, die in der Plasmamembran der Wurzelzellen lokalisiert sind. Diese Transporter ermöglichen den gezielten Transport von Ammoniumionen in die Zelle.

Nach der Aufnahme in die Wurzelzelle wird Ammonium nicht primär für den Ferntransport innerhalb der Pflanze verwendet, wie es bei Nitrat der Fall ist. Stattdessen wird Ammonium in der Regel lokal in der Wurzel assimiliert. Ein wichtiger Schritt in der Ammoniumassimilation ist die Reaktion mit Glutamat zu Glutamin, katalysiert durch das Enzym Glutaminsynthetase. Dieser Prozess findet sowohl im Zytoplasma als auch in den Plastiden der Pflanzenzellen statt.

Was ist Assimilation von Pflanzen?
Autotrophe Organismen (Pflanzen, einige Bakterien) stellen aus Kohlenstoffdioxid (CO2) bei der Kohlenstoffdioxid-Assimilation durch Zufuhr von Energie und mit Hilfe eines Reduktionsmittels energiereiche, einfache organische Stoffe her, die im weiteren Stoffwechsel zu komplexeren Molekülen umgewandelt werden.

Freies Ammonium ist in höheren Konzentrationen toxisch für Pflanzenzellen. Daher ist die schnelle Assimilation und Umwandlung von Ammonium in organische Verbindungen essenziell, um schädliche Anreicherungen zu vermeiden. Die effiziente Ammoniumassimilation in den Wurzeln ermöglicht es Pflanzen, Ammonium als Stickstoffquelle zu nutzen, insbesondere in Umgebungen, in denen Nitrat weniger verfügbar ist oder die Nitrifikation gehemmt ist.

Ammonium im Vergleich zu Nitrat: Vor- und Nachteile

Sowohl Ammonium als auch Nitrat haben Vor- und Nachteile als Stickstoffquellen für Pflanzen:

MerkmalAmmoniumNitrat
Mobilität im BodenGering, bindet an BodenpartikelHoch, gut wasserlöslich
AuswaschungsrisikoGeringHoch
Direkte AufnahmeBegrenzt, Wurzelwachstum zum Ammonium erforderlichLeicht zugänglich
Energiebedarf für AssimilationGeringerHöher (Reduktion zu Nitrit und Ammonium erforderlich)
ToxizitätHöher in freier FormGeringer
Speicherung in der PflanzeWird primär lokal assimiliertKann in Vakuolen gespeichert werden

Pflanzen sind in der Lage, beide Stickstoffformen zu nutzen und passen ihre Aufnahmestrategien an die jeweiligen Umweltbedingungen und Stickstoffverfügbarkeiten an. In vielen landwirtschaftlichen Systemen wird durch Düngung sowohl Ammonium als auch Nitrat zugeführt, um eine optimale Stickstoffversorgung der Pflanzen zu gewährleisten.

Häufig gestellte Fragen zur Ammoniumaufnahme

  1. Können Pflanzen Ammonium direkt aufnehmen?
    Ja, Pflanzen können Ammonium direkt über Ammoniumtransporter in ihren Wurzeln aufnehmen, jedoch in begrenztem Umfang.
  2. Was ist Nitrifikation und warum ist sie wichtig?
    Nitrifikation ist die mikrobielle Umwandlung von Ammonium in Nitrit und dann in Nitrat. Sie ist wichtig, da Nitrat mobiler im Boden ist und von Pflanzen leichter aufgenommen werden kann.
  3. Ist Ammonium giftig für Pflanzen?
    Ja, freies Ammonium ist in höheren Konzentrationen toxisch für Pflanzenzellen. Pflanzen assimilieren Ammonium daher schnell in organische Verbindungen.
  4. Ist Ammonium für Pflanzen sofort verfügbar?
    Ammonium ist pflanzenverfügbar, aber weniger mobil als Nitrat. Die Verfügbarkeit hängt von der Nähe der Wurzeln zum Ammonium und der Nitrifikationsrate ab.
  5. Was passiert, wenn Pflanzen zu viel Ammonium aufnehmen?
    Pflanzen müssen überschüssiges Ammonium schnell assimilieren oder ausscheiden, um Toxizität zu vermeiden. Bei zu hoher Ammoniumkonzentration kann die Aufnahme reduziert werden.
  6. Was passiert, wenn Pflanzen zu viel Nitrat aufnehmen?
    Überschüssiges Nitrat kann in den Vakuolen der Pflanzenzellen gespeichert und bei Bedarf wieder freigesetzt werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu Ammonium.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ammoniumaufnahme ein wichtiger, aber komplexer Prozess in der Pflanzenernährung ist. Während Pflanzen Ammonium direkt aufnehmen können, spielt die Nitrifikation eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung von Ammonium in das besser mobile Nitrat. Das Verständnis dieser Prozesse ist essenziell für eine effiziente Stickstoffdüngung und nachhaltige Pflanzenproduktion.

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