26/10/2024
Tomaten sind aus unseren Gärten und Küchen kaum wegzudenken. Doch neben den modernen Hochleistungssorten gibt es eine faszinierende Welt zu entdecken: die der alten Tomatensorten. Diese oft über Generationen bewahrten Schätze bieten eine unglaubliche Vielfalt an Aromen, Formen und Farben, die in Supermarktregalen vergeblich gesucht werden. Tauchen Sie mit uns ein in die Welt der historischen Tomaten und finden Sie die perfekten Sorten für Ihren eigenen Garten.

- Was sind alte Tomatensorten?
- Warum alte Tomatensorten anbauen?
- Nachteile alter Tomatensorten
- Beliebte alte Tomatensorten im Portrait
- Tabelle: Auswahl alter Tomatensorten und ihre Eigenschaften
- Braunfäule-resistente Tomatensorten
- Vorbeugung gegen Braunfäule
- Fazit
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu alten Tomatensorten
Was sind alte Tomatensorten?
Der Begriff "alte Tomatensorten" oder auch "historische Tomatensorten" bezeichnet Tomatensorten, die vor langer Zeit entstanden sind und nicht für den industriellen Anbau optimiert wurden. Oftmals wurden sie aus kommerziellen Gründen aufgegeben, da sie den modernen Anforderungen an Transportfähigkeit, Lagerung oder einheitliches Aussehen nicht entsprachen. Lange Zeit war der Anbau und Handel mit diesen Sorten sogar eingeschränkt, da sie nicht im offiziellen Sortenregister aufgeführt waren. Glücklicherweise hat sich dies geändert, und viele alte Sorten können nun als "Amateursorten" registriert und wieder zugänglich gemacht werden.

Warum alte Tomatensorten anbauen?
Obwohl alte Tomatensorten im Erwerbsanbau aufgrund ihrer Eigenschaften Nachteile haben können, bieten sie für Hobbygärtner und Selbstversorger eine Fülle von Vorteilen:
- Unvergleichlicher Geschmack: Alte Tomatensorten sind bekannt für ihr intensives und vielfältiges Aroma. Von fruchtig-süß über würzig bis hin zu leicht säuerlich – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Geschmacksvielfalt übertrifft oft die moderner Hybridsorten bei Weitem.
- Sortenvielfalt: Die Auswahl an alten Tomatensorten ist schier unendlich. Es gibt sie in allen Farben, Formen und Größen – von winzigen Cocktailtomaten bis hin zu riesigen Fleischtomaten. Diese Vielfalt bringt Abwechslung in den Garten und auf den Teller.
- Robustheit und Widerstandsfähigkeit: Viele alte Sorten sind überraschend robust und widerstandsfähig gegenüber Krankheiten, insbesondere der gefürchteten Braunfäule. Sie sind oft besser an regionale Bedingungen angepasst und können auch im Freiland gut gedeihen.
- Samenfestigkeit: Die meisten alten Tomatensorten sind samenfest. Das bedeutet, dass Sie aus den geernteten Tomaten Samen gewinnen und diese im nächsten Jahr wieder aussäen können. So können Sie Ihre Lieblingssorten selbst vermehren und zur Erhaltung der Sortenvielfalt beitragen.
- Beitrag zur Biodiversität: Durch den Anbau alter Tomatensorten leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Sie helfen, wertvolle genetische Ressourcen zu bewahren, die in der modernen Landwirtschaft zunehmend verloren gehen.
Nachteile alter Tomatensorten
Es ist wichtig, auch die potenziellen Nachteile alter Tomatensorten zu kennen:
- Anfälligkeit für Krankheiten: Einige alte Sorten können anfälliger für bestimmte Krankheiten wie Blütenendfäule sein. Jedoch gibt es auch viele resistente alte Sorten, insbesondere gegen Braunfäule.
- Transportempfindlichkeit und Lagerfähigkeit: Die Früchte alter Tomatensorten sind oft weicher und empfindlicher als moderne Sorten. Sie lassen sich nicht so gut transportieren und sind nicht so lange lagerfähig. Dies ist jedoch für den Eigenanbau im Hausgarten meist kein Problem.
- Uneinheitliches Aussehen: Alte Tomatensorten können in Form, Farbe und Größe variieren. Dies entspricht nicht immer den Normen des Handels, ist aber gerade für Liebhaber ein Teil des Charmes.
Beliebte alte Tomatensorten im Portrait
Hier stellen wir Ihnen einige besonders empfehlenswerte alte Tomatensorten vor:
Fleischtomaten:
- Ananas: Eine riesige, gelb-orange Fleischtomate aus den USA. Ihre Früchte können bis zu 1 kg schwer werden und begeistern mit einem süßen, fruchtigen Geschmack.
- Cuore di Bue (Ochsenherz): Eine italienische Liebhabersorte mit großen, herzförmigen Früchten und einem wunderbar süßen Aroma. Ideal für Salate und Saucen.
- Noire de Crimée (Ukrainische Schokoladentomate): Auffallend durch ihre bräunlich-rote Farbe und ihr weiches, aromatisches Fruchtfleisch. Perfekt für Tomatensaucen und Sugos.
- Rose de Berne: Eine saftige, rosa Normalfruchttomate aus der Schweiz mit süßem Geschmack. Vielseitig einsetzbar in der Küche.
Eier- und Flaschentomaten:
- Andine Cornue: Eine ertragreiche Flaschentomate aus den Anden mit wenig Säure und einem intensiven Tomatengeschmack. Ideal zum Kochen und für Saucen.
- DeBerao (Baumtomate): Eine sehr alte, hochwachsende Eiertomate, die bis zu 4 Meter hoch werden kann. Sehr widerstandsfähig gegen Braunfäule und ertragreich.
Cocktail- und Kirschtomaten:
- Brin de Muguet (Maiglöckchentomate): Eine robuste und widerstandsfähige rote Cocktailtomate aus Frankreich mit gutem, süßen Geschmack. Sehr gut für den Freilandanbau geeignet.
- Gelbe Johannisbeer: Eine aromatische, überreich tragende Wildtomate mit winzigen, gelben Früchten. Perfekt für Ampeln und Balkone.
- Rote Ribisel: Die rote Schwester der gelben Johannisbeere. Ebenfalls eine Wildtomate mit kleinen, roten Früchten und intensivem Aroma.
- Yellow Pearshaped: Eine historische Sorte mit kleinen, birnenförmigen, gelben Früchten. Wird im Laufe des Sommers immer süßer.
Besondere Sorten:
- Green Zebra: Eine moderne Kreuzung aus alten Sorten mit grün-gelb gestreiften Früchten. Knackig, fest und aromatisch.
- Red Zebra: Das rote Pendant zur Green Zebra mit rot geflammten Früchten. Ebenfalls sehr dekorativ und geschmackvoll.
- Indigo Rose: Eine schwarze Tomate, die dunkel-blauviolett abreift. Innen leuchtend rot und saftig.
- Reisetomate: Eine ungewöhnliche Tomate aus Guatemala mit knubbeligen Früchten, die in einzelne Segmente unterteilt sind. Perfekt als Snack für unterwegs.
Tabelle: Auswahl alter Tomatensorten und ihre Eigenschaften
| Sorte | Fruchtform | Fruchtfarbe | Fruchtgröße | Geschmack | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| Ananas | Fleischtomate | Gelb-orange | Sehr groß (bis 1 kg) | Süß, fruchtig | Frühe Sorte, große Früchte stützen |
| Andine Cornue | Flaschentomate | Rot | Mittelgroß (80-150g) | Aromatisch | Wenig Säure, schnittfest |
| Brin de Muguet | Cocktailtomate | Rot | Klein | Süß | Robust, Freilandgeeignet |
| Cuore di Bue | Ochsenherz | Rot | Groß (bis 500g) | Süß | Späte Reife, Kübelgeeignet |
| DeBerao | Eiertomate | Rot | Klein-mittelgroß (50-70g) | Aromatisch | Sehr hochwachsend, Braunfäule-resistent |
| Gelbe Johannisbeer | Wildtomate | Gelb | Sehr klein (bis 1cm) | Aromatisch | Überreich tragend, Ampelgeeignet |
| Green Zebra | Salattomate | Grün-gelb gestreift | Mittelgroß | Aromatisch, knackig | Dekorativ, robust |
| Kremser Perle | Salattomate | Rot | Mittelgroß | Süß | Frühreif, Balkongeeignet |
| Matina | Salattomate | Rot | Mittelgroß | Aromatisch | Sehr frühreif, platzfest |
| Noire de Crimée | Fleischtomate | Bräunlich-rot | Groß (200-500g) | Aromatisch, weich | Wenig Kerne, gut für Saucen |
| Rose de Berne | Normalfrucht | Rosa | Mittelgroß (80-200g) | Süß | Saftig, späte Reife |
| Rote Ribisel | Wildtomate | Rot | Sehr klein (1-1,5cm) | Aromatisch | Überreich tragend, Naschtomate |
| Red Zebra | Salattomate | Rot geflammt | Mittelgroß | Saftig, tomatig | Dekorativ, robust |
| Yellow Pearshaped | Cocktailtomate | Gelb | Klein (10-15g) | Süß (im Sommer) | Historische Sorte, birnenförmig |
| Indigo Rose | Salattomate | Schwarz-violett | Mittelgroß (ca. 50g) | Tomatig, leicht säuerlich | Späte Reife, sonnenhungrig |
| Reisetomate | Fleischtomate | Rot | Uneinheitlich | Tomatig, säuerlich | Segmentierte Frucht, kälteresistent |
Braunfäule-resistente Tomatensorten
Die Braunfäule ist eine der gefürchtetsten Krankheiten bei Tomaten. Glücklicherweise gibt es auch unter den alten Sorten einige, die eine gewisse Resistenz gegen Braunfäule aufweisen oder zumindest weniger anfällig sind. Zu diesen Sorten gehören:
- DeBerao (Baumtomate): Wie bereits erwähnt, hat sich DeBerao in Tests als besonders widerstandsfähig gegen Braunfäule erwiesen.
- Matina: Ebenfalls eine sehr frühe und robuste Sorte, die im Freilandanbau gut zurechtkommt und eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Braunfäule zeigt.
- Weitere resistente Sorten (nicht alle alte Sorten): Auch moderne Züchtungen wie "Philovita", "Harzfeuer", "Picolino", "Dasher" und "Phantasia" werden oft als widerstandsfähig gegen Braunfäule genannt.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass keine Tomatensorte vollständig immun gegen Braunfäule ist. Vorbeugende Maßnahmen sind daher immer ratsam (siehe Abschnitt "Vorbeugung gegen Braunfäule").

Vorbeugung gegen Braunfäule
Um Ihre Tomatenpflanzen vor Braunfäule zu schützen, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Standortwahl: Wählen Sie einen sonnigen und luftigen Standort für Ihre Tomaten. Vermeiden Sie Staunässe und sorgen Sie für einen guten Wasserabzug.
- Pflanzabstand: Pflanzen Sie die Tomaten nicht zu dicht nebeneinander (ca. 70 cm Abstand), damit die Blätter gut abtrocknen können.
- Gießen von unten: Gießen Sie die Tomaten immer von unten, direkt an die Wurzeln. Vermeiden Sie es, die Blätter zu benetzen, da dies die Ausbreitung von Pilzsporen begünstigt.
- Foliendach: Schützen Sie Ihre Tomaten vor Regen, indem Sie ein Foliendach anbringen. So verhindern Sie, dass Spritzwasser von der Erde auf die Blätter gelangt.
- Ausgeizen: Entfernen Sie regelmäßig die Seitentriebe (Geiztriebe) der Tomatenpflanzen, um die Belüftung zu verbessern und die Pflanze zu stärken.
- Ackerschachtelhalmtee: Spritzen Sie Ihre Tomatenpflanzen vorbeugend mit Ackerschachtelhalmtee. Dies stärkt die Pflanzen und macht sie widerstandsfähiger gegen Pilzbefall.
- Befallene Pflanzenteile entfernen: Entfernen Sie sofort befallene Blätter und Früchte und entsorgen Sie diese im Hausmüll, nicht auf dem Kompost.
- Resistente Sorten wählen: Wählen Sie für den Anbau im Freiland möglichst widerstandsfähige Sorten.
Fazit
Alte Tomatensorten sind eine wunderbare Bereicherung für jeden Garten. Sie bieten eine unvergleichliche Geschmacksvielfalt, sind oft robuster als moderne Sorten und tragen zur Erhaltung der Biodiversität bei. Auch wenn sie in manchen Aspekten etwas anspruchsvoller sein mögen, belohnen sie den Gärtner mit aromatischen und gesunden Früchten. Entdecken Sie die faszinierende Welt der historischen Tomaten und finden Sie Ihre persönlichen Lieblingssorten! Der Anbau alter Tomatensorten ist nicht nur ein Genuss für den Gaumen, sondern auch ein Beitrag zur Gartenkultur und zum Erhalt wertvoller Pflanzenschätze.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu alten Tomatensorten
- Was bedeutet "samenfest" bei Tomaten?
- Samenfeste Tomatensorten sind in der Lage, über ihre Samen sortenecht vermehrt zu werden. Das bedeutet, dass die Nachkommen die gleichen Eigenschaften wie die Elternpflanzen haben. Im Gegensatz dazu sind Hybridsorten (F1-Hybriden) nicht samenfest, da ihre Nachkommen in der Regel unterschiedliche Eigenschaften aufweisen.
- Sind alte Tomatensorten immer Bio?
- Nein, alte Tomatensorten sind nicht automatisch Bio. Ob eine Tomate biologisch angebaut wurde, hängt von den Anbaumethoden ab. Alte Sorten eignen sich jedoch sehr gut für den biologischen Anbau, da viele von ihnen robust und widerstandsfähig sind und somit weniger Pflanzenschutzmittel benötigen.
- Wo kann ich Samen alter Tomatensorten kaufen?
- Samen alter Tomatensorten sind in vielen Online-Shops, in spezialisierten Gärtnereien und auf Saatgutmärkten erhältlich. Achten Sie auf Anbieter, die sich auf alte und seltene Sorten spezialisiert haben.
- Kann ich alte Tomatensorten auch im Topf auf dem Balkon anbauen?
- Ja, viele alte Tomatensorten eignen sich auch für den Anbau im Topf auf dem Balkon oder der Terrasse. Wählen Sie für den Topfanbau eher kleinwüchsige oder buschige Sorten wie 'Kremser Perle' oder Wildtomaten wie 'Gelbe Johannisbeer'. Achten Sie auf ausreichend große Töpfe und eine gute Nährstoffversorgung.
- Wie lange dauert es von der Aussaat bis zur Ernte bei alten Tomatensorten?
- Die Zeit von der Aussaat bis zur Ernte variiert je nach Sorte und Anbaubedingungen. Frühe Sorten können bereits nach etwa 60-70 Tagen geerntet werden, während späte Sorten bis zu 90 Tage oder länger benötigen. Die Reifezeit ist auch stark vom Wetter abhängig.
