02/02/2021
Ameisen im Garten – für viele Gartenbesitzer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind sie fleißige Helfer, die im Verborgenen wichtige Aufgaben erfüllen. Andererseits können sie lästig werden, wenn sie sich unter Terrassenplatten ansiedeln, ins Haus eindringen oder Pflanzenwurzeln schädigen. Doch sind Ameisen wirklich Schädlinge oder überwiegen ihre positiven Eigenschaften? Dieser Artikel beleuchtet die Rolle der Ameisen im Garten, zeigt auf, wann sie zum Problem werden können und stellt umweltfreundliche Methoden zur Ameisenabwehr vor.

Die nützliche Seite der Ameisen im Garten
Oftmals unbemerkt leisten Ameisen einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit und zum Gleichgewicht im Gartenökosystem. Pflanzenexpertin Karin Greiner bezeichnet Ameisen treffend als die „Gesundheitspolizei des Gartens“. Aber was genau macht sie zu solch nützlichen Gartenbewohnern?
- Abfallbeseitigung und Schädlingsbekämpfung: Ameisen sind wahre Aufräumkommandos. Sie vertilgen Aas, tote Insekten und andere organische Abfälle, die sonst Krankheitserreger anziehen könnten. Zudem fressen sie Schädlinge wie die Eier und Larven von Fliegen, Raupen und anderen Insekten.
- Bodenbelüftung: Durch ihre Grabaktivitäten lockern Ameisen den Boden auf und verbessern so die Belüftung. Dies ist besonders für schwere, verdichtete Böden von Vorteil, da die Wurzeln der Pflanzen besser mit Sauerstoff versorgt werden.
- Verbreitung von Pflanzensamen: Einige Ameisenarten tragen Pflanzensamen in ihre Nester und tragen so zur Verbreitung bestimmter Pflanzen bei. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität im Garten.
- Bekämpfung von Schadpilzen: Ameisen fressen Schadpilze wie Mehltau und tragen so dazu bei, Pflanzenkrankheiten auf natürliche Weise zu reduzieren.
Im Gegensatz zu Schnecken oder manchen Käfern sind Ameisen in der Regel keine direkten Pflanzenschädlinge. Sie fressen weder Blüten noch Gemüse. Die Probleme entstehen meist durch ihre Bautätigkeit oder indirekt durch ihre Beziehung zu Blattläusen.
Wann Ameisen zum Problem werden
Trotz ihrer Nützlichkeit können Ameisen in bestimmten Situationen lästig oder sogar schädlich werden:
- Ameisen unter Terrassenplatten und Wegen: Wenn Ameisen ihre Nester unter Terrassenplatten, Gehwegplatten oder Pflastersteinen anlegen, können sie diese unterhöhlen und destabilisieren. Die Folge sind unebene Flächen und im schlimmsten Fall das Einsacken von Platten.
- Ameisen im Haus: Besonders im Frühjahr und Sommer suchen Ameisen im Haus nach Nahrung. Sie können Lebensmittelvorräte verunreinigen und sind schlichtweg unerwünscht. Ameisenstraßen in der Küche oder im Bad sind für viele Menschen ein Ärgernis.
- Ameisen an Pflanzenwurzeln: In seltenen Fällen können Ameisen in Pflanzgefäßen oder im Gartenbeet an den Wurzeln von Pflanzen Schaden anrichten. Indem sie Gänge im Wurzelballen graben, können sie die Wurzeln von der Erde trennen und die Wasserversorgung beeinträchtigen. Besonders gefährdet sind Pflanzen in trockenen, sandigen Böden.
- Förderung von Blattläusen: Ameisen sind bekannt dafür, Blattläuse zu „melken“. Sie ernähren sich vom zuckerhaltigen Honigtau, den die Blattläuse ausscheiden. Im Gegenzug beschützen die Ameisen die Blattläuse vor Fressfeinden und tragen sie sogar auf neue Pflanzen. Ein starker Blattlausbefall kann Pflanzen erheblich schwächen.
Ameisen vertreiben – aber wie?
Wenn Ameisen zur Plage werden, muss man nicht gleich zu chemischen Keulen greifen. Es gibt eine Reihe von umweltfreundlichen Methoden, um Ameisen zu vertreiben oder ihren Befall einzudämmen.
Umsiedeln – eine kurzfristige Lösung
Der Versuch, Ameisen umzusiedeln, ist oft nur von kurzer Dauer. Zwar kann man versuchen, ein Ameisenvolk mit dem sogenannten Tontopf-Trick umzusiedeln, indem man einen umgedrehten, mit Holzwolle gefüllten Tontopf über das Nest stülpt. Die Ameisen sollen dann in den Topf umziehen. Doch selbst wenn man den Topf samt Ameisenvolk entfernt, ist der Platz meist schnell wieder von anderen Ameisen besiedelt. Die Umsiedlung ist daher eher eine kurzfristige Maßnahme.
Duftbarrieren errichten
Ameisen orientieren sich an Duftstraßen. Spurerkundungsameisen legen Duftmarken, denen die anderen Ameisen folgen. Diese Duftstraßen kann man nutzen, um die Ameisen umzuleiten oder von bestimmten Bereichen fernzuhalten. Duftbarrieren mit für Ameisen unangenehmen Gerüchen sind eine effektive und natürliche Methode.

Geeignete Duftstoffe sind:
- Lavendel
- Thymian
- Majoran
- Zimt
- Gewürznelken
- Chilipulver
- Zitronenschalen
- Zitrusöl
Verteilen Sie diese Duftstoffe an den Stellen, an denen Sie die Ameisen nicht haben möchten, oder entlang der Ameisenstraße. Auch Kreidepulver oder Gartenkalk können als Barriere dienen. Ameisen meiden alkalische Substanzen und überqueren solche Linien in der Regel nicht.
Feuchtigkeit gegen Ameisen im Rasen
Ameisen bevorzugen trockene Böden für ihre Nester und ihre Brut. Wenn Ameisen im Rasen stören, beispielsweise weil sie ihre Puppen an die Oberfläche tragen, kann es helfen, den Rasen feucht zu halten. Regelmäßiges Bewässern des Rasens, besonders in Trockenperioden, macht den Boden für Ameisen unattraktiv. Sie werden sich dann einen anderen, trockeneren Platz suchen.
Hausmittel gegen Ameisen an Wurzeln
Auch an Pflanzenwurzeln lassen sich Ameisen mit natürlichen Mitteln bekämpfen. Hier sind Duftstoffe ebenfalls eine gute Wahl. Besonders effektiv sind:
- Chilipulver
- Essig (verdünnt mit Wasser)
- Eukalyptusöl
- Gewürznelken
- Gurkenschalen
- Lavendelblüten
- Pflanzenjauche
- Zimt
- Zitronenschalen
Pulverförmige Mittel können direkt um den Wurzelballen gestreut werden. Flüssige Mittel können auf ein Tuch gegeben und auf den Wurzelballen gelegt werden. Da die Duftstoffe mit der Zeit verfliegen, ist es wichtig, sie regelmäßig zu erneuern, besonders nach Regen.
Auch die Anpflanzung von Kräutern in der Nähe der betroffenen Pflanzen kann helfen. Kräuter mit einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen wie Pfefferminze, Majoran, Lavendel, Thymian und Wermut wirken abschreckend auf Ameisen.

Zusätzlich zur Duftabwehr kann auch hier Feuchtigkeit helfen. Regelmäßiges Gießen des Wurzelballens, sofern die Pflanze dies verträgt, kann die Ameisen vertreiben.
Ameisenfalle für Haus und Terrasse
Um einzelne Ameisen oder Ameisenstraßen im Haus oder auf der Terrasse zu bekämpfen, kann eine einfache Ameisenfalle helfen. Eine bewährte Methode ist die Bierfalle. Mischen Sie in einer Schüssel etwas Bier mit Zucker. Der Zucker lockt die Ameisen an, und im Bier ertrinken sie. Die Duftspur der ersten Ameisen führt weitere Artgenossen in die Falle.
Was nicht hilft – und was man vermeiden sollte
Es gibt einige vermeintliche Hausmittel gegen Ameisen, die jedoch nicht wirksam sind oder sogar schaden können:
- Backpulver: Die Annahme, dass Ameisen durch Backpulver platzen, ist ein Mythos. Ameisen fressen Backpulver nicht.
- Ameisen zertreten oder aufsaugen: Das Töten einzelner Ameisen ist wenig effektiv, da die Duftspur bestehen bleibt und weitere Ameisen anlockt. Auch das Aufsaugen mit dem Staubsauger beseitigt das Problem nicht dauerhaft.
- Chemische Ameisenbekämpfungsmittel: Chemische Mittel sollten nur als letzte Option in Betracht gezogen werden, da sie nicht nur Ameisen, sondern auch andere Nützlinge und die Umwelt belasten können. Setzen Sie stattdessen auf natürliche Methoden.
Fazit: Ameisen im Garten – in Maßen nützlich, bei Bedarf natürlich vertreiben
Ameisen sind im Garten in erster Linie nützliche Helfer, die zur Gesundheit des Ökosystems beitragen. Erst wenn sie in großen Mengen auftreten, an unerwünschten Orten nisten oder Pflanzen schädigen, werden sie zum Problem. In solchen Fällen gibt es eine Vielzahl von natürlichen und umweltfreundlichen Methoden, um Ameisen zu vertreiben, ohne auf schädliche Chemikalien zurückgreifen zu müssen. Ein gesunder Garten kann mit Ameisen leben – und profitiert sogar von ihnen, solange das Gleichgewicht stimmt.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Ameisen im Garten
- Sind Ameisen im Garten wirklich nützlich?
- Ja, Ameisen sind sehr nützlich. Sie sind die Gesundheitspolizei des Gartens, beseitigen Abfälle, bekämpfen Schädlinge, belüften den Boden und helfen bei der Verbreitung von Pflanzensamen.
- Kann man Ameisen mit Backpulver bekämpfen?
- Nein, Backpulver ist kein wirksames Mittel gegen Ameisen. Sie fressen es nicht und es hat keine abschreckende Wirkung.
- Wie werde ich Ameisen im Haus auf natürliche Weise los?
- Duftbarrieren mit Lavendel, Zimt oder Zitronenschalen können Ameisen vertreiben. Eine Bierfalle kann einzelne Ameisen fangen. Achten Sie darauf, Lebensmittel gut zu verschließen und Krümel zu entfernen, um Ameisen den Zugang zu Nahrung zu erschweren.
- Was hilft gegen Ameisen an Pflanzenwurzeln?
- Duftstoffe wie Chilipulver, Zimt oder Lavendel um den Wurzelballen streuen. Regelmäßiges Gießen kann helfen, Ameisen zu vertreiben, sofern die Pflanze feuchten Boden verträgt. Kräuter wie Pfefferminze oder Lavendel in der Nähe anpflanzen.
- Ist das Umsiedeln von Ameisen sinnvoll?
- Umsiedeln ist meist nur eine kurzfristige Lösung. Der freigewordene Platz wird schnell wieder von anderen Ameisen besiedelt. Effektiver sind langfristige Maßnahmen wie Duftbarrieren oder die Veränderung der Bodenfeuchtigkeit.
