Warum gehören Algen nicht zu den Pflanzen?

Algen: Keine Pflanzen, aber Photosynthese-Kraftpakete

12/07/2024

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Oftmals werden sie in einem Atemzug genannt: Algen und Pflanzen. Beide sind grün, betreiben Photosynthese und spielen eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen. Doch warum gehören Algen eigentlich nicht zu den Pflanzen? Diese Frage mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, birgt aber eine spannende Reise in die Welt der Biologie und Evolution.

Kann man Algen selber züchten?
Um die Algen zu kultivieren, werden sie zunächst in kleinen Mengen im Labor vermehrt. Hier entstehen sogenannte Vorkulturen von 100 ml bis wenige Liter. Hat man genug Vorkultur hochgezogen, geht es ins Gewächshaus. Im Gewächshaus kommen die Vorkulturen in Folienschläuche.
Inhaltsverzeichnis

Evolutionäre Wurzeln und Gemeinsamkeiten

Die Verbindung zwischen Algen und Pflanzen ist unbestreitbar. Tatsächlich waren es Grünalgen, aus denen vor unvorstellbar langer Zeit die ersten Landpflanzen hervorgegangen sind. Diese frühen Landpflanzen, vor allem Moose, teilten viele Merkmale mit ihren algalen Vorfahren. Die Gemeinsamkeit, die wohl am augenfälligsten ist, ist die Photosynthese. Sowohl Algen als auch Pflanzen nutzen Sonnenlicht, um Kohlendioxid und Wasser in Sauerstoff und energiereiche organische Verbindungen umzuwandeln. Dieser Prozess ist die Grundlage des Lebens auf der Erde und wird in beiden Gruppen durch Chloroplasten ermöglicht, spezielle Zellorganellen, die den grünen Farbstoff Chlorophyll enthalten. Insbesondere Grünalgen und Pflanzen nutzen sehr ähnliche Arten von Chloroplasten, was ihre enge evolutionäre Verwandtschaft unterstreicht.

Grundlegende Unterschiede im Bauplan

Trotz dieser Gemeinsamkeiten offenbaren sich bei genauerer Betrachtung erhebliche Unterschiede im Bauplan von Algen und Pflanzen. Der wohl markanteste Unterschied liegt in der strukturellen Komplexität. Algen sind im Vergleich zu Landpflanzen deutlich einfacher aufgebaut. Ihnen fehlen die komplexen Organstrukturen, die Landpflanzen für ein Leben an Land entwickelt haben. Algen besitzen keine Wurzeln, keinen Stamm oder Stängel und keine Blätter im herkömmlichen Sinne. Diese Strukturen sind für Landpflanzen essenziell, um Wasser und Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen und den Körper aufrecht zu halten. Algen hingegen sind vollständig von Wasser umgeben und können Nährstoffe direkt aus dem umgebenden Medium aufnehmen. Ihre einfache Struktur ist perfekt an das Leben im Wasser angepasst.

Unterschiede in der Fortpflanzung

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in der Fortpflanzung. Landpflanzen werden als „Embryophyten“ bezeichnet, was auf die Bildung eines Embryos im Rahmen ihrer sexuellen Fortpflanzung hinweist. Pflanzen vermehren sich hauptsächlich über Samen, komplexe Strukturen, die den Embryo und Nährstoffe für die Keimung enthalten. Algen hingegen nutzen unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien. Viele Algenarten vermehren sich hauptsächlich ungeschlechtlich durch Zellteilung, bei der sich eine Zelle einfach in zwei Tochterzellen teilt. Eine weitere wichtige Form der Fortpflanzung bei Algen ist die Bildung von Sporen. Sporen sind einzellige, widerstandsfähige Strukturen, die sich vom Mutterorganismus ablösen und zu neuen Individuen heranwachsen können. Die Vielfalt der Fortpflanzungsmechanismen bei Algen ist deutlich größer als bei Landpflanzen.

Makroalgen und Mikroalgen: Eine Welt der Vielfalt

Wenn wir an Algen denken, haben wir oft die großen, sichtbaren Formen vor Augen, die als Makroalgen an Strände gespült werden oder im Meerwasser treiben. Beispiele hierfür sind der Kelp oder der Blasentang. Diese Makroalgen können beeindruckende Größen erreichen und sind wichtige Bestandteile von Küstenökosystemen. Doch für die Ökologie der Meere sind die unscheinbaren Mikroalgen, auch bekannt als Phytoplankton, von noch größerer Bedeutung. Diese einzelligen Algen sind mit bloßem Auge nicht erkennbar, bilden aber die Basis der Nahrungskette in den Ozeanen. Sie sind verantwortlich für einen erheblichen Teil der globalen Photosynthese und produzieren einen Großteil des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre. Die Vielfalt der Algen reicht also von riesigen Tangwäldern bis hin zu winzigen, einzelligen Organismen.

Abgrenzung zu Bakterien: Der Zellkern als entscheidendes Merkmal

Gerade bei den einzelligen Mikroalgen stellt sich die Frage nach der Abgrenzung zu anderen mikroskopisch kleinen Lebewesen, insbesondere zu Bakterien. Früher wurden Mikroalgen aufgrund ihrer geringen Größe und einfachen Struktur manchmal mit Bakterien verwechselt. Der Begriff „Blaualge“ für bestimmte einzellige Organismen hält sich hartnäckig, obwohl diese in Wirklichkeit keine Algen, sondern Bakterien sind, die heute als Cyanobakterien bezeichnet werden. Der entscheidende Unterschied zwischen Algen und Bakterien liegt im Vorhandensein eines Zellkerns. Algen sind eukaryotische Organismen, das heißt, ihre Zellen besitzen einen Zellkern, in dem das genetische Material (DNA) eingeschlossen ist. Bakterien hingegen sind Prokaryoten und haben keinen Zellkern; ihr genetisches Material liegt frei im Zellplasma vor. Dieser Unterschied in der Zellstruktur ist ein fundamentaler Unterschied in der Organisation des Lebens.

Algen als Protoctisten: Ein eigenes Reich

Aufgrund der klaren Unterschiede sowohl zu Bakterien als auch zu Landpflanzen werden Algen in der biologischen Systematik einem eigenen „Zwischenreich“ zugeordnet, den Protoctisten (oder Protisten). Dieses Reich ist eine Art Sammelbecken für eukaryotische Organismen, die weder Pflanzen, Tiere noch Pilze sind. Zu den Protoctisten gehören neben Algen auch beispielsweise Wimperntierchen und Schleimpilze. Die Einordnung der Algen in das Reich der Protoctisten unterstreicht ihre Eigenständigkeit und ihre Position zwischen den einfacheren Bakterien und den komplexeren Pflanzen, Tieren und Pilzen.

Warum gehören Algen nicht zu den Pflanzen?
Aber es gibt eben auch große Unterschiede: Algen sind viel einfacher gebaut als Landpflanzen, Algen haben keine Wurzeln, keinen Stamm oder Stängel. Das alles brauchen sie nicht, denn sie sind ja von Wasser umgeben. Die Fortpflanzung läuft auch anders ab: Pflanzen sind „Embryophyten“.

Definitionssache: Algen im weiteren Sinne

Es gibt auch Definitionen, die Algen in einem weiteren Sinne doch zu den Pflanzen rechnen. In dieser Sichtweise würden Pflanzen aus Landpflanzen einerseits und Algen andererseits bestehen. Diese Sichtweise hat historische Wurzeln, da die Algenkunde (Phykologie) traditionell aus der Botanik, der Wissenschaft der Pflanzen, hervorgegangen ist. In der Biologie und in der Wissenschaft im Allgemeinen sind Definitionen oft nicht in Stein gemeißelt, sondern können sich im Laufe der Zeit ändern und an neue Erkenntnisse angepasst werden. Die Übergänge in der Natur sind oft fließend, und es gibt nicht immer eine klare Trennlinie zwischen verschiedenen Organismengruppen. Dennoch hat sich die vorherrschende Meinung durchgesetzt, Algen nicht zu den Pflanzen im engeren Sinne zu zählen.

Die „Algenblüte“: Kein Blühen im eigentlichen Sinn

Immer wieder hört man von „Algenblüten“, insbesondere in Bezug auf Gewässerverschmutzung und Umweltprobleme. Dieser Begriff kann jedoch irreführend sein, da er suggeriert, dass Algen blühen würden wie Pflanzen. Tatsächlich blühen Algen nicht; sie besitzen keine Blütenorgane. Der Begriff „Algenblüte“ beschreibt lediglich ein explosionsartiges, massenhaftes Wachstum von Algen in einem Gewässer. Dieses Phänomen tritt häufig auf, wenn ein Überangebot an Nährstoffen, insbesondere Phosphate und Nitrate, ins Wasser gelangt. In den letzten Jahren hat die Häufigkeit von Algenblüten in den Weltmeeren zugenommen, was oft auf menschliche Aktivitäten wie die Landwirtschaft und die Einleitung von Abwässern zurückzuführen ist.

Algenzucht: Nachhaltige Ressource der Zukunft?

Die Fähigkeit von Algen zur Photosynthese und ihr vergleichsweise einfacher Aufbau machen sie zu interessanten Kandidaten für die Algenzucht. In Niedersachsen beispielsweise wird die Mikroalge Spirulina kultiviert. Diese Algen werden in großen Becken unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet, um sie als Nahrungsmittel oder für andere Anwendungen zu nutzen. Die Algenzucht hat den Vorteil, dass Algen zum Wachstum lediglich Kohlenstoffdioxid aus der Luft, Sonnenlicht, wenige Nährstoffe und Wasser benötigen. Zudem setzen sie bei der Photosynthese Sauerstoff frei, was die Algenzucht zu einem potenziell nachhaltigen Prozess macht.

Die Kultivierung von Algen beginnt in der Regel im Labor, wo kleine Mengen von Algen vermehrt werden, sogenannte Vorkulturen. Diese Vorkulturen werden dann in Gewächshäusern in größeren Systemen überführt, beispielsweise in Folienschläuchen (V-Module) oder flachen Becken (H-Module). In diesen Systemen findet die eigentliche Massenproduktion statt. Die Algen werden regelmäßig geerntet, wobei die Algenmasse von dem flüssigen Medium getrennt wird. Anschließend wird die Algenmasse schonend getrocknet und kann weiterverarbeitet werden. Die Algenzucht birgt ein großes Potenzial für die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Biokraftstoffen und anderen Produkten.

Fazit: Algen – Einzigartige Wasserbewohner

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Algen zwar viele Gemeinsamkeiten mit Pflanzen aufweisen, insbesondere die Photosynthese, aber aufgrund fundamentaler Unterschiede im Bauplan, der Fortpflanzung und der Zellstruktur nicht zu den Pflanzen gezählt werden. Sie bilden vielmehr ein eigenes Reich, die Protoctisten, und nehmen eine einzigartige Position im Baum des Lebens ein. Ihre Vielfalt reicht von mikroskopisch kleinen Einzellern bis hin zu riesigen Makroalgen. Algen spielen eine entscheidende Rolle in den Ökosystemen der Erde und bieten zudem vielversprechende Möglichkeiten für eine nachhaltige Zukunft.

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