Beifuß: Winterhart, pflegeleicht & vielseitig im Garten

10/07/2024

Rating: 4.05 (7120 votes)

Beifuß, auch bekannt als Gänsekraut, Besenkraut oder Weiberkraut, ist ein traditionsreiches Kraut mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Nicht nur in der Küche, sondern auch im Garten erfreut sich Beifuß großer Beliebtheit. Doch viele Gartenfreunde fragen sich: Ist Beifuß eigentlich winterhart? Und wie pflegt man diese interessante Pflanze richtig? Dieser Artikel liefert Ihnen umfassende Informationen rund um Beifuß, seine Arten, Anpflanzung, Pflege und Verwendung, und klärt auch über die Besonderheiten des einjährigen Beifußes (Artemisia annua) auf.

Ist Beifuß winterhart?
Bis auf Artemis annua sind die Arten des Beifußes winterhart. Jedoch stirbt über den Winter der gesamte oberirdische Teil der Beifußpflanze ab, sodass im Spätherbst alles, was nicht gefällt, abgeschnitten werden kann. Im Frühjahr treibt Beifuß dann wieder aus dem Wurzelstock aus.
Inhaltsverzeichnis

Beifuß: Ein Überblick über Herkunft und Eigenschaften

Der Beifuß (Artemisia) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und umfasst weltweit über 250 verschiedene Arten. Seine genaue Herkunft ist unbekannt, jedoch ist er in vielen Teilen der Welt, auch in unseren Breitengraden, heimisch. Die meisten Beifußarten sind mehrjährige Stauden, die leicht verholzen können. Einige Arten zeichnen sich durch einen intensiven Duft aus, der nicht jedermanns Geschmack trifft. Beifuß ist generell pflegeleicht und wächst schnell. Je nach Art kann er eine Höhe von bis zu 2 Metern erreichen. Es ist jedoch ratsam, Beifuß im Garten im Auge zu behalten, da er zum Wuchern neigen kann. Mit seinen oft silbrig glänzenden, gefiederten Blättern und den gelblich-orangen Blüten ist Beifuß nicht nur eine attraktive Zierpflanze, sondern auch ein wertvolles Gewürz- und Heilkraut.

Verwechslungsgefahr: Beifuß und Ambrosia

Es besteht Verwechslungsgefahr zwischen Beifuß und der Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia). Letztere ähnelt dem Beifuß in Wuchs und Blattform stark und entwickelt sich in Europa zunehmend zu einem Problemunkraut. Die Pollen der Ambrosie sind stark allergen und können bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen. Die Unterscheidung ist jedoch relativ einfach: Die Blätter der Beifuß-Ambrosie sind beidseitig grün, während die des Beifußes oft eine silbrige Unterseite aufweisen.

Beifuß-Arten und -Sorten: Vielfalt für den Garten

Die Gattung Artemisia ist sehr vielfältig. Hier eine kleine Auswahl bekannter Beifuß-Arten:

  • Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris): Die heimische Art, die bis zu 1,20 m hoch wird. Ihr werden verdauungsfördernde Eigenschaften nachgesagt, und sie wird traditionell als Gewürz für fette Speisen verwendet.
  • Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): Eine der wenigen nicht winterharten Beifuß-Arten. Wächst sehr schnell und kann bis zu 2 m hoch werden. Mit seinem dichten Blattwerk eignet er sich für temporäre Hecken. Bekannt wurde er durch seinen Wirkstoff gegen Malaria.
  • Zwerg-Silber-Beifuß (Artemisia Schmidtiana): Eine niedrige Art, die nur etwa 20 cm hoch wird. Mit seinem kissenartigen Wuchs und den filigranen, silbernen Blättern ist er ideal für Steingärten und als Begleiter dunkellaubiger Pflanzen.
  • Steppen-Beifuß (Artemisia ludoviciana): Ursprünglich aus Nordamerika stammend. Indianer nutzten ihn aufgrund seines intensiven Duftes für Zeremonien. In Europa wird er vor allem als Zierpflanze in mediterranen Gärten eingesetzt.

Neben diesen Beifuß-Arten gehören auch bekannte Kräuter wie Estragon (Artemisia dracunculus), Echter Wermut (Artemisia absinthium) und der Cola-Strauch (Artemisia abrotanum var. maritima) zur Gattung Artemisia.

Beifuß anpflanzen: Standort, Aussaat und Pflanzung

Beifuß ist relativ anspruchslos, bevorzugt aber einen sonnigen Standort mit gut durchlässigem und nährstoffreichem Boden. Schwere, tonige Böden sollten mit Sand und organischem Material wie Kompost verbessert werden, um die Durchlässigkeit zu erhöhen und Staunässe zu vermeiden. Für einen guten Start empfiehlt sich die Verwendung einer hochwertigen Pflanzerde, die den jungen Pflanzen optimale Bedingungen bietet.

Aussaat von Beifuß

Die Aussaat im Freiland erfolgt am besten ab Mai. Da Beifuß schnell wächst, reichen 2-3 Samen pro Pflanzstelle im Abstand von etwa 70 cm. Beifuß ist ein Lichtkeimer, daher sollten die Samen nur leicht mit Erde bedeckt werden. Nach einigen Wochen wird nur das stärkste Pflänzchen pro Stelle stehen gelassen.

Für eine Vorzucht auf der Fensterbank können die Samen bereits ab Anfang März in Anzuchttöpfen ausgesät werden. Bei einer Keimtemperatur von 18-23 °C zeigen sich die ersten Keimlinge nach etwa zwei Wochen. Ab Mitte Mai können die Jungpflanzen dann ins Freiland umgesetzt werden.

Beifuß Pflege: Gießen, Düngen und Schneiden

Ist Beifuß winterhart?

Die gute Nachricht für Gartenliebhaber: Mit Ausnahme des einjährigen Beifußes (Artemisia annua) sind die meisten Beifuß-Arten winterhart. Das bedeutet, dass sie auch kalte Winter im Freien überstehen können. Allerdings stirbt der oberirdische Teil der Pflanze im Winter ab. Im Spätherbst können Sie die oberirdischen Pflanzenteile zurückschneiden. Im Frühjahr treibt der Beifuß dann wieder aus dem Wurzelstock aus.

Ist Artemisia annua in der Schweiz verboten?
Wie bereits erwähnt, ist Artemisia annua nicht verboten.

Beifuß düngen und gießen

In der Regel benötigt Beifuß keine Düngung. Als Zeigerpflanze für stickstoffreiche Böden wächst er jedoch üppiger, wenn er ausreichend mit Stickstoff versorgt ist. Bei Bedarf kann ein stickstoffbetonter Bio-Dünger verwendet werden, um das Wachstum zu fördern.

Gegossen werden muss Beifuß nur in langen Trockenperioden. Er ist an trockene Standorte angepasst und kommt in der Regel gut ohne zusätzliche Wassergaben aus.

Beifuß in Schach halten

Um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, können die Blütenstände vor der Samenreife geerntet werden. So wird die Selbstaussaat des Beifußes reduziert.

Beifuß ernten und verwenden: Küche und Hausapotheke

Geerntet werden beim Beifuß meist die geschlossenen Blütenknospen zu Beginn der Blütezeit im Juni und Juli. Ältere Blüten und Blätter enthalten mehr Bitterstoffe und sind daher weniger aromatisch. Beifuß kann sowohl frisch als auch getrocknet verwendet werden. Zum Trocknen werden ganze Zweige mit Blüten geerntet und an einem warmen, luftigen Ort aufgehängt.

Verwendung in der Küche

Beifuß wird vor allem als Küchenkraut geschätzt. Er enthält ätherische Öle wie Kampfer, Cineol und Thujon, die keim- und pilzhemmend wirken. Zudem ist er reich an Bitterstoffen, die die Verdauung fördern. Daher wird Beifuß traditionell als Gewürz zu fetten Speisen wie Gänsebraten verwendet. Die jungen Blätter können auch als Salatbeilage oder die Blüten als Bestandteil von Kräutermischungen genutzt werden.

Verwendung als Heilkraut

Beifuß hat eine lange Tradition als Heilkraut. In der Volksmedizin wird er unter anderem bei Magenbeschwerden eingesetzt. Ein einfacher Beifußtee kann bei Verdauungsproblemen Linderung verschaffen. Dazu übergießt man einen Teelöffel getrockneten Beifuß mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn 1-2 Minuten ziehen.

Beifuß in der Geschichte und im Brauchtum

Schon in der Antike wurde Beifuß eine große Bedeutung als Heilkraut beigemessen. Sein lateinischer Name Artemisia leitet sich von Artemis ab, der griechischen Göttin der Jagd und Geburtshelferin. Die Kelten schrieben Beifuß magische Eigenschaften zu und nutzten ihn bei Sonnwendfeiern.

Sind Artemisia und Beifuß das Gleiche?
Der Gewöhnliche Beifuß ist eine Pflanzenart aus der Gattung Artemisia innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Ist Beifuß giftig? Vorsicht bei der Dosierung

In geringen Mengen ist Beifuß für die meisten Menschen ungiftig und kann sogar krampflösend und schmerzlindernd wirken. Allerdings enthält Beifuß das ätherische Öl Thujon, das in hoher Dosierung gesundheitsschädlich sein kann. Eine Überdosierung kann zu Erbrechen führen. Schwangere Frauen sollten vorsichtshalber auf die Verwendung von Beifuß verzichten. Auch Personen mit einer Allergie gegen Korbblütler können auf Beifuß allergisch reagieren. Für Tiere sind geringe Mengen Beifuß in der Regel unschädlich.

Artemisia annua in der Schweiz und der EU: Verboten oder reguliert?

Immer wieder kursieren Gerüchte, dass der einjährige Beifuß (Artemisia annua) verboten sei. Diese Annahme ist jedoch nicht korrekt. Artemisia annua ist nicht verboten, fällt aber in der Europäischen Union unter eine besondere Verordnung, die sogenannte Novel-Food-Verordnung.

Hintergrund der Novel-Food-Verordnung

Die EU hat Artemisia annua im November 2019 auf eine Liste von Produkten gesetzt, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verwendet wurden. Dies bedeutet, dass für Artemisia annua derzeit eine erneute Zulassung erforderlich ist. Dieser Zulassungsprozess ist aufwendig, langwierig und kostspielig.

Kein Verbot, aber Einschränkungen

Es handelt sich also nicht um ein Verbot im klassischen Sinne, sondern um eine regulatorische Hürde. Der Verkauf und die Verwendung von Artemisia annua sind unter bestimmten Bedingungen weiterhin möglich, werden aber durch die Novel-Food-Verordnung eingeschränkt. Die Situation ist komplex und von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Missverständnisse durch Medienberichte

Medienberichte über „Beifuß-Streit“ oder „Verbot von Artemisia annua“ haben in der Vergangenheit zu Missverständnissen geführt und den Eindruck erweckt, die Pflanze sei generell verboten. Diese Schlagzeilen verkürzten jedoch die komplexe Sachlage und stellten die Situation vereinfacht dar.

Artemisia annua: Eine Pflanze mit Potenzial

Trotz der regulatorischen Herausforderungen bleibt Artemisia annua eine Pflanze mit großem Potenzial. Ihre jahrtausendealte Tradition in der Volksmedizin und die wissenschaftliche Forschung zu ihren Inhaltsstoffen unterstreichen ihre Bedeutung. Auch wenn der Weg zur uneingeschränkten Verfügbarkeit noch steinig ist, bleibt Artemisia annua ein faszinierendes und wertvolles Gewächs.

Fazit: Beifuß – Ein Gewinn für jeden Garten

Beifuß ist eine vielseitige und pflegeleichte Pflanze, die sowohl im Garten als Zierpflanze als auch in der Küche und Hausapotheke ihren Platz findet. Die meisten Arten sind winterhart und überstehen problemlos kalte Winter. Mit der richtigen Pflege und Beachtung der Dosierung ist Beifuß eine Bereicherung für jeden Garten und bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Auch wenn der einjährige Beifuß (Artemisia annua) regulatorischen Einschränkungen unterliegt, bleibt er eine interessante Pflanze mit besonderem Potenzial.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Beifuß

Ist Beifuß winterhart?
Ja, die meisten Beifuß-Arten sind winterhart, mit Ausnahme des einjährigen Beifußes (Artemisia annua).
Ist Artemisia annua in der Schweiz verboten?
Nein, Artemisia annua ist weder in der Schweiz noch in der EU generell verboten, unterliegt aber regulatorischen Einschränkungen durch die Novel-Food-Verordnung.
Wie unterscheidet man Beifuß von Ambrosia?
Die Blätter der Beifuß-Ambrosie sind beidseitig grün, während die des Beifußes oft eine silbrige Unterseite haben.
Wie verwendet man Beifuß?
Beifuß wird als Gewürz in der Küche, insbesondere zu fetten Speisen, und als Heilkraut, beispielsweise als Tee bei Magenbeschwerden, verwendet.
Ist Beifuß giftig?
In hohen Dosen kann Beifuß aufgrund des enthaltenen Thujons gesundheitsschädlich sein. Schwangere Frauen sollten vorsichtshalber auf die Verwendung verzichten.

Go up