11/01/2026
Allergische Reaktionen sind eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen, sogenannte Allergene. Bei Kindern können sich diese Reaktionen auf unterschiedliche Weise äußern und verschiedene Organe betreffen. Es ist wichtig, die Anzeichen einer Allergie frühzeitig zu erkennen, um angemessen reagieren und Ihrem Kind helfen zu können.

Symptome allergischer Reaktionen bei Kindern
Je nach Schweregrad und betroffenem Organ können allergische Reaktionen bei Kindern unterschiedliche Symptome hervorrufen. Es ist entscheidend, diese Symptome zu kennen, um im Bedarfsfall schnell handeln zu können.
Haut
Die Haut ist das größte Organ und oft als erstes von allergischen Reaktionen betroffen. Typische Hautsymptome sind:
- Quaddeln (Nesselsucht/Urtikaria): Juckende, erhabene Hautstellen, die plötzlich auftreten und wieder verschwinden können.
- Rote Flecken (Erytheme): Flächige Rötungen der Haut.
- Schwellungen: Anschwellen von Hautpartien, besonders im Gesichtsbereich (Augenlider, Lippen).
- Ekzeme (Neurodermitis/atopische Dermatitis): Entzündliche Hauterkrankung mit Rötungen, Juckreiz, Bläschenbildung und Schuppung. Oft chronisch und schubweise verlaufend.
- Juckreiz und Brennen: Begleitende Symptome bei vielen allergischen Hautreaktionen.
Besonders bei Neurodermitis spielen Allergien eine Rolle, aber auch genetische und psychosomatische Faktoren können beteiligt sein. Allergisch bedingte Ekzeme können tieferliegende Hautschichten betreffen und zu nässenden Wunden führen.
Augen
Allergische Reaktionen an den Augen äußern sich meist als:
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Rote, juckende Augen, oft in Verbindung mit Heuschnupfen. Gefühl von Sandkörnern im Auge.
- Tränende Augen: Verstärkte Tränenproduktion.
- Schwellung der Augenlider: Anschwellen der Lider.
Diese Symptome treten oft im Zusammenhang mit allergischem Schnupfen auf.
Nase
Die Nase ist das erste Organ, das mit Inhalationsallergenen in Kontakt kommt. Allergische Reaktionen der Nase zeigen sich als:
- Juckreiz und Niesen: Häufige Reaktionen auf Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare.
- Laufende Nase: Produktion von klarem, dünnflüssigem Sekret.
- Verstopfte Nase: Anschwellen der Nasenschleimhäute, erschwertes Atmen.
- Entzündungen der Nasennebenhöhlen: Durch mangelnde Belüftung der Nasennebenhöhlen.
Es ist wichtig zu beachten, dass ähnliche Symptome auch bei einer Kuhmilchallergie auftreten können.
Bronchien
Allergische Reaktionen der Bronchien können sich anfänglich durch folgendes bemerkbar machen:
- Pfeifen beim Ausatmen: Verursacht durch krampfartige Verengung der Bronchien.
- Atemnot (Asthma bronchiale): Gefühl der Luftknappheit, verstärkt durch vermehrte Schleimproduktion. Tritt oft in Schüben auf.
Unbehandelt können allergische Reaktionen der Bronchien zu dauerhaften Schäden an der Bronchialschleimhaut und der Lunge führen.

Verdauungstrakt
Besonders bei Kindern können allergische Reaktionen den Verdauungstrakt betreffen und folgende Symptome auslösen:
- Durchfall: Häufige, dünnflüssige Stuhlentleerungen.
- Blähungen: Vermehrtes Gas im Darm, Bauchschmerzen.
Diese Symptome sind oft auf Nahrungsmittelallergien zurückzuführen, wie z.B. gegen Kuhmilch- oder Hühnereiweiß.
Der gesamte Organismus: Anaphylaktischer Schock
Ein anaphylaktischer Schock ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion und betrifft den gesamten Körper. Er kann lebensbedrohlich sein und erfordert sofortige medizinische Hilfe. Erste Anzeichen können sein:
- Kribbeln: An Handflächen und Fußsohlen.
- Gesichtsrötung und Hitzegefühl: Rötung des Gesichts, Wärmegefühl.
- Schneller Herzschlag: Erhöhte Pulsfrequenz.
- Blutdruckabfall: Rascher Abfall des Blutdrucks.
- Schwindel und Ohnmacht: Benommenheit, Bewusstseinsverlust.
- Atemnot und Kreislaufversagen: In schweren Fällen.
Ein anaphylaktischer Schock tritt meist auf, wenn größere Mengen Allergen direkt ins Blut gelangen, z.B. bei Insektenstichen oder Medikamenten-Injektionen. Bestimmte Nahrungsmittel wie Nüsse, Fisch und Krustentiere können ebenfalls einen Schock auslösen.
Was tun bei einer allergischen Reaktion beim Kind?
Die Behandlung einer Allergie bei Kindern umfasst mehrere Säulen:
Allergen vermeiden
Der wichtigste Schritt ist die Vermeidung des Auslösers. Dies kann bedeuten:
- Lebensmittelallergie: Konsequenter Verzicht auf das Allergen und Produkte, die es enthalten könnten (z.B. bei Hühnereiallergie eihaltige Backwaren).
- Hautallergie: Wechsel zu anderen Hautpflegeprodukten, falls eine Creme oder Salbe eine Reaktion auslöst. Beratung durch Kinderarzt oder Apotheker.
- Hausstaubmilbenallergie: Spezielle Bettwäsche, milbendichte Matratzenüberzüge, Reduktion von Staubfängern in der Wohnung (Teppiche, Vorhänge, Bücherregale).
- Medikamentenallergie: Rücksprache mit dem Arzt bezüglich alternativer Medikamente.
Medikamente zur Linderung der Symptome
Verschiedene Medikamente können allergische Symptome lindern, aber die Allergie nicht heilen:
Mastzellstabilisatoren (Cromone)
Geeignet bei Soforttyp-Allergien wie Heuschnupfen oder Hausstauballergie. Hemmen die Freisetzung von Entzündungsstoffen (Histamin) aus Mastzellen. Oft als Nasenspray oder Augentropfen, aber auch in Kapselform. Wirkung tritt erst nach einigen Tagen ein, daher rechtzeitige Anwendung vor Allergenkontakt sinnvoll (z.B. vor der Pollensaison). Mehrmals tägliche Anwendung erforderlich, da Wirkung nur wenige Stunden anhält.
Abschwellende Nasentropfen oder -sprays
Enthalten Alpha-1-Sympathomimetika (z.B. Oxymetazolin, Xylometazolin). Verengen Blutgefäße in der Nasenschleimhaut, wodurch Schwellungen reduziert werden. Nur kurzzeitig anwenden (wenige Tage), da bei längerer Anwendung Wirkung nachlassen und Schleimhaut schädigen können. Nicht für kleine Kinder geeignet, physiologische Kochsalzlösung als Nasenspray ist auch für Babys geeignet.
Antihistaminika
Hemmen die Wirkung von Histamin und lindern Symptome wie Schnupfen, Bindehautentzündung, Hautschwellungen, Juckreiz und Nesselsucht. Für örtliche (Nasenspray, Augentropfen) und innerliche Anwendung (Tabletten, Saft) verfügbar. Ältere Antihistaminika (1. Generation) können müde machen, neuere (2. Generation, z.B. Cetirizin, Loratadin) sind weniger sedierend und gelten als gut verträglich. Auch Teil der Notfalltherapie bei anaphylaktischem Schock.

Glukokortikoide ("Kortison")
Künstliche Abkömmlinge des Cortisols. Hemmen Entzündungen, Schwellungen und Überempfindlichkeit der Schleimhäute, wirken immunsuppressiv. Meist lokale Anwendung (Salben, Nasensprays, Augentropfen) bei Hautausschlägen, Schnupfen oder Bindehautentzündung. Bei Asthma bronchiale als Inhalationspräparate. Lokale Anwendung bei korrekter Anwendung risikoarm. Systemische Anwendung (Tabletten, Zäpfchen, Injektionen) nur in Ausnahmefällen wegen möglicher Nebenwirkungen (z.B. Wachstumsstörungen bei Kindern). Systemische Kortison-Präparate nur bei akuten schweren Allergiesymptomen.
Weitere Medikamente
Je nach allergischer Erkrankung können weitere Medikamente eingesetzt werden:
- Asthma bronchiale: Bronchienerweiternde Mittel (Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika) zur Inhalation. Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (Antileukotriene) als Tabletten, besonders bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma.
- Neurodermitis: Calcineurin-Inhibitoren (Calcineurin-Hemmer) als Salben, wirken immunsuppressiv wie Kortison. Alternative zu Kortison-Salben, besonders im Gesicht- und Halsbereich. Geeignet ab dem 2. Lebensjahr.
Hyposensibilisierung (Spezifische Immuntherapie - SIT)
Ursächliche Behandlungsmethode, besonders bei schwerer Pollen-, Hausstaub- oder Insektengiftallergie. Verabreichung des Allergens in winzigen, steigenden Dosen über längeren Zeitraum (Spritze unter die Haut, Tablette/Lösung unter die Zunge). Ziel: Gewöhnung des Körpers an das Allergen. Dauer: ca. 3-5 Jahre. Wirksamkeit besser bei kurzer Allergiedauer und wenigen Allergenen.
Notfall-Set bei schwerer Allergie
Kinder mit schwerer Allergie (z.B. Insektengift-, Nussallergie) benötigen ein Notfall-Set, das immer griffbereit sein muss. Im Notfall kann die schnelle Verabreichung lebensrettend sein. Ein Notfall-Set enthält:
- Adrenalin-Fertigspritze: Kreislaufstärkend, Injektion in den Muskel.
- Antihistaminikum: Gegen Entzündungsreaktion (z.B. Tropfen).
- Glukokortikoid: Verhindert erneute Entzündungsreaktion nach Erstbehandlung (z.B. Zäpfchen oder Flüssigkeit).
- Bronchienerweiterndes Mittel: Zum Inhalieren (bei Asthma).
- Adrenalin zum Inhalieren: Bei Atemwegsverengung.
- Anaphylaxie-Pass oder -Notfallplan: Schriftliche Anleitung vom Arzt, Informationen zur Allergie und Medikamentenverabreichung.
Eltern sollten einen Anaphylaxie-Notfallplan an das Umfeld des Kindes (Kita, Schule, Verwandte) austeilen, der ein Passbild, Personalien, Frühsymptome und Hilfsmaßnahmen enthält.
Was hilft sofort bei einer allergischen Reaktion?
Bei akuten leichten allergischen Reaktionen (z.B. Hautjucken, leichter Schnupfen) können:
- Kühlen: Kühle Umschläge oder Duschen können Juckreiz lindern und Schwellungen reduzieren.
- Antihistaminika: Schnell wirkende Antihistaminika in Tropfen- oder Tablettenform können die Symptome rasch verbessern. Diese sollten idealerweise immer im Hausvorrat vorhanden sein, besonders wenn eine Allergie bekannt ist.
- Fenster schließen: Bei Pollenallergie Fenster geschlossen halten, um den Allergenkontakt zu minimieren.
- Nase spülen: Nasenspülungen mit Kochsalzlösung können bei allergischem Schnupfen helfen, die Nase von Allergenen und Schleim zu befreien.
Wichtig: Bei schweren allergischen Reaktionen wie Atemnot, Schwindel oder Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks muss sofort der Notarzt (112) gerufen werden. Verabreichen Sie, falls vorhanden, das Notfall-Set und folgen Sie den Anweisungen im Notfallplan.
FAQ: Häufige Fragen zu allergischen Reaktionen bei Kindern
- Wie erkenne ich eine allergische Reaktion bei meinem Kind?
- Achten Sie auf Symptome wie Hautausschlag (Quaddeln, Rötungen, Juckreiz), geschwollene Augenlider oder Lippen, tränende oder juckende Augen, laufende oder verstopfte Nase, Husten, pfeifende Atmung, Erbrechen, Durchfall oder allgemeines Unwohlsein. Bei schweren Reaktionen wie Atemnot, Schwindel oder Bewusstseinsverlust sofort den Notarzt rufen.
- Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Kinderallergien?
- Die Behandlung umfasst Allergenvermeidung, Medikamente zur Symptomlinderung (Antihistaminika, Kortison, Mastzellstabilisatoren, abschwellende Nasensprays) und in bestimmten Fällen Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie). Die Wahl der Behandlung hängt von der Art und Schwere der Allergie ab.
- Wann ist ein Notfall-Set notwendig?
- Ein Notfall-Set ist notwendig bei Kindern mit bekannter schwerer Allergie, insbesondere gegen Insektengifte, Nahrungsmittel (z.B. Nüsse) oder Medikamente, die ein Risiko für einen anaphylaktischen Schock bergen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Ihr Kind ein Notfall-Set benötigt.
- Was soll ich sofort tun, wenn mein Kind eine allergische Reaktion zeigt?
- Bei leichten Reaktionen (Hautausschlag, leichter Schnupfen) können kühlende Maßnahmen und Antihistaminika helfen. Bei schweren Reaktionen (Atemnot, Schwindel, anaphylaktischer Schock) sofort den Notarzt rufen und, falls vorhanden, das Notfall-Set verabreichen.
- Kann eine Allergie bei Kindern geheilt werden?
- Eine vollständige Heilung von Allergien ist in den meisten Fällen nicht möglich. Die Hyposensibilisierung kann jedoch bei bestimmten Allergien (Pollen, Hausstaub, Insektengifte) zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome oder sogar zu einer Toleranz gegenüber dem Allergen führen. Medikamente können die Symptome lindern, aber die Allergie nicht ursächlich behandeln.
