14/08/2023
Absinth, auch bekannt als "grüne Fee", umgibt seit jeher eine Aura des Mystischen und Geheimnisvollen. Diese hochprozentige Spirituose, oft mit einem Hauch von Anis versehen, hat Künstler und Schriftsteller inspiriert und zugleich für Kontroversen gesorgt. Doch was macht Absinth wirklich aus? Welche Pflanze ist sein Herzstück, und woher stammt der Ruf, einen besonderen Rausch zu verursachen? Dieser Artikel taucht tief in die Welt des Absinths ein, entlarvt Mythen und beleuchtet die Fakten rund um diese faszinierende Spirituose.

- Die grüne Basis: Wermut als Schlüsselzutat
- Der Absinth-Rausch: Mehr als nur Alkohol?
- Wie wirkt Absinth wirklich? – Erfahrungsberichte und Mythen
- Absinth und Frauen: Aphrodisiakum oder Alkoholwirkung?
- Welcher Absinth wirkt am stärksten? – Alkoholgehalt und Thujon-Variationen
- Absinth im Drogenlexikon: Psychoaktive Substanz, aber keine Droge im klassischen Sinne
- Fazit: Absinth – Mythos und Realität
Die grüne Basis: Wermut als Schlüsselzutat
Die zentrale Pflanze im Absinth ist der Wermut (Artemisia absinthium). Dieses Kraut, das in warmen Regionen gedeiht, ist bekannt für seinen intensiven Duft und seine gelben Blüten. Verantwortlich für den charakteristischen Geruch sind die ätherischen Öle der Pflanze, die etwa 1,5 bis 2 Prozent ausmachen. Zu diesen Ölen gehört auch das viel diskutierte Thujon, sowie Bitterstoffe wie Absinthin, die dem Absinth seinen markanten, leicht bitteren Geschmack verleihen.
Der Absinth-Rausch: Mehr als nur Alkohol?
Die Frage, warum Absinth eine vermeintlich andere Wirkung als andere alkoholische Getränke hat, beschäftigt viele. Oft wird spekuliert, dass der Inhaltsstoff Thujon für einen besonderen „Absinth-Rausch“ verantwortlich sei. Tatsächlich wurde Absinth in der Vergangenheit sogar verboten, angeblich wegen seiner halluzinogenen Wirkung. Doch ist diese Annahme wirklich haltbar?
Thujon: Nervengift oder Mythos?
Thujon, ein Bestandteil des Wermuts, wird medizinisch als Nervengift angesehen. Im Zuge des Absinth-Verbots wurde argumentiert, dass Thujon im Absinth zu Wahnsinn führen könne. Dieses Argument hält sich hartnäckig, ist aber wissenschaftlich kaum belegt. Oft wird auch behauptet, dass historischer Absinth höhere Thujon-Konzentrationen aufwies als heutiger Absinth. Diese Behauptung ist jedoch schlichtweg falsch.
Moderne wissenschaftliche Analysen von historischen Absinth-Flaschen aus der Zeit vor dem Verbot haben gezeigt, dass die Thujon-Werte keineswegs exorbitant hoch waren. Sie lagen im Bereich von 9-35 mg Thujon pro Liter, was den heutigen gesetzlichen Grenzwerten entspricht. Diese Mengen sind relativ gering und weit entfernt von toxischen Dosen. Um eine gesundheitsschädliche Menge Thujon zu sich zu nehmen, müsste man pure Wermutöle in großen Mengen konsumieren – was niemand tun würde. Zum Vergleich: Auch Koffein ist in großen Mengen schädlich, doch niemand käme auf die Idee, 100 Gramm Koffein auf einmal zu konsumieren.
Der wahre Grund für den Absinth-Rausch: Der hohe Alkoholgehalt
Die primäre Ursache für die Wirkung von Absinth ist der unvergleichbar hohe Alkoholgehalt. Klassischer Absinth besitzt einen Alkoholgehalt von etwa 68 Prozent. Im Vergleich dazu haben andere Spirituosen wie Wodka, Whiskey, Gin oder Rum in der Regel einen Alkoholgehalt zwischen 40 und 50 Prozent. Absinth ist somit deutlich stärker als die meisten anderen Spirituosen, die man üblicherweise konsumiert.
Dieser hohe Alkoholgehalt führt zu einem intensiveren Rauschzustand, dem sogenannten „Absinth-Rausch“. Es ist wichtig zu betonen, dass dieser Rausch in erster Linie auf den Alkohol zurückzuführen ist und nicht auf halluzinogene Substanzen wie Thujon. Wer Absinth trinkt, sollte sich der starken Wirkung bewusst sein und ihn verantwortungsvoll genießen.

Wie wirkt Absinth wirklich? – Erfahrungsberichte und Mythen
Viele Menschen, die Absinth probiert haben, berichten von einem Rauschzustand, der sich von dem anderer alkoholischer Getränke unterscheidet. Es wird oft von einer gesteigerten Wahrnehmung der Umgebung und einem Gefühl der Euphorie gesprochen. Ein anekdotisches Beispiel illustriert dies: Einem Absinth-Konsumenten wurde nach einigen Gläsern die Gartenhecke seines Nachbarn so einladend und weich präsentiert, dass er spontan hineinsprang. Glücklicherweise blieb er unverletzt, aber die Geschichte zeigt, wie Absinth die Sinneswahrnehmung und das Empfinden beeinflussen kann.
Es ist jedoch wichtig, mit dem Mythos aufzuräumen, dass Absinth Halluzinationen verursacht. Auch wenn dies in der Populärkultur oft dargestellt wird, ist es wissenschaftlich nicht belegt. Der Absinth-Rausch ist in erster Linie ein intensiver Alkoholrausch, der durch die hohe Konzentration an Ethanol verstärkt wird. Die subjektiv empfundene „besondere“ Wirkung kann auch auf die Kombination von Alkohol mit den Aromen des Wermuts und anderer Kräuter zurückzuführen sein.
Absinth und Frauen: Aphrodisiakum oder Alkoholwirkung?
Ein weiteres hartnäckiges Gerücht besagt, dass Absinth ein Aphrodisiakum sei, insbesondere für Frauen. Es wird behauptet, Absinth mache Frauen „willig“ und Männer „schwach“. Auch hier spielt der Mythos um das Thujon eine Rolle, aber auch der hohe Alkoholgehalt wird als Erklärung herangezogen.
Medizinisch gesehen ist Thujon nicht als luststeigernd bekannt. Alkohol hingegen kann in Maßen stimulierend wirken, und Frauen reagieren tendenziell stärker auf Alkohol als Männer aufgrund physiologischer Unterschiede. Die vermeintliche aphrodisierende Wirkung von Absinth bei Frauen ist daher höchstwahrscheinlich auf den hohen Alkoholgehalt zurückzuführen, der stärker wirkt als bei Getränken mit geringerem Alkoholanteil wie Wein oder Bier.
Welcher Absinth wirkt am stärksten? – Alkoholgehalt und Thujon-Variationen
Oftmals wird gefragt, welcher Absinth die „beste“ oder „stärkste“ Wirkung hat. Wie bereits erläutert, ist die primäre Wirkung auf den Alkoholgehalt zurückzuführen. Dennoch gibt es Unterschiede im Thujongehalt verschiedener Absinth-Sorten. Einige Beispiele für Absinthe mit höherem Alkohol- und Thujongehalt sind:
- (Unser Bestseller, ungefähr 30 mg Thujon, 68% Alkoholgehalt)
- (Ungefähr 25 mg Thujon plus 69% Alkoholgehalt)
- (Grüne Farbe, ungefähr 25 mg Thujon plus 66.6% Alkoholgehalt)
- (Anisfreier Absinth, ungefähr 30 mg Thujon, 68% Alkoholgehalt)
- (Anisfreier Absinth, ungefähr 25 mg Thujon, 60% Alkoholgehalt)
Diese Absinthe sind oft in Kategorien wie „Starker Absinth“ zu finden. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass auch diese stärkeren Absinthe keine Halluzinationen auslösen. Die Wirkung ist primär auf den höheren Alkoholgehalt zurückzuführen. Daher ist ein verantwortungsvoller Konsum von Absinth unerlässlich.

Absinth im Drogenlexikon: Psychoaktive Substanz, aber keine Droge im klassischen Sinne
Im Drogenlexikon wird Absinth als Substanz aufgeführt, die aus Wermut und anderen Kräutern destilliert wird. Es wird betont, dass Wermutkraut selbst ätherische Öle enthält, darunter Thujon und Bitterstoffe. Thujon wird als medizinisch wenig erforschte Substanz beschrieben, die Krampfanfälle hervorrufen kann und giftig auf Nerven, Nieren und Magen wirkt. Da Absinth neben Alkohol auch Thujon enthält, wird die Wirkung als stärker beschrieben, da sowohl Thujon als auch Alkohol psychoaktive Substanzen sind.
Absinth kann euphorisierend, berauschend und anregend wirken und in größeren Mengen zu gesteigertem Farbempfinden und psychischen Problemen führen. Aufgrund dieser starken Wirkung war Absinth bis in die 1920er Jahre ein beliebtes Getränk, starker Konsum führte jedoch oft zu Abhängigkeit. Ob Thujon oder der hohe Alkoholgehalt ausschlaggebend war, blieb lange unklar. Dies führte in den 1920er Jahren zum Verbot in vielen westlichen Staaten.
Heute ist Absinth in Deutschland wieder zugelassen, wobei für Bitterspirituosen ein Grenzwert von 35 mg Thujon pro Liter gilt. Moderne Studien haben gezeigt, dass historischer Absinth nicht mehr Thujon enthielt als heutiger Absinth. Dennoch bleibt Absinth eine wirkungsvolle Spirituose mit einem Alkoholgehalt von 50 bis 80 Prozent, die deutlich mehr Alkohol enthält als die meisten anderen Spirituosen und aufgrund des Bitterstoffs Absinthin selten pur getrunken wird. Ärzte warnen trotz reduziertem Thujongehalt vor übermäßigem Konsum, da über die Langzeitwirkung von Thujon noch wenig bekannt ist.
Fazit: Absinth – Mythos und Realität
Absinth ist eine faszinierende Spirituose, die von Mythen und Legenden umrankt ist. Die vermeintliche halluzinogene Wirkung und der „besondere“ Absinth-Rausch sind jedoch in erster Linie auf den extrem hohen Alkoholgehalt zurückzuführen. Thujon, der Inhaltsstoff des Wermuts, trägt zwar zu den Aromen und möglicherweise zu einer subtilen psychoaktiven Wirkung bei, ist aber in den üblichen Mengen im Absinth nicht für Halluzinationen oder gesundheitsschädliche Effekte verantwortlich. Verantwortungsvoller Konsum ist jedoch aufgrund des hohen Alkoholgehalts unerlässlich, um die „grüne Fee“ sicher und genussvoll zu erleben.
